{"id":1393792,"date":"2021-07-08T06:28:43","date_gmt":"2021-07-08T05:28:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1393792"},"modified":"2021-07-09T11:06:03","modified_gmt":"2021-07-09T10:06:03","slug":"vom-hakenkreuz-zum-bundesverdienstkreuz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2021\/07\/vom-hakenkreuz-zum-bundesverdienstkreuz\/","title":{"rendered":"Vom Hakenkreuz zum Bundesverdienstkreuz"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wer sich auf Spurensuche nach den reichsten Deutschen begibt, der muss ein paar Klippen umschiffen.<\/strong><\/p>\n<p>Die Reimanns haben in diesem Jahr mit einem Familienverm\u00f6gen von 32 Milliarden Euro die Spitzenposition im Milliard\u00e4rs-Ranking des Manager-Magazins erobert und sind trotzdem nur schwer zu finden. Keine Fotos. Keine Videos. Keine n\u00e4heren Angaben zu den Personen hinter den Milliarden. Stattdessen \u201eDie Reimanns\u201c eine deutsche Auswandererfamilie in Texas und Personal einer Vorabendserie auf RTL II. Was? Das sollen die reichsten Deutschen sein? Nat\u00fcrlich nicht. Erst mit dem Zusatz \u201eUnternehmerfamilie\u201c kommt man der Sache n\u00e4her und st\u00f6sst in diesem Zusammenhang dann auch auf die JAB Holding Company s.\u00e0 r.l., die laut Wikipedia die Verm\u00f6genswerte der deutschen Unternehmerfamilie Reimann verwaltet.<\/p>\n<p>Zu diesem Firmenkonglomerat geh\u00f6ren unter anderem Mehrheitsbeteiligungen am Parf\u00fcmhaus Coty und dem Kaffeehersteller Jacobs Douwe Egberts, Anteile an Reckitt Benckiser \u2013 einem Grosskonzern, der Reinigungsmittel herstellt -, sowie zahlreiche weitere Beteiligungen, die so gut wie alles umfassen, was man in einer gut sortierten Drogerieabteilung so kaufen kann plus noch mehr Kaffee \u2013 und Teemarken.<\/p>\n<p>Gegr\u00fcndet wurde das Unternehmen, aus dem die sp\u00e4tere Holding hervorgegangen ist, im Jahr 1851 als sich der Salmiakh\u00fcttenbesitzer Joh. A. Benckiser mit dem Chemiker Ludwig Reimann zusammentat und beide eine gemeinsame GmbH mit Sitz in Ludwigshafen aus der Taufe hoben.<\/p>\n<p><strong>Mit Hitler zur Marktmacht<\/strong><\/p>\n<p>Richtig Fahrt aufgenommen hat die Firma allerdings erst in den 1930 Jahren als Albert Reimann senior, der Enkel von Ludwig Reimann, die Leitung des mittelst\u00e4ndischen Chemieunternehmens \u00fcbernahm. Er und sein Sohn Albert Reimann junior waren bekennende Nationalsozialisten und stellten ihr Unternehmen schon im Jahr 1933, direkt nach Hitlers Macht\u00fcbernahme, als NS-Musterbetrieb auf. Durch den Einsatz von mehreren hundert Zwangsarbeiter:innen gelang der Firma ein wirtschaftlicher Aufstieg, der selbstverst\u00e4ndlich in die junge Bundesrepublik hin\u00fcber gerettet werden konnte.<\/p>\n<p>Albert Reimann junior, der f\u00fcr seine Grausamkeit insbesondere gegen\u00fcber Zwangsarbeiterinnen bekannt war, gelang sogar das Kunstst\u00fcck, sich als Opfer des Nationalsozialismus auszugeben, obwohl er nach Angaben der New York Times gute Kontakte zu den Gr\u00f6ssen des Nazi-Regimes unterhielt. So schrieb er im Jahr 1937 an Heinrich Himmler pers\u00f6nlich: \u201eWir sind ein \u00fcber hundertj\u00e4hriges, rein arisches Familienunternehmen. Die Inhaber sind unbedingte Anh\u00e4nger der Rassenlehre.