{"id":1370734,"date":"2021-05-30T10:06:06","date_gmt":"2021-05-30T09:06:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1370734"},"modified":"2021-05-30T10:10:19","modified_gmt":"2021-05-30T09:10:19","slug":"die-wurzeln-der-gewalt-episode-2-iran-1952-bis-2001","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2021\/05\/die-wurzeln-der-gewalt-episode-2-iran-1952-bis-2001\/","title":{"rendered":"Die Wurzeln der Gewalt \u2013 Episode 2 \u2013 Iran 1952 bis 2001"},"content":{"rendered":"<p><strong>Willkommen zum Zweiten einer Reihe von Interviews, in denen wir auf den Nahen Osten schauen und versuchen besser zu verstehen, was dort vor sich geht. Aus Sicht des Westens ist es eine Region voller Gewalt und Gefahren. Im Jemen ist nach wie vor Krieg und es gibt einige andere L\u00e4nder, die an der Schwelle zum Krieg zu stehen scheinen. Es gibt erhebliche Menschenrechtsverletzungen und es gibt gescheiterte Staaten. Anders betrachtet jedoch ist diese Region die Wiege der westlichen Zivilisation: Mesopotanien, Persien, \u00c4gypten, Syrien, Pal\u00e4stina und Arabien sind St\u00e4tten von Mythen und Legenden. Gro\u00dfe Mystiker, Mathematiker, \u00dcbersetzer und Geschichtenerz\u00e4hler kommen von dort. Bedeutende Religionen haben dort ihre heiligsten St\u00e4tten. Die westliche Kunst, Musik, Wissenschaft und Nahrung unterliegen dem Einfluss dieser Region.<\/strong><\/p>\n<p>In dieser Interviewreihe, die wir <a href=\"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/tag\/wurzeln-der-gewalt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">The Roots of Violence (Die Wurzeln der Gewalt<\/a>) nennen, werden wir versuchen zu verstehen, wo die Ursachen der Gewalt liegen und wer daf\u00fcr verantwortlich ist. Wir versuchen nicht, physische Gewalt zu rechtfertigen, doch sie entsteht nicht aus dem Nichts. Physische Gewalt ist die Explosion, die nach einer langen Phase \u00f6konomischer und psychologischer Gewalt ausbricht.<\/p>\n<p>In unserem zweiten Interview sprechen wir erneut mit Emad Kiyaei. Emad ist Iraner. Er ist Direktor der Middle East Treaty Organization, einer zivilgesellschaftlichen Kampagne die zum Ziel hat, durch innovative Politik, Interessenvertretung und Bildungsprogramme alle Massenvernichtungswaffen aus dem Nahen Osten zu entfernen. Er ist Co-Autor des Buches \u201eWeapons of Mass Destruction: a New Approach to Non-proliferation\u201c (Massenvernichtungswaffen: Ein neuer Ansatz zu Nichtverbreitung) und studierte an der Princeton und Columbia Universit\u00e4t in den USA.<\/p>\n<p><strong>Pressenza: <\/strong>Willkommen zur\u00fcck zu unserem Interview. Einer Reihe von Gespr\u00e4chen, in der wir versuchen wollen, die aktuelle Situation im Nahen Osten zu betrachten und zu verstehen wo die physische Gewalt herr\u00fchrt. Wir versuchen zu verstehen, was zu den Kriegen und der Gewalt gef\u00fchrt hat, die sich offenbar in der Region festgesetzt haben.<\/p>\n<p>Die Leser von Pressenza wissen, dass physische Gewalt das letzte Mittel der Hoffnungslosen ist, die zuvor alle Arten wirtschaftlicher und psychiologischer Gewalt erfahren mussten. Wenn wir deshalb die M\u00f6glichkeit haben, die Ursachen der physischen Gewalt zu ergr\u00fcnden, haben wir vielleicht die Chance, sie an ihren Wurzeln zu behandeln und eine gewaltfreie L\u00f6sung zu finden.<\/p>\n<p>Unser Gespr\u00e4chspartner ist erneut Emad Kiyaei, Direktor der Middle East Treaty Organization. Und bevor ich ihn mit weiteren Fragen best\u00fcrme, werde ich eine kurze Zusammenfassung des vorherigen Interviews geben.<\/p>\n<p>1952 w\u00e4hlt also der Iran eine Regierung, die versucht, einen Plan zur Nationalisierung der \u00d6lindustrie umzusetzen, damit die Profite aus der \u00d6lgewinnung dem einfachen iranischen Volk und nicht den \u00d6lkonzernen zu gute kommen. Die Geheimdienste der USA und Gro\u00dfbritanniens, CIA und MI6, arbeiten zusammen, um diese Regierung zu st\u00fcrzen und ihren Marionettenk\u00f6nig an die Macht zu bringen: den Schah des Iran. Dieser bleibt 25 Jahre an der Macht und unterdr\u00fcckt in dieser Zeit jegliche Opposition, was die Menschen ohne Hoffnung zur\u00fcckl\u00e4sst.<\/p>\n<p>Doch trotzdem verschwindet die Opposition nicht. Marxisten, Islamisten, Akademiker, Studenten und andere unterdr\u00fcckte Gruppen warten auf ihren Moment. 