{"id":1324148,"date":"2021-03-21T11:12:45","date_gmt":"2021-03-21T11:12:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1324148"},"modified":"2021-03-21T11:12:45","modified_gmt":"2021-03-21T11:12:45","slug":"der-militaerputsch-in-burma-interview-mit-elaisa-vahnie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2021\/03\/der-militaerputsch-in-burma-interview-mit-elaisa-vahnie\/","title":{"rendered":"Der Milit\u00e4rputsch in Burma: Interview mit Elaisa Vahnie"},"content":{"rendered":"<p><strong>Elaisa Vahnie ist gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Direktor des Burmese American Community Institute (BACI) \u2013 einem ma\u00dfgeblichen Sprachrohr und F\u00fcrsprecher der demokratischen Entwicklung in Myanmar. Er erwarb einen Master of Public Affairs (MPA) an der Indiana University Bloomington. Dort absolvierte er ein duales Studium in Comparative International Affairs und Policy Analysis.<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>Perfecto Caparas:<\/strong> <strong>K\u00f6nnen Sie uns bitte etwas \u00fcber sich selbst erz\u00e4hlen? Aus welchem Teil von Burma stammen Sie? Wie sind Sie in Indiana gelandet?<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Elaisa Vahnie:<\/strong> Ich danke Ihnen f\u00fcr diese wunderbare Gelegenheit. Ich wurde in einem winzigen Dorf im Maraland, Chin State, im Westen Myanmars geboren und bin dort aufgewachsen \u2013 einem der abgelegensten Teile der Welt \u2013 wo meine Familie und die Dorfbewohner weder Zugang zu einer guten Ausbildung noch zu Trinkwasser hatten. Ich war 1996 gezwungen, mein Heimatland zu verlassen, um einer Verhaftung wegen meiner Teilnahme an der pro-demokratischen Bewegung zu entgehen. Aber ich hatte Gl\u00fcck, ein Stipendium zu erhalten, das vom US-Au\u00dfenministerium finanziert wurde. Dieses Stipendienprogramm wurde von der U.S. Information Agency und der damaligen Indiana University Bloomington verwaltet. Nachdem ich viele Jahre an den burmesischen K\u00e4mpfen f\u00fcr Demokratie und Menschenrechte teilgenommen hatte und neue Herausforderungen und M\u00f6glichkeiten erkannte, entschied ich mich zu bleiben, um der schnell wachsenden burmesischen Bev\u00f6lkerung in Indianapolis zu dienen und zu helfen, sie in eine lebendige und produktive Gemeinschaft zu verwandeln und mit Washington zusammenzuarbeiten. Ich wollte eine st\u00e4rkere Verbindung zwischen den USA und Myanmar f\u00f6rdern. Sp\u00e4ter fand ich heraus, dass mein verstorbener Onkel John Mang Tling \u2013 der ein gew\u00e4hltes Parlamentsmitglied und ein Parlamentssekret\u00e4r der ersten demokratischen Regierung Burmas unter U Nu war \u2013 der erste Burmese war, der nach Indianapolis umsiedelte.<\/p>\n<p><strong><em>Wie haben Sie reagiert, als Sie zum ersten Mal von der Situation in Burma erfuhren?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Es war jenseits meiner Vorstellungskraft \u2013 ich war schockiert und zutiefst ersch\u00fcttert, als ich erfuhr, dass das burmesische Milit\u00e4r am fr\u00fchen Morgen des 1. Februar die Macht ergriffen hatte, aber das war f\u00fcr mich nicht \u00fcberraschend. Ich habe seit 2017 die UNO gebeten, die burmesischen Fl\u00fcchtlinge in Malaysia, Indien und Thailand nicht zu repatriieren, weil ich immer dachte, dass das Milit\u00e4r zur\u00fcckkommen und die Macht \u00fcbernehmen k\u00f6nnte, wenn man das indikative Verhalten der burmesischen Milit\u00e4rf\u00fchrung genau beobachtet. Privat habe ich die US-Beamten gebeten, Ma\u00dfnahmen vorzubereiten, die notwendig sind, um dies zu verhindern, und falls es zu einem Putsch kommen sollte, schnell alle Druckmittel einzusetzen, die sie haben.