{"id":1462339,"date":"2021-11-02T10:24:45","date_gmt":"2021-11-02T10:24:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1462339"},"modified":"2021-11-16T14:09:16","modified_gmt":"2021-11-16T14:09:16","slug":"das-libyen-gaddafis-vom-aufstieg-1969-bis-zum-fall-2011-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2021\/11\/das-libyen-gaddafis-vom-aufstieg-1969-bis-zum-fall-2011-teil-1\/","title":{"rendered":"Das Libyen Gaddafis vom Aufstieg 1969 bis zum Fall 2011 \u2013 Teil 1"},"content":{"rendered":"<p><strong>Einige Jahrzehnte war der Name Libyen unausweichlich mit dem seines Anf\u00fchrer Muammar Gaddafi verbunden. Gest\u00fctzt auf die immensen \u00d6lvorkommen des Landes entwickelte das libysche Staatsoberhaupt eine vielgestaltige Einflussnahme auf die internationale Szene: Versuch des Zusammenschlusses mit einigen seiner arabischen Nachbarn, Unterst\u00fctzung diverser terroristischer Gruppen auf allen Kontinenten, Finanzierung zahlreicher Projekte in Afrika usw. Seine Beziehungen zum Westen waren wechselhaft aber oft auch angespannt, denn \u00fcber das Land war \u00fcber Jahrzehnte ein Embargo verh\u00e4ngt, bevor es schlie\u00dflich aufgehoben wurde.<\/strong><\/p>\n<p>Das libysche Regime st\u00fcrzte jedoch 2011, nachdem Gaddafi das Land 42 Jahre regiert hatte.<\/p>\n<p>Um diese bewegte Geschichte besser verstehen zu k\u00f6nnen, spricht Pressenza mit dem freien Journalisten Vincent Hugeux, einem bekannten Reporter, der von 1990 bis 2020 im internationalen Einsatz f\u00fcr die Zeitung L\u2019Express war, einem Afrikakenner und Autor einer Biographie des libyschen Machthabers, deren Taschenbuchausgabe im vergangenen M\u00e4rz bei Tempus\/Perrin erschienen ist.<\/p>\n<p><em>Interview mit Vincent Hugeux von Olivier Flumian<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Sie haben mehrere Reportagen \u00fcber Libyen und ein Buch \u00fcber den Anf\u00fchrer des Landes geschrieben. In welchen Verh\u00e4ltnissen fanden Sie das Land bei Ihrer ersten Begegnung vor und wie haben sie es dann kennen und verstehen gelernt? <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Aus meinem Willen heraus, \u201e\u00fcber den Tellerrand zu schauen\u201c sowie durch meine bevorzugten Bet\u00e4tigungsfelder Afrika und Naher Osten, zog es mich schon immer stark zu L\u00e4ndern hin, in denen ausl\u00e4ndische Journalisten nicht willkommen sind. Und auch zu Gesellschaften, in denen sich das Leben oder \u00dcberleben im Schatten eines autorit\u00e4ren oder sogar tyrannischen Regimes abspielt. Umso mehr, als die Macht in diesem Fall von einer au\u00dfergew\u00f6hnlichen Pers\u00f6nlichkeit mit romanesken bis hin zu exzessiven Z\u00fcgen ausge\u00fcbt wurde. Damit enthielt das Libyen unter Gaddafi alle Elemente dieser Ma\u00dfgabe. F\u00fcr den L\u2019Express habe ich etliche Reportagen \u00fcber dieses einmalige Land geliefert, und zwar vor, w\u00e4hrend und nach dem Fall des verstorbenen \u201eAnf\u00fchrers\u201c.