1978 schlie\u00dflich wird die Situation untragbar und Protestierende gehen auf die Stra\u00dfen. Der 8. September 1978 geht in Teheran als \u201eSchwarzer Freitag\u201c in die Geschichte ein, als die Armee das Feuer auf die Menge er\u00f6ffnete und mehr als 100 Menschen t\u00f6tete. Dadurch wird eine Kettenreaktion ausgel\u00f6st, die den Schah im Januar 1979 sehr schnell au\u00dfer Landes zwingt, w\u00e4hrend Ayatollah Khomeini heimkehrt und damit die Gr\u00fcndung der islamischen Republik besiegelt ist. Als Studenten in Teheran die US-Botschaft st\u00fcrmen und dort Dokumente entdecken, die auf die Planung eines weiteren Staatsstreichs durch die USA hinweisen, eskaliert die Lage und f\u00fchrt zu einer H\u00e4ngepartie, in der 52 US-Diplomaten und -B\u00fcrger 444 Tage lang als Geiseln gehalten werden.<\/p>\n<p>Von diesem Ereignis werden sich die Beziehungen zwischen Teheran und Washington nie erholen und der Irak wird angestachelt und finanziert, einen Krieg gegen seinen Nachbarn zu beginnen. Dieser Krieg dauert acht Jahre und bringt Tod und Verletzung hunderttausender Menschen mit sich. In diesem Krieg setzt der Irak chemische Waffen gegen seinen Nachbarn und die eigene Opposition im Land ein. Schlie\u00dflich geschieht eine weitere unerwartete Wendung in der Geschichte und Saddam Hussein beschlie\u00dft die Invasion Kuwaits, seiner fr\u00fcheren Provinz. Der Rolle des Lieblingsfeindes des Westens wird nun vom Iran an den Irak weitergereicht und er erste Golfkrieg nimmt seinen Lauf. Der Iran versucht die Situation daf\u00fcr zu nutzen, um zu sich zu kommen und sich als Nation neu zu erschaffen.<\/p>\n<p><em><strong>Also Emad, ich hoffe ich habe hier eine mehr oder weniger akzeptable Zusammenfassung gegeben. In den sp\u00e4ten 1990er Jahren fangen wir an, mehr und mehr \u00fcber einen nichtstaatlichen Akteur zu h\u00f6ren: Al-Qaida. Bevor wir also zum Iran zur\u00fcckkehren m\u00f6chte ich Dich bitten, uns etwas zur Situation in der Region zu sagen, die schlie\u00dflich zum 11. September 2001 gef\u00fchrt hat.<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Emad Kiyaei: <\/strong>Vielen Dank f\u00fcr die Zusammenfassung Tony. Es war die Quintessenz und ich habe dem nichts weiter hinzuzuf\u00fcgen. Aber da stehen wir nun, wie Du schon gesagt hast, mit nichtstaatlichen Akteuren, insbesondere Al-Qaida. Die Wurzeln von Al-Qaida liegen tats\u00e4chlich im Kampf gegen den Kommunismus und der Invasion der Sowjetunion in Afghanistan, das wiederum an den Iran grenzt. In diesem Konflikt zwischen Afghanistan und der Sowjetunion und dem Widerstand gegen diese sowjetische Invasion ist es die Ironie der Geschichte, dass die Gruppe, aus der sp\u00e4ter Al-Qaida wurde, von den USA finanziert, ausgebildet und ausger\u00fcstet wurde, denn sie sahen den Kampf gegen die kommunistische Sowjetunion als Teil der umfassenderen Feindseligkeit des Kalten Krieges zwischen den beiden L\u00e4ndern.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"The Roots of Violence, episode 2, interview with Emad Kiyaei, of the Middle East Treaty Organization\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Sx9Nd71tlXQ?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Wenn wir also auf den F\u00fchrer von Al-Qaida, den saudischen Staatsb\u00fcrger Bin Laden schauen und auf die Beteiligung seiner urspr\u00fcnglich als Mudschahedin bekannten Gruppe am Widerstand gegen die Sowjetunion, dann sehen wir, dass auch in diesem Konflikt die Vereinigten Staaten ihre Finger hatten. Dann wendet sich das Blatt der Ereignisse und wir beginnen, erstmalig von Al-Qaida zu h\u00f6ren \u2013 mit der Bombardierung der US-Botschaften in Ostafrika. Das war das erste Ereignis dieser Art und Bin Laden wird zum Widersacher der Pr\u00e4senz der Vereinigten Staaten im Nahen Osten, besonders im R\u00fcckblick auf den ersten Golfkrieg von 1991 und das dann andauernde und st\u00e4rker werdende Eingreifen der USA in der Region.<\/p>\n<p>Erstmals stehen US-Truppen im \u201eHeiligen Land\u201c des Islam, wie Bin Laden es nennen w\u00fcrde: in Saudi-Arabien. Es ist das erste Mal, dass die USA ihren milit\u00e4rischen Fu\u00dfabdruck durch die Errichtung von Milit\u00e4rst\u00fctzpunkten in der gesamten Region hinterlassen. Das Ph\u00e4nomen Al-Qaida, das sp\u00e4ter als T\u00e4ter von 9\/11 in die Geschichte eingehen wird, bezieht sich also in seinem Ursprung und seiner Rechtfertigung f\u00fcr diese Gewalt gegen die Vereinigten Staaten auf drei Hauptgr\u00fcnde.