{"id":1353421,"date":"2021-05-03T13:24:02","date_gmt":"2021-05-03T12:24:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1353421"},"modified":"2021-05-03T13:24:02","modified_gmt":"2021-05-03T12:24:02","slug":"der-konflikt-in-xinjiang-und-seine-entstehung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2021\/05\/der-konflikt-in-xinjiang-und-seine-entstehung\/","title":{"rendered":"Der Konflikt in Xinjiang und seine Entstehung"},"content":{"rendered":"<div class=\"entry-content\">\n<p class=\"author-meta\"><strong>Hinter uigurischen Separatisten wirken seit den Zeiten von Mao Tse-tung Propaganda-Apparate der USA und der T\u00fcrkei. <\/strong><\/p>\n<p><em>Helmut Scheben f\u00fcr die Online-Zeitung <a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/politik\/welt\/der-konflikt-in-xinjiang-und-seine-entstehung\/\">INFOsperber<\/a><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"entry-content clearfix\">\n<p>Bei einem\u00a0<a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/viele-tote-und-verletzte-bei-uiguren-protest\/a-4458579\">Aufstand von Uiguren<\/a>\u00a0in Urumqui, der Hauptstadt der autonomen Region Xinjiang, kamen im Juli 2009 160 Menschen ums Leben, 800 wurden verletzt, die meisten von ihnen Han-Chinesen. Peking beschuldigte die Uigurin Rebiya Kadeer, eine in USA lebende Business-Frau und Vizepr\u00e4sidentin des World Uyghur Congress (WUC), den Aufstand organisiert zu haben.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 2014 gingen schwarz gekleidete M\u00e4nner am Bahnhof der Millionenstadt Kunming mit Messern auf die Menschen los. Sie t\u00f6teten 29 Reisende und verletzten 130. Die Polizei sprach von einem\u00a0<a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/nach-messerattacke-china-beschuldigt-uigurische-separatisten\/a-17468466\">terroristischen \u00dcberfall<\/a>\u00a0uigurischer Separatisten.<\/p>\n<p>Das sind zwei Beispiele einer langen Reihe von Attacken, die von der Regierung in Peking als Terror eingestuft werden. Im Januar 2001 hatte China erstmals Daten von Terroranschl\u00e4gen in Xinjiang publik gemacht. Der Liste zufolge war es schon bis 2001 zu Anschl\u00e4gen gekommen, bei denen 162 Menschen get\u00f6tet und 440 verletzt wurden.\u00a0<a href=\"https:\/\/crawford.anu.edu.au\/people\/academic\/michael-clarke\">Michael Clarke<\/a>\u00a0von der Australian National University in Canberra hat diese Liste kritisch gepr\u00fcft. Der Uiguren-Experte kommt zu dem Schluss, dass es in den Daten zwar Unklarheiten und Widerspr\u00fcche gebe. Er zweifelt aber nicht an der Existenz von mindestens zehn bewaffneten radikalislamischen Uiguren-Gruppierungen, darunter das\u00a0<a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/14526597\/\">\u00abEast Turkistan Islamic Movement\u00bb<\/a>, das mit Al Kaida kooperierte.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/abs\/10.1080\/09546550801920865\">Ziel dieser Gruppen<\/a>\u00a0war und ist, Xinjiang mit Terror zu destabilisieren und von chinesischer Herrschaft zu befreien.<\/p>\n<p>Peking hat seit Jahrzehnten mit wachsender Sorge den Einfluss des saudi-arabischen Fundamentalismus auf die weitgehend sunnitischen Uiguren beobachtet. Der Zustrom uigurischer Dschihadisten zu radikalislamischen Organisationen auf dem Balkan, in Tschetschenien oder in Afghanistan ist dokumentiert worden. Pr\u00e4sident George W. Bush nahm einige chinesische Uiguren-Organisationen nach 9\/11 in die Liste der Terrororganisationen auf und hielt in Guant\u00e1namo eine Reihe von Uiguren gefangen.