{"id":1457699,"date":"2021-10-25T14:01:50","date_gmt":"2021-10-25T13:01:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1457699"},"modified":"2023-08-21T19:51:59","modified_gmt":"2023-08-21T18:51:59","slug":"hab-ehrfurcht-vor-dem-leben-interview-mit-dem-oekozentriker-fred-hageneder-ueber-klimazerruettung-artensterben-und-unsere-zukunft-auf-der-erde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2021\/10\/hab-ehrfurcht-vor-dem-leben-interview-mit-dem-oekozentriker-fred-hageneder-ueber-klimazerruettung-artensterben-und-unsere-zukunft-auf-der-erde\/","title":{"rendered":"\u201cHab Ehrfurcht vor dem Leben\u201d \u2013 Interview mit dem \u00d6kozentriker Fred Hageneder \u00fcber Klimazerr\u00fcttung, Artensterben und unsere Zukunft auf der Erde"},"content":{"rendered":"<p>Hitzewellen, D\u00fcrren, Flut- als auch Feuerkatastrophen nehmen stetig zu, der IPCC und die UN schlagen Alarm. K\u00fcrzlich attestierte sogar ein <a href=\"https:\/\/www.commondreams.org\/news\/2021\/08\/25\/atmospheric-co2-levels-havent-been-high-800000-years-noaa\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bericht<\/a> der National Oceanic and Atmospheric Administration NOAA (Wetter- und Ozeanografiebeh\u00f6rde der Vereinigten Staaten) der Welt Negativrekorde in weiten Bereichen: Noch nie war die Konzentration von Treibhausgasen so hoch und der Anstieg des Meeresspiegels sowie der Temperaturen so enorm wie in den letzten Jahren.<\/p>\n<p>Doch wie h\u00e4ngt das alles wirklich zusammen, sind es tats\u00e4chlich unsere Autofahrten und Flugreisen, die angeblich an allem schuld seien, oder gibt es da noch mehr Faktoren, von denen vielleicht immer noch nicht gen\u00fcgend gesprochen wird? Was ist zum Beispiel mit der Agrarindustrie und ihrem steigenden Pestizideinsatz oder den globalisierten Handelsstr\u00f6men? Inwieweit tr\u00e4gt unser eigener Konsum tats\u00e4chlich zu all dem bei? Und vor allem: Ist das unser Schicksal als Menschheit, ist es schon zu sp\u00e4t oder k\u00f6nnen wir die katastrophale Zukunft, die uns die Wissenschaft prognostiziert, noch abwenden und falls ja, wie?<\/p>\n<p>Diese und andere Fragen stellen wir Fred Hageneder, Ethnobotaniker, Naturforscher und -aktivist sowie Autor des neuen Buches <a href=\"https:\/\/nur-die-eine-erde.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>\u201cNur die eine Erde \u2013 Globaler Zusammenbruch oder globale Heilung \u2013 unsere Wahl\u201c<\/strong><\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fred, du hast die letzten drei Jahre damit verbracht, in akribischer Kleinarbeit alle neuesten Entwicklungen, wissenschaftliche Berichte und Fachartikel zum Zustand unseres Heimatplaneten zu recherchieren und in deinem neuen Buch zu verarbeiten. Wie lautet deine Prognose f\u00fcr die Zukunft?<\/strong><\/p>\n<p>Die Lage ist sehr, sehr ernst, Punkt. Aber noch ist es m\u00f6glich, eine lebenswerte Zukunft f\u00fcr alle Erdenbewohner zu erreichen \u2013 und mit \u201calle Erdenbewohner\u201d meine ich nicht nur die menschliche Spezies, sondern alle Arten, die zur Biodiversit\u00e4t dieses einzigartigen Planeten beitragen. Ich denke \u2013 \u00fcbrigens wie viele andere im Bereich der \u00d6kologie \u2013, dass die 2020er Jahre das alles entscheidende Jahrzehnt f\u00fcr die Zukunft der Menschheit und des Planeten sein werden.<\/p>\n<p>Und daf\u00fcr sind wir jetzt alle gefragt! Es gibt kein Verstecken hinter dem Sofa mehr. Wir m\u00fcssen jetzt alle unser R\u00fcckgrat finden, uns entscheiden, ob wir f\u00fcr einen gesunden, lebendigen Planeten \u2013 also das Leben selbst \u2013 einstehen, und diese unsere Wahrheit dann auch aussprechen und verteidigen. Charles Eisenstein hat dazu j\u00fcngst ein wunderbares Pl\u00e4doyer ver\u00f6ffentlicht: <a href=\"https:\/\/charleseisenstein.substack.com\/p\/the-rehearsal-is-over\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">The rehearsal is over<\/a> (\u201cDas Proben ist vorbei\u201d).<\/p>\n<p><strong>Im Buch benennst du drei gro\u00dfe Hauptprobleme, denen sich die Menschheit gegen\u00fcber sieht: neben der Klimazerr\u00fcttung sind das auch das Massenaussterben der Arten und die weltweite Kontamination durch Mikro- und Nanoplastik. Zun\u00e4chst zum Artensterben: Haben einzelne Arten wirklich eine so gro\u00dfe Bedeutung f\u00fcr das ganze, das \u00d6kosystem, oder gar die \u00d6kosph\u00e4re? In den Medien h\u00f6rt man ja dar\u00fcber eher weniger&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>In der Tat verbreiten die Leitmedien leichtfertig den Eindruck, dass die Klimakrise das gr\u00f6\u00dfte oder gar einzige \u00f6kologische Problem sei. Dabei haben der Biodiversit\u00e4tsverlust, die Plastikkontamination, aber auch die Verschwendung und Verseuchung von Trinkwasser sowie die Bodendegradation durch industrielle Landwirtschaft alle das Potential, der Menschheit noch vor dem Ende dieses Jahrhunderts den Garaus zu machen. Lange bevor die oft beschworenen steigenden Meeresspiegel f\u00fcr alle Nationen zu einem Kernproblem w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Zuerst einmal: Artenvielfalt ist nicht gleich Biodiversit\u00e4t. Der letztere Begriff ist leider lang und eher abstrakt, ist aber der umfassendere Begriff. Biodiversit\u00e4t bedeutet Vielfalt auf drei Ebenen: nicht nur der Arten, sondern auch der genetischen Vielfalt innerhalb von Arten sowie der \u00f6kologischen Vielfalt von Lebensr\u00e4umen. Dazu kommt, dass auch eine einzige \u201cArt\u201d in sich schon reicher ist, als die meisten Menschen ahnen, denn eine Art setzt sich zusammen aus Unterarten, Variet\u00e4ten und lokalen einzigartigen Populationen. Man denke z.B. an \u00c4pfel: Der Kulturapfel (<em>Malus domestica<\/em>) als Art ist alles andere als ausgestorben, aber vorbei sind die Tage, als es buchst\u00e4blich Hunderte von Apfelsorten gab, mit einem weiten Spektrum zwischen s\u00fc\u00df, sauer und astringent, und mit Myriaden von Aromen! Heute darf der Konsument zwischen Golden Delicious, Granny Smith, Cox und Gala w\u00e4hlen, das war\u2019s dann. Nur wenige Sorten erf\u00fcllen die kommerziellen Bedingungen der globalisierten Nahrungsmittelindustrie; Mensch und Biodiversit\u00e4t haben das Nachsehen.