<\/p>\n<p><strong><em>Was genau geht derzeit in Burma vor sich? Wie ist Ihre eigene Einsch\u00e4tzung der Situation?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Nun, traurigerweise eskaliert die Situation in Burma schnell zu einem totalen &#8222;Kriegsgebiet&#8220; \u2013 Massaker und T\u00f6tungen. Hunderttausende von burmesischen B\u00fcrgern, die friedlich auf die Stra\u00dfe gegangen sind, um gegen den Putsch zu protestieren, wurden von der Milit\u00e4rjunta und der Polizei mit einer zunehmend unmenschlichen und brutalen Gewalt ruhiggestellt. Dies schl\u00e4gt sich nieder in Mord, Verfolgung, Folter und Inhaftierung von unschuldigen Menschen, die einfach nur ihre Freiheit fordern. Glaubw\u00fcrdigen Berichten zufolge sind seit dem Putsch vom 1. Februar \u00fcber 100 unschuldige Menschen bei der Verteidigung ihrer Freiheit gestorben, wobei der 14. M\u00e4rz einer der bisher blutigsten Tage war. Ich bef\u00fcrchte, das burmesische Milit\u00e4r hat gro\u00dfe Verbrechen gegen die menschliche W\u00fcrde begangen. Diese grausamen Aktionen sind eine Reflexion der Kultur der Straflosigkeit, die tief im burmesischen Milit\u00e4r verankert ist, das willk\u00fcrliche Verhaftungen, Vergewaltigungen und Folter als Waffen der Angst benutzt und in den vergangenen Jahrzehnten Tausende von ethnischen Minderheiten buchst\u00e4blich ermordet und get\u00f6tet hat.<\/p>\n<p><strong><em>Welche Faktoren waren die Ausl\u00f6ser f\u00fcr die Ausrufung des Ausnahmezustands durch das Milit\u00e4r?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Das Milit\u00e4r in Myanmar inszenierte am 1. Februar einen Staatsstreich nach den allgemeinen Wahlen des Landes am 8. November 2020, aus denen die Partei der National League for Democracy (NLD) unter der F\u00fchrung von Daw Aung San Suu Kyi einen Erdrutschsieg errang. Sie nahmen Ms. Suu Kyi, Pr\u00e4sident U Win Myint, Vizepr\u00e4sident U Henry Van Thio und andere zivile F\u00fchrer fest.<\/p>\n<p>Die Anf\u00fchrer des Putsches behaupteten, dass die Wahl gef\u00e4lscht worden sei. Diese Behauptung wurde jedoch von der Wahlkommission des Landes zur\u00fcckgewiesen. Lokale und internationale Wahlbeobachter, darunter auch das Carter Center, haben die Wahl im November als frei, fair und glaubw\u00fcrdig bezeichnet und den Behauptungen des Milit\u00e4rs \u00fcber weit verbreitete Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten widersprochen. Aber Senior-General Min Aung Hlaing wollte die Wahlergebnisse nicht akzeptieren, erkl\u00e4rte den Ausnahmezustand und \u00fcbernahm die Macht.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens gibt es auffallend \u00e4hnliche Muster der Entwicklungen, die wir bei den November-Wahlen in den USA gesehen haben. Der einzige Unterschied war, dass die demokratische Institution in den USA stark genug ist, den Aufstand im Januar zu stoppen, w\u00e4hrend das burmesische Milit\u00e4r im Februar mit Waffengewalt sein Ziel erreichte.<\/p>\n<p>Das war der erste Grund, den das Milit\u00e4r nannte. Sie wollten jedoch seit 2015 immer wieder die Macht zur\u00fcckerobern, als sie feststellten, dass sie von Daw Aung San Suu Kyis NLD-Partei unerwartet in den allgemeinen Wahlen jenes Jahres besiegt worden waren, was durch die Verfassung von 2008, die sie selbst entworfen hatten, eingeleitet wurde. Die Verfassung von 2008 wurde vom Milit\u00e4r mit diesen drei Hauptmerkmalen entworfen:<\/p>\n<p>1) automatische Zuteilung von 25 Prozent der Parlamentssitze, die dem Milit\u00e4r ein Vetorecht im Parlament einr\u00e4umt; um die Verfassung zu \u00e4ndern, braucht es mehr als 75 der Stimmen;<\/p>\n<p>2) die Einf\u00fcgung der 59(f) Artikels, der im Wesentlichen verhindert, dass jemand, der ausl\u00e4ndische