<\/p>\n<p>Die chinesische Regierung bef\u00fcrchtet, dass in Xinjiang ein syrisches Szenario entstehen k\u00f6nnte. In Syrien hatten die Saudis zusammen mit Katar und den NATO-Staaten eine vorerst friedliche Protestbewegung f\u00fcr ihre Zwecke benutzt und einen bewaffneten Aufstand unterst\u00fctzt, der einen nunmehr seit zehn Jahren anhaltenden B\u00fcrgerkrieg zur Folge hat.<\/p>\n<p>\u00dcber solche chinesischen Bef\u00fcrchtungen informieren unsere Medien kaum. Dieselben Schweizer Zeitungen, die keinen investigativen Aufwand scheuen, um eine \u00abislamistische Gefahr\u00bb in Winterthur oder sonstwo ausfindig zu machen und jede Dschihadistin wie eine Stecknadel im Schweizer Heuhaufen suchen, haben es nie f\u00fcr n\u00f6tig befunden, \u00fcber den Terror uigurischer Extremisten in Xinjiang mehr als ein paar Worte zu verlieren.<\/p>\n<p>Die st\u00e4ndige Sorge um Menschenrechtsverletzungen in China (und in Russland) scheint wenig glaubw\u00fcrdig, wenn Menschenrechtsverletzungen in den befreundeten Staaten Pakistan, Saudi-Arabien oder \u00c4gypten zu keinen Sanktionen f\u00fchren. China und Russland dienen als einseitige Zielscheibe. Denn die Reihen hinter den neuen Kalten Kriegern in Washington sollen geschlossen werden. Zbigniew Brzezinski und \u00abAmerikas Strategie der Vorherrschaft\u00bb sind nach wie vor eine politische Bibel.<\/p>\n<p><strong>Ein Uiguren-Denkmal in Istanbul<\/strong><\/p>\n<p>1995 weihte Recep Tayyip Erdogan, damals B\u00fcrgermeister von Istanbul, in einer Ecke des Parks der Blauen Moschee ein kleines Denkmal ein. Der Ziegelstein-Obelisk tr\u00e4gt eine Plakette, auf der zu lesen ist: \u00abZu Ehren der M\u00e4rtyrer von Ostturkestan\u00bb. Ostturkestan ist der Name, den uigurische Aktivisten der chinesischen Provinz Xinjiang geben. Das Denkmal erinnert an Isa Yusuf Alptekin, den Gr\u00fcndungsvater der separatistischen Uiguren-Bewegung. Alptekin stand w\u00e4hrend des B\u00fcrgerkrieges auf Seiten von Tschiang Kai Schecks Kuomintang, die von den USA milit\u00e4risch und finanziell unterst\u00fctzt wurde, um einen Sieg der Kommunisten zu verhindern. 1949 marschierten Mao Tse-tungs Rotarmisten in Xinjiang ein, ohne dass ein Schuss fiel. Die Kuomintang-Truppen liefen praktisch geschlossen \u00fcber zur kommunistischen Volksarmee. Alptekin floh in die T\u00fcrkei.<\/p>\n<p>Von Istanbul aus widmete er von da an sein Leben dem Kampf gegen den Kommunismus und f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit der Uiguren. Dabei fand er massive Unterst\u00fctzung auf Seiten radikaler t\u00fcrkischer Nationalisten und bei Nostalgikern eines neuen Osmanischen Reichs. Mit offenen Armen empfangen wurde er von der rechtsradikalen Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) und ihrem militanten Arm, den Grauen W\u00f6lfen, die in einigen westlichen L\u00e4ndern als Terroristen eingestuft werden.<\/p>\n<p>Erdogan sagte bei der Einweihung des Alptekin-Denkmals: \u00abOstturkestan ist nicht nur die Heimat der Turkv\u00f6lker, sondern die Wiege der t\u00fcrkischen Geschichte, Zivilisation und Kultur (\u2026) Die M\u00e4rtyrer von Ostturkestan sind unsere M\u00e4rtyrer.\u00bb Das Uigurische geh\u00f6rt zur Sprachfamilie der zentralasiatischen Turkv\u00f6lker. Zahlreiche Ethnien von der T\u00fcrkei bis China und Sibirien sprechen Varianten dieser Sprachfamilie.