{"id":1316580,"date":"2021-03-11T15:40:50","date_gmt":"2021-03-11T15:40:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1316580"},"modified":"2021-03-12T11:18:33","modified_gmt":"2021-03-12T11:18:33","slug":"javier-tolcachier-alternative-kommunikation-aus-der-erfahrung-von-pressenza","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2021\/03\/javier-tolcachier-alternative-kommunikation-aus-der-erfahrung-von-pressenza\/","title":{"rendered":"Javier Tolcachier: Alternative Kommunikation aus der Erfahrung von Pressenza"},"content":{"rendered":"<p><strong>Im Rahmen des Diskussionszyklus \u00fcber alternative Kommunikation sprach der Herausgeber von Pressenza, Javier Tolcachier, \u00fcber die Kommunikationserfahrungen der Agentur.<\/strong><\/p>\n<p>Diese Seminare zur kritischen Bildung und gegen den Neoliberalismus in der Bildung wurden organisiert vom Internationalen Forschungszentrum &#8211; Other Voices in Education (CII-OVE) in Allianz mit den Organisationen CEIP-H, MAEEC, Masa Critica, Savia, Kavilando, Mujer Pueblo-Magisterio, dem Vizerektorat der Universit\u00e4t von Panama, Emancipaci\u00f3n, CIPCAL, dem Kollektiv Kaichuk Mat Dha, Red Global\/Glocal por la calidad educativa und dem Kollektiv Martin Luther King Center, Uruguay.<\/p>\n<p><strong>Tolcachier betonte die Notwendigkeit, Kommunikation als grundlegendes Thema in die Bildung einzubeziehen, um das Bildungspotenzial gegen\u00fcber dem permanenten Ansturm der Inhalte von Medienkonzernen zu st\u00e4rken.<\/strong><\/p>\n<p>Er sprach nicht nur \u00fcber die Grundlagen des in der Arbeit von Pressenza gelebten kommunikativen Handelns, das auf dem Gedankengut von Silo basiert, sondern er betonte auch die Notwendigkeit, die Verbreitung des Prinzips der Gewaltfreiheit zu erweitern, um auf die kommende Welt vorzubereiten \u2013 eine Welt, \u201evon der erwartet wird, dass sie \u00e4u\u00dferst multikulturell und interkulturell sein wird und gepr\u00e4gt von Gleichheit, Vielfalt, Horizontalit\u00e4t zwischen Menschen, Geschlechtern, V\u00f6lkern und Kulturen\u201c.<\/p>\n<p>In seiner Pr\u00e4sentation erl\u00e4uterte er die Kooperationsstrategien der Agentur sowie ihr Engagement f\u00fcr Trainingsprozesse in der Kommunikation f\u00fcr Gewaltfreiheit.<\/p>\n<p>Der Kolumnist wies auf die Notwendigkeit hin, uns auf diesen Blickwinkel vorzubereiten, indem wir die strukturelle Beziehung zwischen der menschlichen Innenwelt und den sozialen Situationen wahrnehmen und daran arbeiten, sie gleichzeitig aus einer humanistischen Perspektive zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Im Folgenden lesen Sie den vollst\u00e4ndigen Beitrag.<\/p>\n<h4><strong>Alternative Kommunikation und der Bildungsprozess<\/strong><\/h4>\n<p>Die einzig m\u00f6gliche entwicklungspolitische Bedeutung von Bildung ist eine emanzipatorische, eine Bedeutung, die auf die Transformation der gegebenen Bedingungen und die \u00dcberwindung jener Faktoren abzielt, die auf pers\u00f6nlicher und sozialer Ebene Schmerz und Leiden erzeugen. Eine Sinngebung, die es uns erlaubt, durch grenzenloses Lernen zu wachsen.<\/p>\n<p>Um Paulo Freire zu zitieren, ist die wahre Bildung \u201ePraxis, Reflexion und Aktion in Bezug auf die Welt, um sie zu ver\u00e4ndern\u201c.<\/p>\n<p>Alternative Kommunikationsprozesse verfolgen ein \u00e4hnliches Ziel, begleiten gerechte soziale K\u00e4mpfe, \u00f6ffnen das Bewusstsein f\u00fcr neue M\u00f6glichkeiten und rebellieren gegen monopolistische Diskurse, deren Zweck die Akzeptanz unw\u00fcrdiger und \u00fcberholter Zust\u00e4nde ist.