{"id":1433674,"date":"2021-09-21T16:52:16","date_gmt":"2021-09-21T15:52:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1433674"},"modified":"2021-09-21T16:52:16","modified_gmt":"2021-09-21T15:52:16","slug":"whif-weisser-heuchlerischer-imperialer-feminismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2021\/09\/whif-weisser-heuchlerischer-imperialer-feminismus\/","title":{"rendered":"WHIF: Wei\u00dfer heuchlerischer imperialer Feminismus"},"content":{"rendered":"<p><strong>Im Jahr 2002 schickten US-Frauengruppen einen gemeinsamen Brief an den damaligen Pr\u00e4sidenten George W. Bush, um den Krieg gegen Afghanistan zum Wohle der Frauen zu unterst\u00fctzen. Gloria Steinem (fr\u00fcher bei der CIA), Eve Ensler, Meryl Streep, Susan Sarandon und viele andere haben unterschrieben. Die National Organization for Women, Hillary Clinton und Madeline Albright unterst\u00fctzten den Krieg.<\/strong><\/p>\n<p>Viele Jahre nach einem katastrophalen Krieg, der nachweislich nicht den Frauen zugute kam, sondern eine gro\u00dfe Anzahl von Frauen t\u00f6tete, verletzte, traumatisierte und obdachlos machte, ermutigte Amnesty International immer noch zum Krieg f\u00fcr Frauen.<\/p>\n<p>Selbst jetzt, 20 Jahre sp\u00e4ter, wo vern\u00fcnftige, sachliche Analysen \u00fcber Dutzende von Kriegen &#8222;gegen den Terror&#8220; zur Verf\u00fcgung stehen, helfen die National Organization for Women, \u00e4hnliche Gruppen und Einzelpersonen dabei, die obligatorische weibliche Wehrpflicht durch den US-Kongress zu bringen, mit der Begr\u00fcndung, es sei ein feministisches Recht, gegen den eigenen Willen gezwungen zu werden, f\u00fcr die weibliche Chefin von Lockheed Martin zu t\u00f6ten und zu sterben.<\/p>\n<p>Rafia Zakarias neues Buch <a href=\"https:\/\/wwnorton.com\/books\/9781324006619\"><em>Against White Feminism<\/em><\/a> kritisiert den westlichen Mainstream-Feminismus der Vergangenheit und Gegenwart nicht nur wegen seines Rassismus, sondern auch wegen seines Klassismus, seines Militarismus, seines Exzeptionalismus und seiner Fremdenfeindlichkeit. Jeder Diskurs, ob politisch oder nicht, ist in einer rassistisch gepr\u00e4gten Gesellschaft tendenziell rassistisch gef\u00e4rbt. Aber Zakaria zeigt uns, wie vermeintlich feministische Errungenschaften manchmal direkt auf Kosten der nicht &#8222;wei\u00dfen&#8220; Menschen gingen. Als Gro\u00dfbritannien ein Imperium hatte, konnten einige britische Frauen neue Freiheiten finden, indem sie au\u00dferhalb des Heimatlandes reisten und dabei halfen, die Eingeborenen zu unterdr\u00fccken. Als die USA ein Imperium bekamen, wurde es f\u00fcr Frauen m\u00f6glich, neue Macht, Respekt und Prestige zu erlangen, indem sie es f\u00f6rderten.<\/p>\n<p>In dem von der CIA unterst\u00fctzten Hollywood-Film <em>Zero Dark Thirty<\/em> gewinnt die weibliche Hauptfigur (die auf einer realen Person basiert) den Respekt der anderen Figuren, den Applaus des Publikums in dem Kino, in dem Zakaria den Film sah, und sp\u00e4ter einen Oscar f\u00fcr die beste Schauspielerin, indem sie die M\u00e4nner \u00fcbertrumpft, indem sie eine gr\u00f6\u00dfere Bereitschaft zum Foltern zeigt. &#8222;Wenn die wei\u00dfen amerikanischen Feministinnen der 1960er Jahre und der Vietnam-\u00c4ra f\u00fcr ein Ende des Krieges eintraten&#8220;, schreibt Zakaria, &#8222;so ging es den neuen amerikanischen Feministinnen des neugeborenen einundzwanzigsten Jahrhunderts darum, an der Seite der Jungs in den Krieg zu ziehen.