<\/p>\n<p>F\u00fcr einen Journalisten, der nicht als \u201eFreund des Hauses\u201c galt, f\u00fchrte die Erteilung eines Visums zu einem Marathon mit unsicherem Ausgang. Zust\u00e4ndig f\u00fcr die Visa war das das Volksamt \u2013 so der Name der libyschen Botschaft in Paris, die von der Gro\u00dfen Sozialistischen Libysch-Arabische Volks-Dschamahirija \u2013 der offizielle Name Libyens unter Gaddafi \u2013 umbenannt worden war. Andererseits war es jedoch relativ einfach, die harte Nuss der Visaerteilung dann zu knacken, wenn internationale Konferenzen oder Gipfeltreffen der Afrikanischen Union stattfanden \u2013 entweder in der Hauptstadt Tripoli oder in Sirte, der Hochburg des \u201ehitzk\u00f6pfigen Generals\u201c \u2013 ein unverw\u00fcstliches journalistisches Klischee. Vor Ort dann beantragte ich dann mit unterschiedlichem Erfolg die Verl\u00e4ngerung meines urspr\u00fcnglichen Visums. In den Wirren der Niederschlagung des Aufstands von Bengasi, dem Schauplatz der libyschen Version des ber\u00fchmten \u201eArabischen Fr\u00fchlings\u201c, der sich eine Intervention durch das Staatentrio USA, Frankreich und Gro\u00dfbritannien anschloss, konnte man auf das libysche Staatsgebiet entweder \u00fcber \u00c4gypten oder Tunesien gelangen. Nebenbei gesagt konnte ich \u00fcber den Fall von Tripolis dank eines Passierscheins berichten, der mir von Seif al-Islam Gaddafi, dem j\u00fcngsten Sohn und mutma\u00dflichen Thronfolger des Machthabers ausgestellt wurde, und der mir 2004 in seiner luxuri\u00f6sen maurischen Bonbonniere von Haus am Rande der Hauptstadt eine lange Audienz gab. Und als es darum ging, die aufst\u00e4ndische Hafenstadt Misrata durch die Belagerung durch die \u201eregul\u00e4ren\u201c Truppen wieder auf Linie zu bringen, ging ich in Bengasi an Bord eines langsamen Frachters: 42 Stunden auf See \u2013 eine f\u00fcr jedes Jahr der Herrschaft Gaddafis \u2013 um sicher ans Ziel zu kommen. Um die regionalen Verh\u00e4ltnisse besser erfassen und tiefer ins Innere der \u201elibyschen Seele\u201c gelangen zu k\u00f6nnen, achtete ich darauf, meinem \u00fcblichen Vorgehen zu folgen: die Hauptstadt verlassen, den offiziellen \u201e\u00dcbersetzern\u201c entwischen, Wohnviertel aufzusuchen, die gew\u00f6hnlich \u00fcbersehen werden und das alles in Begleitung von Libyern, die ich w\u00e4hrend meiner Aufenthalte kennengelernt hatte und denen ich voll vertrauen konnte.<\/p>\n<p><strong><em>Muammar Gaddafi hat immer behauptet, in einem Beduinenzelt geboren worden zu sein. Wo lagen seine famili\u00e4ren und sozialen Wurzeln? <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Nach seiner offiziellen Darstellung sei er wohl sogar unter in einem Zelt aus Ziegenhaut zur Welt gekommen. Seine \u201eBeduinit\u00e4t\u201c ist unbestritten, ebenso wie die bescheidenen Verh\u00e4ltnisse, aus denen er stammt. Durch die Recherche und den Abgleich verschiedener Quellen \u2013 Archive, Zeugen, Familie \u2013 konnte ich feststellen, dass der kleine Muammar allem Anschein nach im Fr\u00fchjahr 1942 in einem Nomadenlager in der N\u00e4he der Oase von Wadi Jarif, etwa drei\u00dfig Kilometer s\u00fcdlich von Sirte geboren wurde. Selbst wenn \u00fcber seine Abstammung noch Zweifel bestehen, war sein Vater Mohammed Ahmed Abou Minyiar ein Hirte aus einem untergeordneten arabisch-berberischen Stamm, den Guedadfa. Seine Mutter hie\u00df Aicha Ben Niran. Die Eltern hatten drei T\u00f6chter. Muammar, der Sp\u00e4tgeborene, wird der einzige \u00fcberlebende m\u00e4nnliche Erbe sein. Drei \u00e4ltere Br\u00fcder verstarben nach Krankheit. Das Familienoberhaupt war auf der st\u00e4ndigen Suche nach Weidefl\u00e4chen monatelang abwesend und der \u00fcberlebende Junge wuchs in einem Frauenhaushalt auf \u2013 mit seiner Mutter, seinen drei \u00e4lteren Schwestern