{"id":1351670,"date":"2021-04-30T13:28:05","date_gmt":"2021-04-30T12:28:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1351670"},"modified":"2021-04-30T13:28:43","modified_gmt":"2021-04-30T12:28:43","slug":"manoever-in-ostasien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2021\/04\/manoever-in-ostasien\/","title":{"rendered":"Man\u00f6ver in Ostasien"},"content":{"rendered":"<p class=\"news-item-subtitle\"><strong>Deutschland weitet Milit\u00e4rkooperation mit Japan aus. Strategen schlagen Aufbau einer st\u00e4ndigen europ\u00e4ischen Marinepr\u00e4senz im Indischen Ozean vor.<\/strong><\/p>\n<p>Deutschland weitet seine Geheimdienst-, R\u00fcstungs- und Milit\u00e4rkooperation mit Japan aus und plant gemeinsame Man\u00f6ver sowie gemeinsame Operationen zur \u00dcberwachung des UN-Waffenembargos gegen Nordkorea. Dies ist das Ergebnis von Treffen und von Gespr\u00e4chen, die die Regierungen in Berlin und in Tokio in den vergangenen Wochen f\u00fchrten. So stand bei einem &#8222;Zwei-plus-zwei-Gespr\u00e4ch&#8220; der Au\u00dfen- und Verteidigungsminister der beiden L\u00e4nder der Aufbau einer &#8222;vereinigten Front&#8220; gegen Beijing im Mittelpunkt; eine wichtige Funktion kommt dabei einer Asienfahrt der deutschen Fregatte Bayern zu, die im August beginnen soll. Der Ausbau der Kooperation mit Japan erfolgt gleichzeitig mit einer St\u00e4rkung der japanisch-US-amerikanischen Zusammenarbeit, die nicht zuletzt Planungen f\u00fcr den Fall eines Krieges um Taiwan beinhaltet. Strategen pl\u00e4dieren dar\u00fcber hinaus f\u00fcr eine intensivere Kooperation mit dem transpazifischen Viererpakt &#8222;Quad&#8220;, mit dessen Mitgliedstaaten Frankreich Anfang April ein erstes gemeinsames Marineman\u00f6ver abhielt. Eine st\u00e4ndige europ\u00e4ische Marinepr\u00e4senz im Indischen Ozean ist im Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<h3>Verschmelzung von Au\u00dfen- und Milit\u00e4rpolitik<\/h3>\n<p>Die Bundesregierung hat in den vergangenen Wochen mehrere Schritte zur Intensivierung der Beziehungen zwischen Deutschland und Japan unternommen. Am 22. M\u00e4rz unterzeichneten beide L\u00e4nder ein bilaterales Geheimschutzabkommen, das nicht nur die Zusammenarbeit der Nachrichtendienste beider L\u00e4nder, sondern auch die Realisierung gemeinsamer R\u00fcstungsprojekte und Milit\u00e4reins\u00e4tze erleichtern soll.[1] Am 13. April kamen zum ersten Mal die Au\u00dfen- und Verteidigungsminister Deutschlands und Japans zu einem sogenannten Zwei-plus-zwei-Gespr\u00e4ch zusammen, pandemiebedingt freilich nur online; derartige Konsultationen sind k\u00fcnftig regelm\u00e4\u00dfig geplant. Sie beschr\u00e4nken sich nicht auf die deutsch-japanischen Beziehungen: Zwei-plus-zwei-Gespr\u00e4che f\u00fchrten Mitte M\u00e4rz US-Au\u00dfenminister Antony Blinken und US-Verteidigungsminister Lloyd Austin mit ihren Amtskollegen in Tokio; zuvor hatten sich &#8211; freilich online &#8211; die Au\u00dfen- und Verteidigungsminister Japans und Gro\u00dfbritanniens im Zwei-plus-zwei-Rahmen ausgetauscht. Die wachsende Vorliebe f\u00fcr das Format zeigt, dass im Westen sowie bei dessen Verb\u00fcndeten eine zunehmende Verschmelzung der Au\u00dfen- mit der Milit\u00e4rpolitik zu beobachten ist.<\/p>\n<h3>Vereinigte Front gegen Beijing<\/h3>\n<p>Als Erl\u00e4uterung f\u00fcr die Abhaltung der Zwei-plus-zwei-Gespr\u00e4che verwies Au\u00dfenminister Heiko Maas auf den globalen Machtanspruch Berlins: Um &#8222;die Welt weiterhin aktiv mitzugestalten&#8220;, m\u00fcssten &#8222;Deutschland und Europa&#8220; sich &#8222;gerade auch in Asien st\u00e4rker engagieren&#8220;, denn dort f\u00e4nden &#8222;in diesem Jahrhundert wichtige globale Weichenstellungen statt&#8220;.