<\/p>\n<p>Zum einen sind hier die Hegemonieanspr\u00fcche der USA im Nahen Osten genannt, ihre Unterst\u00fctzung von Diktaturen und despotischen Regimes, was sich bekannterma\u00dfen immer st\u00e4rker als Auseinandersetzung zwischen dem Islam und dem Westen herauskristallisierte. Diese Art Krieg findet gewisserma\u00dfen zwischen den Zivilisationen statt \u2013 als \u201eClash of Civilizations\u201c. Zum anderen bringt die Verstrickung der USA im Nahen Osten eine wachsende Zahl tausender milit\u00e4rischer Kr\u00e4fte mit sich, die nun auf islamischem Boden stationiert sind, auf dem Boden muslimischer Staaten, besonders in Saudi-Arabien. Und drittens schlie\u00dflich wurde es als das Blut von Muslimen beklagt, das im Ergebnis zahlreicher Gemetzel und der Unterst\u00fctzung des T\u00f6tens durch die USA und der Ausweitung und Verl\u00e4ngerung der Kriege in der Region vergossen wurde, wobei mal der eine und mal der andere Beteiligte unterst\u00fctzt wurde, was zu noch mehr Blutvergie\u00dfen gef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p>So fand der Aufstieg von Al-Qaida im Zuge des Anti-Amerikanismus und der \u00dcberzeugung statt, dass die USA in der Region im Prinzip einen Kreuzzug gegen die islamische Welt f\u00fchren. Dabei muss hier noch einmal betont werden, dass Osama Bin Laden, der Mastermind der Angriffe des 11. September, saudischer Staatsb\u00fcrger war. Als Al-Qaida in Afghanistan unter dem Schutz der damals dort herrschenden Taliban seinen sicheren Unterschlupf hatte, wurde Afghanistan nur von drei L\u00e4ndern anerkannt. Die Taliban standen ziemlich weit rechts im Spektrum des islamischen Glaubens und herrschten mit eiserner Faust \u00fcber das Land.<\/p>\n<p>Ich betone das, weil Al-Qaida nicht in einem Vakuum operierte, sondern vielmehr durch das Taliban Regime in Afghanistan in einem Land und unter einer Herrschaft, die Al-Qaida erbl\u00fchen lie\u00df. Und dieses Taliban Regime wurde von den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudia Arabien, und \u2026 ich komme nicht gleich auf das dritte \u2026 Pakistan anerkannt. Diese drei L\u00e4nder erkannten die Taliban an und in der Konsequenz unterst\u00fctzten also diese drei L\u00e4nder direkt oder indirekt den Aufstieg Al-Qaidas und seine F\u00e4higkeit, Operationen wie diese zu planen, die schlie\u00dflich zu den Angriffen auf amerikanischen Boden f\u00fchrten.<\/p>\n<p><strong><em>Gut, dann erz\u00e4hle mir bitte etwas mehr von Al-Qaida, denn es scheint so, dass diese Gruppe in einem Moment gegen die Kommunisten k\u00e4mpft und dann gegen die Amerikaner ab dem Moment, da diese in der Region ihre Pr\u00e4senz erheblich ausbauen. Und wir haben drei L\u00e4nder, die Al-Qaida unterst\u00fctzen: Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Pakistan. Welche Rolle spielt Saudi-Arabien in dieser Situation?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Nun, jeder nichtstaatliche Akteur ist in der Lage, seine Ideen und Ideologien im Wesentlichen mit Hilfe von f\u00fcnf Faktoren zu verbreiten. Lass mich das erkl\u00e4ren und dann komme ich auf Saudi-Arabien zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>Erstens:<\/strong> Es muss eine ideologische Grundlage geben. Was denkt die Gruppe, was ist ihre ideologische Basis? In vielen F\u00e4llen sind diese Ideologien st\u00e4rker durch ihre religi\u00f6se Zugeh\u00f6rigkeit oder ihren religi\u00f6sen Glauben entstanden und gefestigt worden. Wir werden darauf gleich zur\u00fcckkommen. <strong>Zweitens<\/strong> geht es ums Geld, hab ich recht? Man braucht eine Finanzierung, man muss Leute bezahlen und rekrutieren k\u00f6nnen. Das f\u00fchrt uns zu unserem <strong>dritten<\/strong> Faktor, die menschlichen Ressourcen. Man braucht also Leute, die an diese Ideologie glauben und die in der Lage sind, die Message aufzunehmen, um dann f\u00fcr die Sache einzutreten, was immer auch die Sache sein mag. <strong>Viertens:<\/strong> Man braucht eine F\u00fchrung oder eine Struktur, die die Richtung f\u00fcr diese Organisation oder diese Gruppe als nichtstaatlichen Akteur vorgibt. Was ist das Ziel? Wer ist der Anf\u00fchrer?<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich <strong>f\u00fcnftens<\/strong>: Man braucht Unterst\u00fctzer. Man braucht Staaten oder sehr einflussreiche Strukturen, um agieren zu k\u00f6nnen und um dem Druck standhalten zu k\u00f6nnen, wenn man diesem durch Widerstand oder durch den Feind ausgesetzt ist.