<\/p>\n<p><strong>Stark belastetes Verh\u00e4ltnis<\/strong><\/p>\n<p>Die kurze Zeitspanne, in der die Uiguren letztmals einen eigenen Staat hatten, dauerte vom 12. November 1944 bis 20. Oktober 1949. Es war die von Stalin unterst\u00fctzte Republik Ostturkestan im Norden des heutigen Xinjiang. Sie definierte sich als islamisch. In Erkl\u00e4rungen f\u00fchrender Geistlicher hiess es, die Uiguren h\u00e4tten mit der Hilfe Allahs das Joch der chinesischen Unterdr\u00fccker abgesch\u00fcttelt.<\/p>\n<p>In dieser Zeit f\u00fchrten radikale Uigurengruppen ethnische S\u00e4uberungen durch, die nach \u00fcbereinstimmenden Einsch\u00e4tzungen von Historikern zur Folge hatten, dass bereits 1945 der gr\u00f6sste Teil der Han-Chinesen der Region vertrieben oder massakriert worden war. Die damals in Peking regierende Kuomintang antwortete mit grosser Repression und versuchte ihrerseits, die traditionsverhafteten islamischen Uiguren der Oasen im S\u00fcden gegen die pro-sowjetischen Uiguren der n\u00f6rdlichen Distrikte zu mobilisieren. Es waren Zeiten extremer Gewalt, und dies muss man wissen, um zu begreifen, wie stark das Verh\u00e4ltnis zwischen Han-Chinesen und Uiguren historisch belastet ist. Die Repression unter Maos Kulturrevolution hat das Verh\u00e4ltnis zwischen Peking und Xinjiang mit Sicherheit nicht verbessert.<\/p>\n<p><strong>Ein CIA-Mann in Xinjiang<\/strong><\/p>\n<p>Seit der Macht\u00fcbernahme von Mao Tse-tung haben die USA versucht, ethnische Minderheiten im Widerstand gegen die kommunistische Regierung in Peking zu organisieren, vor allem in Tibet, Nordburma und in Xinjiang. Diese Versuche schwankten \u2013 je nach politischer Grosswetterlage \u2013 in Intensit\u00e4t und Entschlossenheit. Ziel war jedoch stets und ist bis heute die Destabilisierung Chinas und ein Regime Change in Peking.<\/p>\n<p>Der erste Agent der damals neu gegr\u00fcndeten Central Intelligence Agency (CIA), der in Aus\u00fcbung seiner T\u00e4tigkeit ums Leben kam, war Douglas Seymour Mackiernan. Er wurde 1950 bei dem Versuch, von Xinjiang nach Tibet einzureisen, erschossen. Der US-Luftwaffenoberst hatte zuvor im Grenzgebiet von Xinjiang ein System von hochsensiblen Mikrophonen installiert, die die Schallwellen atomarer Explosionen auffangen und den Testort ann\u00e4hernd lokalisieren konnten. Mit Hilfe dieses Systems und der Messungen der Luftradioaktivit\u00e4t in der Region kamen die USA im August 1949 zu der Erkenntnis, dass die Sowjetunion in Kasachstan ihre erste Atombombe gez\u00fcndet hatte.<\/p>\n<p>Seit 1949 streben oppositionelle Gruppen in Xinjiang nach Unabh\u00e4ngigkeit. Das ist ihr gutes Recht. Sie setzen sich aber gem\u00e4ss UNO-Charta ins Unrecht, wenn sie sich finanzieren und politisch instrumentalisieren lassen von einem fremden Staat, der China als feindliche Macht ansieht und gegen China milit\u00e4risch aufr\u00fcstet \u2013 im konkreten Fall die USA und ihre NATO-Verb\u00fcndeten. Es ist \u00fcberdies fraglich, ob die Autonomie-Bewegung \u00fcber eine solide Verankerung in der Bev\u00f6lkerung von Xinjiang verf\u00fcgt. So behauptet die gr\u00f6sste uigurische Oppositionsformation, der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.uyghurcongress.org\/en\/\">World Uyghur Congress<\/a>\u00a0(WUC), die Interessen der Uiguren in Xinjiang zu vertreten. Der WUC\u00a0besteht aus Exil-Uiguren, die wenig legitimiert sind. Und vielen Bewohnern des Uigurischen Autonomen Gebietes Xinjiang d\u00fcrfte dieser \u00abWeltkongress der Uiguren\u00bb mit Sitz in M\u00fcnchen, Adolf-Kolping-Strasse 9, nicht einmal dem Namen nach bekannt sein.