<\/p>\n<p>Beide Prozesse, Bildungs-Emanzipation und alternative Kommunikation, teilen einige Werkzeuge wie Ausdruck und Inhalt, die nicht nur vermitteln und \u00fcbertragen, sondern diese auch kritisch auseinandernehmen und neu zusammenf\u00fcgen, um neue M\u00f6glichkeiten der Realit\u00e4t zu schaffen.<\/p>\n<p>So wie das Lernen nicht auf formale Bildungsr\u00e4ume reduziert ist, sind auch die in diesen R\u00e4umen vermittelten Normen und Werte nicht immun gegen den Kommunikationsraum. Dieser Raum umfasst heute alles, vom Aufstehen bis zum Zubettgehen, wo immer wir sind.<\/p>\n<p>Um in der Bildung erfolgreich zu sein, glauben wir daher, dass die Bildung Kommunikation als ein zu lehrendes Thema einbeziehen sollte, da sie Verb\u00fcndete oder Konkurrentin sein kann.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich reduziert sich die Kommunikation nicht auf die bisher angesprochene mediale oder intermedi\u00e4re Art. Obwohl es offensichtlich ist, muss auch auf die grundlegende Bedeutung der direkten Kommunikation, des Dialogs und seiner reibungslosen Handhabung durch alle Parteien in jedem Gruppenprozess, sei es in der Bildung oder in der Politik, hingewiesen werden, weshalb die Relevanz des Themas immer eine besondere Aufmerksamkeit nahelegt.<\/p>\n<p>Um auf das zentrale Thema dieser Pr\u00e4sentation zur\u00fcckzukommen, k\u00f6nnen wir sagen, dass Bildung Verb\u00fcndete der Kommunikation in einer transformierenden Weise sein kann, indem sie von den ersten Jahren des Lernens an einen kritischen und enth\u00fcllenden Blick f\u00fcr die Absicht st\u00e4rkt, die jedem Erzeugnis zugrunde liegt, sei es ein Objekt oder etwas eminent Subjektives, wie Information und Kommunikation im weitesten Sinne.<\/p>\n<p>Diese Enth\u00fcllung der Absichten, die das wahre Grundger\u00fcst der menschlichen Geschichte darstellt, veranlasst uns zu einem Kommentar \u00fcber die Perspektive der Kommunikation, die die Arbeit unserer Agentur Pressenza pr\u00e4gt.<\/p>\n<h4><strong>Kommunikation aus einer gewaltfreien Perspektive<\/strong><\/h4>\n<p>Pressenza ist eine internationale Nachrichtenagentur mit humanistischem Anspruch, die Ereignissen, Initiativen, Vorschl\u00e4gen und Szenarien im Zusammenhang mit Frieden, Gewaltfreiheit, Abr\u00fcstung, Menschenrechten und dem Kampf gegen alle Formen von Diskriminierung Priorit\u00e4t einr\u00e4umt. Sie stellt den Menschen in den Mittelpunkt und f\u00f6rdert die Vielfalt. So schl\u00e4gt sie einen aktiven und klaren Journalismus vor, der diese wesentlichen Pr\u00e4missen respektiert und auf die L\u00f6sung von Krisen und sozialen Konflikten weltweit abzielt.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang verbreiten wir Studien, Analysen und Aktionen, die zum Weltfrieden und zur \u00dcberwindung von Gewalt beitragen, mit den Schwerpunkten auf nuklearer und konventioneller Abr\u00fcstung, friedlicher Konfliktl\u00f6sung, Konfliktpr\u00e4vention und dem R\u00fcckzug aus besetzten Gebieten.<\/p>\n<p>Gleichzeitig prangert sie jedes Ereignis und jede Situation an, die Schmerz und Leiden in der Bev\u00f6lkerung verursacht, und versucht, die Ursachen dieser Ereignisse zu entschl\u00fcsseln und zu transformieren, indem sie \u00fcber die blo\u00dfe Zuschauerrolle hinausgeht.<\/p>\n<p>Die Agentur wurde im Jahr 2008 gegr\u00fcndet, um den 1. Weltweiten Marsch f\u00fcr Frieden und Gewaltfreiheit mit Informationen zu unterst\u00fctzen. Sowohl die Agentur als auch der Marsch, an dem sich weltweit Millionen von Menschen beteiligten, wurden von der Humanistischen Bewegung gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Diese Bewegung stellt den Menschen als zentralen Wert und Anliegen in den Mittelpunkt und hat ihre Wurzeln in den Lehren des Argentiniers Mario Luis Rodr\u00edguez Cobos &#8211; besser bekannt unter seinem Pseudonym Silo -, der 50 Jahre lang eine Lehre und Praxis entwickelte, die auf die gleichzeitige Transformation von Individuum und Gesellschaft abzielt.