<\/p>\n<p>Nehmen wir also diese f\u00fcnf S\u00e4ulen. Und nehmen wir einen nichtstaatlichen Akteur und konkret Al-Qaida als Beispiel und schauen, wo deren ideologische Basis liegt.<\/p>\n<p>In diesem Fall nun ist es die vorherrschende Ideologie der Regierung in Saudi-Arabien, basierend auf einer strengen Auslegung des Islam, dem \u00e4u\u00dferen rechten Fl\u00fcgel, der auch als die Anh\u00e4nger von al-Wahhab bekannt ist. Ich m\u00f6chte hier nicht n\u00e4her auf die Geschichte der al-Wahhab eingehen, es gen\u00fcgt zu sagen, dass sie den Islam wortgetreu auslegen. Sie nehmen ihn beim Wort und glauben, dass sie sich damit nach der reinsten Form des Islam richten. Das ist nat\u00fcrlich sehr eng gefasst und sehr extrem und die Anh\u00e4nger des Wahhabismus bzw. Salafismus sind in der islamischen Welt eine Minderheit. Zu ihnen geh\u00f6ren jedoch wohlhabende Schl\u00fcsselstaaten am Persischen Golf, wie eben zum Beispiel Saudi-Arabien, das der wichtigste Unterst\u00fctzer ist.<\/p>\n<p>Al-Qaidas ideologischer Unterbau ist also eine eng gefasste Interpretation des Islam, bekannt als die Gefolgschaft von al-Wahhab. Zweitens \u2013 die Finanzierung. Woher bekommen sie das Geld, um zu ihren Taten in der Lage zu sein? Die Finanzierung erfolgt in gro\u00dfem Umfang wiederum durch wohlhabende Golf-Staaten, allen voran Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate und sp\u00e4ter in einem gewissen Umfang auch Qatar. Da kam also das Geld her. Drittens \u2013 ihre personellen Mittel. Da sie in der Lage waren, diesen Kampf zwischen dem Islam und dem Westen zu propagieren, konnten sie Islamisten rekrutieren bzw. Menschen, die die anhaltenden Kriege im Nahen Osten und die wachsende Pr\u00e4senz der Vereinigten Staaten vor Augen hatten. Wenn ich von wachsender Pr\u00e4senz spreche, meine ich damit, dass 1991 beim ersten Golfkrieg 550,000 US-Soldaten gleichzeitig in Saudi-Arabien, dem heiligsten Land des Islam stationiert waren. Man kann sich also denken, dass es mit Bildern wie diesen in allen Nachrichtenkan\u00e4len einfach war, diejenigen f\u00fcr sich zu gewinnen, die darin einen Krieg gegen den Islam sehen. Al-Qaida rekrutierte also weltweit f\u00fcr ihre Sache gegen die Vereinigten Staaten.<\/p>\n<p><strong><em>Kann ich kurz eine Frage stellen, Emad?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Nur zu.<\/p>\n<p><strong><em>Zum einen kommt ja viel Unterst\u00fctzung von Saudi-Arabien, doch es war ja die saudische Regierung, die den Amerikanern erlaubt hat, all die St\u00fctzpunkte zu errichten. Wie also passen diese beiden Aspekte zueinander?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Das ist etwas komplizierter. Es war nicht die saudische Regierung, die Geld direkt an Al-Qaida \u00fcberwiesen hat. Nein, sie nutzte vielmehr ein Geflecht anderer Mechanismen, um Al-Qaida und ihre Operationen zu unterst\u00fctzen. Und wenn ich sage, dass Saudi-Arabien zu den wenigen L\u00e4ndern z\u00e4hlte, die das Regime der Taliban in Afghanistan anerkannten, war das einer der Wege, um Al-Qaidas Operationen zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Denn die saudische Regierung achtete einerseits darauf, dass Saddam in Kuwait nicht siegreich wird, denn, wie wir nicht vergessen d\u00fcrfen, grenzt Kuwait an Saudi-Arabien. So war die Invasion Saddam Husseins in Kuwait in den Augen der saudischen Sicherheitskr\u00e4fte eine Bedrohung ihrer eigenen nationalen Sicherheit, und so brachten sie die USA ins Spiel, um ihre Ressourcen zu sch\u00fctzen. Andererseits fiel dieser ideologische Krieg, den Al-Qaida propagierte, in den Bereich des regionalen Konflikts zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. Hier geht es jetzt um etwas mehr, um die konfessionelle Natur dieser regionalen Kriege, um die Auseinandersetzung verschiedener Str\u00f6mungen des Islam, Schiiten gegen Sunniten, also um die theologische Teilung innerhalb des Islam. Und Al-Qaida ist der Vollstrecker der saudischen Expansion der Ideologie, die auf dem Wahhabismus und der salafistischen Theologie beruht.<\/p>\n<p><em><strong>Dazu h\u00e4tte ich noch eine Frage\u2026.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Ich wollte damit sagen, dass das eine das andere nicht ausschlie\u00dft. Eine Regierung wie die Saudi-Arabiens kann die USA um Schutz bitten und gleichzeitig f\u00fcr seine anderen Zwecke und Vorhaben Al-Qaida und andere nichtstaatliche Akteure, wie die Taliban unterst\u00fctzen, indem es auf regionaler Ebene seine eigene Agenda voranbringt.