<\/p>\n<p><strong>Der von Washington finanzierte World Uyghur Congress<\/strong><\/p>\n<p>Der World Uyghur Congress (WUC) ist nach eigenen Angaben eine unabh\u00e4ngige Basisorganisation, die sich f\u00fcr die Menschenrechte der Uiguren in China einsetzt. In Wahrheit wird der 2004 gegr\u00fcndete Dachverband mit 33 Filialen in 18 L\u00e4ndern aber weitgehend\u00a0<a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/2020\/03\/09\/inside-the-us-backed-world-uyghur-congress\/\">von den USA finanziert<\/a>\u00a0und ist eng mit Politik und Strategie der NATO-Staaten verbunden. F\u00fchrende Mitarbeiter des WUC weisen ein Curriculum als Mitarbeiter von Propaganda-Medien auf, die im Kalten Krieg vom CIA gegr\u00fcndet wurden, darunter Radio Free Asia, Radio Free Europe und Radio Liberty.<\/p>\n<p>Zu den Hauptgeldgebern geh\u00f6rte von der ersten Stunde an das\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ned.org\/\"><em>National Endowment for Democracy<\/em><\/a>\u00a0(NED), eine vom US-Kongress gegr\u00fcndete und weitgehend mit US-Steuergeldern unterhaltene Stiftung, die bekannt ist f\u00fcr ihre Finanzierung von Dissidenten-Gruppen und \u00abFarbenrevolutionen\u00bb in L\u00e4ndern, wo Washington die Regierungen st\u00fcrzen m\u00f6chte (Regime Change). Nach NED-Angaben flossen seit 2004 mehr als acht Millionen Dollar in den WUC und sein Netzwerk, darunter\u00a0<em>Campaign for Uyghurs<\/em>,\u00a0<em>Uyghur Human Rights Project<\/em>,\u00a0<em>The Uyghur Transitional Justice Database Project<\/em>,\u00a0<em>China Free Press<\/em>\u00a0usw. Dies d\u00fcrfte aber nur ein Bruchteil der tats\u00e4chlichen Summen sein, die \u00abzur F\u00f6rderung der Demokratie in China\u00bb unter verschiedenen Formen der Verbuchung von westlichen Regierungen zu den uigurischen Dissidenten gelangen. Solche Informationen \u00fcber die Finanzfl\u00fcsse muss man lange im Internet suchen. Sie sind f\u00fcr die f\u00fchrenden westlichen Medien kein Thema von Interesse.<\/p>\n<p>Der WUC r\u00fchmt sich auf der Homepage seiner zahlreichen Kontakte zum Europaparlament, zu den westlichen Regierungen, zu den grossen Medien, zur UNO. Der Erfolg seiner \u00abMenschenrechtskampagne\u00bb ist durchschlagend. Die Behauptung, dass die Uiguren in Xinjiang grausam unterdr\u00fcckt werden, ist mittlerweile zu einer Selbstverst\u00e4ndlichkeit geworden, die jeder TV-Moderatorin und jedem Nachrichtensprecher so sicher von den Lippen geht wie die Verkehrsmeldungen.<\/p>\n<p>Es gibt aber wohl weltweit keinen Konflikt, bei dem die Anschuldigungen von politischen Aktivisten und Propagandisten und die Darstellungen international anerkannter China-Experten so weit auseinanderklaffen wie in Hinsicht auf Xinjiang. Viele der letztgenannten werfen einen sehr kritischen Blick auf die kommunistische Volksrepublik, aber keiner kommt umhin festzustellen, dass China in keiner seiner Regionen in den letzten Jahren wirtschaftlich so massiv investiert hat wie in Xinjiang. Xinjiang erlebt einen Wirtschaftsboom und die materielle Lebensqualit\u00e4t der Bewohner hat sich erheblich verbessert. Das Projekt der neuen Seidenstrasse (One Belt, one Road)\u00a0hat der an Bodensch\u00e4tzen reichen Region Xinjiang einen enormen Zuwachs an Tourismus, Infrastruktur und verarbeitender Industrie beschert und das Einkommen der einstmals armen Bev\u00f6lkerung \u00fcber den chinesischen Durchschnitt gehoben.