{"id":1332274,"date":"2021-04-01T14:46:48","date_gmt":"2021-04-01T13:46:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1332274"},"modified":"2021-04-01T14:49:18","modified_gmt":"2021-04-01T13:49:18","slug":"sklaverei-der-groesste-voelkermord-der-menschheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2021\/04\/sklaverei-der-groesste-voelkermord-der-menschheit\/","title":{"rendered":"Sklaverei &#8211; der gr\u00f6\u00dfte V\u00f6lkermord der Menschheit"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Internationale Humanistische Partei zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer von Sklaverei und des transatlantischen Sklavenhandels: \u201eDer gr\u00f6\u00dfte V\u00f6lkermord der Menschheit\u201c.<\/strong><\/p>\n<p>Im Dezember 2007 erkl\u00e4rte die UN-Generalversammlung den 25. M\u00e4rz zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer von Sklaverei und des transatlantischen Sklavenhandels.<\/p>\n<p>\u00dcber eine Zeitspanne von mehr als zehn Jahrhunderten war der afrikanische Kontinent vom Sklavenhandel in mehrere Richtungen betroffen: \u00fcber das rote Meer, den s\u00fcdlichen indischen Ozean, die Sahara und den atlantischen Ozean.<\/p>\n<p>Vor der ersten Ankunft der Europ\u00e4erInnen war die Sklaverei in vielen Regionen bereits institutionalisiert, sodass sich die ankommenden europ\u00e4ischen H\u00e4ndler einen bereits bestehenden Markt zunutze machen konnten.<\/p>\n<p>Einigen Quellen zufolge wurden drei Jahrhunderte lang, zwischen 1550 und 1850, etwa 100 Millionen AfrikanerInnen durch den europ\u00e4ischen Kolonialismus in die Sklaverei getrieben. Es wird gesch\u00e4tzt, dass im 16. Jahrhundert nur ein Viertel aller SklavInnen, die Afrika verlie\u00dfen, dies im Rahmen des atlantischen Sklavenhandels taten.<\/p>\n<p>Doch als die Ureinwohner Amerikas dezimiert wurden, wurden mehr als 15 Millionen AfrikanerInnen gewaltsam aus ihrer Heimat gerissen und in die &#8222;Neue Welt&#8220; gebracht. Es wird gesch\u00e4tzt, dass der transatlantische Handel im 17. Jahrhundert etwa zwei Drittel des gesamten afrikanischen Sklavenhandels ausmachte.<\/p>\n<p>Es ist unm\u00f6glich, die exakte Anzahl der AfrikanerInnen herauszufinden, die gewaltsam auf den amerikanischen Kontinent gebracht wurden, denn es gab Millionen von Personen, die im Zuge dessen gestorben sind und ihre Freiheit und ihren Status als menschliche Wesen verloren haben, indem sie gejagt, gefoltert, eingesperrt und entw\u00fcrdigt wurden, um sie zu blo\u00dfen Objekten und Waren zu machen.<\/p>\n<p>Sklaverei in solch erschreckenden Ausma\u00dfen bedeutet nicht nur die gewaltsame Entf\u00fchrung und unmenschliche Behandlung der schwarzen afrikanischen Bev\u00f6lkerung, die Zerst\u00f6rung ihrer Kultur, ihrer D\u00f6rfer und ihrer Familien und ihre gewaltsame Enteignung, sondern auch Morde an unschuldigen M\u00e4nnern, Frauen und Kindern, wahllose Folterungen, Vergewaltigungen und entsetzliche Lebensbedingungen auf den Sklaventransportschiffen und auf den Plantagen, auf die die meisten von ihnen gebracht wurden.