<\/p>\n<p>Jede einzelne Tier-, Vogel-, Insekten- oder Fischart z\u00e4hlt, denn <em>Vielfalt ist ein unverzichtbarer Bestandteil des Lebens auf der Erde<\/em>. Planet (und Klima) brauchen eine Vielfalt von Landschaftsarten, \u00d6kosysteme brauchen Artenvielfalt und Arten brauchen genetische Vielfalt, die ihnen Widerstandsf\u00e4higkeit gegen Umwelteinfl\u00fcsse verleiht.<\/p>\n<p>Zur Rolle einzelner Arten m\u00f6chte ich eines meiner Lieblingsbeispiele anf\u00fchren, den Seeotter. Seegraswiesen und Tangw\u00e4lder geh\u00f6ren zu den wichtigsten \u00d6kosystemen im Meer, aber auch sie befinden sich im Niedergang. Doch sie erholen sich an jenen K\u00fcsten, an denen sich wieder Seeotter ausbreiten. Warum? Die Seeotter fressen Krabben, die sonst zu sehr die Meeresschnecken dezimieren, die wiederum von gewissen Algenarten leben, die auf dem Seegras wuchern und es ersticken. So halten die Seeotter die Seegrasbest\u00e4nde gesund, und auf \u00e4hnliche Weise auch die Tangw\u00e4lder. \u00c4hnliches kann man auch \u00fcber andere J\u00e4ger und Beutegreifer am oberen Ende der Nahrungsketten sagen, z.B. Haie. Oder an Land W\u00f6lfe, F\u00fcchse, Gro\u00dfkatzen, die f\u00fcr gesunde Waldlandschaften sorgen, indem sie pflanzensch\u00e4digende Huf- und Nagetiere im Zaum halten.<\/p>\n<p>Aber das Massenaussterben hat noch zwei weitere, schreckliche Aspekte. Zum einen geht es in der \u00d6kosph\u00e4re nicht nur um Vielfalt, sondern ganz einfach auch um Menge, um Populationsgr\u00f6\u00dfen. Auch die Masse bringt\u2019s! Berichte aus dem 19. und 20. Jahrhundert bezeugen z.B. Vogel- und auch Fischw\u00e4rme, die mehrere Kilometer breit und noch viel l\u00e4nger waren! <em>Eine unglaubliche F\u00fclle machte die lebendige Erde aus<\/em>. Das alles hat der Mensch weitgehend vernichtet. Auf das reine Lebendgewicht beziehen sich die heutigen Schreckensmeldungen, dass \u2013 je nach Tiergruppe \u2013 seit 1970 die H\u00e4lfte oder gar 80 Prozent verlorengegangen sind. Um das etwas verst\u00e4ndlicher zu machen, habe ich diesen Sommer, als sich die Welt\u00f6ffentlichkeit wieder einmal gern von einem Gro\u00dfereignis ablenken lie\u00df, die wissenschaftlichen Daten zum Massenaussterben mit den olympischen Ringen verschmolzen:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1458272 size-full\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Fred-Hageneder-Interview-Olympiade-Massenaussterben-Abbildung-1_cropped.jpg\" alt=\"\" width=\"1695\" height=\"1056\" srcset=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Fred-Hageneder-Interview-Olympiade-Massenaussterben-Abbildung-1_cropped.jpg 1695w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Fred-Hageneder-Interview-Olympiade-Massenaussterben-Abbildung-1_cropped-300x187.jpg 300w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Fred-Hageneder-Interview-Olympiade-Massenaussterben-Abbildung-1_cropped-820x511.jpg 820w\" sizes=\"auto, (max-width: 1695px) 100vw, 1695px\" \/><\/p>\n<p>Die lebendige Welt verschwindet! Das Gewebe des Lebens wird unter unseren F\u00fc\u00dfen weggezogen \u2013 was gibt unserer Existenz dann noch Halt? Und da auch die Gesundheit des Menschen abh\u00e4ngt von der Gesundheit der \u00d6kosph\u00e4re brauchen wir uns nicht wundern, wenn es mit beiden parallel bergab geht.<\/p>\n<p>Der andere Punkt ist der, dass das heutige, durch den Menschen verursachte Massenaussterben etwa eintausendmal schneller vor sich geht als das nat\u00fcrliche Hintergrundsterben in der Naturgeschichte des Lebens. Das Leben des Planeten blutet aus, so rasant wie nie zuvor.<\/p>\n<p>Und ein weiterer gravierender Unterschied dabei ist, dass beim nat\u00fcrlichen Hintergrundsterben Arten zwar verschwinden, aber zumeist, indem sie langsam in neue Arten \u00fcbergehen (Evolution). Die \u00fcber lange Zeitr\u00e4ume angesammelte Erfahrung, die erworbene Adaptivit\u00e4t werden dabei an neue Lebensformen weitergegeben. Beim einem Massenaussterben hingegen enden die Linien abrupt und die erworbene genetische Komplexit\u00e4t jeder betroffenen Art, Unterart und Population ist f\u00fcr immer verloren.<\/p>\n<p><strong>Wenn man das Kapitel zur Plastikverschmutzung in deinem Buch liest, kann einem ganz anders werden. Es scheint, dass obwohl diese winzig kleinen Partikel inzwischen schon \u00fcberall sind, in den Tiefen der Meere, in allen m\u00f6glichen Organismen, sogar in unseren K\u00f6rpern, die Wissenschaft trotzdem noch hinterherhinkt und weder exakte Messungen noch Wissen um die Langzeitwirkungen liefern kann. Woher kommt dieses Problem haupts\u00e4chlich und wie ist der aktuelle Wissensstand?<\/strong><\/p>\n<p>Das Problem liegt nat\u00fcrlich in der industriellen Produktion gigantischer Mengen von Plastik. \u00dcbrigens auch ein Ableger der \u00d6lindustrie. Und die Produktion spiegelt den Verbrauch in den Konsumgesellschaften. Zugegeben: Ein Material, dass mehr oder weniger wasserdicht und geruchsversiegelnd, dazu hart und sch\u00fctzend aber gleichzeitig biegsam ist, und das zudem noch \u201chygienisch\u201d (da leicht abwischbar) erscheint, ist doch eine geniale Sache! Wenn die Menschen einige hochqualitative Plastikartikel tats\u00e4chlich so lange benutzen und vererben w\u00fcrden wie beispielsweise Holzm\u00f6bel oder Schmuck, w\u00fcrde das vielleicht sogar eine Produktion im kleinen Ma\u00dfstab rechtfertigen. Stattdessen handelt es sich meist um Einwegartikel wie Plastikflaschen, die dann bis zu vierhundert Jahre oder mehr brauchen, bis sie in der Natur \u201cabgebaut\u201d sind. Und mit dem \u201cAbbau\u201d gehen die Probleme erst richtig los, denn je kleiner die Kunststoffteilchen sind, umso verst\u00e4rkter gelangen sie \u00fcberall hin: in die Nahrungsketten, in die Zellen, sogar in die Zellkerne und DNA. Eine einfache Plastikflasche ist zudem nicht einfach \u201caus Plastik\u201d, sondern enth\u00e4lt bis zu 2.000 verschiedene Kunststoffe. Das ist doch Overkill, nat\u00fcrlich findet sich da keine einfache Recyclingformel! Schon die Produktion muss sich also grundlegend \u00e4ndern.