Blutsverwandte hat, das Pr\u00e4sidentenamt bekleiden kann \u2013 um sicherzustellen, dass sie die politische Popularit\u00e4t und den Einfluss von Ms. Suu Kyi eind\u00e4mmen; und,<\/p>\n<p>3) ein Pr\u00e4sident, den sie unterst\u00fctzen, w\u00fcrde von einer einfachen Mehrheit nominiert werden, die in ihrer Berechnung immer durch die kombinierten Sitze der milit\u00e4rischen Stellvertreterpartei, der Union Solidarity and Development Party (USDP) und dem Milit\u00e4r selbst, plus dem vom Oberbefehlshaber ernannten Vizepr\u00e4sidenten, erreicht werden kann, ganz zu schweigen davon, dass die Minister der m\u00e4chtigsten Ministerien Verteidigung, Inneres und Grenze ebenfalls direkt vom Oberbefehlshaber ernannt werden, mit der Struktur des Nationalen Verteidigungs- und Sicherheitsrates, die alle dazu bestimmt sind, die au\u00dfergew\u00f6hnliche Macht des Milit\u00e4rs dauerhaft zu zementieren.<\/p>\n<p>Doch ihr politisches Kalk\u00fcl durch die Verfassung von 2008, &#8222;ihr Meisterst\u00fcck&#8220;, haupts\u00e4chlich motiviert durch den \u00e4u\u00dfersten Wunsch, ihre Sicherheit, ihre Macht und ihre eigenen geldgierigen Eigeninteressen zu sch\u00fctzen, erwies sich 2015 und erneut bei den Ergebnissen der Parlamentswahlen 2020 als falsch.<\/p>\n<p>Inzwischen hat Senior-General Min Aung Hlaing das Gef\u00fchl, dass sie keine andere Wahl h\u00e4tten, als die Macht zur\u00fcckzuerobern.<\/p>\n<p>Aber dieses Mal hatte er einen gro\u00dfen Fehler gemacht. Min Aung Hlaing sieht sich nun mit den sehr realen Problemen konfrontiert, die Senior-General Than Shwe und er selbst vor 2010 vermeiden wollten. Man sollte meinen, dass sie jetzt sehr besorgt sind, ihr Putsch k\u00f6nnte scheitern und er sogar zum totalen Zusammenbruch der milit\u00e4rischen Institution f\u00fchren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong><em>Was sind die Unterschiede zwischen den laufenden Protesten und der sogenannten Safran-Revolution 2007?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Fr\u00fchlingsrevolution von 2021 unterscheidet sich von dem landesweiten Aufstand von 1988 oder der Safran-Revolution von 2007. Die Menschen in Myanmar nutzen dieses Mal effektiv ihre eigene Kraft. Diese geht vom Volk selbst aus, und zwar durch t\u00e4gliche Proteste und die Bewegung des zivilen Ungehorsams (CDM), die darauf abzielt, die Junta zu l\u00e4hmen. Sie kombinieren die F\u00fchrung und die Erfahrungen der Aufst\u00e4nde von 1988 und 2007 mit der neuen, jungen Generation voller Talente, kreativem und innovativem Denken und Handeln unter vollst\u00e4ndiger Nutzung der technologischen und medialen F\u00e4higkeiten des 21. Jahrhunderts: das Zusammenbringen verschiedener Ressourcen, die Zusammenarbeit mit allen Arten von Organisationen, die Teilnahme von allen Gesellschaftsschichten \u2013 \u00a0mit klaren \u00dcberzeugungen und Verpflichtungen, die eindeutig NEIN zur Milit\u00e4rdiktatur sagen.<\/p>\n<p><strong><em>Gibt es Vorf\u00e4lle in Burma, \u00fcber die nicht in der Presse berichtet wird? Welche Informationen erhalten Sie direkt von dort, die nicht an die Presse weitergegeben werden?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Menschen nutzen die Vorteile der heutigen Technologien und nehmen jeden Vorfall auf, der in jeder Ecke des Landes passiert. Aber ich h\u00f6re jetzt direkt von den Menschen, dass sich die Menschen im ganzen Land auf die Abwehr der Brutalit\u00e4t des Milit\u00e4rs vorbereiten, indem sie alle m\u00f6glichen Mittel sammeln. U Mahn Win Khaing Than, der amtierende F\u00fchrer des Landes, sagte in seiner Videobotschaft vom Samstag, dass die zivile Regierung &#8222;versuchen wird, die erforderlichen Gesetze zu erlassen, damit das Volk das Recht hat, sich selbst zu verteidigen&#8220; gegen die milit\u00e4rische Niederschlagung.