<\/p>\n<p>Bei Ankunft an den Verschiffungsh\u00e4fen waren die SklavInnen angekettet, sehr schlecht ern\u00e4hrt und wurden auf die Sklavenschiffe gebracht, die darauf ausgelegt waren, hunderte St\u00fcck (Personen) in den Lader\u00e4umen zu \u201elagern\u201c. Es wird gesch\u00e4tzt, dass etwa 30 Prozent von ihnen auf der Reise starben, andere erblindeten durch Infektionen und wieder andere wurden \u00fcber Bord geworfen. Die Bedingungen, denen die transportierten Personen auf ihren Reisen, die zwischen zwei und drei Monaten (je nach Abreisehafen und Ziel) dauerten, waren bedauernswert. Sie wurden unter Deck mit Ringen um den Hals und Fu\u00dffesseln untergebracht, jeweils sechs auf einmal. Die Ern\u00e4hrung war schlecht, die hygienischen Verh\u00e4ltnisse waren entsetzlich, es gab zahlreiche Krankheiten, die Bel\u00fcftung war unzureichend und der Geruch und die Hitze unertr\u00e4glich. Die Situation verschlimmerte sich, als Schiffe mehr Sklaven an Bord hatten, als erlaubt waren.<\/p>\n<p>Als die Fracht (die Personen) in Amerika ankam, wurde sie vor Verlassen des Schiffes untersucht und verzollt; die SklavInnen, die die Reise \u00fcberlebt hatten, erlitten die Qual, am rechten Arm, an den Schultern oder am R\u00fccken gebrandmarkt zu werden, ganz gleich, ob es Kinder, Jugendliche, erwachsene Frauen oder M\u00e4nner waren; dies war eine Form von Kontrolle, um sicherzugehen, dass der Import durch das Gesetz legitimiert wurde. Die SklavInnen wurden dann in dunklen und unhygienischen Baracken eingesperrt und mit Ketten gefesselt, bis sie verkauft wurden.<\/p>\n<p>In vielen Hafenst\u00e4dten Amerikas fand der Kauf und Verkauf der neu angekommenen &#8222;Ware&#8220; (der Personen) statt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war es \u00fcblich, die SklavInnen im Rahmen von Zeitungsinseraten anzubieten.<\/p>\n<p>Sobald sie verkauft wurden, mussten sie sich erneut auf den Weg zu ihrem Ziel machen. Um sie zu seinem \/ ihrem glaubw\u00fcrdigen Eigentum zu machen, wurden die SklavInnen durch den \/ die neue BesitzerIn h\u00e4ufig erneut gebrandmarkt. Auf den Plantagen und in den Unterk\u00fcnften erfuhren sie meist eine r\u00fccksichtslose Behandlung. Und ihre Fortpflanzung sorgte daf\u00fcr, dass sie \u00fcber Generationen hinweg ausgebeutet wurden, wodurch in der Regel jegliche famili\u00e4ren und kulturellen Bindungen zerst\u00f6rt wurden, die sie hatten.<\/p>\n<p>Obwohl sie zur Gew\u00e4hrleistung der Kontrolle f\u00fcr jeden Ungehorsam bestraft wurden, rebellierten viele von ihnen, fl\u00fcchteten und bauten Z\u00e4une und Lager, gegen die die Besitzer mit bewaffneten M\u00e4nnern und Kampfhunden vorgingen, um die weiteren Sklaven in diesem System des Terrors und der menschlichen Erniedrigung abzuschrecken.<\/p>\n<p>Im Allgemeinen erf\u00fcllten die Opfer von Sklaverei eine wesentliche Funktion f\u00fcr den Kapitalismus und seine Entwicklung, der durch den Prozess der Kolonisierung Amerikas, der durch Auspl\u00fcnderung von Reichtum entscheidend unterst\u00fctzt wurde. Die Bedeutung des atlantischen Sklavenhandels f\u00fcr die Weltwirtschaft war ausgesprochen gro\u00df und betraf alle europ\u00e4ischen Wirtschaftsbereiche, auch in L\u00e4ndern, die keine Kolonien oder SklavInnen besa\u00dfen. Die Kosten in Form von Menschenleben und Leid waren un\u00fcbersehbar und erschreckend und das unheilvolle Erbe klingt bis zum heutigen Tag in den meisten Gesellschaften in Afrika, Europa und der Neuen Welt nach.<\/p>\n<p>Es ist eindeutig, dass dieser Prozess, der den gigantischsten V\u00f6lkermord in der Geschichte der Menschheit mit sich brachte und die kapitalistische Entwicklung vorantrieb, nichts mit den Bedingungen zu tun hatte, die mit &#8222;Freiheit, Gleichheit und Br\u00fcderlichkeit&#8220; zusammenh\u00e4ngen, wie sie in der Franz\u00f6sischen Revolution proklamiert wurden und die unmittelbar die haitianische Revolution anregten; diese Revolution erstickte in einem weiteren V\u00f6lkermord, der wiederum verschiedene Aufst\u00e4nde und K\u00e4mpfe gegen Sklaverei und Rassismus und f\u00fcr Abolitionismus inspirierte.