&#8220;<\/p>\n<p>Zakarias Buch beginnt mit einem autobiografischen Bericht \u00fcber eine Szene in einer Weinbar mit wei\u00dfen Feministinnen (oder zumindest wei\u00dfen Frauen, die sie stark verd\u00e4chtigt, wei\u00dfe Feministinnen zu sein &#8211; also nicht nur wei\u00dfe Feministinnen, sondern Feministinnen, die die Ansichten wei\u00dfer Frauen und vielleicht westlicher Regierungen oder zumindest westlicher Milit\u00e4rs privilegieren). Zakaria wird von diesen Frauen nach ihrem Hintergrund gefragt und lehnt es ab, mit Informationen zu antworten, die erfahrungsgem\u00e4\u00df nicht gut ankommen.<\/p>\n<p>Zakaria ist eindeutig ver\u00e4rgert \u00fcber die Reaktion, die diese Frauen ihrer Meinung nach gegeben h\u00e4tten, wenn sie ihnen Dinge gesagt h\u00e4tte, die sie nicht gesagt hat. Zakaria schreibt, dass sie wei\u00df, dass sie in ihrem Leben mehr \u00fcberwunden hat als irgendeine dieser anderen Frauen in der Weinbar, obwohl sie anscheinend genauso wenig \u00fcber sie wei\u00df wie diese \u00fcber sie. Viel sp\u00e4ter im Buch, auf Seite 175, deutet Zakaria an, dass es eine oberfl\u00e4chliche Anma\u00dfung ist, jemanden zu fragen, wie man seinen Namen richtig ausspricht, aber auf Seite 176 sagt sie uns, dass es eine gro\u00dfe Beleidigung ist, wenn man nicht den richtigen Namen benutzt. Ein gro\u00dfer Teil des Buches prangert die Bigotterie innerhalb des Feminismus anhand von Beispielen aus vergangenen Jahrhunderten an. Ich stelle mir vor, dass vieles davon einer defensiven Leserin etwas unfair vorkommt &#8211; vielleicht einer Leserin, die sich selbst verd\u00e4chtigt, an jenem Abend in der Weinbar gewesen zu sein.<\/p>\n<p>Aber das Buch untersucht die Bigotterie vergangener Epochen des Feminismus nicht um ihrer selbst Willens. Auf diese Weise erhellt es seine Analyse der Probleme des heutigen Feminismus. Es pl\u00e4diert auch nicht daf\u00fcr, anderen Stimmen zuzuh\u00f6ren, nur weil es eine leere Vorstellung von Vielfalt gibt, sondern weil diese anderen Stimmen andere Perspektiven, anderes Wissen und andere Weisheit besitzen. Frauen, die mit Zwangsehen, Armut und Rassismus zu k\u00e4mpfen hatten, k\u00f6nnen ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den Feminismus und bestimmte Arten von Durchhalteverm\u00f6gen haben, das ebenso gesch\u00e4tzt werden kann wie die Rebellion gegen die Karriere oder die sexuelle Befreiung.<\/p>\n<p>Zakaria schildert in ihrem Buch ihre eigenen Erfahrungen, darunter die, dass sie als pakistanisch-amerikanische Frau zu Veranstaltungen eingeladen wurde, um sich zu zeigen, anstatt zuzuh\u00f6ren, und dass sie getadelt wurde, weil sie nicht ihre &#8222;einheimische Kleidung&#8220; trug. Sie konzentriert sich jedoch auf das Denken von Feministinnen, die Simone de Beauvoir, Betty Friedan und den wei\u00dfen Feminismus der oberen Mittelschicht als wegweisend ansehen. Die praktischen Folgen von ungerechtfertigten \u00dcberlegenheitsvorstellungen sind nicht schwer zu finden.