und einer Tante. Seine Kindheit war karg \u2013 er wachte \u00fcber eine kleine Ziegenherde und half bei Feldarbeiten. Sehr bald jedoch hob sich der junge Hirte von den anderen ab. Sein wacher Geist und seine Wissbegierde veranlassten seinen Vater, ihn einem Faqi, einem reisenden Religionslehrer anzuvertrauen und ihn dann auf eine Koranschule in Sirte zu schicken. Dort ern\u00e4hrte sich Muammar von getrockneten Datteln und schlief in einer Moschee. Er, der arme Beduine mit dem derben Dialekt litt nun unter der \u00dcberheblichkeit seiner Mitsch\u00fcler, die den Eliten aus der K\u00fcstenregion entstammten. Als Jugendlicher lebt er dann bei einem Onkel im weiter s\u00fcdlich gelegenen Sebha.<\/p>\n<p><strong><em>\u2013 geopolitische Situation des Landes dar?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Meditativ und tr\u00e4ge, mehr an seiner Lekt\u00fcre und an seiner j\u00e4hrlichen Thermalkur interessiert als an den Staatsangelegenheiten, erfuhr K\u00f6nig Idriss eine zunehmende Ablehnung durch sein Volk. Umso mehr, als er in den Augen der libyschen Patrioten als eine Marionette der Amerikaner und Briten galt. Diese verf\u00fcgten \u00fcbrigens im K\u00f6nigreich \u00fcber beeindruckende Milit\u00e4rst\u00fctzpunkte. Libyen war erst unter dem ottomanischen Joch und dann unter Mussolini geknechtet. Muammar Gaddafi ist erst einige Monate alt, als die zweite Schlacht von El-Alamein beginnt, in der sich zwei legend\u00e4re Strategen gegen\u00fcberstehen: der Brite Montgomery und der Deutsche Rommel. Seit einem Jahr teilen sich Paris und London das fr\u00fchere koloniale Juwel des italienischen K\u00f6nigs Victor-Emmanuel III. Er ist sieben Jahre alt, als die Generalversammlung der Vereinten Nationen eine Resolution verabschiedet, nach der der \u201evereinte, unabh\u00e4ngige und souver\u00e4ne\u201c Staat Libyen bis zum 1. Januar 1952 die Taufe seiner Unabh\u00e4ngigkeit erhalten muss. Die Lehrjahre des jungen Beduinen fanden also in einem versklavten Land statt, das in Einflussgebiete unterteilt war: die Briten um die Gegend um Tripolis und die Region Kyrenaika und die Franzosen das karge Fezzan \u2013 drei Mal so gro\u00df wie Frankreich und von kaum mehr als zwei Millionen Menschen bewohnt, gegen\u00fcber sechs Millionen heute. Mit seiner Entdeckung 1955 und seiner F\u00f6rderung ab 1959, katapultiert das Erscheinen von \u201eK\u00f6nig Erd\u00f6l\u201c, auf diesem Schauplatz Libyen in eine nie dagewesene Modernit\u00e4t. Jedoch profitiert dabei lediglich vor allem eine Klasse von Neureichen, w\u00e4hrend der \u00e4rmeren Bev\u00f6lkerung nichts davon zugutekommt. Und so kann Gaddafi, der seit 1963 die Milit\u00e4rakademie in Bengasi besucht und den \u00e4gyptischen Pr\u00e4sidenten Gamal Abdel Nasser verehrt, sechs Jahre sp\u00e4ter an der Spitze einer Gruppe von aufst\u00e4ndischen Unteroffizieren die Macht wie eine reife Frucht ernten. Niemand ist gewillt f\u00fcr einen Monarchen zu sterben, der im Moment der Machtergreifung auf einer Thermalkur zwischen Griechenland und der T\u00fcrkei weilt.