<\/p>\n<p>Mauretanien war im Jahr 1981 weltweit das letzte Land, das die Sklaverei abschaffte. Es wird gesch\u00e4tzt, dass in diesem Land heutzutage noch etwa ein Prozent der Bev\u00f6lkerung in Sklaverei lebt.<\/p>\n<p>Fast zwei Jahrhunderte nach der \u00dcberwindung des grauenhaften Systems der Sklaverei sind Menschen mit versklavten Vorfahren immer noch mit struktureller Diskriminierung und Segregation konfrontiert, die tief in Rassismus, Kolonialismus und Sklaverei begr\u00fcndet sind. Die Folgen dieser Vergehen halten bis heute an und richten weiterhin Schaden in unseren Gesellschaften und Institutionen an.<\/p>\n<p>Das <a href=\"https:\/\/www.humanistmovement.net\/downloads\/Woerterbuch%20des%20N-H.rtf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">W\u00f6rterbuch des Neuen Humanismus<\/a> gibt an:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;(&#8230;) Die Sklaverei widerspricht dem juristischen Bewusstsein und dem Gewissen der Menschheit von heute, was seinen Niederschlag in der Dokumenten der UNO gefunden hat. Der Humanismus hat die Sklaverei immer als eine sch\u00e4ndliche Institution verurteilt, die der Freiheit und der W\u00fcrde des Menschen widerspricht.&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Erfahrungen von Menschen afrikanischer Abstammung werden h\u00e4ufig von Daten der Gesamtbev\u00f6lkerung \u00fcberschattet, wodurch Muster systemischer Ungleichheiten \u00fcberdeckt werden und ihre Notlage und ihre Anliegen f\u00fcr politische Entscheidungstr\u00e4ger quasi unsichtbar werden. Die \u00dcberwindung des systemischen Rassismus, der durch die Sklaverei verursacht wurde, ist von grundlegender Bedeutung, um eine Welt mit universellen Rechten und M\u00f6glichkeiten f\u00fcr alle Menschen zu schaffen.<\/p>\n<p>Heute wird Sklaverei im Wesentlichen als eine Tatsache der Vergangenheit angesehen und hat sich so im westlichen Allgemeinverst\u00e4ndnis des globalisierten Kapitalismus etabliert, aber so ist es nicht. Beispielsweise hat die brasilianische Regierung im Jahr 1995 ein Gesetz gegen Sklaverei erlassen. Seitdem wurden 54.000 Personen aus erzwungenen Arbeitsverh\u00e4ltnissen befreit. Ende 2017 versuchte Pr\u00e4sident Michel Temer, ein f\u00fchrender Vertreter des Anti-Humanismus, den Begriff &#8222;moderne Sklaverei&#8220; zu entsch\u00e4rfen, indem er das Kriterium der erzwungenen wirtschaftlichen Abh\u00e4ngigkeit aus der Definition strich. Dank lokaler und internationaler Proteste konnten seine b\u00f6swilligen Absichten jedoch verhindert werden.<\/p>\n<p>Sklaverei \u00e4u\u00dfert sich auch heute noch in vielf\u00e4ltigen Formen, wie beispielsweise in Zwangsarbeit, Schuldenverpflichtungen, Wanderarbeit, Menschenhandel, Kinderhandel, Zwangsheirat, Frauenhandel, Kinderarbeit und Kinderversklavung.<\/p>\n<p>HumanistInnen sehen es f\u00fcr die \u00dcberwindung aller \u00dcberbleibsel der Sklaverei als wesentlich an, den Menschen als zentralen Wert in den Mittelpunkt zu stellen und damit zu verwirklichen, was im <a href=\"https:\/\/www.humanistmovement.net\/downloads\/Dokument%20der%20Humanistischen%20Bewegung.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Humanistischen Dokument<\/a> festgehalten ist:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Der langsame und stete Fortschritt der Menschheit verlangt nach der Verwandlung der Natur und der Gesellschaft, indem die tierische und gewaltsame Bem\u00e4chtigung des Menschen durch den Menschen beendet wird. In diesem Moment wird die menschliche Vorgeschichte zu einer wahrhaft menschlichen Geschichte werden. Bis dahin kann nur der Mensch selbst der zentrale Wert sein \u2013mit all dem, was er verwirklicht hat, mit all seiner Freiheit.