<\/p>\n<p><strong><em>Wie sieht die burmesische Diaspora die Ausrufung des Ausnahmezustandes durch das Milit\u00e4r?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die burmesische Diaspora sieht die Aktionen des Milit\u00e4rs als ungesetzlich, unfair und inakzeptabel an, und sie haben sich den demokratischen Kr\u00e4ften angeschlossen, um das illegale Milit\u00e4rregime scharf zu verurteilen und sie aufzufordern, die Macht an die gew\u00e4hlte Zivilregierung zur\u00fcckzugeben.<\/p>\n<p><strong><em>Wie ist die Position der BACI zur Erkl\u00e4rung des Notstandes durch das Milit\u00e4r? Wie viele Burmesen befinden sich derzeit in Indiana? Und in der restlichen USA?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Gesch\u00e4tzt sind es 300.000 Burmesen, die sich in den USA aufhalten \u2013 34.000 befinden sich im Staat Indiana und 24.000 nennen Indianapolis ihr neues Zuhause \u2013 wir sind vereint gegen das burmesische Milit\u00e4rregime und seinen illegalen Staatsverwaltungsrat (SAC). Wir lehnen den Putsch unmissverst\u00e4ndlich ab, verurteilen ihre Handlungen aufs Sch\u00e4rfste und fordern sie vehement auf, alle illegal Festgehaltenen, einschlie\u00dflich Staatsrat Daw Aung San Suu Kyi, Pr\u00e4sident U Win Myint, Vizepr\u00e4sident U Henry Van Thio und andere, sofort und bedingungslos freizulassen und die Macht an die Mitglieder der zivilen Regierung und die gew\u00e4hlten Beamten zur\u00fcckzugeben, damit sie ihr Mandat ungehindert aus\u00fcben k\u00f6nnen. Wir erkennen auch das Komitee zur Vertretung der Pyidaungsu Hluttaw (CRPH) an und unterst\u00fctzen es, damit es das legitime Regierungsorgan der Republik der Union von Myanmar bleibt.<\/p>\n<p><strong><em>Welche M\u00f6glichkeiten haben die Burmesen in Indiana und anderen Teilen der USA ergriffen, um die Situation zu verbessern?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Im Grunde genommen sind es drei Dinge:<\/p>\n<p>1) Proteste und Veranstaltungen zu organisieren, um Solidarit\u00e4t mit den Menschen im Lande zu zeigen und unsere amerikanischen Freunde auf die Geschehnisse in Myanmar aufmerksam zu machen,<\/p>\n<p>2) Geldsammlungen durchf\u00fchren, um die betroffenen Menschen zu unterst\u00fctzen, und,<\/p>\n<p>3) sich f\u00fcr die USA (den Kongress und die Biden-Administration), die UNO, die internationale Gemeinschaft, die CPRH und die ethnischen bewaffneten Organisationen (EAOs) einzusetzen und Strategien und politische Angelegenheiten zu koordinieren, um die Milit\u00e4rdiktatur zu beenden und die demokratischen Prozesse in Myanmar wieder aufzunehmen. Wir haben die Free Myanmar Campaign USA gegr\u00fcndet, die die Bildung einer Koalition der US-Advocacy f\u00fcr Myanmar angef\u00fchrt hat, die mehr als 10 burmesisch-amerikanische Organisationen in den USA umfasst.<\/p>\n<p><strong><em>Wie w\u00fcrden Sie die Demonstranten in Burma und verschiedenen Teilen der Welt charakterisieren?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Putschgegner sind friedlich, diszipliniert und haben sich unglaublich zur\u00fcckgehalten, um keine Gewalt anzuzetteln, aber gleichzeitig sind sie absolut entschlossen, trotzig, abgebr\u00fcht und jetzt sehr ver\u00e4rgert \u00fcber die unmenschliche Behandlung durch das Milit\u00e4r und die Polizei, die \u00fcber 100 unschuldige Menschen mit scharfer Munition und Folter ermordet haben. Es sind ihre Kinder, Eltern, Ehefrauen, Ehem\u00e4nner, Br\u00fcder, Schwestern und Freunde. Ich sehe nicht, dass die Menschen den Kampf gegen dieses brutale Milit\u00e4rregime aufgeben, das ihre eigenen Gr\u00e4ber immer tiefer und breiter schaufelt.