{"id":1305516,"date":"2021-02-27T10:27:19","date_gmt":"2021-02-27T10:27:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1305516"},"modified":"2021-02-27T10:27:19","modified_gmt":"2021-02-27T10:27:19","slug":"der-lange-schatten-des-kolonialismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2021\/02\/der-lange-schatten-des-kolonialismus\/","title":{"rendered":"Der lange Schatten des Kolonialismus"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mitte November ist in der von Marokko besetzten Westsahara der Konflikt zwischen marokkanischem Milit\u00e4r und der sozialistischen Befreiungsbewegung Frente Polisario nach 29 Jahren Waffenstillstand erstmals wieder aufgeflammt.<\/strong><\/p>\n<article>Ein von der UN versprochenes, doch nie durchgef\u00fchrtes Unabh\u00e4ngigkeitsreferendum, dazu \u00fcber 50 Jahre Elend und Perspektivlosigkeit in den sahrauischen Gefl\u00fcchtetenlagern in Algerien und eine neokoloniale EU, die in Komplizenschaft mit der marokkanischen Besatzungsmacht illegal die Sch\u00e4tze der Westsahara ausbeutet \u2013 eine explosive Mischung, die den brodelnden Konflikt zu einem offenen Krieg eskalieren k\u00f6nnte. Die Westsahara ist ein nicht anerkannter Staat im Nordwesten Afrikas. Mit knapp 600.000 Einwohner*innen geh\u00f6rt der W\u00fcstenstaat von der Gr\u00f6sse Neuseelands zu den am d\u00fcnnsten besiedelten Orten der Welt. 1975 besetzte Marokko die Westsahara. Auf der UN-Liste der 17 weltweit letzten Kolonien ist die Westsahara die mit Abstand gr\u00f6sste und bev\u00f6lkerungsreichste. Sie ist die letzte Kolonie Afrikas.Marokko h\u00e4lt bis heute jene zwei Drittel im Westen des Landes besetzt, in denen rund 95 Prozent der Bev\u00f6lkerung leben \u2013 ein Grossteil davon \u00fcbersiedelte Marokkaner*innen, was ein Bruch der Genfer Konventionen darstellt, die es in Artikel 49 einer Besatzungsmacht verbieten, \u201eTeile ihrer eigenen Zivilbev\u00f6lkerung in das von ihr besetzte Gebiet\u201c umzusiedeln.Die sozialistische Befreiungsbewegung Frente Polisario kontrolliert von den Gefl\u00fcchtetenlagern im algerischen Tinduf aus das nahezu unbewohnte Drittel im Osten. Um das gegenw\u00e4rtige Aufflammen des Westsahara-Konflikts begreifen zu k\u00f6nnen, ist zun\u00e4chst ein Blick in die Geschichte vonn\u00f6ten.<\/p>\n<h3>Spielball der Imperialisten<\/h3>\n<p>Mit Beginn der Eroberungsz\u00fcge im 15. Jahrhundert schielten die Conquistadoren des spanischen Imperiums von den eroberten Kanaren aus auf die nahegelegene Westsahara, die sp\u00e4ter als Drehscheibe f\u00fcr den Sklavenhandel nach \u00dcbersee fungieren sollte. Im 18. Jahrhundert verschob sich das spanische Interesse dann prim\u00e4r auf die Ausbeutung der reichen Fischgr\u00fcnde vor der sahrauischen K\u00fcste. Als der europ\u00e4ische Imperialismus zum Ende des 19. Jahrhunderts \u2013 bis auf \u00c4thiopien und Liberia \u2013 den gesamten afrikanischen Kontinent unter sich aufteilte, konnte sich die spanische Krone auf der Berliner Konferenz (\u201eKongokonferenz\u201c) 1884\/85 zwei Landstriche im Norden und S\u00fcden von Marokko sowie die gesamte Westsahara einverleiben.<\/p>\n<p>Von Beginn an stiessen die Kolonialisten auf erbitterten Widerstand der indigenen sahrauischen St\u00e4mme. Es folgte eine Vielzahl an Aufst\u00e4nden, die Spanien alle \u2013 teils in Kollaboration mit Frankreich \u2013 blutig niederschlug. 1924 wurde die Westsahara formal zur Kolonie Spanisch-Sahara, die 1946 wiederum mit der in Marokko gelegenen Kleinstkolonie Ifni zu Spanisch-Westafrika vereint wurde.<\/p>\n<p>Nach Jahrhunderten europ\u00e4ischer und teils osmanischer Besatzung und Einflussnahme wurde Marokko im Jahr 1912 formal in ein franz\u00f6sisches und ein zweigeteiltes spanisches Protektorat aufgeteilt. 