{"id":1394954,"date":"2021-07-07T10:48:37","date_gmt":"2021-07-07T09:48:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1394954"},"modified":"2021-07-17T09:50:46","modified_gmt":"2021-07-17T08:50:46","slug":"kanal-istanbul-ermoeglicht-nato-weiteren-druck-auf-russland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2021\/07\/kanal-istanbul-ermoeglicht-nato-weiteren-druck-auf-russland\/","title":{"rendered":"Kanal Istanbul erm\u00f6glicht NATO weiteren Druck auf Russland"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mit dem Baubeginn des Kanal Istanbul, der das Marmarameer und das Schwarze Meer verbindet, wurde ein neues Mega-Projekt angesto\u00dfen. Dieser Kanal soll eine Alternative zur Bosporusstra\u00dfe werden, sich gegen den Montreux-Vertrag richten und damit den Druck der NATO auf Russland verst\u00e4rken.<\/strong><\/p>\n<p>Es besteht jedoch gro\u00dfer Widerstand gegen das Projekt: nicht nur von Seiten heimischer Umweltsch\u00fctzer, die bef\u00fcrchten, dass der Schaden den Nutzen \u00fcberwiegen werde, oder \u00d6konomen, die die Machbarkeit des Projekts in Frage stellen, sondern auch im Ausland. L\u00e4nder der Schwarzmeerregion bef\u00fcrchten, dass das Montreux-Abkommen von 1936 \u00fcber die Regelung des Seeverkehrs \u00fcber die Meerenge und die Einhaltung der entsprechenden Verpflichtungen im Schwarzen Meer durch die T\u00fcrkei untergraben werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>&#8222;Heute schlagen wir eine neue Seite in der Entwicklung der T\u00fcrkei auf und legen den Grundstein f\u00fcr den Bau der Br\u00fccke \u00fcber den Kanal Istanbul&#8220;, sagte der t\u00fcrkische Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan bei der Grundsteinlegung am 26. Juni. &#8222;Wir betrachten den Kanal als ein Projekt, das die Zukunft Istanbuls garantiert&#8230;und um den Bosporus zu entleeren und die Sicherheit der Bewohner zu gew\u00e4hrleisten.&#8220;<\/p>\n<p>Erdo\u011fan hatte daf\u00fcr gesorgt, dass alle erforderlichen Studien, einschlie\u00dflich der Auswirkungen der Bauarbeiten auf die Umwelt, bereits durchgef\u00fchrt wurden. Abgesehen von dem Kanal, den Erdo\u011fan als &#8222;verr\u00fccktes Projekt&#8220; bezeichnete, sollen Wohnviertel, Parks, touristische Einrichtungen und ein Bereich f\u00fcr\u00a0 Technologieentwicklung geschaffen werden.<\/p>\n<p>Der t\u00fcrkische Staatschef rechtfertigte sein &#8222;verr\u00fccktes Projekt&#8220; mit der Behauptung, dass &#8220;jedes Jahr 45.000 Schiffe&#8220; durch den Bosporus fahren w\u00fcrden. &#8220;Jedes gro\u00dfe Schiff birgt ein Risiko. Sie transportieren unterschiedliche Ladungen, jeder Unfall wird eine Bedrohung sein, die zu Br\u00e4nden und Zerst\u00f6rung f\u00fchren k\u00f6nnte, einschlie\u00dflich des Kulturgutes&#8220;, so Erdogan.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Umsetzung des Projekts werden sechs Jahre ben\u00f6tigt und es daf\u00fcr 15 Milliarden US-Dollar vorgesehen, doch die tats\u00e4chlichen finanziellen Aufwendungen wurden k\u00fcrzlich auf einer Entwicklerkonferenz in Frankreich auf 65 Milliarden US-Dollar gesch\u00e4tzt. Es ist die gr\u00f6\u00dfte Infrastrukturinitiative in der t\u00fcrkischen Geschichte und soll als Teil der Hinterlassenschaft Erdo\u011fans gelten.<\/p>\n<p>Istanbuls B\u00fcrgermeister Ekrem Imamo\u011flu sprach sich gegen das Projekt aus und forderte sogar ein Referendum. Umweltsch\u00fctzer bef\u00fcrchten, dass das Wasser des Schwarzen Meeres in Ufern\u00e4he seicht und das \u00d6kosystem des Marmarameeres gest\u00f6rt werden k\u00f6nnten. Noch wichtiger aus lokaler Perspektive \u2013 die Wasserversorgung Istanbuls. Diese ist ebenfalls bedroht, da der Kanal S\u00fc\u00dfwasservorr\u00e4te aufnehmen wird.<\/p>\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte Problem des Kanal Istanbul auf internationaler Ebene ist jedoch das Schicksal des Montreux-Abkommens, das den Schiffsverkehr durch den Bosporus und die Dardanellen-Meerenge regelt. Gem\u00e4\u00df dem Vertrag gelten f\u00fcr die Handelsschifffahrt keine Einschr\u00e4nkungen und die T\u00fcrkei darf diesbez\u00fcglich keine Maut erheben. Allerdings kontrolliert Ankara den Verkehr von Kriegsschiffen au\u00dferhalb des Schwarzen Meeres. Dem Vertrag zufolge d\u00fcrfen Kriegsschiffe, die keinem Schwarzmeerstaat angeh\u00f6ren, sich nicht l\u00e4nger als drei Wochen im Schwarzen Meer aufhalten. Au\u00dferdem darf die Gesamttonnage eines solchen Schiffes 45.000 Bruttoregistertonnen nicht \u00fcberschreiten.