\u201c<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus war der Jurist und Richter Reimann senior von 1937 bis 1941 Pr\u00e4sident der Industrie- und Handelskammer f\u00fcr die Pfalz, die ebenfalls ihren Anteil an der Arisierung von j\u00fcdischem Eigentum hatte, was einer sp\u00e4teren Mitgliedschaft im Beirat der Wirtschaftskammer Ludwigshafen nicht im Wege stand \u2013 plus zahlreicher Ehrungen f\u00fcr seinen Sohn. Dieser erhielt zum Beispiel im Jahr 1963 das grosse Bundesverdienstkreuz und im Jahr 1973 das grosse Bundesverdienstkreuz mit Stern.<\/p>\n<p>Nach all dem muss man allerdings ein bisschen graben, denn was an Artikeln \u00fcber die Reimanns auf den Seiten der Wirtschaftsjournaille zu finden ist, strotzt nur so vor Bewunderung gegen\u00fcber der unfassbaren Kapital-Akkumulation. Und selbst das Mainstream-Magazin Galileo ist sich nicht zu schade, ein Propagandavideo \u00fcber die Reimanns zu produzieren, in dem die unternehmerische Spitzenleistung der Chemiefabrikanten aus der Pfalz gew\u00fcrdigt wird, die selbstredend allesamt nat\u00fcrlich gar nicht mehr in der Pfalz wohnen \u2013 doch dazu sp\u00e4ter mehr.<\/p>\n<p>Kein Wort in diesem Schmierenst\u00fcck der Hofberichterstattung \u00fcber die Zwangsarbeiter:innen oder arische Musterbetriebsl\u00f6sungen. Kein Wort zu den ganz pers\u00f6nlichen Ausrastern von Opa und seinen L\u00fcgen, stattdessen das M\u00e4rchen vom ehrbaren, deutschen, mittelst\u00e4ndischen Betrieb, der Anfang der 1980er Jahre fast pleite gegangen w\u00e4re und beinahe von der internationalen Konkurrenz von Nestl\u00e9, Unilever, Procter Gamble und Konsorten geschluckt worden w\u00e4re.<\/p>\n<p><strong>Peter ohne Socken und Sakko<\/strong><\/p>\n<p>Doch dann tritt er auf, der Mann, der seit den 1980ern die Reimanns in der \u00d6ffentlichkeit repr\u00e4sentiert. Das Gesicht der Familie. Der Manager. Der Retter. Peter Harf betritt die Bildfl\u00e4che oder wie er den Reporter von Galileo wissen l\u00e4sst: \u201eSie k\u00f6nnen ruhig Peter zu mir sagen.\u201c<\/p>\n<p>Soviel Ungezwungenheit beeindruckt die b\u00fcrgerliche Presse und auch die Wirtschaftswoche kriegt sich in einem Portrait \u00fcber den Topmanager ob dessen unkonventioneller Lockerheit kaum ein: \u201eKein Sakko, keine Socken: Der oberste Reimann-Verm\u00f6gensverwalter Harf pfeift auf Konventionen. Der Kunststoffboden vor dem Aufzug wirkt blass und abgetreten. Das B\u00fcro im Londoner Stadtteil Belgravia ist offen wie ein Loft, das Parkett stammt aus dem Baumarkt, und die langen Schreibtischplatten aus weissem Acryl sehen aus wie vom M\u00f6beldiscounter Ikea. Wenn dann der Chef zur Begr\u00fcssung Sakko-frei und in Slippern ohne Socken daherkommt und pers\u00f6nlich den Kaffee holt, ginge JAB glatt als junge Internet-Bude durch.\u201c Hach, wenn man da nicht mitmachen will.