1956 sahen sich beide M\u00e4chte aufgrund des weltweit zunehmenden Trends zur Dekolonialisierung gezwungen, Marokko in die Unabh\u00e4ngigkeit zu \u201eentlassen\u201c, w\u00e4hrend die Westsahara spanisch besetzt blieb. 1973 gr\u00fcndeten zumeist ehemalige Student*innen mit der sozialistischen Frente Polisario eine Volksbewegung, die seit jeher die Unabh\u00e4ngigkeit der Westsahara anstrebt.<\/p>\n<p>Ende 1975 organisierte Marokkos K\u00f6nig Hassan II. im Gr\u00fcnen Marsch 350.000 Menschen, die \u2013 gefolgt und zum Teil bereits unterwandert von marokkanischem Milit\u00e4r \u2013 friedlich in die n\u00f6rdlichen Gebiete der Westsahara eindrangen und kurz nach dem Tod des Diktators Franco die spanischen Truppen endg\u00fcltig aus der Westsahara vertrieben: Der R\u00fcckzug aus \u201eSpanisch-Sahara\u201c kann damit als letzter Sargnagel des 500-j\u00e4hrigen spanischen Imperiums betrachtet werden.<\/p>\n<p>Die Sahrauis wurden hingegen von einer Besatzung in die n\u00e4chste getrieben. Denn nach vorherigen Absprachen zwischen Madrid, Rabat und Nouakchott wurden unter dem Madrider Abkommen noch vor dem Abzug der Spanier die n\u00f6rdlichen zwei Drittel der Westsahara von Marokko und das s\u00fcdliche Drittel von Mauretanien besetzt. Unterst\u00fctzt von Algerien startete die sahrauische Befreiungsbewegung Frente Polisario einen Guerrillakrieg gegen die beiden Besatzungsm\u00e4chte und rief 1976 die Demokratische Arabische Republik Sahara (DARS) aus.<\/p>\n<p>Die DARS wurde von 86 L\u00e4ndern offiziell anerkannt, heute sind es noch 36 Staaten \u2013 darunter kein einziges Land im Globalen Norden, jedoch neben Algerien weitere afrikanische Schwergewichte wie \u00c4thiopien, Nigeria und S\u00fcdafrika sowie dem westlichen Imperialismus tendenziell abgeneigte Staaten wie Iran, Kuba, Mexiko, Nordkorea, Syrien und Venezuela. (1) Auch die Afrikanische Union (AU) erkennt die DARS als die einzig legitime Vertretung der Menschen in der Westsahara an. 1984 wurde die DARS Mitglied der AU, woraufhin Marokko die Organisation aus Protest verliess und bis zum Wiedereintritt 2017 f\u00fcr 33 Jahre das einzige Land auf dem Kontinent war, das kein Mitglied der panafrikanischen Organisation war.<\/p>\n<h3>Napalm und weisser Phosphor \u2013 die Flucht nach Algerien<\/h3>\n<p>Nach drei Kriegsjahren sah sich 1979 die mauretanische Regierung aufgrund des sahrauischen Widerstands und von Guerrillaangriffen der Polisario in Kern-Mauretanien gezwungen, sich aus der s\u00fcdlichen Westsahara zur\u00fcckzuziehen. Die befreiten Teile wurden von Marokko umgehend erneut besetzt. Der Krieg der Polisario gegen die Besatzungsmacht Marokko sollte sich noch bis zum UN-mediierten Waffenstillstand 1991 in die L\u00e4nge ziehen.<\/p>\n<p>In den 1980ern kesselte das marokkanische Milit\u00e4r die jeweils eroberten Gebiete sukzessive mittels eines heute rund 2.700 Kilometer langen Walls ein, an dem in wenigen Kilometern Abstand Wachposten oder Milit\u00e4rbasen errichtet wurden und der das l\u00e4ngste durchgehend verminte Gebiet der Welt darstellt. Die Sahrauis nennen ihn den \u201eWall der Schande\u201c. Die Sperranlage trennt die marokkanisch besetzten Gebiete \u2013 zwei Drittel der Fl\u00e4che der Westsahara, in denen rund 95 Prozent der Sahrauis leben \u2013 von den d\u00fcnn bis gar nicht besiedelten Gebieten unter Kontrolle der DARS-Regierung. In dieser sogenannten Freien Zone leben auf einer Fl\u00e4che der Gr\u00f6sse Portugals gerade einmal 30.000 Menschen. (2)<\/p>\n<p>\u201eAlle verhalten sich wie R\u00e4uber\u201c, klagt Nadjat Hamdi an. Die Polisario musste schmerzlich erkennen, dass europ\u00e4isches Recht nicht in der Lage ist, Gerechtigkeit herzustellen, sondern dass die EU als neokolonialer Akteur einzig der Interessensvertretung europ\u00e4ischer Konzerne dient.