<\/p>\n<p>Zakaria f\u00fchrt verschiedene Beispiele f\u00fcr Hilfsprogramme an, die nicht nur haupts\u00e4chlich Unternehmen in reichen L\u00e4ndern finanzieren, sondern auch Lieferungen und Dienstleistungen bereitstellen, die den Frauen nicht helfen, denen sie eigentlich zugute kommen sollten und die nie gefragt wurden, ob sie einen Herd oder ein Huhn oder irgendeinen anderen Schnellschuss wollten, der politische Macht vermeidet, alles, was Frauen jetzt tun, als keine Arbeit ansieht und in v\u00f6lliger Unkenntnis dessen funktioniert, was einer Frau in der Gesellschaft, in der sie lebt, wirtschaftlich oder sozial n\u00fctzen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Dem verheerenden Krieg gegen Afghanistan wurde von Anfang an ein US-Hilfsprogramm namens PROMOTE angeh\u00e4ngt, das 75.000 afghanischen Frauen helfen sollte (w\u00e4hrend sie bombardiert wurden). Das Programm endete damit, dass es seine Statistiken so manipulierte, dass es behauptete, jede Frau, mit der man gesprochen hatte, habe &#8222;profitiert&#8220;, ob sie nun, Sie wissen schon, profitiert hatte oder nicht, und dass 20 von 3.000 Frauen, denen geholfen wurde, einen Job zu finden, ein &#8222;Erfolg&#8220; seien &#8211; doch selbst dieses Ziel von 20 wurde nicht erreicht.<\/p>\n<p>Die kommerzielle Medienberichterstattung hat die lange Tradition fortgesetzt, wei\u00dfe Menschen f\u00fcr andere sprechen zu lassen, die Privatsph\u00e4re nicht-wei\u00dfer Frauen in einer Weise darzustellen und zu verletzen, die bei wei\u00dfen Frauen nicht toleriert wird, wei\u00dfe Menschen beim Namen zu nennen und andere namenlos zu lassen und jede Vorstellung davon zu vermeiden, was diejenigen, die immer noch als die Eingeborenen gelten, wollen oder tun k\u00f6nnten, um es f\u00fcr sich selbst zu bekommen.<\/p>\n<p>Ich empfehle dieses Buch sehr, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich diese Buchrezension schreiben soll. M\u00e4nner kommen in dem Buch und in der Beschreibung dessen, was Feministinnen sind, praktisch nicht vor. Der Feminismus in diesem Buch ist von, durch und f\u00fcr Frauen &#8211; was nat\u00fcrlich eine Million Meilen besser ist als M\u00e4nner, die f\u00fcr Frauen sprechen. Aber ich frage mich, ob dies nicht auch dem Einsatz f\u00fcr die eigenen, egoistischen Belange zugute kommt. Einige wei\u00dfe Feministinnen interpretieren dies auch als Engagement f\u00fcr die begrenzten Interessen wei\u00dfer Frauen.\u00a0 Ich habe den Eindruck, dass M\u00e4nner weitgehend f\u00fcr die ungerechte und grausame Behandlung von Frauen verantwortlich sind und den Feminismus mindestens genauso n\u00f6tig haben wie Frauen. Aber ich nehme an, als Mann m\u00fcsste ich auch so denken, nicht wahr?<\/p>\n<p><strong><em>Die \u00dcbersetzung aus dem Englischen wurde von Anita K\u00f6bler <\/em><em>vom ehrenamtlichen Pressenza-\u00dcbersetzungsteam erstellt. <a href=\"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/mitarbeiten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wir suchen Freiwillige!\u00a0<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahr 2002 schickten US-Frauengruppen einen gemeinsamen Brief an den damaligen Pr\u00e4sidenten George W. Bush, um den Krieg gegen Afghanistan zum Wohle der Frauen zu unterst\u00fctzen. 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