<\/p>\n<p>Die uigurische Opposition argumentiert, dieser wirtschaftliche Aufschwung komme den Uiguren nicht zugute. Tats\u00e4chlich str\u00f6mten mit der steigenden Nachfrage nach Arbeitskr\u00e4ften sehr viele Han-Chinesen nach Xinjiang, so dass sich die Bev\u00f6lkerungsstruktur zu Ungunsten der Uiguren verschiebt. Bei der Arbeitssuche sind Uiguren h\u00e4ufig benachteiligt, weil sie nicht gut chinesisch sprechen. Wirtschaftlich und gesellschaftlich geben Han-Chinesen immer st\u00e4rker den Ton an. Verteidiger der Minderheiten- und Menschenrechte sehen die Uiguren wohl mit Recht in Bedr\u00e4ngnis.<\/p>\n<p><strong>Holocaust: Eine bew\u00e4hrte Propaganda-Keule<\/strong><\/p>\n<p>Uigurische Aktivisten und mit ihnen die US-Regierung verbreiten, in Xinjiang werde die uigurische Kultur systematisch ausgel\u00f6scht und es f\u00e4nde ein <em>Genozid<\/em> statt. Das ist eine masslose \u00dcbertreibung und Verniedlichung der tats\u00e4chlichen Genozide. V\u00f6lkermorde gab es im Zweiten Weltkrieg, w\u00e4hrend dem rund sechs Millionen Juden sowie Zehntausende Sinti und Roma ermordet wurden, oder 1994 in Ruanda, wo die Hutu etwa 800\u2019000 Tutsi umbrachten.<\/p>\n<p>In Xinjiang gibt es keine Anzeichen eines Massakers. Auch f\u00fcr systematische, organisierte Vergewaltigungen und Folterungen in den geschlossenen Uiguren-Camps gibt es keine \u00fcberzeugenden Indizien, geschweige denn Beweise. Das schliesst nicht aus, dass es in Einzelf\u00e4llen zu grobem Fehlverhalten gekommen ist und kommt.<\/p>\n<p>Wenn man nicht der Propaganda-Maschinerie des WUC folgt, sondern unabh\u00e4ngigen China-Forschern, erh\u00e4lt man eine differenziertere Einsch\u00e4tzung. Beispielsweise China-Kenner Professor\u00a0<a href=\"https:\/\/www.wiwi-online.de\/Professoren\/884\/Prof.+Dr.+rer.+pol.+Wolfram+Elsner\">Wolfram Elsner<\/a>\u00a0von der Universit\u00e4t Bremen\u00a0<a href=\"https:\/\/www.orellfuessli.ch\/shop\/home\/artikeldetails\/ID142860162.html\">(\u00abDas chinesische Jahrhundert\u00bb<\/a>, 2020)\u00a0<a href=\"http:\/\/nachdenken-in-bremen.de\/uiguren.htm\">erinnert<\/a>\u00a0an eine\u00a0Erkenntnis der alten Griechen und R\u00f6mer: \u00abVerleumde nur dreist, es bleibt immer etwas h\u00e4ngen\u00bb. Die westlichen Medien h\u00e4tten sich \u00abmit den bis zu 10\u2019000 oder 20\u2019000 uigurische Terroristen auf Seiten des IS und anderer steinzeitlicher Terroristen kaum besch\u00e4ftigt\u00bb. Dass der blutige Terrorismus in Xinjiang sie nicht interessiert, \u00fcberrasche kaum noch. Terrorismus werde im Westen \u00abnicht grunds\u00e4tzlich verurteilt, sondern stets pragmatisch-taktisch nach macht- und geopolitischer N\u00fctzlichkeit bewertet\u00bb. Der fr\u00fchere US-Aussenminister Henry Kissinger habe in seinem Chinabuch bereits 2011 von \u00abm\u00f6glichen Auswirkungen des islamistischen Terrorismus auf die Provinz Xinjiang\u00bb gesprochen.