{"id":1347052,"date":"2021-04-23T16:44:25","date_gmt":"2021-04-23T15:44:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1347052"},"modified":"2021-04-23T16:45:55","modified_gmt":"2021-04-23T15:45:55","slug":"universalistischer-humanismus-und-die-pandemie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2021\/04\/universalistischer-humanismus-und-die-pandemie\/","title":{"rendered":"Universalistischer Humanismus und die Pandemie"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ziel dieser Pr\u00e4sentation ist es nicht, die Ursachen der Pandemie, die Verantwortlichkeiten daf\u00fcr oder m\u00f6gliche L\u00f6sungen zu analysieren. In Anbetracht der Tatsache, dass die COVID-19-Situation die Instabilit\u00e4t sowohl der institutionellen Systeme als auch der Individuen weltweit versch\u00e4rft hat, m\u00f6chte ich mit der Feststellung beginnen, dass gerade solche Momente der Instabilit\u00e4t &#8222;Risse&#8220; in der etablierten Welt auftun, Risse, aus denen Elemente der Ver\u00e4nderung hervorgehen k\u00f6nnen, die in neue Richtungen f\u00fchren. Betrachtet man die Lage nach Ausbruch der Pandemie, so erkennt man sowohl Elemente, die in eine antihumanistische Richtung weisen, als auch solche, die in eine humanistische Richtung weisen.<\/strong><\/p>\n<p>Daraus ergeben sich Fragen und ich will mir nicht anma\u00dfen, diese in vollem Umfang beantworten zu k\u00f6nnen. Ich hoffe jedoch, dass ich einige Denkanst\u00f6\u00dfe geben kann:<\/p>\n<ul>\n<li>K\u00f6nnten die Auswirkungen der Pandemie auf das menschliche Bewustsein die F\u00e4higkeit aktivieren, sich ein neues ethisches, soziales und pers\u00f6nliches Paradigma vorzustellen, zu gestalten und damit einen sinnvollen Schritt in Richtung der Universellen Menschlichen Nation zu machen?<\/li>\n<li>Haben die schwerwiegenden sozialen und pers\u00f6nlichen Folgen der Pandemie dazu beigetragen, g\u00fcnstige Bedingungen f\u00fcr einen Dialog zu schaffen, in dem der Vorschlag eines neuen Humanismus Gespr\u00e4chspartner erreicht, die das Interesse an der gleichen Vision teilen?<\/li>\n<li>K\u00f6nnen wir die Pandemie als Mittel zur Beschleunigung des historischen Wandels betrachten im schwierigen \u00dcbergang zwischen der Welt, wie wir sie kennen, und der kommenden Welt?<\/li>\n<li>Wird diese Beschleunigung daf\u00fcr sorgen, dass ein anderes Bild der Zukunft im Herzen der Menschen Wurzeln schl\u00e4gt, ein anderes Bild der Beziehung zwischen jedem Menschen und seinen Mitmenschen, in der der Blick auf den anderen von einem neuen Mitgef\u00fchl und Toleranz durchdrungen ist? Wird sie f\u00fcr ein anderes Bild der Beziehung zwischen jedem Menschen und seiner Seele sorgen?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die erste Phase der Pandemie brachte ein Gef\u00fchl der Zusammengeh\u00f6rigkeit und der Solidarit\u00e4t mit anderen Menschen, das Bewusstsein dar\u00fcber, dass ein Gro\u00dfteil der Weltbev\u00f6lkerung dieses Schicksal teilt, eine gemeinsame Fragilit\u00e4t, die Notwendigkeit einer gemeinsamen L\u00f6sung, kurz das Bewusstsein zur gleichen Menschheitsfamilie zu geh\u00f6ren. Daraus entstand spontan eine gro\u00dfe Anzahl von karitativen Initiativen zur Unterst\u00fctzung der Schw\u00e4chsten. Diese Erfahrung scheint durch die Versch\u00e4rfung der Situation, durch Angst, Sorge und Ineffizienz der Institutionen hinweggefegt worden zu sein. Dies ist jedoch h\u00f6chstwahrscheinlich ein von den Medien konstruiertes Bild, denn tats\u00e4chlich arbeiten die Ehrenamtlichen flei\u00dfig weiter, um die Unterst\u00fctzung sicherzustellen.