<\/p>\n<p><strong><em>Glauben Sie, dass die burmesischen demokratischen Kr\u00e4fte im Lande organisiert und stark genug sind, um einer Niederschlagung durch das Milit\u00e4r zu widerstehen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Wenn es um die Errichtung einer f\u00f6deralistischen Demokratie geht, sind alle Menschen in Myanmar, Burmesen und nicht-burmesische ethnische Minderheiten \u2013 Chin, Kachin, Karen, Kayah, Mon, Rakhine, Shan \u2013 vereint. Ich glaube, dass mit einer effektiven Koordination zwischen den Hauptakteuren \u2013 den CDM-Teilnehmern, den friedlichen Demonstranten, dem Volk, der CRPH, den EAOs, den Organisationen der Zivilgesellschaft (CSOs) mit starker, einheitlicher und substantieller Unterst\u00fctzung durch die internationale Gemeinschaft, das Volk von Myanmar den Sieg erringen wird.<\/p>\n<p><strong><em>Welche demokratischen Fortschritte wurden vor der Ausrufung des Ausnahmezustandes durch das Milit\u00e4r in Burma erreicht?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnten zwei parallele Bem\u00fchungen betrachten, um Wandel und Entwicklung zu bewirken: zum einen den Versuch, einen systemischen Wandel durch eine Verfassungsreform zu erreichen und zum anderen den Aufbau einer demokratischen Gesellschaft durch Investitionen in Menschen und Bildung. Bei letzterem hat in den letzten zehn Jahren ein relativ schneller gesellschaftlicher Wandel stattgefunden, der sowohl dem Volk von Myanmar als auch der internationalen Gemeinschaft zu verdanken ist, die das Fenster der Gelegenheit unterst\u00fctzten und nutzten, das dazu beitrug, die Mittelschicht oder die Masse der Menschen mit College-Ausbildung und die allgemeine Bev\u00f6lkerung zu vergr\u00f6\u00dfern, die eine Chance haben, einen Geschmack von Demokratie und Freiheit zu genie\u00dfen.<\/p>\n<p>Zusammen mit diesem gesellschaftlichen Wandel hat in Myanmar ein Kulturwandel begonnen, weg vom burmesischen nationalistischen Anspruch hin zu gegenseitiger Anerkennung, gegenseitigem Respekt, gegenseitiger Wertsch\u00e4tzung, die alle Menschen ungeachtet ihrer ethnischen Zugeh\u00f6rigkeit oder ihres religi\u00f6sen Glaubens feiert, was sich in dem politischen Umfeld widerspiegelt, das durch die F\u00fchrung von Daw Aung San Suu Kyi geschaffen wurde. Dies bedeutet, dass sich die burmesische chauvinistische Kultur positiv in Richtung Anerkennung und Wertsch\u00e4tzung der Vielfalt, ungeachtet des ethnischen oder religi\u00f6sen Hintergrundes, ver\u00e4ndert hat. Dieser Wandel ist vor allem in den Stra\u00dfen der gro\u00dfen St\u00e4dte \u2013 Yangon, Mandalay und auch in den Sektoren \u2013 sichtbar.<\/p>\n<p>Die Bem\u00fchungen um einen systematischen Wandel sind jedoch fast vollst\u00e4ndig gescheitert. Sowohl der Friedensprozess durch das sogenannte &#8222;Nationale Waffenstillstandsabkommen (NCA)&#8220; als auch der Gesetzgebungsprozess haben zu keinem Ergebnis gef\u00fchrt. Dieser Prozess, der neun Jahre lang Gespr\u00e4che und Verhandlungen umfasste, war ein Scheinprozess \u2013 ohne jegliche Absicht f\u00fcr einen wirklichen Wandel und ehrlichen politischen Willen \u2013 der von den Putschisten selbst gef\u00f6rdert wurde.<\/p>\n<p><strong><em>Was wird notwendig sein, damit die Demokratie im Lande erreicht und gest\u00e4rkt werden kann?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die politische Krise Myanmars ist tief im ethnischen Konflikt verwurzelt. Und dieser ethnische Konflikt muss grundlegend durch eine konstitutionelle und institutionelle Neugestaltung angegangen werden. Diese Reform muss auf den Prinzipien und dem Geist des Panglong-Abkommens beruhen, das die Gleichheit und die Rechte aller ethnischen Gruppen unter einer f\u00f6deralen demokratischen Union garantiert, mit besonderem Schwerpunkt auf der Reform des Verteidigungs- und Sicherheitssektors, um sicherzustellen, dass das burmesische Milit\u00e4r aus der nationalen Politik herausgehalten und fest unter eine zivile Regierung gestellt wird.