{"id":1383817,"date":"2021-06-21T12:31:13","date_gmt":"2021-06-21T11:31:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1383817"},"modified":"2021-06-21T12:31:13","modified_gmt":"2021-06-21T11:31:13","slug":"die-katastrophalen-folgen-des-kreditskandals-in-mosambik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2021\/06\/die-katastrophalen-folgen-des-kreditskandals-in-mosambik\/","title":{"rendered":"Die katastrophalen Folgen des Kreditskandals in Mosambik"},"content":{"rendered":"<div class=\"entry-content\">\n<p class=\"author-meta\"><strong>Korruption und Schmiergelder bekommen die \u00c4rmsten am meisten zu sp\u00fcren. Im Fall von Mosambik war die Credit Suisse dabei.<\/strong><\/p>\n<p><em>Thomas Kesselring<\/em>\u00a0<em>f\u00fcr die Online-Zeitung <a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/wirtschaft\/konzerne\/die-katastrophalen-folgen-des-kreditskandals-in-mosambik\/\">INFOsperber<\/a><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"entry-content clearfix\">\n<p><em>Red. Der Skandal um die geheimen Kredite der Banken Credit Suisse und VTB in Gesamth\u00f6he von \u00fcber zwei Milliarden Dollar an Mosambik f\u00fchrt in diesem Land unter anderem zu noch mehr Armut und Inflation. Das zeigt ein unabh\u00e4ngiger Bericht, den Thomas Kesselring zusammenfasst. Kesselring unterrichtete jahrelang an einer Universit\u00e4t in Mosambik. Auf Infosperber berichtet er seit 2016 \u00fcber den Fall.<\/em><\/p>\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Kosten und Folgen f\u00fcr die mosambikanische Bev\u00f6lkerung<\/strong><\/p>\n<p>Seit der Skandal um die geheimen Kredite der Credit Suisse an Mosambik aufgeflogen ist, sind f\u00fcnf Jahre vergangen. Ende Mai haben nun\u00a0das mosambikanische\u00a0<a href=\"https:\/\/www.cipmoz.org\/pt\/quem-somos\/\"><em>Centro de Integridade P\u00fablica (CIP)<\/em><\/a>\u00a0und\u00a0das norwegische\u00a0<em>Michelsen-Institut<\/em>\u00a0f\u00fcr Entwicklungsforschung\u00a0zusammen einen 142 Seiten starken Bericht \u00fcber die\u00a0Kosten und Folgen dieses Skandals f\u00fcr die mosambikanische Bev\u00f6lkerung publiziert (<a href=\"https:\/\/www.cipmoz.org\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Costs-and-consequences-of-the-Hidden-Debt.pdf\"><em>Costs and Consequences of the Hidden Debt Scandal of Mozambique<\/em><\/a>).<\/p>\n<p>Das CIP, ein renommiertes regierungsunabh\u00e4ngiges Institut in Maputo, ist seit Beginn des Kreditskandals um dessen Aufkl\u00e4rung bem\u00fcht. Die Autoren vermeiden pauschale Urteile und versuchen stattdessen, unter den diversen Faktoren, die die wirtschaftliche, soziale und politische Zuspitzung der Lage in Mosambik verursachten, die Effekte des Kreditskandals minuti\u00f6s herauszurechnen. Wir fassen hier die wichtigsten Ergebnisse des Berichts zusammen (Ziffern in Klammern beziehen sich auf die Seitenzahlen des Berichts).