<\/p>\n<p>Schaut man sich das Gesch\u00e4ftsgebaren des Peter Harf allerdings n\u00e4her an, so erkennt man schnell, dass dieser Typ keine Gefangenen macht, oder wie die Welt im Jahr 2014 voller Bewunderung schreibt: \u201eDerzeit ist der 68-J\u00e4hrige dabei, mit der von ihm gef\u00fchrten JAB Holding einen der gr\u00f6ssten Kaffeekonzerne der Welt aus dem Boden zu stampfen. Jacobs Douwe Egberts, so der Name der neuen globalen Nummer zwei nach Nestl\u00e9, wird vom Start weg mehr als f\u00fcnf Milliarden Euro umsetzen. Mit Senseo geh\u00f6rt der Erfinder von Kaffeepads dazu, mit Tassimo einer der sch\u00e4rfsten Rivalen von Nestl\u00e9 im Kapselgesch\u00e4ft.\u201c M\u00fcll hat einen Namen \u2013 Nestl\u00e9; und seit ein paar Jahren eben auch Jakobs Douwe Egberts.<\/p>\n<p>Da das Kaffeegesch\u00e4ft zum damaligen Zeitpunkt keinen Marktf\u00fchrer hatte, auf der anderen Seite aber ein Markt ist, der nicht von heute auf morgen einbricht, hat sich JAB, verst\u00e4rkt durch Milliardenkredite, daran gemacht das Feld aufzurollen. Denn, das weiss ja schliesslich jeder \u2013 mit der gr\u00f6sseren Marktmacht kriegt man auch die besseren Konditionen und man kann billiger einkaufen. Die Kaffeebauern und B\u00e4uerinnen werden Luftspr\u00fcnge gemacht haben, als sie das geh\u00f6rt haben.<\/p>\n<p>Und so geht das mit jedem Markt, den der Peter ins Visier nimmt. Ob Luxusg\u00fcter wie die Schuhmarke Jimmy Choo, den Parfumhersteller Coty oder auch pharmazeutische Produkte. Das Prinzip ist immer das gleiche. JAB mischt mit, steigt ein, kauft auf und konsolidiert.<\/p>\n<p>Kein Wunder deshalb, dass die Holding mit ihrem Stammhaus Reckitt Benckiser auch in den US-amerikanischen Opioid-Skandal verwickelt war. Eine Meldung, die man \u00fcbrigens nicht unbedingt in den einschl\u00e4gigen Wirtschaftsbl\u00e4ttern finden konnte, sondern lediglich in der Tageszeitung junge welt. Am 25.10.2019 schrieb das Blatt: \u201eDer britische Konsumg\u00fcterkonzern \u00bbReckitt Benckiser\u00ab, zu dem bis 2014 laut Handelsblatt (Donnerstagausgabe) die Pharmafirma \u00bbIndivior\u00ab geh\u00f6rte, hat sich im Streit mit US-Bundesstaaten um das unsachgem\u00e4ss vermarktete opioidhaltige Medikament \u00bbSuboxone\u00ab auf einen Vergleich geeinigt. Das Unternehmen habe im Rahmen des Kompromisses eine Zahlung von 700 Millionen Dollar (629 Millionen Euro) akzeptiert, teilte New Yorks Generalstaatsanw\u00e4ltin Letitia James am Mittwoch mit. In den USA sind zwischen 1999 und 2017 fast 400.000 Menschen an den Folgen von Opioidmissbrauch gestorben.\u201c<\/p>\n<p>Zu Corona-Zeiten verdienen die Reimanns \u00fcbrigens auch pr\u00e4chtig an ihren diversen Hygiene Artikeln wie Sagrotan und dar\u00fcber hinaus wird gerade in den Bereich Tierkliniken und Tiermedizin investiert. Ein Markt, der Analysten zufolge j\u00e4hrlich um vier bis f\u00fcnf Prozent w\u00e4chst und zudem weniger reguliert ist als andere Segmente des Gesundheitsbereichs. Den Dienstleistungen und damit auch den Einnahmen von Privatkliniken und Privat\u00e4rzten sind kaum Grenzen gesetzt, der Forschung ebenfalls. Grosse Konzerne wollen davon profitieren und k\u00f6nnen den Markt zudem als Testfeld f\u00fcr weitere Expansionen in Richtung Humanmedizin nutzen. Mal schauen, was da noch auf uns zukommt.