<\/p>\n<p>Die andauernde Krise bietet eine perfekte Gelegenheit, diese Reform zu erreichen. Um dies zu erreichen, muss Folgendes geschehen:<\/p>\n<p>1) Die Volksbewegung, die friedlichen Proteste und die CDM-Bewegung m\u00fcssen fortgesetzt und aufrechterhalten werden.<\/p>\n<p>2) Das CRPH sollte eine parallele nationale Unionsregierung bilden, die eine Koalition aus der National League for Democracy (NLD), Kr\u00e4ften der ethnischen Minderheiten und verschiedenen und inklusiven Interessenvertretern, einschliesslich EAOs, zusammenbringt. Diese Interims-Unionsregierung wird mit der Unterst\u00fctzung des Beirates effektiv koordinieren, um eine Interimsverfassung zu erstellen, die bis zum 1. April einsatzbereit ist. Das Verfassungskoordinationskomitee wird in 1-2 Jahren eine vollwertige Verfassung entwerfen und produzieren m\u00fcssen. Zur gleichen Zeit sollten alle 7 ethnischen Staaten und 7 Regionen ihre Arbeit als Verwaltung unter der f\u00f6deralistischen Demokratie aufnehmen. Diese Interimsregierung wird es dem amtierenden Vizepr\u00e4sidenten, der auch die Verantwortung des Pr\u00e4sidenten \u00fcbernimmt, und den 4 amtierenden Ministern der CRPH erlauben, sich an den entscheidenden Fronten zu koordinieren, wie CDM, ethnische Angelegenheiten, Bundesarmee oder Verteidigungskr\u00e4fte und andere. Alle diese Pl\u00e4ne m\u00fcssen klar und vorzeigbar f\u00fcr das Volk von Myanmar und die internationale Gemeinschaft sein.<\/p>\n<p>3) Die internationale Gemeinschaft unter F\u00fchrung der Vereinigten Staaten muss ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr das Volk Myanmars aufrechterhalten und verst\u00e4rken.<\/p>\n<p>Pr\u00e4sident Biden verurteilte den Putsch schnell und erkl\u00e4rte am 11. Februar den &#8222;nationalen Notstand&#8220; der USA, indem er feststellte, dass die Aktionen des burmesischen Milit\u00e4rs &#8222;eine ungew\u00f6hnliche und au\u00dfergew\u00f6hnliche Bedrohung f\u00fcr die nationale Sicherheit und die Au\u00dfenpolitik der Vereinigten Staaten darstellen&#8220;. Die USA ergriffen zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen und verh\u00e4ngten neue Restriktionen, die sich gegen die Milit\u00e4rjunta richten. Mindestens drei Resolutionen zu Myanmar sind im US-Kongress eingebracht worden. Aber das Volk von Myanmar verlangt mehr von den USA. Einige Schritte, die die USA und die internationale Gemeinschaft tun k\u00f6nnen, um das gew\u00fcnschte Ergebnis zu erzielen, sind:<\/p>\n<p>1) Die \u00dcbergangsregierung in Myanmar anzuerkennen und stark zu unterst\u00fctzen;<\/p>\n<p>2) H\u00e4rtere, koordinierte und gezielte Sanktionen gegen die Milit\u00e4rjunta zu verh\u00e4ngen und sich dabei mit der internationalen Gemeinschaft abzustimmen, besonders mit den Hauptakteuren in der Indo-Pazifik-Region und der Association of Southeast Asian Nations (ASEAN);<\/p>\n<p>3) Eine Resolution im UN-Sicherheitsrat einbringen, die h\u00e4rtere Ma\u00dfnahmen gegen die Putschisten erlaubt, einschlie\u00dflich eines globalen Waffenembargos, unter Berufung auf die Kapitel VII-Autorit\u00e4t der UN-Charta und den Artikel der Schutzverantwortung (Responsibility to Protect, R2P). F\u00fcr den Fall, dass eine solche Resolution im UN-Sicherheitsrat nicht verabschiedet wird, sollten die USA und ihre Verb\u00fcndeten &#8211; wie Kanada, Frankreich und Gro\u00dfbritannien &#8211; eine