<\/p>\n<p><strong>Soziale Folgen: Sp\u00fcrbare Zunahme der Armut<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>Mosambik reduzierte seine Staatsausgaben zwischen 2014 und 2016 um praktisch einen Viertel. Den sozialen Sektor traf es \u00fcberproportional hart: Zwischen den Jahren\u00a02013-15 und 2016-18 fielen die Ausgaben f\u00fcr Bildung und Gesundheit um 1,7 Milliarden Dollar \u2013 in der Bildung von\u00a044 auf 30 Dollar pro Person und Jahr und in der Gesundheit von 23 auf 13 Dollar pro Person und Jahr (S.114). F\u00fcr die von diesen K\u00fcrzungen betroffenen Segmente der Bev\u00f6lkerung ist der Einschnitt noch entsprechend gr\u00f6sser. Die K\u00fcrzung der Bildungskosten betrifft v.a. die 6- bis 24-J\u00e4hrigen \u2013 in Mosambik ist das etwa die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung. Die Investitionen f\u00fcr die Infrastruktur fielen in der gleichen Periode um 39% \u2013 davon wurde insbesondere die Landwirtschaft empfindlich getroffen.<\/li>\n<li>Die Inflation verzehnfachte sich zwischen 2014 und 2016 von 2,5% auf 25,3%. Die Landesw\u00e4hrung erfuhr eine Abwertung um 60%. Deshalb schrumpfte der Import von Konsumg\u00fctern, und zwar um mehr als ein Drittel, w\u00e4hrend die Preise f\u00fcr Grundnahrungsmittel 2016\/17 in der gleichen Proportion stiegen. Auch Gas und Wasser verteuerten sich um einen F\u00fcnftel. Die Arbeitslosigkeit nahm um etwa 10% zu, wobei die Mehrheit der wirtschaftlich aktiven Bev\u00f6lkerung ohnehin auf informelle Jobs angewiesen ist. Das Durchschnittseinkommen sank um mehr als einen Drittel \u2013 von 604 Dollar (2015) auf 386 Dollar (2016). Auch wenn daf\u00fcr die Kreditkrise nicht die einzige Ursache war, hatte sie dabei doch einen erheblichen Anteil. Gleichzeitig stiegen die Lebenshaltungskosten um gut einen F\u00fcnftel.<\/li>\n<li>Die Armut nahm deutlich zu. Mehr als die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung Mosambiks (16,2 von 29,5 Millionen) lebten 2019 unter der Armutsgrenze. Das waren 2,6 Millionen mehr, als aufgrund des Bev\u00f6lkerungswachstums allein zu erwarten gewesen w\u00e4re. Die Autoren der Studie nehmen an, dass der \u00fcberm\u00e4ssige Armuts-Zuwachs zwar auf mehrere Faktoren zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Bei weitem der bedeutendste ist allerdings die Verschlechterung der wirtschaftlichen Bedingungen infolge der Geheimen Kredite. Ihn machen sie f\u00fcr eine Zunahme der Armuts-Opfer um 1,9 Millionen verantwortlich(S. 108-111).<\/li>\n<\/ol>\n<div class=\"wp-block-infosperber-box\">\n<blockquote><p><strong>Kurzgeschichte des Skandals<\/strong><\/p>\n<p>Die Krise um die geheimen Kredite begann schon, bevor im April 2016 die Existenz des Proindicus- und MAM-Kredits bekannt wurden. Vor ihnen wurde im September 2013 der Ematum-Kredit (850 Millionen Dollar) publik, der angeblich zur Anschaffung einer Thunfisch-Fangflotte bestimmt war. Die Schiffe sollten in einer vom libanesischen Schiffbau-Imperium Privinvest betriebenen Werft im franz\u00f6sischen Cherbourg gebaut werden und laut franz\u00f6sischen Zeitungen 230 Millionen Dollar kosten. Die Verwendung der \u00fcbrigen 620 Millionen des Kredits blieb nebul\u00f6s, und es kursierten Ger\u00fcchte, dass Mosambiks Regierungspartei, Frelimo, Waffen f\u00fcr den wieder aufgeflammten Krieg mit der Renamo kaufen wollte. Als die wahre Verwendung des gesamten Kredits auch zwei Jahre sp\u00e4ter noch nicht aufgekl\u00e4rt war, wurde der IWF, der