[2] Genauere Angaben \u00fcber den Inhalt der Gespr\u00e4che wurden in Tokio bekannt. Demnach konzentrierten sich die vier Minister vor allem auf Bem\u00fchungen, &#8222;eine vereinigte Front&#8220; zu etablieren, um &#8222;den territorialen Ambitionen Beijings entgegenzutreten&#8220;.[3] Gemeint sind die Konflikte um Inseln im S\u00fcd- und im Ostchinesischen Meer und der Konflikt um Taiwan, die einseitig der Volksrepublik angelastet werden. Jun Okumura, ein Experte des Meiji Institute for Global Affairs in Japans Hauptstadt, urteilt, Tokio sei an &#8222;jeglichem neuen B\u00fcndnis&#8220; interessiert, &#8222;das hilft, China entgegenzutreten&#8220;. Angelpunkt f\u00fcr die japanischen Eliten ist dabei ihre Allianz mit den USA, deren aktuelle Ziele bei den Zwei-plus-zwei-Gespr\u00e4chen mit Blinken und Austin Mitte M\u00e4rz besprochen wurden. Dabei wurden insbesondere etwaige milit\u00e4rische Beitr\u00e4ge Japans im Falle eines Krieges um Taiwan diskutiert.[4]<\/p>\n<h3>Gemeinsame Man\u00f6ver und Operationen<\/h3>\n<p>Auch bei den japanisch-deutschen Zwei-plus-zwei-Gespr\u00e4chen standen milit\u00e4rische Vorhaben auf dem Programm, vor allem der bevorstehende Besuch der deutschen Fregatte Bayern, die im August mit Kurs auf Asien aufbrechen und nach mehreren Zwischenstationen in Japan eintreffen wird. Wie die Tageszeitung Mainichi Shimbun berichtet, w\u00fcnscht Tokio f\u00fcr die Zeit des Aufenthalts der Fregatte gemeinsame Man\u00f6ver mit den japanischen Streitkr\u00e4ften.[5] Dar\u00fcber hinaus sind, wie das deutsche Verteidigungsministerium best\u00e4tigt, gemeinsame deutsch-japanische Operationen zur \u00dcberwachung des UN-Waffenembargos gegen Nordkorea geplant. Neben milit\u00e4rischen Vorhaben thematisierten beide Seiten bei den Zwei-plus-zwei-Gespr\u00e4chen auch die Absicht, in Zukunft in der R\u00fcstung enger zu kooperieren. Japan bezieht sein Kriegsger\u00e4t zur Zeit vorwiegend aus den USA. Eine engere Milit\u00e4rkooperation mit Japan streben neben Deutschland auch Gro\u00dfbritannien und Frankreich an. London wird im Mai seinen neuen Flugzeugtr\u00e4ger &#8222;Queen Elizabeth&#8220; nach Ostasien entsenden; am Zielpunkt der Reise, in Japan, sind gemeinsame Man\u00f6ver mit den japanischen und den US-amerikanischen Streitkr\u00e4ften geplant.[6]<\/p>\n<h3>Der transpazifische Viererpakt<\/h3>\n<p>Frankreich wiederum hat vom 5. bis zum 7. April im Golf von Bengalen das Marineman\u00f6ver &#8222;La P\u00e9rouse&#8220; durchgef\u00fchrt, an dem auch die japanischen Streitkr\u00e4fte beteiligt waren. &#8222;La P\u00e9rouse&#8220;, benannt nach einem franz\u00f6sischen Marineoffizier, der im Jahr 1788 auf einer Erkundungsfahrt im Pazifik verschwand, wurde erstmals 2019 abgehalten; involviert waren damals Kriegsschiffe nicht nur Japans, sondern auch Australiens und der Vereinigten Staaten. Diesmal nahm zus\u00e4tzlich auch die indische Marine teil; damit \u00fcbten erstmals alle vier Staaten des &#8222;Quad&#8220; (Quadrilateral Security Dialogue), eines informellen B\u00fcndnisses der USA, Japans, Australiens und Indiens, unter der milit\u00e4rischen F\u00fchrung Frankreichs.[7] Die vier Quad-Staaten wiederum hatten im November 2020 bereits ein gemeinsames Man\u00f6ver (&#8222;Malabar 2020&#8220;) abgehalten, ebenfalls im Golf von Bengalen; Ausrichter war Indien.