<\/p>\n<p>\u00dcberraschend bei diesen ganzen, weltumspannenden Transaktionen ist eigentlich nur, dass man die Leute, die dahinter stecken tats\u00e4chlich kaum kennt und dass sie es geschafft haben, die Fassade des kleinb\u00fcrgerlichen Familienunternehmens aufrecht zu erhalten. Auch Peter Harf wird im nationalen Ranking der Supermanager auf einige Hundert Millionen gesch\u00e4tzt, schliesslich ist er Teilhaber an den von ihm geleiteten Unternehmen. Im Gespr\u00e4ch mit der Welt antwortet er auf die Frage, ob das Verm\u00f6gen der Reimanns richtig eingesch\u00e4tzt wird, aber ganz bescheiden: \u201eEs geht uns gut.\u201c<\/p>\n<p>Diese vor sich her getragene Bodenst\u00e4ndigkeit ist es wahrscheinlich, was die Reimanns so unsichtbar erscheinen l\u00e4sst. Dabei l\u00e4sst Harf keinen Zweifel daran, dass sein grosses Vorbild weder der \u201eehrliche Kaufmann\u201c noch die T\u00fcftlerin aus dem deutschen Mittelstand ist. Sein Vorbild heisst Warren Buffet, den er bei der \u201eSchlacht um Avon\u201c kennen gelernt hat, wie sich \u201edie Welt\u201c auszudr\u00fccken pflegt. \u201eWarren Buffett ist f\u00fcr mich ein Vorbild\u201c, sagt Harf, \u201eder sich durch die Wucht seines enormen Verm\u00f6gens nicht verbiegen hat lassen und es dennoch \u2013 oder gerade deswegen \u2013 stetig vermehre.\u201c Der Mann, der den \u201eKlassenkampf von oben\u201c f\u00fchrt, als unbeugsamer und charakterfester Geldvermehrer mit Augenmass \u2013 damit identifizieren sie sich gern, die Reimanns und Peters dieser Welt.<\/p>\n<p><strong>G\u00fcnstig aufgearbeitet<\/strong><\/p>\n<p>Dass es mit der vermeintliche Bodenst\u00e4ndigkeit aber gar nicht so weit her ist, versteht sich in diesem Universum fast von selbst. Entgegen der Legende der heimatverbundenen Chemiefabrikant:innen aus der Pfalz leben die Erben heute in der Schweiz, in \u00d6sterreich oder Italien. Warum? Na weil sich dort Erbschaft- und Unternehmenssteuern besser optimieren lassen als hierzulande \u2013 normaler Move.<\/p>\n<p>Ebenso normal in diesem Zusammenhang erscheint dann letztendlich auch, dass sich Familie Reimann sage und schreibe ganze 70 Jahre lang Zeit gelassen hat, um die eigene Familiengeschichte aufzuarbeiten. Doch auch hier sucht der Clan den Schulterschluss mit der deutschen Otto-Normal-Familie. Wie andere Unternehmerdynastien auch, die ebenfalls von Sklavensystem der Zwangsarbeit im NS-Regime profitiert haben, behauptet man ganz einfach, dass man von nichts gewusst habe und l\u00e4sst die berufenen Akademiker:innen balsamische Worte finden.<\/p>\n<p>So sagt der von der Unternehmerfamilie Quandt beauftragte Historiker Joachim Scholtyseck in einem Beitrag des Deutschlandfunks: \u201eMan kann sich eben vorstellen, in einer Familie ist es schmerzhaft, sich von so einem Bild zu l\u00f6sen, dass der Grossvater eben doch ein ganz grosser Held gewesen sei. Und ein solcher Abl\u00f6sungsprozess ist niemals ganz einfach und kann auch nicht ganz einfach sein. Ich weiss das aus meiner eigenen Familie. Und es gibt eben sicherlich gen\u00fcgend andere Beispiele.