<\/p>\n<p>Zu seinen Hauptbeitr\u00e4gen geh\u00f6rt das Thema der Intentionalit\u00e4t als bestimmendes Element des Menschen, ein Thema, das von Husserls Ph\u00e4nomenologie abgeleitet ist. Weitergehend schl\u00e4gt Silo als Definition des Menschen die eines \u201egeschichtlichen Wesens, dessen Form des sozialen Handelns seine eigene Natur transformiert\u201c vor.<\/p>\n<p>Abgesehen von den vielf\u00e4ltigen Implikationen dieser Definition ist diese Pr\u00e4misse von grundlegender Bedeutung f\u00fcr jeden Prozess der Informations\u00fcbertragung, sei es im Bildungs- oder Kommunikationsbereich.<\/p>\n<p>Die Leugnung der Absicht eines Menschen objektiviert ihn, macht ihn zum Objekt und bildet den Hintergrund f\u00fcr Gewalt, in jeder ihrer vielf\u00e4ltigen Formen: physische, \u00f6konomische, psychologische, ethnische, religi\u00f6se oder moralische Gewalt.<\/p>\n<p>Daher propagiert der Humanismus &#8211; in \u00dcbereinstimmung mit seiner eigenen ideologischen Konsequenz &#8211; die Gewaltfreiheit als die einzig m\u00f6gliche Methodik f\u00fcr die Beziehungen zwischen Menschen und den ihnen innewohnenden Beweggr\u00fcnden f\u00fcr die Ver\u00e4nderung einer gegebenen Situation.<\/p>\n<p>Hier gilt es, ein weiteres Vorurteil auszur\u00e4umen, das oft mit der Gewaltfreiheit verbunden wird, indem man sie mit einer passiven, kontemplativen, naiven Haltung in Verbindung bringt oder sie auf einen Pazifismus reduziert, der von den sozialen Widerspr\u00fcchen, die dem Militarismus zugrunde liegen, abgekoppelt ist.<\/p>\n<p>Gewaltlosigkeit ist eminent aktiv, transformierend und hat von Natur aus die unbestreitbare und moralische Position, um die Unterst\u00fctzung gro\u00dfer Gruppen zu gewinnen. Und in der gesellschaftlichen Praxis sehen wir, dass sich dies heute bereits als Konsens der Bev\u00f6lkerung gefestigt hat.<\/p>\n<div id=\"attachment_1316593\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1316593\" class=\"wp-image-1316593\" src=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/JTolcachier-720x540-1.jpg\" alt=\"Javier Tolcachier: Alternative Kommunikation aus der Erfahrung von Pressenza\" width=\"767\" height=\"575\" srcset=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/JTolcachier-720x540-1.jpg 720w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/JTolcachier-720x540-1-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 100vw, 767px\" \/><p id=\"caption-attachment-1316593\" class=\"wp-caption-text\"><em>Javier Tolcachier<\/em><\/p><\/div>\n<p>Diese gewaltfreie Haltung muss kommuniziert werden, ihr Einfluss muss ausgeweitet werden, das Verst\u00e4ndnis und der Glauben an ihr transformatives Potenzial muss gest\u00e4rkt werden. Um eine Kultur der Gewaltlosigkeit zu etablieren, die die n\u00e4chsten Entwicklungsstufen der Menschen unterst\u00fctzt, ist es notwendig, zu zeigen, dass jeden Tag Millionen von gewaltfreien Ereignissen stattfinden, und Informationsmatrizen zu generieren, die ein Gegengewicht zur Manipulation des Medienapparats der gewaltt\u00e4tigen Macht bilden, die daran interessiert ist, ihre illegitimen Handlungen und ihre Permanenz zu rechtfertigen.