<\/p>\n<p>Wie auch immer die Dinge gelaufen sein m\u00f6gen, dies ist nun Teil des Erfahrungsgep\u00e4ck und der Erinnerung von Individuen und Gemeinschaften als eine andere M\u00f6glichkeit der Beziehung zueinander, die die Mauer der Gleichg\u00fcltigkeit einrei\u00dfen k\u00f6nnte und Teil der psychosozialen Verankerung wird. Wir hatten bereits die Gelegenheit, diese als ein Mittel der Transformation zu diskutieren[1].<\/p>\n<p>Eine zweite \u00dcberlegung betrifft die M\u00f6glichkeit, dass der Vorschlag des Neuen Humanismus, wie er im Rahmen dieses Symposiums definiert wurde, in der gegenw\u00e4rtigen Situation eine immer gr\u00f6\u00dfere Zahl von Gespr\u00e4chspartnern erreichen wird, die sich seiner Bedeutung und Zentralit\u00e4t bewusst sind.<\/p>\n<p>In seiner Dissertation[2], die er bei seiner Verleihung der Ehrendoktorw\u00fcrde an der Moskauer Akademie der Wissenschaften 1993 vorstellte, bemerkte Silo, dass er bei der Veranschaulichung seiner Gedanken oft den Eindruck hatte, dass die Zuh\u00f6rer zwar der Logik seines Diskurses leicht folgen konnten, er aber dennoch bei den meisten nicht ankam. Er analysierte daraufhin die notwendigen Bedingungen f\u00fcr einen Dialog und definierte &#8222;Dialog&#8220; als eine Beziehung der Reflexion oder Diskussion zwischen Menschen und Parteien, in der die \u00c4u\u00dferungen des Anderen akzeptiert, widerlegt oder angezweifelt werden k\u00f6nnen. Unter diesen Bedingungen wird die dem Diskurs zugrunde liegende Absicht, die sein Subjekt und das Universum, in das die Aussagen einbettet sind, definiert, besonders relevant. Dazu geh\u00f6rt die globale Bedeutung, die jede Partei einem bestimmten Thema beimisst, eine Bedeutung, die nicht an das Thema an sich gebunden ist, sondern an eine Reihe von \u00dcberzeugungen, von Werten und Interessen, die vom Thema unabh\u00e4ngig sind. Es handelt sich dabei um pr\u00e4-dialogische Elemente, die innerhalb eines bestimmten epochalen und sozialen Horizonts wirken und von Einigen oft f\u00e4lschlicherweise f\u00fcr das Produkt ihrer pers\u00f6nlichen Erfahrungen und Beobachtungen gehalten werden.<\/p>\n<p>Wenn die Thesen des zeitgen\u00f6ssischen Humanismus bei vielen Gespr\u00e4chspartnern nicht richtig ankommen, so liegt das an hartn\u00e4ckigen Bedenken und \u00dcberzeugungen, die sich auf fr\u00fchere historische Momente beziehen und die anderen Themen gr\u00f6\u00dfere Bedeutung beimessen als denen, die den Menschen in den Vordergrund stellen. Abschlie\u00dfend stellt Silo fest: &#8222;Es wird keinen vollst\u00e4ndigen Dialog \u00fcber die grundlegenden Fragen der heutigen Zivilisation geben, solange wir als Gesellschaft nicht aufh\u00f6ren, an die unz\u00e4hligen Illusionen zu glauben, die von den Verlockungen des gegenw\u00e4rtigen Systems gen\u00e4hrt werden&#8220;[3].<\/p>\n<p>Nun scheint es so, als ob die anhaltende Pandemie diesen Glauben gr\u00fcndlich ersch\u00fcttert hat, denn ihre dramatischen Folgen lassen sich nicht l\u00e4nger verbergen oder verheimlichen.