sich durch Mosambik Geheimhaltungsman\u00f6ver hintergangen f\u00fchlte, unwirsch und drohte mit Massnahmen. Mosambiks Kreditw\u00fcrdigkeit war angeschlagen. Deshalb verschlechterte sich die \u00f6konomische Situation des Landes bereits 2015. Auf entsprechende Nachfrage des IWF log die mosambikanische Regierung, es gebe keine weiteren Kredite, die man vor dem IWF geheimhalte. Als im April 2016 dann doch zwei solche Kredite (zu 622 und 535 Millionen Dollar) publik wurden, kam es zum Kladderadatsch. Der IWF und die Geberl\u00e4nder sistierten bis auf Weiteres die Budgethilfe und direkte Projektzahlungen an Mosambik. Da die mosambikanische Regierung das Versteckspiel jahrelang weitertrieb, blieben auch die Hilfszahlungen ebenso lange aus.<\/p>\n<p>Die drei Kredite Ematum, Proindicus und MAM geh\u00f6ren zusammen: Insgesamt betrugen sie 2007 Millionen Dollar. Die Credit Suisse hatte die ersten 500 Millionen Dollar f\u00fcr den Ematum-Kredit organisiert (<a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/wirtschaft\/konzerne\/credit-suisse-im-fall-mosambik-ist-unwissen-noch-unglaublicher\/\">unter betr\u00fcgerischen Bedingungen<\/a>, wie man heute weiss) und 504 Millionen Dollar an den Proindicus-Kredit. Weitere 1003 Millionen organisierte die russische Bank VTB.<\/p>\n<p>Wie nach und nach bekannt wurde, sollten sie haupts\u00e4chlich einem K\u00fcstenschutzprojekt gelten, das die libanesische Schiffbaufirma Privinvest von Iskandar Safa f\u00fcr Mosambik bauen wollte. Um sich den Auftrag zu sichern und die n\u00f6tigen Kredite aufzutreiben, setzte Privinvest bzw. ihr Chef, Iskandar Safa, gegen 200 Millionen Dollar an Schmiergeldern ein: einen Teil f\u00fcr mosambikanische Funktion\u00e4re und einen Teil f\u00fcr Investmentbanker der Credit Suisse in London. Auch der Chef der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/wirtschaft\/konzerne\/noch-zwei-schweizer-firmen-in-den-mosambik-skandal-verwickelt\/\">Firma AMT (Advanced Maritime Transports)<\/a>\u00a0in Nyon, Arnaud Lelouvier, erhielt eine Million, weil er Privinvest und den Mosambikanern die russische Bank VTB vermittelte. Derzeit befassen sich\u00a0<a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/wirtschaft\/konzerne\/grobfahrlaessige-cs-kredite-vor-dem-londoner-high-court\/\">Gerichte in f\u00fcnf L\u00e4ndern<\/a>\u00a0mit dem Skandal.<\/p><\/blockquote>\n<\/div>\n<p><strong>Wirtschaftliche Konsequenzen \u2013 buchst\u00e4blich ein Desaster<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>Bis Ende 2019 ist trotz bisher erfolgter Tilgungs- und Zinszahlungen von 674,2 Millionen Dollar eine Schuld von 2031 Millionen Dollar aufgelaufen. Dieser Betrag liegt h\u00f6her als die Summe der Ausgaben in H\u00f6he von 2007 Millionen. Zum Vergleich: Allein mit den 674 Millionen an Tilgungszahlungen h\u00e4tte Mosambik, wie die Autoren vorrechnen, 56\u2018000 Klassenr\u00e4ume zu 12\u2018000 Dollar das St\u00fcck oder 898 Gesundheitszentren zu 750\u2018000 Dollar bauen k\u00f6nnen.