<\/p>\n<p>Die Absicht von Pressenza beschr\u00e4nkt sich nicht darauf, die etablierte Gewalt in ihren vielf\u00e4ltigen Formen anzuprangern, sondern zielt auch darauf ab, in einem vorausschauenden Sinn \u00fcber sich anbahnende oder bereits laufende Alternativen zu informieren, um Horizonte effektiver Ver\u00e4nderung zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Gleichzeitig hat die Kommunikation aus einer expliziten Perspektive der Gewaltfreiheit den Zweck, ein bewusstes Festhalten an dieser Lebenseinstellung zu f\u00f6rdern und die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Gruppen zu vervielfachen, sich an Versuchen zur Ver\u00e4nderung ihrer Umwelt beteiligen zu k\u00f6nnen. Ebenso hat die Kommunikation aus einer Perspektive der Gewaltfreiheit die Aufgabe, die Menschen von der Notwendigkeit der Koh\u00e4renz und der Selbstreflexion zu \u00fcberzeugen; einer Reflexion \u00fcber die pers\u00f6nlichen Erfahrungen, die sie mit sich tragen und die, wenn sie nicht ausreichend integriert sind, den gew\u00fcnschten sozialen und historischen Wandel verlangsamen oder verhindern k\u00f6nnen.<\/p>\n<h4><strong>Bildungsprozesse der Kommunikation f\u00fcr Gewaltfreiheit<\/strong><\/h4>\n<p>Ein zentraler Aspekt der Arbeit von Pressenza ist die F\u00f6rderung von Bildungsprozessen in Bezug auf Gewaltfreiheit und deren Umsetzung im Bereich der Kommunikation. Diese Ausbildung ist wesentlich, um ihre informativen Zwecke in angemessener Weise zu erf\u00fcllen, aber auch um Lernmethoden zu verbreiten und zu entwickeln, die dazu beitragen, eine humanistische Haltung als eine Art der zwischenmenschlichen und sozialen Beziehungen zu formen und zu festigen.<\/p>\n<p>Der Ausgangspunkt dieser Bildungsprozesse ist es, das Vorurteil zu zerstreuen, dass Gewalt Teil der menschlichen Natur ist, denn wenn dieses fixe Vorurteil bejaht wird, ist jede Anstrengung, es zu \u00fcberwinden, sinnlos. Wenn dieses sch\u00e4dliche Axiom Bestand hat, ist es schwierig zu akzeptieren, dass Menschen auch freundlich oder mitf\u00fchlend sein k\u00f6nnen, oder dass sie miteinander kooperieren k\u00f6nnen, da eine angeblich gewaltt\u00e4tige \u201eNatur\u201c eine solche Haltung verhindern w\u00fcrde. Aber wenn man akzeptiert, dass Menschen so oder so sein k\u00f6nnen, dann l\u00e4ge in ihrer \u201eNatur\u201c die M\u00f6glichkeit der Wahl und nicht die Gewalt.<\/p>\n<p>Die Behauptung, dass Gewalt dem menschlichen Verhalten immanent ist, und die Idee der menschlichen Natur selbst wurden benutzt, um Gr\u00e4ueltaten und Verbrechen zu rechtfertigen, basierend auf angeblich unterschiedlichen Naturen, klassifiziert durch eine angeblich vorherbestimmte Ordnung, deren moralistische Interpreten und unmoralische Auftraggeber sich in der Regel an die Spitze der Skala stellten.<\/p>\n<p>Zum Thema \u201emenschliche Natur\u201c ist es sinnvoll, dies mit einem kurzen Zitat von Silo zu illustrieren:<sup>[i]<\/sup><\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eDie Erweiterung des zeitlichen Horizonts des menschlichen Bewusstseins erm\u00f6glicht diesem eine verz\u00f6gerte Reaktion auf Reize und ihre Eingliederung in einen komplexen geistigen Raum, in dem \u00dcberlegungen, Vergleichst\u00e4tigkeiten und Schlussfolgerungen m\u00f6glich sind, die au\u00dferhalb der unmittelbaren Sinneswahrnehmung stattfinden.