\u201c<\/p>\n<p>Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die T\u00e4ter, selbst wenn diese als Fabrikbesitzer Zwangsarbeiterinnen nackt vor ihren Baracken haben stramm stehen lassen, sie bei Widerstand sexuell missbrauchten, sie in ihren eigenen Privatvillen misshandelt haben oder Kriegsgefangene w\u00e4hrend der Bombenn\u00e4chte aus den Bunkern jagen haben lassen. Dass der Opa dann auch noch nach oder w\u00e4hrend dem Krieg eine Aff\u00e4re mit einer jungen Frau beginnen konnte, deren Vater als Jude deportiert und vermutlich in einem KZ ermordet wurde und aus dieser Verbindung dann auch noch drei uneheliche Kinder hervorgingen, macht die Geschichte in den Augen der b\u00fcrgerlichen Presse zu einer \u201ebesonders tragischen Geschichte\u201c, weil sich da Opfer und T\u00e4ter vermischen. Dass Opa Albert auch noch Jahrzehnte sp\u00e4ter erz\u00e4hlen konnte, die franz\u00f6sischen und belgischen Zwangsarbeiter h\u00e4tten bei ihm immer Wein bekommen und geweint, als sie gegen Kriegsende die Firma verlassen mussten \u2013 das ist eine Farce.<\/p>\n<p>\u201cWir waren sprachlos und weiss wie eine Wand\u201d, so schildert Peter Harf in einem Stern-Interview die Situation, als die von der Familie bestellten Historiker:innen 2019 die Ergebnisse der Ahnenforschung pr\u00e4sentierten. Nicht ohne anzumerken, dass man dann nun doch sehr erleichtert sei, \u201edass es jetzt raus ist.\u201d Umgehend wurde dann auch angek\u00fcndigt, dass man 10 Millionen Euro an eine entsprechende Organisation spenden wolle, um ehemalige Zwangsarbeiter zu entsch\u00e4digen und ausserdem hat man die familieneigene Benckiser Stiftung in Alfred Landecker Stiftung umbenannt, nach dem verschwundenen j\u00fcdischen Vater von Emilie Landecker, der Geliebten von Albert Reimann junior.<\/p>\n<p>Diese soll sich der Erforschung von Ursachen und Folgen der Shoa widmen sowie dem Kampf f\u00fcr liberale, demokratische Grundwerte und in den n\u00e4chsten 10 Jahren mit j\u00e4hrlich 25 Millionen Euro aus dem Familienverm\u00f6gen ausgestattet werden. Das ist immerhin mehr als die f\u00fcnf Millionen, die die Quandts und Flicks dieser Welt f\u00fcr ihre Whitewashing-Kampagnen ausgegeben haben, angesichts des Riesenverm\u00f6gens aber immer noch Peantus.<\/p>\n<p>Zur Verdeutlichung des Wahnsinns an Reichtum, den Peter Harf im Namen der Familie Reimann angeh\u00e4uft hat, muss man sich nur vorstellen, was unsereiner in der Regel an Verm\u00f6gen besitzt. Die meisten von uns so gut wie nichts, aber angenommen wir h\u00e4tten 1.000 Euro zur freien Verf\u00fcgung und das w\u00fcrde einer Edelstahlfolie mit 0,1 mm Dicke entsprechen, dann h\u00e4tte ein Mensch mit dem Verm\u00f6gen von einer Million einen Turm in der H\u00f6he von zehn Metern. Das entspricht einem zwei- bis dreist\u00f6ckiges Haus.<\/p>\n<p>Mit drei Millionen kommen wir in die Region eines Berliner Mietshauses und bei 10 Million sind wir schon bei einem Hochhaus von 100 Metern. Bei 33 Milliarden allerdings bewegen wir uns in einer H\u00f6he von 330 Kilometern. Wir befinden und dann in der sogenannten Thermosph\u00e4re und die Erde unter uns ist nur noch ein kleiner blauer Ball. Die Einmalzahlung von 10 Millionen ist aus dieser Entfernung \u00fcberhaupt nicht zu sehen und die 250 Millionen in der H\u00f6he eines Berges von 2.500 Metern vielleicht.