&#8220;.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>HumanistInnen sind sich des Risikos bewusst, das durch die Tatsache entsteht, dass sich gro\u00dfe Gruppen von Menschen in wirtschaftlicher Abh\u00e4ngigkeit befinden, weil ihre Grundbed\u00fcrfnisse (Nahrung, Wohnung, Gesundheit, Bildung usw.) h\u00e4ufig nicht befriedigt sind; sie verurteilen dies und setzen sich daf\u00fcr ein, ein System aufzubauen, das im Sinne ganzheitlicher Entwicklung der Menschheit und ihrer Lebensqualit\u00e4t steht.<\/p>\n<p>Die Internationale Humanistische Partei ist der Ansicht, dass angesichts der Folgen dieser massiven Menschenrechtsverletzungen, welche Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellten und die w\u00e4hrend der Zeit der Sklaverei, des Kolonialismus und der Eroberungskriege stattfanden, sowie angesichts der systemischen Auspl\u00fcnderung von Bodensch\u00e4tzen und nat\u00fcrlichen Ressourcen, die diese erlitten haben und die bis heute andauert, Mechanismen der Wiedergutmachung und Entsch\u00e4digung geschaffen werden m\u00fcssen; sowohl f\u00fcr die Opfer von Rassismus und Sklaverei als auch f\u00fcr die L\u00e4nder, die beobachten, wie ihre unter ungerechten Vertr\u00e4gen gewonnenen Ressourcen nicht zur Verbesserung der Lebensbedingungen ihrer Einwohner f\u00fchren.<\/p>\n<p>Es m\u00fcssen geeignete Wege gefunden werden, die W\u00fcrde der Opfer wiederherzustellen und f\u00fcr Ausgleichs- und Entsch\u00e4digungsma\u00dfnahmen zu sorgen: Schulb\u00fccher, die die historischen Ereignisse korrekt darstellen, Gedenkst\u00e4tten und Wahrheitskommissionen sowie unabh\u00e4ngige Mechanismen zur \u00dcberwachung der Effektivit\u00e4t von Rechtsmitteln und Entsch\u00e4digungsmechanismen.<\/p>\n<blockquote><p><strong><em>Nichts \u00fcber dem Menschen und kein Mensch unter einem anderen<\/em><\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p><em>25.03.2021, Internationales Koordinierungsteam<\/em><br \/>\n<em>F\u00f6deration der Humanistischen Parteien<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Die <\/em><em>\u00dcbersetzung aus dem Spanischen von Alina Wilke vom ehrenamtlichen Pressenza-\u00dcbersetzungsteam erstellt. <a href=\"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/mitarbeiten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wir suchen Freiwillige!\u00a0<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p>Quelle:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.internationalhumanistparty.org\/es\/article\/abolicion-de-la-esclavitud-ya\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.internationalhumanistparty.org\/es\/article\/abolicion-de-la-esclavitud-ya<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.internationalhumanistparty.org\/es\/article\/abolicion-de-la-esclavitud-ya\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.internationalhumanistparty.org\/es\/article\/eliminar-la-discriminacion-racialh<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Internationale Humanistische Partei zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer von Sklaverei und des transatlantischen Sklavenhandels: \u201eDer gr\u00f6\u00dfte V\u00f6lkermord der Menschheit\u201c. 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