<\/p>\n<p>Die f\u00fchrenden westlichen Medien zeichnen ein anderes Bild. Sie verbreiten fast ausschliesslich Darstellungen der uigurischen Opposition und des WUC mit Sitz in Deutschland. Denen zufolge ist Xinjiang ein Friedhof der Unterdr\u00fcckten. Neben Einzelschicksalen (NZZ: \u00abIhre Geschichten lassen sich im Detail nicht \u00fcberpr\u00fcfen\u00bb) werden auch Horrorgeschichten kolportiert, die an Skurrilit\u00e4t kaum zu \u00fcberbieten sind. So berichtete der Vorsitzende des belgischen \u00abUigurenrats\u00bb einem ARD-Korrespondenten in Br\u00fcssel am 25. M\u00e4rz, die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung von Xinjiang werde in Lagern gehalten, die man mit \u00abKonzentrationslagern vergleichen\u00bb k\u00f6nne, und dass \u00abdie Chinesen die Organe der Menschen auf dem Schwarzmarkt verkaufen \u2013 als halal f\u00fcr muslimische L\u00e4nder.\u00bb So nachzulesen auf der deutschen Homepage des\u00a0<a href=\"https:\/\/www.uyghurcongress.org\/de\/\">Weltkongresses der Uiguren<\/a>.<\/p>\n<p>Das Holocaust-Wording ist ein bew\u00e4hrtes Instrument, dessen sich auch westliche Politiker immer wieder bedient haben, um Feindbilder zu zeichnen und \u00abhumanit\u00e4re Milit\u00e4rinterventionen\u00bb zu rechtfertigen. Der deutsche Verteidigungsminister Rudolf Scharping erkl\u00e4rte in der Balkankrise vor der Presse, er habe Informationen, dass \u00abdie Serben mit den abgeschnittenen K\u00f6pfen ihrer Feinde Fussball spielen.\u00bb Und der deutsche Aussenminister Joschka Fischer rechtfertigte die Bombardierung Serbiens mit der Parole \u00abNie wieder Auschwitz\u00bb.<\/p>\n<p>Westliche Korrespondenten, welche die Region Xinjiang \u2013 allerdings eingebettet von staatlichen Begleitern \u2013 unl\u00e4ngst besuchten, berichten, das t\u00e4gliche Leben mache den Eindruck von Normalit\u00e4t. Das Ambiente sei jedenfalls nicht vergleichbar mit Konfliktgebieten wie Kosovo oder der Westbank. SRG-China-Korrespondent Martin Aldrovandi, f\u00fcrwahr kein Freund der Regierung in Peking, sagte, man sehe kaum Milit\u00e4r auf den Strassen. Andere wollen das Gegenteil gesehen haben, so Felix Lee von der Berliner \u00abtaz\u00bb. Er erlebte \u00abGrabesstille\u00bb und \u00abPanzerfahrzeuge auf den Strassen\u00bb. Er konnte zwar von den \u00abUmerziehungslagern\u00bb keines finden, schrieb aber in seinem Bericht f\u00fcr Amnesty International, auch wenn \u00abgenaue Zahlen nicht bekannt\u00bb seien, wisse man ja \u00abvon Zeugenaussagen\u00bb, dass es Millionen von Internierten, Gehirnw\u00e4sche und Folter gebe. Der Amnesty-Bericht ist betitelt:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.amnesty.de\/informieren\/amnesty-journal\/china-xinjiang-im-land-der-unsichtbaren-lager\">\u00abIm Land der unsichtbaren Lager\u00bb<\/a>.<\/p>\n<p>Zu den ins Kraut wachsenden Vorw\u00fcrfen an China bis hin zum V\u00f6lkermord tr\u00e4gt Chinas Regierung allerdings bei, weil sie weder Journalisten noch Menschenrechtsorganisationen in Xinjiang frei recherchieren und an selbst gew\u00e4hlte Orte reisen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Im kollektiven Bewusstsein der Han-Chinesen sind die Uiguren \u2013 im Unterschied zu den chinesisch sprechenden Hui-Moslems \u2013 als Bedrohung stark verankert. Entsprechend drastisch und kompromisslos geht China vor, um die radikalen Terroristengruppen auszurotten. Die uigurische Bev\u00f6lkerung hat kaum M\u00f6glichkeiten, sich einer ausgedehnten \u00dcberwachung zu entziehen und sich gegen Willk\u00fcr rechtlich zu wehren.<\/p>\n<p><strong>\u00abDen Wahnsinn stoppen, bevor es zu sp\u00e4t ist\u00bb<\/strong><\/p>\n<p>Kr\u00e4fte im Westen, welche China zum Konkurrenten und Feind Nummer eins erkl\u00e4ren, schlachten den innerchinesischen Konflikt mit den Uiguren f\u00fcr das Anheizen des Kalten Krieges aus. Das gezielte Schaffen von Feindbildern kommt der R\u00fcstungsindustrie h\u00fcben und dr\u00fcben zupass.