<\/p>\n<p>Der OXFAM[4]-Bericht vom Januar 2021 mit dem Titel &#8222;<a href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/system\/files\/documents\/the_inequality_virus_-_english_full_report_-_embargoed_00_01_gmt_25_january_2021.pdf\">The Inequality Virus<\/a>&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/system\/files\/documents\/oxfam_factsheet_ungleichheitsvirus_deutsch.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Das Ungleichheitsvirus<\/a>), der auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos ver\u00f6ffentlicht wurde, zeigt auf, wie die Corona-Pandemie m\u00f6glicherweise zu einem zeitgleichen Anstieg der Ungleichheit in fast allen L\u00e4ndern der Welt gef\u00fchrt hat. Das Virus hat bereits bestehende Ungleichheiten auf wirtschaftlicher, ethnischer und geschlechterspezifischer Ebene versch\u00e4rft und die Aufmerksamkeit auf sie gelenkt.<\/p>\n<p>Einige Daten hierzu:<\/p>\n<ul>\n<li>Das Verm\u00f6gen von Milliard\u00e4ren erreichte in nur neun Monaten wieder das astronomische Niveau vor der Pandemie, w\u00e4hrend die Erholung f\u00fcr die \u00c4rmsten der Welt mehr als ein Jahrzehnt dauern k\u00f6nnte.<\/li>\n<li>Der Anstieg des Verm\u00f6gens der zehn reichsten Milliard\u00e4re der Welt seit Beginn der Krise w\u00e4re mehr als genug, um zu verhindern, dass alle Menschen auf der Erde wegen des Virus in Armut geraten, und mehr als genug um den Impfstoff gegen COVID-19 allen zug\u00e4nglich zu machen.<\/li>\n<li>Weltweit sind Frauen in den am st\u00e4rksten von Arbeitslosigkeit betroffenen Wirtschaftsbereichen \u00fcberrepr\u00e4sentiert.<\/li>\n<li>Bei afrost\u00e4mmigen Brasilianer*innen war die Wahrscheinlichkeit, an COVID-19 zu sterben, um 40 % h\u00f6her als bei der wei\u00dfen Bev\u00f6lkerung und in den Vereinigten Staaten sterben afro- und latinost\u00e4mmige Amerikaner*innen mit h\u00f6herer Wahrscheinlichkeit an COVID-19 als Wei\u00dfe.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Krise des Coronavirus hat eine bereits sehr ungleiche Welt getroffen. Eine Welt, in der eine kleine Gruppe von mehr als 2.000 Milliard\u00e4ren mehr Kapital besa\u00df, als sie in tausend Leben ausgeben konnten; eine Welt, in der fast die H\u00e4lfte der Menschheit von weniger als 5,50 Dollar pro Tag leben musste. Eine Welt, die auf einem verdrehten Wertesystem basiert, das zu Schuldgef\u00fchlen und Scham unter den Arbeitslosen und Marginalisierten gef\u00fchrt hat und Wut in Resignation verwandelt.<\/p>\n<p>Die Institutionen haben begonnen, sich mit der versch\u00e4rften Situation zu besch\u00e4ftigen. Der Internationale W\u00e4hrungsfonds (IWF), die Weltbank und die Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) haben sich ernsthaft besorgt dar\u00fcber ge\u00e4u\u00dfert, dass die Pandemie das Ausma\u00df der Ungleichheit auf der ganzen Welt erh\u00f6hen wird &#8211; mit verheerenden Auswirkungen.<\/p>\n<p>Viele Regierungen und supranationale Institutionen waren gezwungen, neue Antworten auf die noch nie dagewesene Situation zu finden. Transformierende Ma\u00dfnahmen, die vor der Krise undenkbar schienen, haben sich pl\u00f6tzlich als m\u00f6glich erwiesen.