<\/p>\n<p>Im Zuge des Krieges flohen die Sahrauis ab 1976 in Gefl\u00fcchtetenlager im Osten der Westsahara. Als die marokkanische Luftwaffe diese Camps in S\u00e4uberungsoperationen mit Napalm und weissem Phosphor bombardierte, flohen die Menschen weiter ins angrenzende Algerien. In den dortigen Lagern in der Tinduf-Provinz befinden sich bis heute das Hauptquartier der Frente Polisario und die DARS-Exilregierung. In den algerischen Camps leben heute rund 174.000 Sahrauis \u2013 unter h\u00e4rtesten Bedingungen w\u00e4chst hier die dritte Generation als Gefl\u00fcchtete auf. (3)<\/p>\n<p>Als Teil des Waffenstillstands wurde vor bald 30 Jahren im April 1991 die UN-Mission MINURSO ins Leben gerufen, die ein Unabh\u00e4ngigkeitsreferendum \u00fcber die Westsahara organisieren soll (sp\u00e4ter auch die Kontrolle des Waffenstillstands und der Demilitarisierung des Gebiets). Das Referendum soll den Sahrauis die Wahl zwischen Integration in den marokkanischen Staat, Autonomie oder Unabh\u00e4ngigkeit lassen, fand bis heute jedoch nicht statt, da Marokko Konflikte um dessen Durchf\u00fchrung konstruiert und diese so dauerhaft verhindert. Selbstentz\u00fcndung als letzter Protest<\/p>\n<p>Im s\u00fcdwestlichsten Zipfel der marokkanisch besetzten Westsahara liegt das Dorf Guerguerat, das f\u00fcnf Kilometer vom Atlantik und elf von Mauretanien entfernt von hoher strategischer Bedeutung ist. F\u00fcr Marokko ist es der einzige Transit nach Mauretanien: \u201eMarokko will sich jetzt mehr nach Westafrika orientieren, um seine Waren dort zu verkaufen, und hat deswegen bei Guerguerat den Sperrwall ge\u00f6ffnet und eine Handelsroute errichtet\u201c, erkl\u00e4rt Nadjat Hamdi, die Vertreterin der Frente Polisario in Deutschland im Gespr\u00e4ch mit der Graswurzelrevolution (GWR). (4) Diese bereits seit Beginn der 2000er Jahre geplante Strasse soll zur marokkanischen Handelsader nach Sub-Sahara-Afrika ausgebaut werden. 2019 hat sich der Warenumschlag durch Guerguerat im Vergleich zum Vorjahr bereits verdreifacht.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Polisario ist diese strategische Achillesferse Marokkos \u2013 die Blockade des \u00dcbergangs also \u2013 wiederum eines der wenigen Mittel, um Druck auf Rabat aufbauen zu k\u00f6nnen. Marokkos Sperrwall trennt entlang der mauretanischen Grenze einen wenige Kilometer breiten Streifen ab, der als Pufferzone fungiert, in der nach dem Friedensabkommen von 1991 genau wie nach dem Milit\u00e4rabkommen Nr. 1 von 1997\/98 jede milit\u00e4rische Pr\u00e4senz verboten ist. Doch im August 2016 drangen marokkanische Sicherheitskr\u00e4fte in die demilitarisierte Zone ein, um den Strassenbau zu \u00fcberwachen und brachen damit beide Abkommen. Die Polisario griff daraufhin ein, um das marokkanische Milit\u00e4r zu stoppen. (5)<\/p>\n<p>Um gegen diesen Bruch des Abkommens seitens Marokko zu protestieren, wurde die Handelsroute seit 2017 durch sahrauische Zivilist*innen, denen der Zugang zur Pufferzone v\u00f6lkerrechtlich gestattet ist, mehrfach blockiert. Die marokkanische Polizei reagierte teils mit Gewalt und Entf\u00fchrungen auf die Protestierenden, w\u00e4hrend die UN Marokko in Sachen Repression gegen die Sahrauis im Grunde stets freie Hand liess. Vonseiten der UN und ihres Sondergesandten, des ehemaligen IWF-Direktor und Bundespr\u00e4sidenten Horst K\u00f6hler, der das Amt von August 2017 bis Mai 2019 innehatte, war kein Widerspruch gegen diesen V\u00f6lkerrechtsbruch Marokkos