<\/p>\n<p><em>Wir atmen, essen und trinken Nanoplastik-Teilchen<\/em>. Sie l\u00f6sen sich aus allen Plastikprodukten, schon w\u00e4hrend ihrer Benutzungsphase. Die gr\u00f6\u00dften Quellen der Kunststoffdurchseuchung unserer K\u00f6rper sind jedoch synthetische Teppiche und Kleidungsst\u00fccke (deren Fasern werden entweder im Haus von uns eingeatmet oder gelangen aus der Waschmaschine in die Wasserwege) sowie der Reifenabrieb aus dem Stra\u00dfenverkehr. Der synthetische Feinstaub aus den Reifen verteilt sich mit Wind und auch durch das Regenwasser \u00fcber die Landschaft und letztendlich den ganzen Planeten.<\/p>\n<p>Medizinische Studien zur Auswirkung von Nanoplastikteilchen auf den Organismus habe ich bisher immer noch keine gefunden, obwohl das Problem ja nun auch schon seit mindestens 20 Jahren bekannt ist. Ich habe aber bei mir selbst einen Bluttest machen lassen, der die mitochondriale DNA der Leukozyten auf Kontaminierung mit Nano-Fremdstoffen untersucht. Das Ergebnis: u.a. findet sich 6,7 ng\/ml PBB (polybromiertes Biphenyl) an meine DNA angedockt. PBBs werden als Flammschutzmittel sowie als Weichmacher in Kunststoffen eingesetzt. Weichmacher l\u00f6sen sich aus Plastiktrinkflaschen, aber v.a. durch fetthaltige Lebensmittel, die in Plastikcontainern aufbewahrt werden. Obwohl ich seit den 1980ern darauf achte, m\u00f6glichst wenig fetthaltige Nahrungsmittel (z.B. K\u00e4se) in Plastik eingeschwei\u00dft zu kaufen, zeigt sich dieser Wert. Ohne meine Vorsicht w\u00e4re er wohl viel h\u00f6her. Dass PBBs in der EU seit 2003 gar nicht mehr verwendet werden, bezeugt, dass sie tats\u00e4chlich biologisch kaum abbaubar sind. Dazu kommen \u2013 bei uns allen! \u2013 Dutzende weitere Kunststoffe sowie Schwermetallmolek\u00fcle, die unsere DNA verkleben. (Es lagern sich eben nicht alle Giftstoffe einfach nur im Fettgewebe ab, wie Mediziner in den Massenmedien uns mitunter Glauben machen.)<\/p>\n<p>Solche Verunreinigungen \u2013 ich stelle mir das vor wie die mikroskopische Version eines Kaugummis, den jemand auf meinen USB-Port geklebt hat \u2013 halten die DNA nat\u00fcrlich davon ab, ihre nat\u00fcrlichen Aufgaben zu erf\u00fcllen. Jede Andockstelle, die durch Umweltgifte besetzt ist, kann durch die k\u00f6rpereigenen RNA-Molek\u00fcle nicht benutzt werden, die den DNA-Zugang aber brauchen, um eine gesunde Eiwei\u00dfsynthese aufrechtzuerhalten. Im Falle der Leukozyten schw\u00e4cht das das Immunsystem.<\/p>\n<p>Anzustreben ist 1. ein starker R\u00fcckgang des Kunststoffverbrauchs (entgegen dem quasireligi\u00f6sen Gebot des immerw\u00e4hrenden Wirtschaftswachstums) und 2. der Ersatz der g\u00e4ngigen Kunststoffarten durch wirklich biologisch abbaubare Materialien, z.B. aus Cellulose. Alle Materialien f\u00fcr Gebrauchsgegenst\u00e4nde, Kleidung, Auslegeware und Reifen M\u00dcSSEN biologisch und planetarisch <em>langfristig vertr\u00e4glich<\/em> werden (ich vermeide hier absichtlich den schwammigen Begriff \u201cnachhaltig\u201d).<\/p>\n<p><strong>Du verwendest im Buch bewusst den Begriff \u201cKlimazerr\u00fcttung\u201c und kritisierst \u201cKlimawandel\u201c als zu sanft. Suchst du nach einem angemesseneren Ausdruck f\u00fcr das Ausma\u00df der Zerst\u00f6rung?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, genau. Der im deutschen Sprachraum immer noch bevorzugte Begriff \u201cKlimawandel\u201d dient v.a. der unterbewussten Beruhigung. Ich bin \u00fcberzeugt, dass seine Erfindung und Verbreitung von Lobbyisten der Mineral\u00f6lbranche forciert wurde. Der international g\u00e4ngige Begriff <em>climate change<\/em> bedeutet einfach \u201cKlimaver\u00e4nderung\u201d, das ist wenigstens neutral und nicht sch\u00f6nf\u00e4rberisch.<\/p>\n<p>Wissenschaftler w\u00e4hlen diesen Begriff (<em>climate change<\/em>) seit Jahrzehnten immer wieder, um neutral zu bleiben \u2013 das ist ja auch ihr Job. Aber wenn wir heutzutage dieses Thema in allgemeinen Medien aufgreifen, sollten wir Begriffe w\u00e4hlen, die der Lage auch gerecht werden, inklusive ihrer sozialen und humanen Implikationen. Klimawissenschaft ist ja l\u00e4ngst keine Theorie mehr, die sich in Computermodellen ersch\u00f6pft \u2013 wie ihr bis 2012 oft vorgeworfen wurde. <em>Die Klimakrise ist l\u00e4ngst Realit\u00e4t<\/em>: Das Schmelzen der Eiskappen und der Gletscher, die Erw\u00e4rmung der Meere, die Verst\u00e4rkung von D\u00fcrren und Hitzewellen, und nicht zuletzt die enorm ansteigende Frequenz und Vehemenz gro\u00dffl\u00e4chiger Feuerkatastrophen sch\u00fcttelt ja langsam auch die letzten Skeptiker wach. Es <em>gibt bereits<\/em> Millionen von Klimafl\u00fcchtlingen. Wir k\u00f6nnen Menschen, die alles verloren haben, nicht sagen, sie seien nun mal vom \u201cWandel\u201d ereilt worden! Nein, es geht um die \u2013 menschengemachte \u2013 <em>Zerr\u00fcttung<\/em> des Weltklimas, der <em>Zerst\u00f6rung<\/em> lokaler Lebensbedingungen.<\/p>\n<p><strong>Bei einigen Zahlen, die so in den Medien herumschwirren, scheint es Fragezeichen zu geben. So wird ja oft von den 14% Anteil gesprochen, die die industrielle Landwirtschaft an der Klimakrise haben soll. Doch mehrere Studien und Berichte beziffern diesen Anteil als viel h\u00f6her. Ist das so, oder wo bleiben die im allgemeinen Diskurs verwendeten Zahlen noch unter dem tats\u00e4chlichen Niveau?<\/strong><\/p>\n<p>Dazu m\u00f6chte ich eine ganz fundamentale Aussage aus meinem Buch zitieren: \u201c53 Prozent der europ\u00e4ischen Landnutzung werden praktisch importiert, haupts\u00e4chlich aus Brasilien, Russland und China.