<br \/>\nBerechnet man die Zinsen bis zum vertraglich vorgesehenen letzten R\u00fcckzahlungsdatum im Jahr 2031 mit ein, so wird sich die Gesamtschuld auf 3\u2018930 Millionen Dollar summieren. Zusammen mit den erfolgten Tilgungszahlungen kommt man auf 4\u2018619 Millionen Dollar. Das ist mehr als das Doppelte der urspr\u00fcnglichen Kreditsumme. F\u00fcr jede B\u00fcrgerin, jeden B\u00fcrger, bedeutet das einen Schulden-Anteil von 159 Dollar oder 12 Prozent des Jahresdurchschnittseinkommens. Mit den 4\u2018619 Millionen k\u00f6nnte Mosambik 376\u2018000 Klassenr\u00e4umen oder 5898 Gesundheitszentren bauen (S.26, 115).<\/li>\n<li>Als im April 2016 der volle Umfang des Kreditdeals bekannt wurde, blockierte der IWF sofort Budgethilfe und Direktzahlungen (410 Millionen), und die Geberl\u00e4nder blockierten zusammen weitere 401 Millionen Dollar f\u00fcr 2016. Da die mosambikanische Regierung bei der Aufdeckung des Skandals nicht kooperierte, verl\u00e4ngerte sich die Blockade Jahr f\u00fcr Jahr. Die Gelder von IWF und Geberl\u00e4ndern fehlen seither jedes Jahr. China, das in der Zwischenzeit in die Bresche sprang, ist heute der wichtigste bilaterale Kreditgeber Mosambiks (die Schulden gegen\u00fcber China betragen 37% der bilateralen Schulden; p.38)<\/li>\n<li>Die Auslandsverschuldung Mosambiks stieg zwischen 2015 und 2019 von 1,73 auf 2,45 Milliarden Dollar,\u00a0also um 41.6%, der Schuldendienst kletterte in dieser Zeit von 291 auf 470 Millionen Dollar pro Jahr (S.38). Hinzu kommt eine wachsende Inlandverschuldung. Die zu ihrer Bedienung f\u00e4lligen Beitr\u00e4ge haben sich sogar fast vervierfacht, von 11,5 auf 41,2 Milliarden Metical (Landesw\u00e4hrung). Der Metical verlor w\u00e4hrend dieser Frist allerdings fast die H\u00e4lfte seines Werts (<a href=\"https:\/\/wechselkurse-euro.de\/kurse\/MZN-metical-mosambik\/\">Verh\u00e4ltnis Dollar \u2013 Metical<\/a>\u00a0im Januar 2015: 1 zu 40; im Januar 2019: 1 zu 70).<\/li>\n<li>Das Wirtschaftswachstum, das 2015 noch 6,7% betragen hatte, sank 2016 auf 3,8% und 2019 auf 2,3%. Dieses Wachstum liegt einen F\u00fcnftel tiefer als das in Mosambik sehr hohe Bev\u00f6lkerungswachstums von 2,8% im Jahr. Da der Einbruch des Wirtschaftswachstums neben den geheimen Krediten auch andere Ursachen hat (zum Beispiel Wettereskapaden, darunter zwei Zyklone im Februar und April 2019), schreiben die Autoren den Skandalfolgen einen j\u00e4hrlich variierenden Betrag zwischen 62 und 40% der jeweiligen Einbussen zu. Dabei kommen sie bis 2019 insgesamt auf einen Betrag von 10\u2018659 Millionen Dollar.<\/li>\n<li>Mosambiks Kreditw\u00fcrdigkeit wurde massiv herabgestuft. Moody\u2018s platziert Mosambik in einer L\u00e4nderliste auf den zweithintersten Rang \u2013 noch hinter Venezuela (S.72). Entsprechend\u00a0sanken von 2014 bis 2019 die ausl\u00e4ndischen Direktinvestitionen, die laut IWF-Prognosen um 45% h\u00e4tten steigen sollen, um mehr als die H\u00e4lfte: von 4\u2018902 Millionen Dollar anno 2014 auf 2\u2018212 Millionen im Jahr 2019 (S.46).<\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Gesamtsumme aller Verluste in den Jahren 2016-2019 beziffern die Autoren auf 11\u2018333 Millionen Dollar bzw. 403 Dollar pro Person \u2013 was einem Drittel des durchschnittlichen Jahreseinkommens entspricht (S. 123). Hinzu kommen k\u00fcnftige Kredit-R\u00fcckzahlungen und Zinsen bis 2031 von weiteren 3\u2018930 Millionen Dollar.