<\/p>\n<p>Es ist offensichtlich, dass es sich trotz der erkl\u00e4rten Absicht, das Modell der Entwicklung zu \u00e4ndern, um sektorale Politikmas\u00dfnahme in den Bereichen Wirtschaft, Soziales, Gesundheit, Umwelt und anderen Bereichen handelt, die versuchen, die immer offensichtlicher werdenden Fehler eines zerbr\u00f6ckelnden Systems zu &#8222;korrigieren&#8220;, mit dem Ziel, es neu zusammenzusetzen, wenn nicht gar vom Chaos der Pandemie zu profitieren, um so an geopolitischem Ansehen zu gewinnen.<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Alles muss sich \u00e4ndern, damit alles beim Alten bleiben kann&#8220;, wie Tomasi di Lampedusa sagen w\u00fcrde.[5]<\/em><\/p>\n<p>Aber, schreibt Silo, &#8222;nur durch das immer deutlicher werdende Scheitern von St\u00fcckwerkl\u00f6sungen wird ein neuer Horizont des Hinterfragens und eine ad\u00e4quate Voraussetzung f\u00fcr den Dialog erreicht werden. Dann werden sich die neuen Ideen allm\u00e4hlich durchsetzen, und gleichzeitig werden sich weite Teile der Gesellschaft, die immer weniger Hoffnung haben, mobilisieren.&#8220;[6]<\/p><\/blockquote>\n<p>Dass die derzeitige sektorale Politik zum Scheitern verurteilt ist, wird zunehmend f\u00fcr jeden offensichtlich. Man denke nur an den besch\u00e4menden Impfstoffkrieg, der jetzt in vollem Gange ist und in den wirtschaftlichen und politischen Interessen offenkundig Vorrang vor Menschenleben haben. Die Pandemie hat \u00fcberall Irrt\u00fcmer und Unwahrheiten aufgedeckt, allen voran die L\u00fcge, dass der freie Markt in der Lage w\u00e4re, Gesundheit und medizinische Versorgung f\u00fcr alle zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p>Wird der Verlust des Vertrauens in eine m\u00f6gliche Verbesserung der aktuellen Situation, der durch die Pandemie und das Scheitern der bruchst\u00fcckhaften Antworten des Systems bereits versch\u00e4rft wurde, den Weg f\u00fcr eine neue Vision der Welt und der sozialen Beziehungen ebnen und eine Mobilisierung der sozialen Basis einleiten?<\/p>\n<p>Arundhati Roy schreibt dazu[7]:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Im Laufe der Geschichte haben Pandemien die Menschen gezwungen, mit der Vergangenheit zu brechen und ihre Welt neu zu erfinden. Diese Pandemie ist nicht anders: Sie ist ein Portal, eine Pforte zwischen der einen Welt und der anderen. Wir k\u00f6nnen uns daf\u00fcr entscheiden, hindurchzugehen, wobei wir die Kadaver unserer Vorurteile und unseres Hasses, unseres Geizes, unserer Datenbanken und toten Ideen, unserer verschmutzten Fl\u00fcsse und verrauchten Himmel mit uns schleppen. Oder wir k\u00f6nnen sie leichtf\u00fc\u00dfig durchschreiten mit wenig Gep\u00e4ck, bereit uns eine andere Welt vorzustellen. Und bereit f\u00fcr sie zu k\u00e4mpfen.\u201d [8]<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Eine letzte \u00dcberlegung betrifft die Auswirkungen der Pandemie auf das, was wir &#8222;die Beziehung eines jeden Menschen zu seiner Seele&#8220; genannt haben. Die Auswirkungen der Pandemie scheinen den Verfallsprozess einer Welt beschleunigt zu haben, die seit langem Anzeichen daf\u00fcr zeigt, dass sie nicht in der Lage ist, auf die Bed\u00fcrfnisse des Menschen als Individuum und als Gemeinschaft zu reagieren.<\/p>\n<p>In dem schwierigen \u00dcbergang zwischen der Welt, wie wir sie kennen, und der kommenden Welt sieht sich die menschliche Seele den Winden der Ver\u00e4nderung ausgesetzt und schwankt auf der Suche nach neuen Bezugspunkten.