\u201d In anderen Worten: Nicht einmal die H\u00e4lfte der gesamten land- und forstwirtschaftlichen Produktion, die Europa konsumiert (oder exportiert), wird auf Fl\u00e4chen innerhalb Europas erzeugt. Dies ist ein klassisches Beispiel daf\u00fcr, wie eine menschliche Population \u2013 eben die Bev\u00f6lkerung Europas \u2013 die <strong>\u00f6kologische Tragf\u00e4higkeit<\/strong> ihrer Heimatregion \u00fcberschreitet. Das ist<em> Overshoot<\/em>. Europa ist \u00fcberbev\u00f6lkert, zumindest, wenn wir die g\u00e4ngigen Lebensstandards voraussetzen \u2013 w\u00fcrden wir unsere Bed\u00fcrfnisse dagegen auf den durchschnittlichen Lebensstandard Indiens oder Chinas zur\u00fcckschrauben, w\u00fcrde es auch ohne diese gigantischen Importe gehen k\u00f6nnen. Aber mit Saus und Braus ist das nicht vereinbar. Status ist: <em>Wir<\/em> \u2013 hier im reichen Europa, in Nordamerika und Australien \u2013 konsumieren die Welt, wir saugen die Arbeitskraft aus den \u00e4rmeren V\u00f6lkern und die Lebenskraft aus der gesamten lebendigen Welt. Und ein immer gr\u00f6\u00dfer werdender Teil dieser Lebenskraft endet schlie\u00dflich im Cyberspace der Offshore-Bankkonten der Milliard\u00e4re, auf die wir einfachen Konsumenten auch keinen Einfluss mehr haben. Darum muss ein \u201cgr\u00fcne Revolution\u201d auch eine soziale sein.<\/p>\n<p>Solange europ\u00e4ische Regierungen also verschweigen, dass \u00fcber die H\u00e4lfte der europ\u00e4ischen Lebens- und Wirtschaftskraft importiert wird, k\u00f6nnen sie davon sprechen, dass der Agrarsektor nur etwa 14 Prozent der Treibhausgase ausmachen w\u00fcrde, der Verkehr aber deutlich mehr. Wenn wir jedoch die Landzerst\u00f6rung, die wir heimlich importieren, mitberechnen \u2013 also die Zerst\u00f6rung des Amazonas-Regenwalds f\u00fcr Sojafuttermittel und Rindfleisch, die Zerst\u00f6rung der indonesischen Regenw\u00e4lder f\u00fcr Palm\u00f6l, usw. \u2013 kehren sich die Verh\u00e4ltnisse um. Weltweit kommen etwa 14,2 Prozent der Treibhausgasemissionen allein aus der Viehwirtschaft, die Autos und Transporter der Welt tragen dagegen \u201cnur\u201d 8 Prozent bei. Insgesamt stellt die industrielle Landwirtschaft den zweitgr\u00f6\u00dften Treiber nicht nur der Klimazerr\u00fcttung sondern der Zerst\u00f6rung der gesamten \u00d6kosph\u00e4re dieses Planeten dar. (Der gr\u00f6\u00dfte Treiber ist der weltweite Raubbau von \u201cRohstoffen\u201d wie fossilen Brennstoffen, Mineralien, seltenen Erden).<\/p>\n<p>Diese selbstgef\u00e4llige Augenwischerei des industrialisierten globalen Nordens geschieht \u00fcbrigens auch in den anderen Sektoren der Wirtschaft. Die f\u00fcr das Klima und die \u00d6kosph\u00e4re sch\u00e4dlichsten Industrien hat man l\u00e4ngst nach China und in den globalen S\u00fcden ausgelagert. Dort treiben sie die Klimabilanz anderer L\u00e4nder in die H\u00f6he, aber nicht unsere. Sogar die USA sind da noch ehrlicher als die EU, denn sie haben mehr Land, mehr Agrarfl\u00e4chen, und auch mehr Industrieanlagen (wie z.B. die Raffinerien in Texas). Die Raffinerien f\u00fcr europ\u00e4ische Motorenbrennstoffe dagegen stehen in Russland, dem Nahen Osten oder Afrika. Auch unser Plastik- und Elektrom\u00fcll findet sich zum gro\u00dfen Teil in Asien oder Afrika wieder, wo er verbrannt oder einfach auf M\u00fcllkippen geworfen wird.<\/p>\n<p>Die tats\u00e4chlichen Verh\u00e4ltnisse finden sich nirgends besser illustriert als in einer der genialen Weltkarten des Geographen Benjamin Hennig, siehe Abbildung 2 (Quelle: Benjamin Hennig, <a href=\"http:\/\/www.viewsoftheworld.net\/?p=680\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.viewsoftheworld.net\/?p=680<\/a>).<\/p>\n<div id=\"attachment_1457722\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1457722\" class=\"wp-image-1457722 size-full\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Fred-Hageneder-Interview-Karte-Co2-Benjamin-Henning-Abbildung-2.png\" alt=\"\" width=\"1786\" height=\"890\" srcset=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Fred-Hageneder-Interview-Karte-Co2-Benjamin-Henning-Abbildung-2.png 1786w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Fred-Hageneder-Interview-Karte-Co2-Benjamin-Henning-Abbildung-2-300x149.png 300w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Fred-Hageneder-Interview-Karte-Co2-Benjamin-Henning-Abbildung-2-820x409.png 820w\" sizes=\"auto, (max-width: 1786px) 100vw, 1786px\" \/><p id=\"caption-attachment-1457722\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 2: Die L\u00e4nder der Welt, optisch verzerrt gem\u00e4\u00df ihrer Verantwortung f\u00fcr ihre versteckten CO2-Emissionen. Die Gr\u00f6\u00dfe der jeweiligen Landesfl\u00e4che zeigt den Gesamtanteil an den globalen Emissionen, die Farbe die H\u00f6he des Pro-Kopf-Verbrauchs, also die H\u00f6he des verschwenderischen Lebensstandards. Wenn man beides zusammennimmt sind die Hauptverantwortlichen die USA, Deutschland und Gro\u00dfbritannien.<\/p><\/div>\n<p>Diese Karte bezieht sich wohlgemerkt NUR auf den CO2-Aussto\u00df. W\u00fcrde sie alle <a href=\"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2021\/08\/alarmstufe-rot-endlich-aufwachen-und-mit-echtem-klimaschutz-beginnen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">klimaaktiven Gase<\/a> ber\u00fccksichtigen, w\u00e4ren die Unterschiede noch extremer.<\/p>\n<p><strong>Im Buch sind auch viele anschauliche Graphiken enthalten. Eine davon zeigt den Jetstream. Was ist der Unterschied zum Golfstrom und welche Bedeutung haben beide f\u00fcr das Klima auf der Erde bzw. was passiert, wenn sie kippen?<\/strong><\/p>\n<p>Der Golfstrom ist eine Meeresstr\u00f6mung, der Jetstream eine atmosph\u00e4rische. Beide bedingen ein stabiles und angenehm warmes Klima in Europa, haben aber auch f\u00fcr andere Weltregionen enorme Auswirkungen auf Klima und Wetter.<\/p>\n<p>Der Golfstrom wurde einst nach dem Golf von Mexiko benannt, verbindet aber beide Teile des Atlantik (Nord und S\u00fcd). Er wird nun durch die Klimazerr\u00fcttung schw\u00e4cher, weil durch das Schmelzen nordpolarer Eismassen der Nordatlantik w\u00e4rmer und weniger salzhaltig wird, was die physikalische Zugkraft f\u00fcr die Wasserstr\u00f6mung aus dem S\u00fcden verringert. Die Schw\u00e4chung des Golfstromes <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/274407254_Exceptional_twentieth-Century_slowdown_in_Atlantic_Ocean_overturning_circulation\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">schreitet voran<\/a> und bringt immer weniger W\u00e4rme nach Europa \u2013 dadurch kommt es tats\u00e4chlich zu einer Verringerung der Temperaturen, was der globalen Tendenz der Erw\u00e4rmung ja entgegensteht (und zweifellos vielen \u201cKlimazweiflern\u201d wieder R\u00fcckenwind geben wird).