<\/p>\n<p><strong><em>Wir h\u00f6ren also sehr oft, dass Konflikte durch religi\u00f6se Differenzen entstehen. Doch oft erkennt man dann aber, wenn man etwas tiefer in die Problematik eindringt, dass es \u00fcberhaupt nicht um Religion geht, sondern um die Kontrolle \u00fcber die Ressourcen. Sprechen wir also wirklich \u00fcber diesen wahhabitischen Fl\u00fcgel des Islam? Sagen wir wirklich damit, dass es sich dabei um eine religi\u00f6se Str\u00f6mung handelt, die offen Krieg und Gewalt propagiert? Denn so sind Religionen normalerweise nicht. Wird also die Religion hier nur als Vorwand f\u00fcr einen Konflikt benutzt oder geht es vielmehr um die uralte Quelle von Krieg und Gewalt \u2013 n\u00e4mlich die Kontrolle \u00fcber die Ressourcen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Tony, ich bin kein Theologe, deshalb m\u00f6chte ich nicht behaupten, dass ich alle Perspektiven und Ideen innerhalb irgendeiner Religion in G\u00e4nze verstehe. Was ich aber wei\u00df ist, dass Religion ein m\u00e4chtiger Unterbau ist, der durch diejenigen, die die Religion als Kulisse betrachten, benutzt werden kann, um politische, soziale und wirtschaftliche Ziele voranzubringen. Und in diesem Fall ist es sozusagen ziemlich plausibel, dass es Teil der Kalkulation Saudi-Arabiens sowie derer ist, die einen spezifischen Fl\u00fcgel des Islam propagieren wollen, die Verwerfungslinien in eine andere Dimension zu bringen, und zwar nicht basierend auf einer \u00f6konomischen, sozialen oder regionalen Dominanz, sondern eher wie wir die islamische Welt sehen, um das dann gegen den Gegner zu richten. In diesem Fall benutzte es Al-Qaida gegen die Amerikaner, aber auch gegen den Schah des Iran. Und in diesem Zusammenhang m\u00f6chte ich noch einmal auf die iranische Revolution von 79 zur\u00fcckkommen, die in der Region dieses Erdbeben ausl\u00f6ste und ein Grund daf\u00fcr war, weshalb Saudi-Arabien seit den fr\u00fchen 80er Jahren damit begann, diesen Fl\u00fcgel des Islam, den Wahhabismus und Salafismus, auf der ganzen Welt zu propagieren. Das war eine direkte Reaktion auf die Revolution im Iran, denn sie sahen, dass der politische Islam im Iran Fu\u00df fasste, popul\u00e4r wurde und so eine direkte Bedrohung ihrer Autorit\u00e4t \u00fcber die islamische Welt wurde. F\u00fcr sie spielt die Religion also eine ziemlich wichtige Rolle und sie sehen sie als eine Art niedrig h\u00e4ngender Frucht, um auf diesem Weg in die Herzen und Hirne der Muslime weltweit zu gelangen. Und diese Methode funktioniert. Sie funktioniert seit ewigen Zeiten, sei es im Christentum, Judentum, Buddhismus oder wo auch immer. Religion hatte und hat stets diese Wirkung, tief ins Bewusstsein der Menschen einzudringen, sei es zum Positiven oder aus anderen Gr\u00fcnden. In diesem Fall nun leider, um Gewalt gegen den anderen anzustacheln.<\/p>\n<p><strong><em>Du hast nun diese f\u00fcnf Punkte erl\u00e4utert: die Ideologie, die Finanzierung, die menschlichen Ressourcen, die F\u00fchrung \u2026<\/em><\/strong><\/p>\n<p>\u2026und dann die Gefolgschaft. Und zwar unter der bekannten F\u00fchrung. In diesem Fall war es Bin Laden als Kopf von Al-Qaida. Wir wissen, dass seine Predigten und Reden eine Menge Leute aufheizten, die leider zu Recht sahen, dass sich die USA in die Angelegenheiten der islamischen Welt einmischt und im Vordergrund all dieser Kriege steht. So war es 1991, als die USA bereits seit langem im Nahen Osten involviert waren. Und es scheint, dass die USA jedes Mal, wenn sie irgendwo mitmischen, ihr eigenes Strategiespiel von Dominanz, Extraktion und Ausbeutung spielen und durch Ausbreitung Kriege entfachen und am Leben erhalten. Ich m\u00f6chte hier nicht die Taten von Al-Qaida rechtfertigen, aber ich beginne zu verstehen, weshalb Al-Qaida Leute daf\u00fcr gewinnen konnte. Es basiert auf der Tatsache, dass an den H\u00e4nden der Weltm\u00e4chte viel Blut klebt \u2013 sei es die Sowjetunion in Afghanistan oder die USA in der gesamten Region. Und ein einfacher Muslim, der, sagen wir mal in Indonesion, dem Irak oder an einem anderen Ort der Welt lebt, sagt sich dann: \u201eDieser Al-Qaida Typ hat Recht. Wir werden uns wehren.\u201c Das ist dann der Dschihad, der heilige Krieg gegen die Zumutungen der \u2013 wie sie es nennen \u2013 Ungl\u00e4ubigen im Nahen Osten. Der Kampf gegen die Sowjetunion basierte anfangs auf der Tatsache, dass die Mudschahedin bzw. der Ursprung von Al-Qaida ein gottloses Imperium bek\u00e4mpften \u2013 die Sowjetunion.