<\/em><\/p>\n<p><em>Mit anderen Worten: Beim Menschen gibt es keine menschliche \u00bbNatur\u00ab, es sei denn, wir betrachten diese \u00bbNatur\u00ab als eine von den Tieren abgrenzende F\u00e4higkeit, sich in Zeitr\u00e4umen au\u00dferhalb des Horizonts der unmittelbaren Sinneswahrnehmung zu bewegen. Oder anders gesagt: Wenn es etwas \u00bbNat\u00fcrliches\u00ab im Menschen gibt, dann nicht im mineralischen, pflanzlichen oder tierischen Sinn, sondern in dem Sinn, dass das Nat\u00fcrliche in ihm die Ver\u00e4nderung, die Geschichte, die Wandlung ist. <\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><em>Diese Idee der Ver\u00e4nderung vertr\u00e4gt sich nicht ganz mit der Idee der \u00bbNatur\u00ab und deshalb ben\u00fctzen wir dieses Wort lieber nicht, wie man es oft getan hat, womit man viele den Menschen zugef\u00fcgten Ungerechtigkeiten begr\u00fcndet hat.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Und in einer sp\u00e4teren Passage:<\/em><\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eUnd nun sind wir von der Idee der menschlichen Natur schon sehr weit entfernt. Wir sind beim Gegenteil angelangt. Ich will damit sagen: Wenn das Nat\u00fcrliche das Menschliche erstickt hatte durch eine Ordnung, die den Menschen mit der Vorstellung der Unverr\u00fcckbarkeit aufgezwungen wurde, sagen wir jetzt das Gegenteil: Das Nat\u00fcrliche muss menschlich gemacht werden, und dieses Humanisieren der Welt erhebt den Menschen zum Sch\u00f6pfer des Sinns, der Richtung, der Wandlung.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Aus dieser strukturellen Beziehung zwischen dem menschlichen Bewusstsein und der Welt, aus einem offensichtlichen Bed\u00fcrfnis im Menschen, die Bedingungen des Lebens zu ver\u00e4ndern, wird eine Konzeption konstruiert, die es uns erlaubt, dynamisch \u00fcber eine pers\u00f6nliche und soziale Evolution hin zu gewaltfreien Gesellschaften und sozialen Subjekten nachzudenken.<\/p>\n<p>So wie der Mensch in einer intimen und wechselseitigen Beeinflussung mit der ihn umgebenden Umwelt gedacht wird, so wird auch das Feld der menschlichen Innerlichkeit in einer st\u00e4ndigen Verbindung mit der umgebenden \u00c4u\u00dferlichkeit gew\u00fcrdigt.<\/p>\n<p>Deshalb arbeitet das Ein\u00fcben der gewaltfreien Haltung an der \u00dcberwindung pers\u00f6nlicher, zwischenmenschlicher und sozialer Faktoren, die Schmerz und Leid erzeugen, Faktoren, die sich durch ihre Projektion in innere und \u00e4u\u00dfere Gewalt r\u00fcckkoppeln.<\/p>\n<p>Einfacher ausgedr\u00fcckt: Wir hoffen, dass diese Art der Kommunikation durch Bildungsprozesse in der Praxis der Gewaltfreiheit und der Kommunikation auf beide Parteien in einem Dialog einwirkt und nicht nur diejenigen ver\u00e4ndert, die Informationen erhalten, sondern auch diejenigen, die sie produzieren.<\/p>\n<h4><strong>Pressenza\u2019s Strategien und Entwicklung<\/strong><\/h4>\n<p>Von Anfang an hat sich Pressenza auf Elemente des angesammelten Prozesses der Humanistischen Bewegung gest\u00fctzt \u2013 die Schulung, die ehrenamtliche Arbeit der Mitglieder und die M\u00f6glichkeit, Korrespondent*innen in verschiedenen L\u00e4ndern und Kulturen zu haben.<\/p>\n<p>Was die Freiwilligkeit betrifft, so ist diese nicht nur ein Merkmal einer zweifellos praktischen Ordnung, sondern erm\u00f6glicht auch die Zusammenarbeit von Hunderten von aktivistischen Kommunikator*innen und die Ausdehnung von Pressenza \u00fcber L\u00e4nder- und kulturelle Grenzen hinaus. Die freiwillige Haltung impliziert Gro\u00dfz\u00fcgigkeit und sich eine Lebensweise zu eigen zu machen, die sich den von einem niedertr\u00e4chtigen System auferlegten Werten widersetzt.<\/p>\n<p>\u00dcber das \u00dcberlebensbed\u00fcrfnis hinaus, das durch die gerechte Verteilung des gesellschaftlich Produzierten &#8211; das schon heute die Bed\u00fcrfnisse der gesamten Weltbev\u00f6lkerung bei weitem \u00fcbersteigt &#8211; perfekt erf\u00fcllt werden k\u00f6nnte, rebelliert der Humanismus gegen den Glauben, der allen Formen menschlicher Entfremdung zugrunde liegt: n\u00e4mlich, dass jeder produktiven Handlung eine monet\u00e4re Entlohnung entsprechen muss und diese daher eine zentrale Motivation f\u00fcr die Existenz ist.