<\/p>\n<p><strong>Politische Konsequenzen: Rasant zunehmende Demokratie-Defizite<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>Ein erheblicher Teil der Parteif\u00fchrung der Frelimo ist in die Aff\u00e4re um die geheimen Kredite verwickelt. Das gilt f\u00fcr den aktuellen Pr\u00e4sidenten, Filipe Nyusi (Pr\u00e4sident seit 2015), genau so wie f\u00fcr seinen Vorg\u00e4nger, Armando Guebuza. Mosambiks Regierung hat daher keine Freude an der Aufarbeitung des Skandals. Gem\u00e4ss dem World Government Indicator tauchten Mosambiks Governance-Werte nach dem Jahr 2009 in die Tiefe, und zwar besonders steil von 2013 an. In diesem Szenario ist der Kreditskandal allerdings eher eine Folge als die Ursache (S.55).<\/li>\n<li>Die Pressefreiheit ist in den vergangenen Jahren zunehmend eingeschr\u00e4nkt worden. Die Regierung bewegt sich deutlich in Richtung Autoritarismus. Laut Umfragen in der Bev\u00f6lkerung ist das Gef\u00fchl der Meinungsfreiheit zwischen 2009 und 2018 massiv zur\u00fcckgegangen (S.93), und politisch bedingte Morde wurden nach 2012 h\u00e4ufiger (S.93). Einige Personen, die die geheimen Kredite \u00f6ffentlich kritisierten, erhielten Todesdrohungen oder wurden mit Kidnapping und Folter zum Schweigen gebracht (94f.).<\/li>\n<\/ol>\n<p>Mit diversen, auch wechselnden Massnahmen versucht die Regierung, die \u00f6ffentliche Meinung zu manipulieren. Seit knapp zehn Jahren existiert eine Gruppe von Akademikern (genannt \u201eG 40\u201c), die in den Medien gezielt lobende Worte f\u00fcr die Regierung findet und Kritiker an den Pranger stellt (S. 96). Nyusi wurde im Oktober 2019 zwar als Pr\u00e4sident mit \u00fcber 70 Prozent der Stimmen wiedergew\u00e4hlt, aber die Wahlen waren alles andere als frei und fair. Erfolglos war die Regierung 2018 hingegen\u00a0mit einem Dekret, das Journalisten durch hohe Zahlungen davon abschrecken sollte, im Land t\u00e4tig zu sein. Ausl\u00e4ndische Journalisten h\u00e4tten f\u00fcr ihre Akkreditierung alle zwei Jahre je 8300 Dollar zahlen m\u00fcssen, Freelancer 2500 Dollar und mosambikanische Journalisten, die f\u00fcr ausl\u00e4ndische Medien arbeiten, 3300 Dollar (d.h. zweieinhalbmal das durchschnittliche Jahreseinkommen). Wegen Verfassungswidrigkeit zog die Regierung das Dekret zur\u00fcck. Doch s\u00e4ubert sie nun die Medien gezielt von regierungskritischem F\u00fchrungspersonal. Von der Region des kriegerischen Konflikts in Cabo Delgado, dem akutesten Problemherd im heutigen Mosambik, werden Journalisten ausdr\u00fccklich ausgesperrt. Die Regierung, die den Konflikt nach aussen als jihadistische Verschw\u00f6rung verkaufen m\u00f6chte, will unbedingt vermeiden, dass die Welt die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.theafricareport.com\/79096\/how-mozambiques-corrupt-elite-caused-tragedy-in-the-north\/\">soziale Vernachl\u00e4ssigung der Region als prim\u00e4re Kriegsursache<\/a>\u00a0anerkennt. Der Chefredaktor von Zitamar News, einer Online-Zeitung, die bisher offen \u00fcber den Konflikt berichtete, wurde k\u00fcrzlich des Landes verwiesen.