<\/p>\n<p>Ortega und Gasset spricht von der \u201ealma desilusionada\u201c, der entt\u00e4uschten oder desillusionierten Seele, als dem letzten Stadium des Zyklus, den er in drei gro\u00dfen historischen Gemeinschaften beobachtet: der europ\u00e4ischen, der griechischen und der r\u00f6mischen. &#8222;In jeder von ihnen durchlief der Mensch drei verschiedene geistige Situationen&#8230; Von einem Zustand des traditionellen Geistes zu einem Zustand des rationalen Geistes und von diesem zu einem Zustand des Mystizismus.&#8220;[9]<\/p>\n<p>Der Zyklus beginnt mit der traditionalistischen Seele, die in der Tradition, in der Vergangenheit ihren Bezugspunkt und ihre Herrschaft findet. Im europ\u00e4ischen Mittelalter zielten die b\u00fcrgerlichen und b\u00e4uerlichen Bewegungen nicht darauf ab, das politische und soziale Ordnungssystem zu ver\u00e4ndern, vielmehr beschr\u00e4nkten sie sich darauf, die Korrektur eines Missstandes zu verfolgen, ohne das etablierte System in Frage zu stellen. Dem folgt die revolution\u00e4re Seele, die die Tradition durch die Vernunft ersetzt und Ideen und Ideologien ausarbeitet, auf deren Grundlage sie sich nicht gegen die Missbr\u00e4uche des Herrschaftssystems, sondern gegen die Gebr\u00e4uche, also gegen das System selbst auflehnt. Mit dem Scheitern der Ideologien endet die revolution\u00e4re \u00c4ra und an deren Stelle tritt die desillusionierte Seele, die nach dem Scheitern der Ideologien, des gewagten Versuchs, die Realit\u00e4t durch eine Idee zu ersetzen, den Glauben an Tradition und Vernunft verliert und beginnt, den Blick zu heben.<\/p>\n<p>Der fehlende Glaube, die Entt\u00e4uschung und der Verlust der Hoffnung machen es f\u00fcr das Individuum notwendig, die Richtung seines Blicks zu \u00e4ndern. Wenn der Bezug zu Tradition und Vernunft, zu Religion und Ideologien verloren geht, findet sich der Einzelne allein wieder.<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;&#8230;das Alleinsein des Individuums bringt es dazu, sich mit den Fragen der menschlichen Existenz auseinander zu setzen, unabh\u00e4ngig von einer bestimmten Situation und daher jenseits von jeglichem Relativismus, und es veranlasst es, seinen Horizont \u00fcber die Partikularit\u00e4t der Nation, des Stammes, der Familie, der Gesellschaft hinaus auf die Universalit\u00e4t der Frage nach dem eigenen Schicksal zu erweitern. Das Individuum, so wie es existiert, kommt nicht umhin, \u00fcber diese Frage nachzudenken\u201d.[10]<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Aber wie soll man das neue Bild der Welt w\u00e4hlen, die Art der Gesellschaft, die Art der Wirtschaft, die Werte, die Art der zwischenmenschlichen Beziehungen, die Art des Dialogs zwischen jedem Menschen und seinem Mitmenschen?<\/p>\n<p>Dieses Hinterfragen auf der Suche nach dem, was man wirklich braucht, nachdem man die einst vergeblich verfolgten Illusionen hinter sich gelassen hat, verschafft jedem Einzelnen Zugang zu den tiefsten Sehns\u00fcchten, die in der Tiefe seiner Seele verborgen sind, zu jenem religi\u00f6sen Gef\u00fchl, von lateinisch re (eine betonende Vorsilbe) und ligare (binden), das ihn mit dem Schicksal anderer Menschen und der Evolution der gesamten Existenz verbindet und das von der Anhaftung an eine bestimmten Religion unabh\u00e4ngig ist.