<\/p>\n<p>Gleichzeitig gibt die Freiwilligkeit der Agentur v\u00f6llige Handlungsfreiheit, und sie muss ihre redaktionelle Linie keinem festen oder wechselnden Sponsor anpassen.<\/p>\n<p>Was die internationale Pr\u00e4senz betrifft, so hat diese neben der Bedeutung, Informationen aus verschiedenen Kontinenten in derzeit 9 Sprachen bereitstellen zu k\u00f6nnen und die Veranstaltungen in einen globalen Kontext zu stellen, einen wesentlichen zus\u00e4tzlichen immateriellen Wert.<\/p>\n<p>Aufgrund der Verflechtung und des wachsenden Kontakts zwischen allen Kulturen befinden wir uns in der Gegenwart der ersten planetarischen Zivilisation der Menschheitsgeschichte. In Anbetracht dessen ist es notwendig, Verst\u00e4ndnis, Konvergenz und ein Gemeinschaftsgef\u00fchl zwischen den verschiedenen kulturellen Prozessen zu schaffen \u2013 ein Ziel, das Pressenza durch die Bereitstellung von Informationen \u00fcber den Reichtum der Vielfalt, die gewaltfreie L\u00f6sung von Konflikten, den geopolitischen Multilateralismus, die Wiedergutmachung von historischem Leid und die Vers\u00f6hnung zwischen den V\u00f6lkern verfolgt.<\/p>\n<p>In Zeiten sozialer Br\u00fcche und im gleichen Geist der Ann\u00e4herung an die S\u00e4ulen der Gewaltfreiheit und des Kampfes gegen alle Formen der Diskriminierung \u00f6ffnet die Agentur ihre T\u00fcren f\u00fcr eine betr\u00e4chtliche Anzahl von Mitarbeitenden, wobei ihre nationalen oder sprachlichen Redaktionen einen autonomen Charakter annehmen, der ihnen ein wichtiges Ma\u00df an Handlungsfreiheit gibt.<\/p>\n<p>Diese Eigenschaft der Autonomie erm\u00f6glicht es, redaktionelle Priorit\u00e4ten von lokaler, nationaler, regionaler oder sogar kultureller Relevanz zu setzen, die sich den Bed\u00fcrfnissen des Augenblicks anpassen, aber auch einen inneren Geist der versammelten Vielfalt zu schaffen, der zweifellos die Debatte und Vertiefung von Themen einschlie\u00dft, \u00fcber die es nicht unbedingt eine automatische redaktionelle \u00dcbereinstimmung gibt.<\/p>\n<p>In seiner Entwicklungsstrategie hat Pressenza kollaborative Beziehungen zu einer Achse seines Handelns gemacht. Die Schaffung und Aufrechterhaltung von Kommunikationsnetzwerken zusammen mit Medien und Agenturen aus allen Regionen der Welt schaffen die notwendigen Bedingungen, um die Manipulation von Informationen durch Agenturen, die den \u00f6ffentlichen Diskurs hegemonisieren, zu verdr\u00e4ngen und gleichzeitig neue gemeinsame Bedeutungen von Solidarit\u00e4t, Kooperation und Integration vorzuschlagen.<\/p>\n<h4><strong>Projektion<\/strong><\/h4>\n<p>W\u00e4hrend wir das Handwerk der Kommunikationsproduktion weiterhin \u00fcben und perfektionieren, stehen wir heute vor der gleichen Herausforderung wie all jene, die eine tiefgreifende und dauerhafte Revolution wollen, aus der eine neue Matrix von Beziehungen, eine neue soziale Organisation mit humanistischen Merkmalen und ein neuer Mensch hervorgehen.<\/p>\n<p>Diese Herausforderung besteht darin, einen dialogischen Kontakt mit gro\u00dfen Gruppen von Menschen herstellen zu k\u00f6nnen, die Schicht der Oberfl\u00e4chlichkeit zu durchdringen, die durch den Mangel an Bildung und Kommunikation eines grausamen kapitalistischen Systems verursacht wird, das heute versucht, sich durch neue Technologien neu zu erfinden.