<\/p>\n<p>Der nordpolare Jetstream ist ein Starkwindband in einer H\u00f6he von 8 \u2013 12 km u\u0308ber dem Meeresspiegel, das sich um die ganze Nordhalbkugel zieht. Es ist normalerweise einige hundert Kilometer breit und entsteht durch die Dynamik der Begegnung der Kaltluftfront der Polarzone und der Warmluft der s\u00fcdlichen Breiten. Unabh\u00e4ngig von der hohen Geschwindigkeit der eigentlichen Winde driftet das gesamte System langsam ostw\u00e4rts. Und wichtig: Die Hoch- und Tiefdruckgebiete driften mit. All dies ist Teil einer gesunden Klimastruktur auf einem gesunden Planeten.<\/p>\n<p>Durch die globale Erw\u00e4rmung wird nun auch der Jetstream schw\u00e4cher, denn die Temperaturunterschiede verringern sich durch die Aufheizung der Polarzonen. Dadurch kommt es zu immer mehr Extremwetterlagen wie flutartigen Regenf\u00e4llen oder D\u00fcrren. Und weil auch die Ostdrift schw\u00e4cher wird oder mitunter bereits wochenlang ganz zum Stillstand kommt, h\u00e4ngen auch die Extremwetterlagen lange an denselben Orten fest. Des weiteren weisen auch h\u00e4ufiger werdende absurde Nachrichten wie eine gleichzeitige Hitzewelle in Skandinavien und Schnee auf den kanarischen Inseln (so geschehen im Sommer 2020) eindeutig auf die Zerr\u00fcttung des Jetstreams.<\/p>\n<p>Sowohl der Golfstrom als auch der Jetstream k\u00f6nnen einen \u201cKipppunkt\u201d erreichen. In der Klimatologie bezeichnet man damit einen point of no return, einen Punkt ohne Wiederkehr, eine <em>bleibende unumkehrbare Sch\u00e4digung<\/em>. Im Falle des Jetstreams w\u00fcrde das eine neue \u00c4ra einl\u00e4uten, in der Europa, Asien und Nordamerika ihre jahreszeitlichen Wettermuster verlieren und unvorhersehbare Wetterwechsel inklusive extremer St\u00fcrme, Tornados, Hitze- als auch Frosteinbr\u00fcche zu schwerwiegenden Ernteausf\u00e4llen f\u00fchren w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Auch der Amazonas hat eine Auswirkung auf die St\u00e4rke des Golfstroms, und damit auf Europa. Der dortige tropische Regenwald ist immer noch der gr\u00f6\u00dfte der Erde, aber inzwischen so fragmentiert und geschw\u00e4cht, dass er gebietsweise unter Trockenheit und D\u00fcrre leidet (als <em>Regen<\/em>-wald!) und weitr\u00e4umig die <em>B\u00e4ume und Pflanzen deutlich weniger Wachstum aufweisen als fr\u00fcher<\/em>. Dadurch und die verheerenden Waldbr\u00e4nde der letzten Jahre hat der Amazonas inzwischen seine Funktion als globale Kohlenstoffsenke <a href=\"https:\/\/www.nationofchange.org\/2021\/07\/15\/biggest-story-in-the-world-right-now-humanity-has-flipped-amazon-from-carbon-sink-to-source\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">verloren<\/a>! Im Gegenteil setzt er nun mehr Kohlenstoff frei als es durch Baumwachstum zu binden. Der Verlust dieser global so wichtigen Funktion ist ein Riesenschlag f\u00fcr das globale Klimasystem. Aber es ist noch nicht der Kipppunkt des Regenwaldes selbst; dieser wird \u201cerst\u201d gegen 2040 erwartet.<\/p>\n<p>Sollte der Amazonas-Regenwald aber wirklich kippen, wird das wahrscheinlich zu einem der bef\u00fcrchteten globalen Kipppunkte auswachsen, d.h. einer unumkehrbaren Kettenreaktion des Zusammenbruchs planetarischer Klimaelemente. Dann w\u00fcrde der Planet in das sogenannte Hothouse Earth-Szenario trudeln, ohne dass die Menschheit noch etwas daran \u00e4ndern k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Bei anhaltender Ignorierung der Pariser Klimavereinbarungen bewegen wir uns aber ohnehin in diese Richtung.<\/p>\n<p><strong>Wie beurteilst du die politische Aktivit\u00e4t der letzten Jahrzehnte und was erwartest du dir von der kommenden COP26 Anfang November in Glasgow?<\/strong><\/p>\n<p>Welche Aktivit\u00e4t?!? Au\u00dfer sch\u00f6nen, sinnvollen Worten auf UN- und Regierungsebene \u00e4ndert sich ja nichts. Die vergangenen Jahrzehnte sind verlorene Jahrzehnte. Nun bleibt uns nur noch ein einziges, um wirkliche \u00c4nderungen einzuleiten. Die politisch Verantwortlichen kennen diesen Begriff doch gar nicht; sie dienen einem extraktiven Wirtschaftssystem, dass in grenzenlosem Expansionismus die gesamte \u00d6kosph\u00e4re des Planeten und alles Leben darin zu einem Warenlager gemacht hat, dass f\u00fcr die Geldmaschine des Hyperkapitalismus verheizt wird.<\/p>\n<p>Wie sehr die Wirtschaftsmacht den Naturschutz und Planetenschutz hinausz\u00f6gert, m\u00f6chte ich anhand von drei Spiegeltitelbildern demonstrieren, die ich neulich in einem Archiv fand:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1457732\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Fred-Hageneder-Interview-Spiegel-Titelbild-1986-Abbildung-3-231x300.jpg\" alt=\"\" width=\"231\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Fred-Hageneder-Interview-Spiegel-Titelbild-1986-Abbildung-3-231x300.jpg 231w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Fred-Hageneder-Interview-Spiegel-Titelbild-1986-Abbildung-3.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 231px) 100vw, 231px\" \/><\/p>\n<p>Abb. 3: \u201cDer Spiegel&#8220;-Titelbild, 11. August <strong>1986<\/strong><br \/>\nZitat: \u201cOzon-Loch, Pol-Schmelze, Treibhaus-Effekt: Forscher warnen \u2013 DIE KLIMA-KATASTROPHE&#8220;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1457742\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Fred-Hageneder-Interview-Spiegel-Titelbild-1982-Abbildung-4-231x300.jpg\" alt=\"\" width=\"231\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Fred-Hageneder-Interview-Spiegel-Titelbild-1982-Abbildung-4-231x300.jpg 231w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Fred-Hageneder-Interview-Spiegel-Titelbild-1982-Abbildung-4.