[8] Hochrangige US-Milit\u00e4rs fordern, gemeinsame Man\u00f6ver der Quad-Mitglieder zu verstetigen und sie mittelfristig weiter auszubauen; zudem k\u00f6nne man schon in drei bis vier Jahren etwa eine gemeinsame Institution gr\u00fcnden (&#8222;Quad Center of Excellence&#8220;), deren Aufgabe es sei, gemeinsame strategische Doktrinen zu entwickeln.[9]<\/p>\n<h3>St\u00e4ndige Marinepr\u00e4senz im Indischen Ozean<\/h3>\n<p>Wenngleich noch unklar ist, ob sich die Quad-Milit\u00e4rkooperation tats\u00e4chlich in einem solchen Ma\u00df intensivieren l\u00e4sst, dringen seit geraumer Zeit Experten in der EU auf engere Zusammenarbeit auch der Staaten Europas mit dem Quad.[10] Zuletzt hat sich in diesem Sinn Ende vergangener Woche der European Council on Foreign Relations (ECFR) zu Wort gemeldet. Wie es in einer Analyse des Think-Tanks hei\u00dft, k\u00f6nne der transpazifische Viererpakt der EU &#8222;als Andockstelle&#8220; f\u00fcr eine Ausweitung ihrer Aktivit\u00e4ten in der Region dienen; die Union und ihre Mitgliedstaaten sollten ihn unbedingt &#8222;in ihre strategische Ann\u00e4herung an den Indo-Pazifik einbeziehen&#8220;. Das gelte nicht nur, aber auch f\u00fcr milit\u00e4rische Aktivit\u00e4ten. Wollten &#8222;die Europ\u00e4er&#8220; den Einfluss ihrer milit\u00e4rischen Ressourcen in der Region maximieren, sollten sie sie au\u00dferdem gezielt strategisch einsetzen. So sei etwa m\u00f6glich, sich untereinander so abzustimmen, dass eine st\u00e4ndige europ\u00e4ische Marinepr\u00e4senz im Indischen Ozean gew\u00e4hrleistet sei; dazu sollten Deutschland, die Niederlande, Spanien und Portugal die Ressourcen ihrer Seestreitkr\u00e4fte mit denjenigen Frankreichs koordinieren, das schon jetzt eine Marinepr\u00e4senz in der Indo-Pazifik-Region unterhalte.[11] Damit k\u00f6nne man dem Einfluss Chinas entschlossen entgegentreten.<\/p>\n<p>[1] Zeichen des gegenseitigen Vertrauens: Japan und Deutschland unterzeichnen Geheimschutzabkommen. auswaertiges-amt.de 22.03.2021.<\/p>\n<p>[2] Au\u00dfen- und sicherheitspolitische Konsultationen zwischen Japan und Deutschland. auswaertiges-amt.de 13.04.2021.<\/p>\n<p>[3] Julian Ryall: Japan seeks German help to counter China&#8217;s clout in Indo-Pacific. dw.com 14.04.2021.<\/p>\n<p>[4] Japan and U.S. defense chiefs affirm cooperation over Taiwan emergency. japantimes.co.jp 21.03.2021.<\/p>\n<p>[5] Japan, Germany hold 1<sup>st<\/sup> security talk to deter China. mainichi.jp 13.04.2021.<\/p>\n<p>[6] S. dazu <a href=\"https:\/\/www.german-foreign-policy.com\/news\/detail\/8546\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die neue deutsche Kanonenbootpolitik (II)<\/a>.<\/p>\n<p>[7] Philippe Chapleau: L&#8217;Inde aux c\u00f4t\u00e9s de la France pour l&#8217;exercice naval \u00ab\u00a0La P\u00e9rouse\u00a0\u00bb dans le golfe du Bengale. ouest-france.fr 07.04.2021.<\/p>\n<p>[8] S. dazu <a href=\"https:\/\/www.german-foreign-policy.com\/news\/detail\/8475\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Deutschland im Indo-Pazifik (VI)<\/a>.<\/p>\n<p>[9] Jeffrey T. Vanak, Jack Souders, Kenneth del Mazo: How to Operationalize the Quad. thediplomat.com 30.03.2021.<\/p>\n<p>[10] S. dazu <a href=\"https:\/\/www.german-foreign-policy.com\/news\/detail\/8184\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Im Osten des Indischen Ozeans<\/a>.<\/p>\n<p>[11] Manisha Reuter: Friends in deed: How the EU and the Quad can promote security in the Indo-Pacific. ecfr.eu 16.04.2021.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschland weitet Milit\u00e4rkooperation mit Japan aus. Strategen schlagen Aufbau einer st\u00e4ndigen europ\u00e4ischen Marinepr\u00e4senz im Indischen Ozean vor. 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