<\/p>\n<p>Die Herausforderung, diesen Dialog neuer Bedeutungen Wirklichkeit werden zu lassen, wird nicht nur durch die offensichtliche Verschlechterung der objektiven Situation, in der die Menschen heute leben, erleichtert, sondern auch durch die zunehmende Schw\u00e4chung der Paradigmen, die eine Art von sozialer Organisation unterst\u00fctzten, die nun obsolet ist.<\/p>\n<p>Angesichts der Ungewissheit und Instabilit\u00e4t, die diese Situation hervorruft, tauchen jedoch auch das R\u00fcckschrittliche, das Konservative als provisorische St\u00fctze und als illusorische Kompensation f\u00fcr die Unruhe der Situation auf.<\/p>\n<p>Die Menschheit braucht dringend neue Fundamente, auf denen sie ihren zuk\u00fcnftigen Horizont aufbauen kann, einen Horizont, von dem erwartet wird, dass er intensiv multikulturell und interkulturell sein wird, ein Horizont von Gleichheit, Vielfalt und Horizontalit\u00e4t zwischen Personen, Geschlechtern, V\u00f6lkern und Kulturen.<\/p>\n<p>Um dieses Bild Wirklichkeit werden zu lassen, besteht die Herausforderung darin, sich mit jener tiefgreifenden Antriebskraft zu verbinden, die den Menschen seit Anbeginn der Geschichte zwischen Zweifeln und Gewissheiten, zwischen Erfolgen und Irrt\u00fcmern hin zu unerreichbaren Utopien bewegt hat, die sp\u00e4ter zur vollen und unbestreitbaren Realit\u00e4t wurden.<\/p>\n<p>Um Freire zu zitieren:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eIndem sie sich im Prozess der Geschichtsschreibung als Subjekte und Objekte selbst machen und umgestalten, werden Frauen und M\u00e4nner zu Wesen der Einf\u00fcgung in die Welt und nicht der reinen Anpassung an die Welt und haben schlie\u00dflich im Traum auch einen Motor der Geschichte. Es gibt keine Ver\u00e4nderung ohne Traum, genauso wie es keinen Traum ohne Hoffnung gibt\u201c<sup>[ii]<\/sup>.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Und um Silo zu zitieren:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eDie Prophezeiung, die den Untergang der Welt ank\u00fcndigt, ist nutzlos und b\u00f6sartig. Ich bekr\u00e4ftige meine \u00dcberzeugung, dass der Mensch nicht nur weiterbestehen wird, sondern dass er grenzenlos wachsen wird. Und ich f\u00fcge hinzu, dass diejenigen, die das Leben verleugnen, jede Hoffnung \u2013 das pochende Herz der menschlichen Handlung \u2013 stehlen wollen.\u201c<sup>[iii]<\/sup><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Es lohnt sich also, es zu versuchen.<\/p>\n<p>Vielen Dank<\/p>\n<p><em>Video des Vortrages auf Spanisch:<\/em><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Javier Tolcachier: La comunicaci\u00f3n alternativa desde la experiencia de Pressenza\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/sWVBvf-k5CE?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p><em><strong> \u00dcbersetzt aus dem Englischen von Elena Heim, \u00fcberarbeitet von Reto Thumiger und Harald Freyer, alle drei vom ehrenamtlichen Pressenza-Team.<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/mitarbeiten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wir suchen Freiwillige!<\/a><\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><em>[i] Silo, Einiges \u00fcber das Menschliche, in: Silo Spricht, M. Uzielli Verlag<\/em><br \/>\n<em>[ii] Paulo Freire, Pedagogy of Hope, Bloomsbury<\/em><br \/>\n<em>[iii] Silo, Die Erde menschlich machen, Edition Pangea<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen des Diskussionszyklus \u00fcber alternative Kommunikation sprach der Herausgeber von Pressenza, Javier Tolcachier, \u00fcber die Kommunikationserfahrungen der Agentur. 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