humanit\u00e4re Intervention au\u00dferhalb des bestehenden rechtlichen Rahmens im Rahmen des UN-Mechanismus in Betracht ziehen, einschlie\u00dflich der Bereitstellung von Ressourcen f\u00fcr die EOAs zur Selbstverteidigung;<\/p>\n<p>4) Nutzen Sie die UN-Mechanismen, einschlie\u00dflich des UN-Menschenrechtsrates, des Internationalen Strafgerichtshofes und des Internationalen Gerichtshofes, um die burmesische Milit\u00e4rf\u00fchrung wegen grober Menschenrechtsverletzungen, Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder V\u00f6lkermord vollst\u00e4ndig zu untersuchen und weiterhin zur Verantwortung zu ziehen;<\/p>\n<p>5) Verdoppelung der humanit\u00e4ren Hilfe f\u00fcr das Volk von Myanmar, indem sichergestellt wird, dass diese Hilfe direkt zu den H\u00e4nden der Zivilisten und der am meisten gef\u00e4hrdeten Menschen durch die NGOs und CSOs flie\u00dft, auch durch die grenz\u00fcberschreitende Lieferung.<\/p>\n<p><strong><em>Was sind die grundlegenden Forderungen des burmesischen Volkes? Wenn das Milit\u00e4r sich weigert, diese Forderungen zu beherzigen, welche m\u00f6glichen Szenarien denken Sie, werden dann entstehen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Sie fordern von der Milit\u00e4rjunta die R\u00fcckgabe von Freiheit und Demokratie an das Volk durch die sofortige und bedingungslose Freilassung von Daw Aung San Suu Kyi und anderen F\u00fchrern, die Anerkennung des Wahlergebnisses vom November, eine vollst\u00e4ndige Reform der Verfassung und die Errichtung einer f\u00f6deralen demokratischen Union Myanmars, die auf f\u00f6deralistischen Prinzipien und Gleichheit beruht.<\/p>\n<p>Es k\u00f6nnten sich einige Szenarien ergeben: Das Milit\u00e4r beherzigt die Forderung des Volkes, l\u00e4sst alle inhaftierten zivilen F\u00fchrer frei und erlaubt die Wiederaufnahme des demokratischen Prozesses so bald wie m\u00f6glich. Das w\u00e4re die beste L\u00f6sung. Oder das Milit\u00e4r ignoriert hartn\u00e4ckig die Stimme des Volkes und den Druck der internationalen Gemeinschaft und versch\u00e4rft stattdessen sein gewaltsames Vorgehen gegen friedliche Demonstranten, wie sie es in diesem Moment tun, dann k\u00f6nnte es zu der schrecklichsten Situation kommen, die man sich vorstellen kann \u2013 die 54 Millionen Menschen sie erheben und zu den Waffen greifen, um sich zu verteidigen und das Milit\u00e4r zu besiegen, einen Krieg mit den bewaffneten ethnischen Gruppen, eine internationale humanit\u00e4re Intervention, mehr Blutvergie\u00dfen und mehr verlorene Leben.<\/p>\n<p>Ich sehe nicht, dass die Menschen in Myanmar ihren Kampf f\u00fcr die Freiheit aufgeben. Sie sehen deutlich, dass dies die wirkliche Chance ist, die Kultur der Milit\u00e4rjunta ein f\u00fcr alle Mal zu brechen. Die internationale Gemeinschaft muss bereit sein, alle notwendigen Mittel zu ergreifen, um zu helfen, den Milit\u00e4rputsch zu beenden, bevor noch mehr Leben verloren gehen.<\/p>\n<p><em><strong>Interview von Perfecto Caparas, die \u00dcbersetzung aus dem Englischen wurde von Anita K\u00f6bler vom ehrenamtlichen Pressenza-\u00dcbersetzungsteam erstellt. <a href=\"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/mitarbeiten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wir suchen Freiwillige!\u00a0<\/a><\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Elaisa Vahnie ist gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Direktor des Burmese American Community Institute (BACI) \u2013 einem ma\u00dfgeblichen Sprachrohr und F\u00fcrsprecher der demokratischen Entwicklung in Myanmar. Er erwarb einen Master of Public Affairs (MPA) an der Indiana University Bloomington. 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