<\/p>\n<p><strong>Muammar Gaddafi und eine Gruppe von Offizieren haben 1969 durch einen Staatsstreich die Macht \u00fcbernommen. In welchem Kontext fand dieser Staatsstreich statt? <\/strong><\/p>\n<p>Ein Souver\u00e4n, der kaum herrscht und regiert. Ein Hof voller Intriganten. Eine unrechtsm\u00e4\u00dfige Monarchie am Ende ihrer Macht. Westliche \u201ePaten\u201c, denen vor allem die Verhei\u00dfungen des schwarzen Goldes und der Erhalt ihres milit\u00e4rischen Einflusses am Herzen lagen. All das lief darauf hinaus, den Weg frei zu machen f\u00fcr eine Gruppe graduierter Nasseristen, deren Anf\u00fchrer eine begeisterte und charismatische Pers\u00f6nlichkeit war. Gaddafi hat systematisch sein Netz gespannt, das Land mit seinem VW K\u00e4fer bereist, hier die erloschene Glut neu entfacht, da Waffen- und Munitionslager angelegt. Nat\u00fcrlich blieben die Aktivit\u00e4ten dieser idealistischen Revolution\u00e4re den Geheimdiensten des K\u00f6nigreichs nicht verborgen. Doch nahm man sie nicht ernst genug, untersch\u00e4tzte sowohl ihre Entschlossenheit wie auch den Reifegrad ihres Projekts. Als sich die Vorkommnisse \u00fcberall im Land zu einem beunruhigenden Ganzen verbinden, ist es bereits zu sp\u00e4t. In zwei Anl\u00e4ufen fegt der Putsch die alte Ordnung in der Nacht vom 31. August zum 1. September 1969 ohne Blutvergie\u00dfen hinweg.<\/p>\n<p><strong><em>Gaddafi war f\u00fcr sein \u201eGr\u00fcnes Buch\u201c ber\u00fchmt, das die \u201eDritte Universaltheorie\u201c darstellte. Diese sollte den Gegensatz zwischen Kapitalismus und Kommunismus \u00fcberwinden. Wie war Gaddafis Blick auf die Welt?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Der Unteroffizier Muammar Gaddafi schien vor allem ein revolution\u00e4rer Nationalist zu sein, der von sozialistischen und panarabischen Idealen verf\u00fchrt worden war. Er eiferte ausdr\u00fccklich und mit gro\u00dfer Leidenschaft seinem Idol Nasser nach. Und dennoch \u2013 auch wenn sein dogmatischer Eifer die traditionellen Ulemas (islamische Rechtsgelehrte, a.d.\u00dc.) verletzte, verleugnete er doch niemals seine muslimische Identit\u00e4t. Sehr bald f\u00fchlte sich Gaddafi in seinem libyschen \u201eSandsack\u201c eingeengt. Sein Traum ist es, die Nationen der Umma zu gr\u00fcnden \u2013 eine arabische Gemeinschaft in einem Schmelztiegel und ihn ver\u00e4rgert die schwache Haltung seiner Amtskollegen, die sein bewusst aggressiver Aktivismus und sein Sarkasmus beunruhigt oder abst\u00f6\u00dft. In der Theorie zeigen seine politischen und gesellschaftlichen \u00dcberzeugungen ein machbares Modell auf allen Ebenen auf. Dort zeigt sich auch der \u201euniverselle\u201c Anspruch dieser \u201edritten Theorie\u201c, die tats\u00e4chlich zum Ziel hat, den vergeblichen Kampf zwischen dem Kapitalismus, dessen Fehler, imperialistische Ausw\u00fcchse und Ungerechtigkeiten er ablehnt und dem Marxismus, den er angesichts seiner materialistischen Ausrichtung und seiner Ablehnung von Religion missbilligt, zu \u00fcberwinden. Unter dieser Ma\u00dfgabe werden in seinen Augen die USA zum Hauptfeind. Und zwar so sehr, dass diese im Fr\u00fchjahr 1986 unter Ronald Reagan vergeblich versuchen, ihn zu liquidieren. Im Nachhinein erweist sich das Gr\u00fcne Buch, das auf drei schmale B\u00e4nde zusammengeschrumpft und auf der ganzen Welt auf Kolloquien und Konferenzen verbreitet wurde, als ein schlichtes, konfuses und hochtrabendes Brevier, das Binsenweisheiten, plakative Vorstellungen und verwirrende Verk\u00fcrzungen miteinander vermengt.<\/p>\n<p><strong>1977 f\u00fchrt Gaddafi ein neues Regime ein: \u201eDas Sozialistische Libysch-Arabische Volks-Dschamahirija\u201c. Welche Realit\u00e4t wurde mit diesem Begriff verdeckt?