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 231px) 100vw, 231px\" \/><\/p>\n<p>Abb. 4: \u201cDer Spiegel&#8220;-Titelbild, 29. M\u00e4rz <strong>1982<\/strong><br \/>\nZitat: \u201cKeine gesellschaftliche Str\u00f6mung ist so erfolglos wie die Naturschutzbewegung. Wom\u00f6glich l\u00e4uft die gr\u00f6\u00dfte Vernichtung biologischer Vielfalt seit dem Sauriersterben vor 65 Millionen Jahren. Bonns Regierende aber spotten nur \u00fcber die &#8218;Verr\u00fcckten im gr\u00fcnen M\u00e4ntelchen&#8216;.&#8220;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1457752\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Fred-Hageneder-Interview-Spiegel-Titelbild-1978-Abbildung-5-231x300.jpg\" alt=\"\" width=\"231\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Fred-Hageneder-Interview-Spiegel-Titelbild-1978-Abbildung-5-231x300.jpg 231w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Fred-Hageneder-Interview-Spiegel-Titelbild-1978-Abbildung-5.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 231px) 100vw, 231px\" \/><\/p>\n<p>Abb. 5: \u201cDer Spiegel&#8220;-Titelbild, 20. Nov. <strong>1978<\/strong><br \/>\nZitat: \u201cEs ist h\u00f6chste Zeit f\u00fcr eine alternative Energiepolitik&#8220;<\/p>\n<p>Nun ist dieses System an den nat\u00fcrlichen planetarischen Grenzen angekommen \u2013 der Planet w\u00e4chst ja nicht mit \u2013, und nun bleibt nur noch eines, um den \u00dcberlegenheitswahn der menschlichen Spezies zu befriedigen: den Druck nach innen zu erh\u00f6hen. D.h. die Effektivit\u00e4t (und damit die Profite) zu steigern, indem die wirklich letzten Refugien zu Geld gemacht werden: nicht nur die letzten Naturschutzgebiete, sondern auch pers\u00f6nliche Daten und Bewegungsmuster, K\u00f6rperw\u00e4rme, Gef\u00fchle, Interessen, Gedanken. Langsam sp\u00fcrt jeder, auch in den reichen Industriel\u00e4ndern, was es hei\u00dft, inhuman als blo\u00dfe Ressource angesehen zu werden. Geschieht uns vielleicht ganz recht, denn Trafficking, Kinderarbeit und sadistische Massentierhaltung jucken uns ja auch nicht, solange sie anderswo stattfinden und solange unser eigener Luxus gesichert bleibt. Indigene, Menschen in (Neo-)Kolonien, Menschen mit nicht-wei\u00dfer Hautfarbe, Frauen, Kinder \u2026 sie alle kennen diese Ausbeutung schon lange. Tiere sowieso. Das letzte Ziel dieser Geisteskrankheit ist die <em>totale Kontrolle<\/em> \u00fcber jeden Menschen, jedes Nutztier, jede Nutzpflanze. Einfach alles muss seinen optimalen Nutzwert zeigen und zu Geld gemacht werden.<\/p>\n<p>Und Glasgow? Ein wenig mehr hei\u00dfe Luft zur K\u00fchlung des Planeten und der erregten Gem\u00fcter.<\/p>\n<p><strong>Ein sehr interessanter neuer Ansatz, \u00fcber den du schreibst, ist der \u00d6kozentrismus. Er stellt einen Gegenpol zum Anthropozentrismus der letzten Jahrhunderte dar, richtig? Kannst du uns grob umrei\u00dfen, was genau \u00d6kozentrismus ist, wo er herkommt und wie er uns weiterbringen kann?<\/strong><\/p>\n<p>\u00d6kozentrismus kommt von griech. <em>oikos<\/em>, das \u201cHaus, Zuhause\u201d. Es ist die \u00d6kosph\u00e4re, die Lebensschicht unserer Heimatplaneten, die hier ins Zentrum des Wertesystems gestellt wird. W\u00e4hrend griech. <em>anthropos<\/em> den Menschen bezeichnet; und wenn der sich selbst in den Mittelpunkt aller Bedeutung und Wichtigkeit stellt, sprechen wir von Anthropozentrismus. Voraussetzung f\u00fcr letzteres ist, dass der Mensch sich als von der Natur getrennt betrachtet. Eine erstaunliche Wahnvorstellung, denn in Wirklichkeit sind und bleiben wir nat\u00fcrlich immer Teil der \u00d6kosph\u00e4re dieses Planeten, und schon gar der \u201cNatur\u201d (des Universums) an sich.<\/p>\n<p>Unsere vermeintliche Trennung von der Natur versch\u00e4rfte sich ganz erheblich durch die rationalisierende \u201cAufkl\u00e4rung\u201d und die industrielle Revolution, beide ab dem 18. Jahrhundert. Aber historisch l\u00e4sst sich der Anthropozentrismus bis zum Beginn des Ackerbaus zur\u00fcckf\u00fchren: W\u00e4hrend der Sammler und J\u00e4ger noch \u201ceins\u201d mit seiner Umgebung war, musste der Ackerbauer sein Feld, seine Scholle nun \u201cgegen die Natur&#8220; verteidigen, gegen Fra\u00dffeinde, unerbetene Insekten oder V\u00f6gel, ung\u00fcnstige Wetterlagen. Das ist etwa 10.000 Jahre her, und entsprechend tief und fest sitzt dieses psychologische Muster. Aber damit nicht genug. Der Wahn der \u00dcberlegenheit richtete sich nicht nur gegen Tiere und Pflanzen, sondern begann alsbald auch, den Geist gegen andere menschliche Gruppen zu vergiften; hier liegt die Wurzel f\u00fcr soziale Diskriminierung. Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Ableismus, Faschismus \u2013 alle Gedankenformen, in denen \u201cWir\u201d angeblich besser seien als \u201cdie Anderen\u201d. All dies f\u00fchrt zu Konkurrenzdenken und der Rechtfertigung, ja Verherrlichung von <a href=\"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2020\/10\/ein-grund-zum-feiern-fuer-die-gesamte-menschheit-atomwaffen-werden-verboten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Krieg<\/a> in unseren Wertesystemen.<\/p>\n<p>Die \u00f6kozentrische Weltanschauung dagegen hat es meines Erachtens schon immer gegeben. \u00dcberall dort, wo sich menschliche Gruppen als Teil des gro\u00dfen Ganzen empfunden und dieses Ganze entsprechend respektvoll behandelt haben. Ich denke, der \u00d6kozentrismus ist quasi unser nat\u00fcrliches Betriebssystem als Spezies Mensch, denn er garantiert die harmonische Zusammenarbeit mit allen Wesen und \u00d6kosystemen, die es gibt. Der Gesamtorganismus der lebendigen Erde, auch Gaia genannt, funktioniert ja tadellos in seiner vielseitig vernetzten Zusammenarbeit aller Gruppen, Naturreiche und Ebenen, und der Mensch kann endlich zu einem \u2013 bewussten \u2013 Teil davon werden. In dieser Hinsicht kann die Zukunft, die jetzt m\u00f6glich wird, noch viel gro\u00dfartiger und sch\u00f6ner werden als jegliche Zivilisation, die es jemals gab.