<\/p>\n<p>Religion spielt also durchaus eine Rolle. Der Glaube ist m\u00e4chtig bei dieser Art Bestrebungen.<\/p>\n<p><strong><em>Ich habe noch eine andere Frage. Schaut man zur\u00fcck beginnend mit den 80er und 90er Jahren, wie waren da die Lebensbedingungen der Menschen im Nahen Osten, denn es ist ja bekannt, dass es einen gro\u00dfen Reichtum in der Region gibt. Sie ist reich an \u00d6l und die \u00d6lpreise schaffen in der Regel einen gro\u00dfen Wohlstand in den \u00f6lf\u00f6rdernden L\u00e4ndern. Andererseits haben doch aber Menschen, denen es gut geht, die Zugang zu Gesundheitsversorgung, Bildung und sozialer Sicherheit haben, in der Regel keinen Anlass, zur Armee zu rennen, um an Kriegen teilnehmen zu k\u00f6nnen. Was sind also die sozialen Bedingungen der Menschen in der Region, die sie denken lassen, es w\u00e4re eine hoffnungsvolle Angelegenheit, in den Krieg zu ziehen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Tony. Der Wohlstand und die Petrodollars, die in den Nahen Osten geflossen sind und speziell diese L\u00e4nder mit gro\u00dfen \u00d6lvorkommen, waren und sind sowohl Segen als auch Fluch. Segen in dem Sinne, dass es menschliche und nat\u00fcrliche Ressourcen gibt und Kapital f\u00fcr die Gestaltung einer Region, die in allen Facetten menschlicher Entwicklung floriert. Doch leider ist hier viel mehr im Spiel. Und zwar schon seit langer Zeit. Und wieder k\u00f6nnen wir, wenn wir \u00fcber den Nahen Osten sprechen, leider die geschichtlichen Hintergr\u00fcnde nicht ignorieren. Denn die Rolle der verschiedenen M\u00e4chte &#8211; Kolonialm\u00e4chte, egal ob Franzosen, Briten, in gewissem Ma\u00dfe sogar die Italiener bis hin zur USA, der einzigen Supermacht nach Ende des zweiten Weltkrieges &#8211; bei ihrem Griff nach dem \u00d6l, also das schwarze Gold, das die Weltwirtschaft antreibt und das aus dem Nahen Osten herausgepumpt wurde, hatte ihren Preis. Es hatte seinen Preis, dass die USA und die anderen Weltm\u00e4chte in der Historie traditionell in der Lage waren, durch Satellitenstaaten die Gesellschaften zu kontrollieren, von denen das \u00d6l gewonnen wurde. Durch einen Kuhhandel, um es salopp zu sagen: \u201eWir sind die USA, wir liefern Euch Sicherheit und R\u00fcckhalt, wir stellen sicher, dass Ihr weiter Euer Volk regieren k\u00f6nnt, Ihr m\u00fcsst nur hier unten unterschreiben.\u201c Und diese Absicherung erlaubt uns, Eure Ressourcen abzubauen und wir werden keine Fragen stellen, wie Ihr es mit den Menschenrechten haltet. Wir fragen nicht, was bei Euch im Land los ist, im Gegenteil, wir werden Euch unterst\u00fctzen. Wir werden sogar Eure Polizeikr\u00e4fte und Geheimdienste trainieren, wie sie dieses Aufkeimen politischen Denkens in Euren L\u00e4ndern unterdr\u00fccken und ausmerzen k\u00f6nnen. Dieser Kuhhandel wurde leider von den F\u00fchrern der Staaten des Nahen Ostens unterschrieben: Wenn Du die Macht \u00fcber Dein Volk behalten willst, dann mach einen Deal mit einer der Weltm\u00e4chte. Und so formten die Allianzen, die seit Ende des Zweiten Weltkrieges bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 gebildet worden waren, den Nahen Osten. Und zwar in diejenigen, die mit der kommunistischen Sowjetunion alliiert waren und diejenigen, die sich an die Vereinigten Staaten gebunden hatten.<\/p>\n<p>Und dann ist da dieser Sonderling Iran, der mit seiner Revolution 1979 entschied, weder nach Osten noch nach Westen zu gehen, sondern ein unabh\u00e4ngiger Staat sein zu wollen. Ein unabh\u00e4ngiger Staat in einer Region reich an \u00d6lvorkommen, an der Schnittstelle von Zivilisation und Kontinenten. In dieser Region ist Unabh\u00e4ngigkeit eine direkte Bedrohung f\u00fcr die nationale Sicherheit der Weltm\u00e4chte. Und deshalb wollte seit Anbeginn jede Macht, ob R\u00f6mer, Griechen, Chinesen, Inder, Perser, Araber oder andere, die durch diese Region kamen, den Nahen Osten dominieren und damit die Weltpolitik. Und so ist es auch heute noch, und es wird deshalb f\u00fcr jede Regierung dort sehr schwer zu sagen: \u201eWisst Ihr was? Wir werden den Amerikanern einfach sagen \u201aDanke, dass hier da wart, aber nun packt bitte Eure Sachen und geht\u2018.