<\/p>\n<p>Im April wurden t\u00fcrkische Admirale im aktiven Dienst und ehemalige Admirale der t\u00fcrkischen Marine verhaftet, nachdem sie einen offenen Brief ver\u00f6ffentlicht hatten, in dem sie den t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten aufforderten, sein &#8222;verr\u00fccktes Projekt&#8220; zu stoppen. In dem Brief sprachen sie die Bef\u00fcrchtung aus, das Projekt w\u00fcrde sich auf den Montreux-Vertrag auswirken. Erdo\u011fan hat prompt reagiert und versichert, dass der Vertrag g\u00fcltig bleiben wird. Trotzdem besteht weiterhin die Bef\u00fcrchtung, dass der Kanal Istanbul es Ankara erm\u00f6glichen wird, seine Haltung zu \u00fcberdenken, zumal die T\u00fcrkei wiederholt gegen bestehende Vertr\u00e4ge wie etwa den <a href=\"https:\/\/www.academia.edu\/6487178\/The_violations_of_the_Treaty_of_Lausanne\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vertrag von Lausanne<\/a> versto\u00dfen hatte.<\/p>\n<p>Die T\u00fcrkei beteuert, dass das Projekt nicht mit dem Abkommen zusammenh\u00e4ngt und es damit grunds\u00e4tzlich nicht vereinbar ist, da es sich um eine k\u00fcnstliche Wasserstra\u00dfe handelt. Der Kanal Istanbul ist ein g\u00e4nzlich anderer Ansatz, der f\u00fcr den Montreux-Vertrag in Zukunft jedoch problematisch werden k\u00f6nnte. Mit Ausnahme der Ukraine und Georgiens sprechen sich die Schwarzmeerl\u00e4nder gegen den Kanal aus. Diese beiden L\u00e4nder hingegen wollen eine verst\u00e4rkte NATO-Pr\u00e4senz im Schwarzen Meer.<\/p>\n<p>W\u00e4hrenddessen lehnen Rum\u00e4nien, Bulgarien und Griechenland etwaige Vertrags\u00e4nderungen des Montreux-Abkommens ab. Obwohl Griechenland kein Schwarzmeerstaat ist, liegt es an der M\u00fcndung der Dardanellen-Meerenge. Trotz allem sind die drei L\u00e4nder NATO-Mitglieder. Am st\u00e4rksten betroffen von einer \u00c4nderung des Abkommens oder des Status Quo w\u00e4re allerdings Russland, vor allem angesichts der k\u00fcrzlichen Provokation Gro\u00dfbritanniens nahe der Krim. Moskau m\u00f6chte nicht, dass Nicht-Schwarzmeerl\u00e4nder, insbesondere solche, die in der NATO sind, den Vertrag umgehen und die Pr\u00e4senz ihrer Seestreitkr\u00e4fte in den besagten Gew\u00e4ssern verst\u00e4rken. Die T\u00fcrkei wird dies mit der Fertigstellung des Kanals jedoch erm\u00f6glichen. Um den Druck auf Russland aufrechtzuerhalten, vertreten die USA, Gro\u00dfbritannien und andere f\u00fchrende NATO-Staaten die Haltung, dass das Montreux-Abkommen veraltet ist, weil es die Anzahl der Schiffe im Schwarzen Meer einschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>Der t\u00fcrkische Au\u00dfenminister Mevl\u00fct \u00c7avu\u015fo\u011flu sagte am Mittwoch auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow, dass keine Vertrags\u00e4nderungen am Montreux-Abkommen vorgenommen werden sollen. Es ist jedoch nat\u00fcrlich einfach, einen solchen Anspruch zu erheben, bevor der Bau abgeschlossen ist. Die T\u00fcrkei ist durchaus dazu in der Lage, auf Manipulationen zur\u00fcckzugreifen, da der Status der neuen Wasserstra\u00dfe noch nicht definiert wurde. Diese blo\u00dfe Tatsache verdeutlicht Ankaras Absicht, nicht nur in der Region, sondern auch auf der Weltb\u00fchne ein bedeutenderer Akteur werden zu wollen.<\/p>\n<p><strong><em>Von Paul Antonopoulos, der<a href=\"http:\/\/eurobrics.de\/?module=articles&amp;action=view&amp;id=1785\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Artikel<\/a> erschien zuvor im englischen Original auf InfoBrics.org und wird von der Redaktion \u00fcbersetzt wiedergegeben.<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem Baubeginn des Kanal Istanbul, der das Marmarameer und das Schwarze Meer verbindet, wurde ein neues Mega-Projekt angesto\u00dfen. 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