<\/p>\n<p>Hervorgebracht wird dieser Reichtum heute, wie k\u00f6nnte es anders sein, durch eine Armee von Arbeiter:innen verteilt auf dem ganzen Globus. Wer ein Durex-Kondom kauft, beschert den Reimanns Profit, die Marke ist Teil von Reckitt Benckiser. Der Rohstoff \u2013 bei Durex dezidiert kein Fair-Trade-Naturkautschuk, sondern der billige Industriekautschuk \u2013 ist ber\u00fcchtigt f\u00fcr seine f\u00fcr Mensch und Natur katastrophalen Herstellungsbedingungen. Dann geht\u2018s ab in die Megafabrik im chinesischen Qingdao. Und von da aus in den Handel und zum Konsumenten. Billiglohn und Missachtung der Natur sind integraler Teil dieser Produktionskette \u2013 und \u00e4hnlich k\u00f6nnte man das f\u00fcr dutzende andere Produkte aus dem Hause Reimann auflisten.<\/p>\n<article><strong>Social Business<\/strong>Kein Wunder, dass f\u00fcr Harf und Konsorten das soziale Engagement in diesem Zusammenhang dann auch nur noch ein \u201eBusiness\u201c wie jedes andere ist. In dem Gespr\u00e4ch mit der Wirtschaftswoche, das allerdings noch vor der Aufdeckung der Nazivergangenheit stattgefunden hat, erkl\u00e4rt er den Ansatz und Ablauf f\u00fcr karitative Projekte im Hause Reimann folgendermassen. Da sitzt die Familie bei ihren wechselnden Familientreffen in irgendwelchen Hotels in Italien, London, Luxemburg oder Amsterdam zusammen und macht sich Gedanken, wie man mit dem Geld auch mal was Gutes tun kann. Der Peter, dem man vertraut, geht dann los und setzt um, wor\u00fcber man am Kamin so sinniert hat und so machte er zum Beispiel aus der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) eine der effizientesten Hilfsorganisationen.\u201eNach den gleichen unternehmerischen Prinzipien erneuert er nun die karitative Arbeit der Reimanns\u201c, heisst es in der Wirtschaftswoche und weiter: \u201eWir nennen es nicht Wohlt\u00e4tigkeit, sondern Social Business, weil wir wie ein Unternehmen mit unseren Mitteln gr\u00f6sstm\u00f6glichen Erfolg haben wollen.\u201c Dabei verkn\u00fcpft die Organisation Reimann-Gelder mit Mitteln der \u00f6ffentlichen Hand und anderen Wohlt\u00e4tern, \u201eDenn so wichtig Effizienz im Gesch\u00e4ftsleben ist\u201c, sagt Harf, \u201eim sozialen Bereich ist sie am Ende noch viel wichtiger.\u201cWenn dein ganzes Leben nur aus Gewinnstreben besteht, dann ist das wohl so. Ein Leben ohne Skandale und Luxusyachten im ganz normalen kapitalistischen Exzess, aufgebaut auf Zwangsarbeit und Verbrechen. Dass man damit durchkommt, das ist das eigentlich Erschreckende an diesen Reimanns. Und den zahlreichen anderen.<\/article>\n<p class=\"author\" style=\"text-align: right;\">Marcus Staiger \/ lcm<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer sich auf Spurensuche nach den reichsten Deutschen begibt, der muss ein paar Klippen umschiffen. 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