\u201c Das ist es, was Iran getan hat und darauf m\u00f6chte ich gerne zur\u00fcckkommen. N\u00e4mlich dass dieser Schritt der Revolution von 79 Konsequenzen f\u00fcr das Land, die Region und die gesamte Geopolitik des Nahen Ostens f\u00fcr die regionalen M\u00e4chte hatte. Sie wirkten \u00fcber die Landesgrenzen hinaus in der gesamten Welt. Denn man kann keiner mittelgro\u00dfen Volkswirtschaft wie der des Iran erlauben, unabh\u00e4ngig zu werden ohne Angst zu haben, dass andere dem Beispiel folgen wollen. Und deshalb wurde es zu so einem angsteinfl\u00f6\u00dfenden Konzept f\u00fcr die Monarchen und Despoten, die im Nahen Osten herrschten. Denn w\u00fcrde sich diese Revolution bis zu den Grenzen ihrer L\u00e4nder hin ausbreiten, w\u00fcrde es das Ende ihrer Herrschaft bedeuten.<\/p>\n<p><strong><em>Sehr gut, ok. Schuld an diesem ganzen Chaos ist also 9\/11. Wir alle kennen die Geschichte und wir wissen, dass sie USA die Gelegenheit genutzt haben, um ihren Krieg gegen den Terror zu beginnen, der anfangs auf Afghanistan abzielte und sich dann gegen den Irak wandte. Und der Iran steht in der Mitte des Ganzen und ist vermutlich sehr beunruhigt dar\u00fcber. Was passierte in diesem Zeitabschnitt im Iran? Wie denkt die politische F\u00fchrung, auch dar\u00fcber, dass die USA den Iran mit ihrer \u201eAchse des B\u00f6sen\u201c neben dem Irak, Syrien oder auch Nordkorea oder so in der Art miteinschlie\u00dfen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Nordkorea.<\/p>\n<p><em><strong>Was passierte im Iran, nachdem Ihr gerade einen achtj\u00e4hrigen Krieg \u00fcberstanden hattet? Ihr wart doch sicher sehr nerv\u00f6s angesichts dessen, was auf der Welt passierte.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Gut, lass uns dieses Kapitel schnell abhandeln. Wir haben 9\/11, den Ersten Irakkrieg (zweiter Golfkrieg, Anm. d. Red.), die Amerikaner kommen, sie befreien Kuwait, sie zerst\u00f6ren Saddam Husseins Infrastruktur, behalten ihn aber, wie Du schon gesagt hast, f\u00fcr ein weiteres Jahrzehnt bis 2003 an der Macht. Dann durch den Zweiten Irakkrieg (dritter Golfkrieg, Anm. d. Red.) ist es f\u00fcr Saddam endg\u00fcltig aus, das war also dann nach 9\/11.<\/p>\n<p>Zur Zeit von 9\/11 war im Iran eine reformistische Administration unter Dr. Khatami an der Macht, der sich in seiner ersten Ansprache vor der UNO f\u00fcr einen Dialog zwischen den Zivilisationen aussprach. Daf\u00fcr, diese Mauer zu zerschlagen, die zwischen unseren gro\u00dfen Zivilisationen aufgebaut wurde, in einen Dialog zu treten, miteinander zu reden, Diplomatie anzuwenden, um unsere Konflikte zu l\u00f6sen. Khatamis Regierung war wirklich sehr progressiv, und nach den Anschl\u00e4gen des 11. September geh\u00f6rte der Iran zu den ersten Staaten, die eine Beileidsbekundung an die USA sandte. In diesem Schreiben hie\u00df es, dass der Iran die Auswirkungen des Terrorismus auf die Bev\u00f6lkerung und die Trauer nachf\u00fchlen kann, die diese Angriffe auf Zivilisten mit sich gebracht haben. Denn der Iran hat selber seit 1979 aus den verschiedensten Gr\u00fcnden zahlreiche terroristische Angriffe erlitten, auf die ich hier nicht weite eingehen muss. Richten wir aber nun unseren Blick auf 2001, so hat der Iran den USA den Olivenzweig gereicht und sogar Hilfe bei der Verfolgung der Verantwortlichen der Anschl\u00e4ge angeboten. Denn, erinnerst Du Dich, sind Al-Qaida und die Taliban wessen Todfeind? Des Iran. Denn sie sahen den Iran als ein schiitisches Land, also als \u201eungl\u00e4ubig\u201c. Es waren Al-Qaida und die Taliban, die nur ein oder zwei Jahre vor den Anschl\u00e4gen des 11. September iranische Diplomaten in Afghanistan t\u00f6teten, wodurch es fast zu einem Krieg zwischen dem Iran und Afghanistan gekommen w\u00e4re. Der Iran hatte also ein eigenes Interesse daran, die Taliban und Al-Qaida zu Fall zu bringen, denn er war \u00fcberzeugt, dass diese Ideologie nur zu noch mehr Spaltung f\u00fchrt und einen ehemals konfessionellen Konflikt in eine Gr\u00f6\u00dfenordnung bringt, die es nicht wert ist. Der Iran reichte also den Olivenzweig und als die USA im Oktober 2001 als Vergeltung f\u00fcr 9\/11 entschieden, in Afghanistan einzumarschieren, stellten sie sehr schnell fest, dass Informationen und Koordination vor Ort ben\u00f6tigt wurden. Und wer geh\u00f6rte zur Opposition von Al-Qaida und den Taliban? Iranische Alliierte in Afghanistan. Die Nordallianz war eine iranische Allianz, die unter iranischer F\u00fchrung stand und die Genehmigung hatte, auf allen Ebenen mit den Amerikanern zu kooperieren, damit diese die Herrschaft der Taliban und demzufolge auch den Zufluchtsort, den