<em> Jetzt<\/em>, an diesem Scheideweg, ist alles m\u00f6glich! Darum spricht mein Buch im Untertitel ja auch von Zusammenbruch <em>oder<\/em> Heilung.<\/p>\n<p><strong>Aus \u00f6kozentrischer Sicht hat jede Kreatur einen ihr innewohnenden Wert.<\/strong> Es bedarf keines Leistungsbeweises, anderen Mitgliedern eines Systems oder einem gr\u00f6\u00dferen Ganzen zu dienen. Jedes Wesen hat ein Recht zu existieren, ganz einfach, weil es es gibt. Seeotter, Delphine und Wale, W\u00f6lfe, Spinnen, B\u00e4ume \u2013 f\u00fcr sie alle ist die Erde genauso ihr einziges Zuhause wie f\u00fcr uns Menschen. Wir haben keinerlei Recht, sie zu versklaven, ihren Lebensraum zu zerst\u00f6ren oder gar, sie ins Aussterben zu jagen.<\/p>\n<p>Die moderne Form des \u00d6kozentrismus hat ihre Wurzeln in der Tiefen\u00f6kologie, die sich in den 1970er Jahren entwickelte. Die beiden \u00f6kozentrischen Vordenker Ted Mosquin und Stan Rowe brachten die Grundprinzipien des \u00d6kozentrismus folgenderma\u00dfen auf den Punkt:<\/p>\n<p><strong>Die Grundprinzipien des \u00d6kozentrismus<\/strong><br \/>\n1. Die \u00d6kosph\u00e4re ist das Wertzentrum der Menschheit.<br \/>\n2. Die Kreativit\u00e4t und Produktivit\u00e4t der \u00d6kosysteme der Erde h\u00e4ngt von ihrer Unversehrtheit ab.<br \/>\n3. Das erdzentrierte Weltbild wird durch die Naturwissenschaften best\u00e4tigt.<br \/>\n4. Die \u00f6kozentrische Ethik gru\u0308ndet auf dem Bewusstsein fu\u0308r unseren Platz in der Natur.<br \/>\n5. Eine \u00f6kozentrische Weltsicht sch\u00e4tzt die Verschiedenheit der \u00d6kosysteme und der Kulturen.<br \/>\n6. Eine \u00f6kozentrische Ethik unterstu\u0308tzt soziale Gerechtigkeit.<\/p>\n<p>Die Ecocentric Alliance hat <a href=\"http:\/\/www.ecospherics.net\/pages\/Manifestogerman.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201cEin Manifest fu\u0308r die Erde\u201c<\/a>\u00a0von Mosquin und Rowe auch auf deutsch ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Es sollte betont werden, dass der \u00d6kozentrismus <em>nicht gegen<\/em> den Menschen gerichtet ist. Er weist ihm lediglich seinen verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen Platz innerhalb der Familie aller Erdenwesen zu. Die Betonung der gemeinsamen \u00e4u\u00dferen Realit\u00e4t der gesamten Menschheit und aller anderen Lebewesen bietet aber die erste vertrauenswu\u0308rdige Grundlage fu\u0308r eine <em>echte<\/em> Naturschutzarbeit. Denn woran der Naturschutz in den letzten 50 Jahren, und heute mehr denn je, scheitert, ist, dass er grundlegend menschenzentriert bleibt und die Natur nur erhalten will, damit sie uns weiterhin \u2013 und \u201cnachhaltig\u201d \u2013 dienen k\u00f6nne.<\/p>\n<p><strong>Der allerwichtigste Punkt an deinem Buch scheint uns, dass trotz des d\u00fcsteren Gesamtbilds, das sich ergibt \u2013 und das sicher auch n\u00f6tig ist, um zu verstehen, dass jetzt wirklich alle mithelfen m\u00fcssen \u2013, es bereits viele ambitionierte Initiativen und L\u00f6sungsans\u00e4tze gibt, zum Beispiel Staaten, die den Schutz der Erde und der Natur in ihre Verfassungen schreiben, aber auch Bewegungen wie \u201cDegrowth\u201c und Modelle wie die Kreislaufwirtschaft. Im dritten Teil \u201cDie menschliche Schnittstelle\u201c gehst du darauf detailliert ein. Was kannst du uns dazu sagen?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, im Buch erw\u00e4hne ich viele positive und hoffnungsvolle Ans\u00e4tze und Initiativen. Von Menschen, die nicht l\u00e4nger warten, dass jemand anders etwas tut, sondern selbst Verantwortung \u00fcbernehmen und aktiv werden. Aber um solche Initiativen zu unterst\u00fctzen, oder erstmal \u00fcberhaupt zu akzeptieren und zu begr\u00fc\u00dfen, braucht es ja eines Umdenkens, darin sehe ich das A und O der n\u00f6tigen gesellschaftlichen Ver\u00e4nderung. Der Begriff \u201cUmdenken\u201d trifft es noch nicht einmal, denn es geht um eine Rekalibrierung unseres tieferliegenden Wertesystems und die Entschl\u00fcsselung unbewusster Paradigmen.<\/p>\n<p>Auch ein \u201cUmf\u00fchlen\u201d ist notwendig, denn als gute Konsumenten sind wir alle Profis darin, mit der sogenannten \u201ckognitiven Dissonanz\u201d umzugehen: Wir k\u00f6nnen Schweinefleisch genie\u00dfen, <em>ohne<\/em> an das unsagbare Leid in der Massentierhaltung zu denken (noch immer <a href=\"https:\/\/www.gruene-bundestag.de\/agrar\/eklatante-maengel-in-der-schweinehaltung.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">leiden<\/a> 91 Prozent der Schweine an schmerzvollen Schleimbeutelentzu\u0308ndungen in den Gelenken; allein in deutschen Fleischbetrieben sterben j\u00e4hrlich fast 14 Millionen Schweine an Krankheiten, trotz des astronomischen Antibiotika-Einsatzes). Wir verbraten Aluminiumfolie <em>ohne<\/em> einen Gedanken an die Entrechtung und den <a href=\"https:\/\/news.mongabay.com\/2020\/12\/brazilians-impacted-by-mining-assert-genocide-legalized-by-the-state\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">V\u00f6lkermord<\/a> an indigenen Waldbewohnern im globalen S\u00fcden, in deren Territorien sich die Bauxitminen befinden. Wir bringen unseren Elektrom\u00fcll zum Recycling und f\u00fchlen uns auch noch gut dabei, ohne uns zu fragen, wieviel davon in Afrika <a href=\"https:\/\/ejatlas.org\/conflict\/agbogbloshie-e-waste-landfill-ghana\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">landen<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.goldmanprize.org\/recipient\/phyllis-omido\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ganze Familien vergiften<\/a>.<\/p>\n<p>Wir fordern unser \u201cRecht\u201d auf freien Konsum, freie Bewegung und \u201cunser Steak\u201d. Wie Kinder. Aber wir m\u00fcssen endlich erwachsen werden und auch die <strong>Verantwortung<\/strong> annehmen, die mit Freiheit einhergeht. Wenn wir unsere inneren Dissonanzen (wie die oben beispielhaft aufgef\u00fchrten) endlich aufl\u00f6sen wollen, sto\u00dfen wir schnell auf das anerzogene Paradigma des Wir-sind-eben-besser-als-die-Anderen! \u201cMein Leben ist eben mehr wert als das des Schweines.