\u00a0Warner in der W\u00fcste gibt es nur wenige. In Frankreich haben ehemalige Gener\u00e4le und andere hohe Offiziere aller Waffengattungen am 11. M\u00e4rz NATO-Generalsekret\u00e4r Jens Stoltenberg in einem\u00a0<a href=\"https:\/\/www.capital.fr\/economie-politique\/vers-une-strategie-francaise-utile-a-leurope-des-hauts-grades-de-larmee-publient-leur-manifeste-1385638\">offenen Brief<\/a>\u00a0geschrieben: Die NATO m\u00fcsse aufh\u00f6ren, die Feindbilder China und Russland zu kultivieren. Europa solle die Kooperation mit Russland und China suchen, statt sich von den USA Drehb\u00fccher f\u00fcr den Einsatz von Atomwaffen diktieren zu lassen und das NATO-Milit\u00e4rb\u00fcndnis zu einem Instrument der Weltherrschaft zu entwickeln, wie es in der Strategie \u00abNATO 2030\u00bb vorgesehen sei: \u00abIl faut stopper ce train fou avant qu\u2019il ne soit trop tard\u00bb.<\/p>\n<div class=\"wp-block-infosperber-box is-style-yellow\">\n<p class=\"has-large-font-size\">*Die Quelle der NZZ wird von Nato-Staaten und R\u00fcstungskonzernen finanziert<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large media-license__figure has-local-caption has-caption\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-320651\" src=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Uigiuren-Lager-fertig.png\" sizes=\"auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px\" srcset=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Uigiuren-Lager-fertig.png 750w, https:\/\/www.infosperber.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Uigiuren-Lager-fertig-234x300.png 234w, https:\/\/www.infosperber.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Uigiuren-Lager-fertig-600x768.png 600w\" alt=\"Uigiuren Lager fertig\" width=\"750\" height=\"960\" \/><figcaption class=\"media-license__figcaption\"><span class=\"media-license__local-figcaption\">Das von der NZZ beschriftete Uiguren-Lager entpuppte sich als normales Gef\u00e4ngnis.<\/span><span class=\"media-license__author\"> \u00a9 nzz <\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p><em>upg<\/em>. Die Satellitenaufnahmen eines Gef\u00e4ngnisses in Xinjiang \u00fcbernahm die NZZ nach eigenen Angaben von der Datenbank der \u00ab<em>Denkfabrik ASPI<\/em>\u00bb, welche \u00ab<em>seit 2017 \u00fcber 380 Umerziehungslager, Hafteinrichtungen und Gef\u00e4ngnisse identifiziert<\/em>\u00bb habe. \u00abAus Versehen\u00bb bildete die NZZ nach eigenen Angaben ein Gef\u00e4ngnis ab und bezeichnete es als \u00ab<em>Lager<\/em>\u00bb. Einen Tag sp\u00e4ter wies die NZZ mit sieben Zeilen auf den Fehler hin.<br \/>\nIn ihrem zweiseitigen Bericht vom 26. M\u00e4rz hat die NZZ nicht dar\u00fcber informiert, wer die \u00ab<em>Denkfabrik ASPI<\/em>\u00bb finanziert. Wie man auf\u00a0<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Australian_Strategic_Policy_Institute\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Wikipedia<\/a>\u00a0nachlesen kann, finanzieren NATO-Staaten und R\u00fcstungskonzerne wie Lockheed Martin, Northrop Grumman oder Raytheon Technologies dieses \u00abAustralian Strategic Policy Institute\u00bb ASPI.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hinter uigurischen Separatisten wirken seit den Zeiten von Mao Tse-tung Propaganda-Apparate der USA und der T\u00fcrkei. 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