die Taliban Al-Qaida geboten hatte, eliminieren konnten. Gewisserma\u00dfen w\u00e4re also der Erfolg der USA ohne die Kooperation des Iran mit den Vereinigten Staaten w\u00e4hrend des Eingreifens in Afghanistan nicht m\u00f6glich gewesen. Das sind die Dinge, die uns die Geschichte oftmals vergessen lassen m\u00f6chte. Doch Afghanistan, also der Sieg der USA in Afghanistan wurde anfangs durch die Allianz mit dem Iran errungen. Nun, w\u00e4hrend wir hier dar\u00fcber sprechen, ziehen sich die USA nach dem l\u00e4ngsten Krieg, den sie ausgetragen haben, aktuell aus Afghanistan zur\u00fcck und \u00fcberlassen das Land sich selbst. Und sie waren nicht in der Lage, dieses Land zu befrieden, weder jetzt noch zu dem Zeitpunkt, als sie einmarschiert sind. Und diese Tatsache kann wiederum darauf zur\u00fcckgef\u00fchrt werden, wie sich die USA dem Iran gegen\u00fcber f\u00fcr dessen Kooperation in Afghanistan erkenntlich gezeigt haben. Wei\u00dft Du, wie sie dem Iran daf\u00fcr gedankt haben?<\/p>\n<p><em><strong>Nein, das wei\u00df ich nicht.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Pr\u00e4sident Bush brandmarkt den Iran als Teil der \u201eAchse des B\u00f6sen\u201c. Und das, nachdem der Iran logistische und personelle Unterst\u00fctzung f\u00fcr seine Alliierten in Afghanistan zur Verf\u00fcgung gestellt hat, um den USA zu helfen, die Taliban und Al-Qaida zu verdr\u00e4ngen. Pr\u00e4sident Bush stellt sich vor die UN und steckt den Iran in diese Schublade. Hast Du eine Ahnung, was das mit Khatami und seinen politischen Reformen im Iran gemacht hat? Damit wurden ihm die H\u00e4nde gebunden. Sie sagten: \u201eDa siehst Du es! Du hast den Amerikanern geholfen und wie reagieren sie? Sie haben dich zur Achse des B\u00f6sen gesteckt.\u201c Zwei Jahre sp\u00e4ter drangen die Amerikaner unter dem Vorwand im Irak ein, die dort vermuteten Massenvernichtungswaffen zu zerst\u00f6ren. Heute wissen wir, dass deren Existenz eine falsche Annahme war. Doch auch hier wieder \u2013 wer denkst Du half den USA, Saddam los zu werden, und zwar schneller als irgendein anderer mit einer echten Unterst\u00fctzung der amerikansichen Invasion? Es war die Opposition, die von Saddam Hussein ins Exil vertrieben worden war. Und sie lebte wo? Im Iran. Also auch hier wieder, die USA gehen nach Afghanistan und sie gehen in den Irak, um die beiden unmittelbaren Feinde des Iran zu entmachten und sie mit dessen Alliierten zu ersetzen. Und das brachte bis Ende 2003 Tel Aviv, Riad und die anderen Hauptst\u00e4dte des Nahen Ostens in Bedr\u00e4ngnis. Sie hatten Milliarden investiert, um den Iran klein zu halten. Und dann kommen die Amerikaner, machen kurzen Prozess mit diesen beiden Gegnern und servieren sie dem Iran auf dem Silbertablett. Ich muss also den Amerikanern daf\u00fcr danken.<\/p>\n<p><strong><em>Okay, h\u00f6ren wir an dieser Stelle auf, denn wir haben schon ganz sch\u00f6n lange gesprochen. Machen wir das n\u00e4chste Mal weiter, nach dem Zweiten Irakkrieg und mit der Entwicklung des iranischen Atomprogramms, das heute ein solch gro\u00dfer Anlass f\u00fcr Auseinandersetzungen in der Weltpolitik ist. Ich danke Dir sehr, Emad.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Danke Dir und auch Danke an alle, die dieses Video angeschaut haben und die so weit bis zum Ende dieser zweiten Episode dabeigeblieben sind. In der n\u00e4chsten Woche werden wir weitermachen um zu ergr\u00fcnden, wo die Wurzeln der Gewalt im Nahen Osten liegen. Vielen Dank.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Transkript bearbeitet von Anahita Parsa, METO. <\/em><em>Die \u00dcbersetzung aus dem Englischen wurde von Silvia Sander vom ehrenamtlichen Pressenza-\u00dcbersetzungsteam erstellt. <a href=\"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/mitarbeiten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wir suchen Freiwillige!<\/a><\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2021\/05\/die-wurzeln-der-gewalt-episode-1-iran-1952-bis-2001\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Wurzeln der Gewalt \u2013 Episode 1 \u2013 Iran 1952 bis 2001<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Willkommen zum Zweiten einer Reihe von Interviews, in denen wir auf den Nahen Osten schauen und versuchen besser zu verstehen, was dort vor sich geht. Aus Sicht des Westens ist es eine Region voller Gewalt und Gefahren. 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