\u201d \u2013 Ach wirklich? Wer kann denn das in letzter Instanz beurteilen? \u201cIch bin eben mehr wert als diese Wilden im Wald.\u201d \u201cIch bin eben mehr wert als diese Kinder, die an Bleivergiftung aus meinen Altbatterien dahinsiechen.\u201d \u2013 Nat\u00fcrlich kann das niemand so \u00fcber die Lippen bringen, aber wir <em>handeln<\/em> so, wir <em>leben<\/em> so! Es ist h\u00f6chste Zeit, uns ehrlich einzugestehen, welche Auswirkungen unsere Lebensweise hat, und sie dann, nach und nach, aber konsequent, zu \u00e4ndern. Und heute brauchen wir einen inneren Kompass mehr denn je, denn die Nachrichten-Manipulationen durch diverse Interessengruppen und die falschen Propheten nehmen zu (siehe dazu meinen Artikel \u201cDer neue Klimakrieg&#8220;.)<\/p>\n<p>In der Siedlung, in der ich aufwuchs, stand ein Denkmal. Ein Monolith, in den folgendes Zitat eingemei\u00dfelt war:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u201cHab Ehrfurcht vor dem Leben.\u201d<br \/>\nAlbert Schweitzer<\/p>\n<p>Ich denke, das sagt alles. Und \u201cdas Leben\u201d bedeutet sowohl unser eigenes (d.h. wir achten darauf, unseren K\u00f6rper gesund zu halten und lieben und ehren ihn als das biologische Wunderwerk, das er ist), als auch das Leben anderer Wesen (d.h. wir respektieren ihre K\u00f6rper, ihre Gesundheit, ihr Existenzrecht und ihr Recht auf Erf\u00fcllung und Lebensfreude) als auch die gesamte Lebenssph\u00e4re unseres Planeten, d.h. die Unversehrtheit der \u00d6kosysteme und des Klimasystems.<\/p>\n<p>Aber wer kennt \u00fcberhaupt noch das Wort \u201cEhrfurcht\u201d? Es bedeutet \u201cHochachtung, Respekt vor der W\u00fcrde und Erhabenheit einer Person, eines Wesens oder einer Sache\u201d. Google findet dazu heutzutage (Oktober 2021) 6,93 Mio. Suchergebnisse. Zum Begriff \u201cNutzen\u201d \u2013 \u201cdie Eigenschaft eines Gutes oder einer Dienstleistung [oder eines Lebewesens!!!] ein bestimmtes Bed\u00fcrfnis zu befriedigen\u201d \u2013 findet Google 8,58 Mrd. Eintr\u00e4ge. Das ist \u00fcber 1.200 Mal so viel! Dieses Verh\u00e4ltnis muss sich umkehren.<\/p>\n<p>Alle Ans\u00e4tze zu einem ehrlicheren und konsequenteren Naturschutz sind geboten und hoch dringlich. Aber sie m\u00fcssen aus dem<em> richtigen Geist<\/em> heraus entstehen! Sonst bleibt alles beim alten, nur mit Greenwashing \u00fcbert\u00fcncht.<\/p>\n<p><strong>Etwas, das uns besonders gut an deinem Buch gef\u00e4llt, sind die Tipps zum Selbst-aktiv-Werden am Ende jedes Abschnitts. Das zeigt, dass jeder einzelne sehr wohl einen wertvollen Beitrag leisten kann. Wie w\u00fcrdest du es kurz zusammenfassen, was kann jeder in sein allt\u00e4gliches Leben integrieren und beherzigen?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, es gibt Myriaden M\u00f6glichkeiten, wie wir alle kreativ und aktiv werden k\u00f6nnen. Reduce, reuse, recycle (Reduzieren, Wiederverwenden, Recyceln) ist ein sehr brauchbares Motto. Kreislaufwirtschaft erkl\u00e4rt sich ja fast von selbst. Der biologische und m\u00f6glichst regionale Anbau von Lebensmitteln ist von entscheidender Bedeutung. Und f\u00fcr unsere Lebens- und Wirtschaftsweise ist \u201cDegrowth\u201c \u00fcberaus wichtig! Es bedeutet \u201cWeniger ist auch noch reichlich\u201d.<\/p>\n<p>Jede\/r einzelne z\u00e4hlt und kann einen Unterschied machen! Aber gleichzeitig d\u00fcrfen wir nicht vergessen, dass sich bereits die Produktionsweisen und politischen Entscheidungen \u00e4ndern m\u00fcssen. Wir m\u00fcssen Politik und Industrie herausfordern, im gro\u00dfen Stil etwas zu \u00e4ndern \u2013 und ich meine nicht Richtung Smart Homes und digitale \u00dcberwachung, sondern Richtung Ehrfurcht vor dem Leben.<\/p>\n<p>Und das halte ich f\u00fcr das wichtigste: <em>Die innere Arbeit, unsere eigene W\u00fcrde wiederzufinden und weiterzuentwickeln<\/em>. \u201cWill ich wirklich in einem System leben, dass mir allen m\u00f6glichen Luxus erlaubt, indem es andernorts buchst\u00e4blich \u00fcber Leichen geht?\u201d Wir k\u00f6nnen unsere wahrhaftige eigene Ethik finden, uns dann zusammensetzen und zusammen ertr\u00e4umen, in was f\u00fcr einer Welt wir leben wollen. Und diese Impulse dann nach Au\u00dfen teilen. Wenn das freudvoll geschieht, werden wir wiederum andere inspirieren. Dann werden Dominoketten des Lichts das Dunkel erhellen. Auch im Positiven kann es Kipppunkte geben, und vor denen brauchen wir keine Angst zu haben. Auf zu einem gesunden Leben auf einem gesunden Planeten!<\/p>\n<p>Ich habe keinerlei Zweifel daran, dass die meisten Menschen eine Welt wollen, die f\u00fcr alle Wesen fair und begl\u00fcckend ist. Let\u2019s get to work! Let\u2019s share it.<\/p>\n<p><strong>Vielen Dank, Fred Hageneder, f\u00fcr dieses \u00e4u\u00dferst interessante und inspirierende Interview!<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1457781\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Nur-die-eine-Erde-Fred-Hageneder-NEUE-ERDE-VERLAG-211x300.jpg\" alt=\"\" width=\"211\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Nur-die-eine-Erde-Fred-Hageneder-NEUE-ERDE-VERLAG-211x300.jpg 211w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Nur-die-eine-Erde-Fred-Hageneder-NEUE-ERDE-VERLAG-719x1024.jpg 719w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Nur-die-eine-Erde-Fred-Hageneder-NEUE-ERDE-VERLAG.jpg 1348w\" sizes=\"auto, (max-width: 211px) 100vw, 211px\" \/><\/p>\n<p><strong>Fred Hageneder<\/strong><\/p>\n<p><strong>Nur die eine Erde<\/strong><br \/>\n<strong>Globaler Zusammenbruch oder globale Heilung \u2013 unsere Wahl<\/strong><\/p>\n<p>ISBN 978-3-89060-796-2<br \/>\nKlappenbroschur, 384 Seiten mit 25 Abbildungen<br \/>\nNeue Erde Verlag<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/nur-die-eine-erde.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Link zum Buch mit Leseprobe<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hitzewellen, D\u00fcrren, Flut- als auch Feuerkatastrophen nehmen stetig zu, der IPCC und die UN schlagen Alarm. 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