<\/p>\n<p><strong>Fazit und Einordnung des Berichts<\/strong><\/p>\n<p>\u00abZ\u00e4hlt man die Direktzahlungen infolge der geheimen Kredite, die Kosten f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung des Debakels und die verheerenden Auswirkungen auf die Wirtschaft zusammen, so haben die Mosambikaner zwischen 2016 und 2019 \u00fcber 11 Milliarden US-Dollar oder 403 US-Dollar pro Kopf bezahlt. Weitere 4 Milliarden US-Dollar werden sie f\u00fcr den noch bevorstehenden Schuldendienst leisten m\u00fcssen. Sie werden wom\u00f6glich f\u00fcr immer an den Folgen des wirtschaftlichen Schadens leiden. Das Funktionieren der politischen Institutionen verschlechterte sich ebenfalls, die Regierung wurde autorit\u00e4rer, die Sozialhilfe ging zur\u00fcck und die Armut nahm rapide zu. 1,9 Millionen Menschen sind zwischen 2016 und 2019 wegen des Kredit-Debakels unter die Konsumarmutsgrenze gefallen.\u00bb (119)<\/p>\n<p>Unber\u00fccksichtigt bleiben in dem Bericht m\u00f6gliche Strafzahlungen, die als Folge der Kredit-Aff\u00e4re auf das Land zukommen k\u00f6nnten. Der Chef der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/wirtschaft\/konzerne\/die-rolle-des-schiffbau-konzerns-privinvest-im-mosambik-skandal\/\">Schiffbaufirma Privinvest<\/a>,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/wirtschaft\/konzerne\/was-man-ueber-den-diskreten-konzernchef-iskandar-safa-weiss\/\">Iskandar Safa<\/a>, verlangt von Mosambik n\u00e4mlich Zahlungen in der Gr\u00f6ssenordnung von 800 Millionen Dollar. Eine entsprechende Klage gegen Mosambik hat er bei den Schiedsgerichten von Genf und Paris eingereicht. Unber\u00fccksichtigt sind auch m\u00f6gliche Kosten f\u00fcr die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/Artikel\/Wirtschaft\/Mosambik-Skandal-Jetzt-Privinvest-Chef-Iskandar-Safa-angeklagt\">juristische Aufarbeitung des Skandals<\/a>. Die Aufl\u00e4rungsarbeit der Audit-Firma Kroll im Fr\u00fchjahr 2017 hat Schweden finanziert. Derzeit sind gegenseitige Klagen zwischen der mosambikanischen Staatsanwaltschaft und der Credit Suisse einerseits und der Firma Privinvest andererseits h\u00e4ngig. Auch die russische Bank VTB klagt gegen Mosambik. Also d\u00fcrften noch stattliche Gerichtskosten anfallen. Da sich der Streit zwischen Mosambik und der Credit Suisse nur auf einen der drei Kredite bezieht, ist die Chance minimal, dass dem Land die R\u00fcckzahlung aller drei Kredite erlassen werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Der Bericht \u00fcber die Folgen des Kreditskandals f\u00e4llt in eine Zeit, in der Mosambik mit einem neuen, noch weit gr\u00f6sseren Problem zu k\u00e4mpfen hat \u2013 dem\u00a0<a href=\"https:\/\/reliefweb.int\/report\/mozambique\/urgent-needs-mozambique-cabo-delgado-situation-7-may-2021\">Krieg<\/a>\u00a0in der n\u00f6rdlichsten Provinz Cabo Delgado, der bisher \u00fcber 700\u2018000 Menschen in die Flucht trieb und der weiter zu eskalieren droht.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Korruption und Schmiergelder bekommen die \u00c4rmsten am meisten zu sp\u00fcren. Im Fall von Mosambik war die Credit Suisse dabei. Thomas Kesselring\u00a0f\u00fcr die Online-Zeitung INFOsperber Red. 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