<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Er wird dann aus der Resignation auftauchen, um sich als Mensch zu erheben, die Zeichen des Heiligen in sich selbst zu erkennen, seine eigene sch\u00f6pferische und weltver\u00e4ndernde Haltung, und aus seinem tiefen Schlummer jene Spiritualit\u00e4t zu erwecken, die die h\u00f6chsten Bestrebungen des Menschen n\u00e4hrt.&#8220;[11]<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><strong><em>Die \u00dcbersetzung aus dem Englischen wurde von Elise Fromm vom ehrenamtlichen Pressenza-\u00dcbersetzungsteam erstellt. <a href=\"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/mitarbeiten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wir suchen Freiwillige!\u00a0<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p>[1] L. Cici, Il Messaggio di Silo e la trasformazione del trasfondo psicosociale [Silos Botschaft und die Transformation der psychosozialen Instillation], 3rd International Symposium of the World Centre for Humanist Studies \u201cUn nuovo Umanesimo per una Nuova Civilit\u00e0\u201d, Parks of Study and Reflection, Attigliano, 2.-4. November 2012.<br \/>\n[2] Silo, Die Vorbedingungen des Dialogs, im Buch \u201eSilo spricht\u201c <a href=\"http:\/\/www.silo.net\/system\/documents\/84\/original\/Habla_de.rtf\">http:\/\/www.silo.net\/system\/documents\/84\/original\/Habla_de.rtf<\/a><br \/>\n[3] [Silo, ebd., des digitalen Formats].<br \/>\n[4] OXFAM (Oxford Committee for Famine Relief) ist ein internationaler Zusammenschluss von Non-Profit-Organisationen, die sich f\u00fcr die Reduzierung der weltweiten Armut durch humanit\u00e4re Hilfe und Entwicklungsprojekte einsetzen.<br \/>\n[5] Giuseppe Tomasi di Lampedusa, Il Gattopardo [Der Leopard], 1st ed. Feltrinelli, 1958.<br \/>\n[6] Silo, ivi.<br \/>\n[7] Arundhati Roy ist eine indische Schriftstellerin und politische Aktivistin im Bereich der Menschenrechts-, Umwelt- und Anti-Globalisierungsbewegung. Mit ihrem Deb\u00fctroman &#8222;Der Gott der kleinen Dinge&#8220; gewann sie 1997 den Booker Prize.<br \/>\n[8] Arundhati Roy, \u201cThe pandemic is a portal\u201d, Financial Times, 03. April 2020, <a href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/10d8f5e8-74eb-11ea-95fe-fcd274e920ca\">https:\/\/www.ft.com\/content\/10d8f5e8-74eb-11ea-95fe-fcd274e920ca<\/a>.<br \/>\n[9] Ortega y Gasset, El caso de las revoluciones, in El tema de nuestro tiempo. Ed. Calpe, Madrid, 1923.<br \/>\n[10] Aldo Masullo (1923-2020), Etica della salvezza, Intervista di Renato Parascandolo [&#8222;Ethik der Erl\u00f6sung\u201d, ein Interview von Renato Parascandolo]. Das Interview ist im Videomaterial \u201cViaggio tra i filosofi\u201denthalten \u2013 Enciclopedia Multimediale delle Scienze Filosofiche, ver\u00f6ffentlicht von Video Sapere-Paravia.<br \/>\n[11] Silos Botschaft, Die Erfahrung, Anerkennung, in <a href=\"http:\/\/www.silo.net\/system\/documents\/11\/original\/Silos_Botschaft_2020.pdf\">Silo.net<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ziel dieser Pr\u00e4sentation ist es nicht, die Ursachen der Pandemie, die Verantwortlichkeiten daf\u00fcr oder m\u00f6gliche L\u00f6sungen zu analysieren. 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