<\/strong><\/p>\n<p>Der Begriff Dschamahirija ist eine Wortsch\u00f6pfung, die die Definitionen von Republik (Jumhouria auf Arabisch) und Menschenmenge miteinander verkn\u00fcpft. Man kann es also als eine Republik der Massen oder einem Staat der Massen \u00fcbersetzen. Er st\u00fctzt sich auf einen dreifachen Verdruss: das schm\u00e4hliche Scheitern der Durchsetzung des Panarabismus durch den General; die Unf\u00e4higkeit der Arabischen Sozialistischen Union \u2013 der von ihm verehrten Partei, die in dem Bestreben, ihre Basis zu vergr\u00f6\u00dfern, von b\u00fcrokratischen Ausw\u00fcchsen gel\u00e4hmt ist und schlie\u00dflich der Zwist, der den Conseil de Commandement de la R\u00e9volution (CCR), dem exekutiven Kernst\u00fcck seines Regimes zu zerrei\u00dfen droht. Die Gr\u00fcndungsschrift der Dschamahirija beschreibt in wenigen Worten, dass auf allen Ebenen die Macht vom Volk ausgeht und zu ihm zur\u00fcckkehrt. Nebenbei stellt man fest, dass Gaddafi immer die Bezeichnung \u201ePr\u00e4sident\u201c oder \u201eStaatschef\u201c abgelehnt hat und stattdessen die Bezeichnung \u201eAnf\u00fchrer\u201c bevorzugt und dass er mehrfach seinen R\u00fcckzug in Szene gesetzt hat \u2013 so theatralisch wie auch fiktiv. Es entstanden also in einer Atmosph\u00e4re \u00e4hnlich der w\u00e4hrend der chinesischen Kulturrevolution, tausende \u201eVolkskomitees\u201c, die sich mit Eifer an S\u00e4uberungen und Vernichtung machten. Hinweg mit den \u201eAbweichlern\u201c und den \u201eKorrumpierten\u201c, den B\u00fcrgerlichen, pro-westlichen Agenten, Islamisten der Glaubensgemeinschaft der Moslembr\u00fcder, Marxisten\u2026 Die Regierung? Aufgel\u00f6st. Die Minister? Ersetzt durch \u201eKommissare\u201c. Die Botschaften? Bekannterma\u00dfen in \u201eVolks\u00e4mter\u201c umgewandelt.<\/p>\n<p>Im Laufe der Jahre zerbr\u00f6ckelt das System und es ist zu erkennen, was es wirklich ist: Zahllose leere H\u00fclsen. Ich erinnere mich an die Verwirrung, die ich Ende der 90er Jahre hervorrief, als ich w\u00e4hrend einer Reportage gefragt habe, ob ich an einer Arbeitssitzung einer \u201eVolksversammlung\u201c teilnehmen d\u00fcrfte, die offenbar eines der Viertel von Tripoli regierte. Und das zu Recht, denn die besagte Versammlung war schon seit ewigen Zeiten nicht mehr zusammengekommen. Faktisch hat Gaddafi die F\u00fchrung niemals aus der Hand gegeben. Er gab vor, nichts mit den t\u00e4glichen Aufgaben zu tun haben zu wollen, die er an seine Untergebenen delegiert hatte, behielt jedoch \u00fcber alles die Entscheidungsgewalt.<\/p>\n<p class=\"entry-title\"><a href=\"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2021\/11\/das-libyen-gaddafis-vom-aufstieg-1969-bis-zum-fall-2011-teil-2\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Das Libyen Gaddafis vom Aufstieg 1969 bis zum Fall 2011 \u2013 Teil 2<\/a><\/p>\n<p><em><strong>Die \u00dcbersetzung aus dem Franz\u00f6sischen wurde von Silvia Sander vom ehrenamtlichen Pressenza-\u00dcbersetzungsteam erstellt.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/mitarbeiten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wir suchen Freiwillige!<\/a><\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einige Jahrzehnte war der Name Libyen unausweichlich mit dem seines Anf\u00fchrer Muammar Gaddafi verbunden. 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