vernehmbar. Am 27. Januar 2019 blockierte der 24-j\u00e4hrige sahrauische Kaufmann Ahmed Salem Ould Ahmed Lemgheimadh den Warenverkehr bei Guerguerat und setzte sich aus Protest gegen Polizeiwillk\u00fcr und die marokkanische Besatzung selbst in Brand. Drei Tage sp\u00e4ter erlag der junge Sahraui seinen Verletzungen. (6) 30 Jahre Gewaltfreiheit, ergebnislos<\/p>\n<p>Ende September 2020 machten sich Dutzende unbewaffnete Zivilist*innen aus den algerischen Lagern auf den 1.500 Kilometer langen Weg nach Guerguerat entlang des verminten Sperrwalls und liessen sich ab Mitte Oktober zun\u00e4chst in der Pufferzone bei Guerguerat nieder. Parallel organisierten die Sahrauis erste Sitzstreiks und Demonstrationen vor dem Sperrwall in Sichtweite des marokkanischen Milit\u00e4rs und der MINURSO-Truppen.<\/p>\n<p>Ab Ende Oktober besetzten rund 60 Aktivist*innen f\u00fcr mehr als drei Wochen die wichtige Handelsroute nach Mauretanien mit dem Ergebnis, dass rund 200 vorwiegend mit Lebensmitteln beladene marokkanische Trucks von Mauretanien an der Weiterfahrt nach Norden gehindert wurden. (7) Die Zivilist*innen waren friedlich und unbewaffnet. \u201eDa waren haupts\u00e4chlich Frauen und junge M\u00e4nner. Es gab dort kein sahrauisches Milit\u00e4r. Das waren Zivilisten aus den Fl\u00fcchtlingslagern und aus den befreiten Gebieten\u201c, so Polisario-Vertreterin Nadjat Hamdi.<\/p>\n<p>Doch Anfang November brachten sich marokkanische Truppen im Sperrgebiet in Stellung und brachen am 13. November schliesslich in die Pufferzone ein, was wiederum einen V\u00f6lkerrechtsbruch darstellt und unter den Augen der MINURSO-Einheiten geschah. Die Blockade sollte aufgel\u00f6st und der freie Warenverkehr wiederhergestellt werden.<\/p>\n<p>Die marokkanischen Truppen fuhren \u201eeinen brutalen Angriff auf unbewaffnete sahrauische Zivilisten, die friedlich in Guerguerat demonstrierten\u201c, heisst es in einem Brief des sahrauischen Pr\u00e4sidenten Brahim Ghali an UN-Generalsekret\u00e4r Ant\u00f3nio Guterres. (8) Truppen der Polisario intervenierten, um die Aktivist*innen in Sicherheit zu bringen, wobei es zu Konfrontationen mit marokkanischen Sicherheitskr\u00e4ften kam; der sahrauische Aussenminister Mohamed Salem Ould Salek spricht von \u201elegitimer Selbstverteidigung\u201c. (9)<\/p>\n<p>\u201eNat\u00fcrlich haben sie die Zelte und andere Sachen in Brand gesteckt\u201c, beschreibt Nadjat Hamdi der GWR die folgenden Verw\u00fcstungen marokkanischer Truppen. Hamdi weiter: \u201eDie haben nicht nur die Zivilisten vertrieben, sondern auch einen neuen Teil des Landes besetzt und die marokkanische Mauer verl\u00e4ngert. Und das konnten sie nur machen, weil sie wissen, dass die UN nichts tun w\u00fcrde.\u201c Auch der in der Westsahara aktive Fotojournalist Elli Lorz berichtete von der Verl\u00e4ngerung der Mauer und der sofortigen Verminung des umliegenden Gebiets, wodurch der Zugang der Sahrauis zum Atlantik nun im Grunde vollst\u00e4ndig gekappt ist. (10)<\/p>\n<p>Einen Tag sp\u00e4ter erkl\u00e4rte die Polisario am 14. November dem K\u00f6nigreich Marokko den Krieg und k\u00fcndigte damit nach 29 Jahren den Waffenstillstand auf. In den folgenden Tagen griff die Polisario nach eigenen Angaben an mehreren Stellen entlang des 2.700 Kilometer langen Sperrwalls marokkanische Stellungen an, die das Feuer erwiderten. (11)<\/p>\n<p>Es gibt keine offiziellen Angaben zu Get\u00f6teten oder Verletzten. Nadjat Hamdi best\u00e4tigt der GWR die Angriffe der Polisario \u00fcber den Sperrwall hinweg und erkl\u00e4rt, dass es auf Seiten der Sahrauis w\u00e4hrend der j\u00fcngsten Welle der Gewalt keine Todesopfer zu beklagen gab. Die Gefechte seien nicht beendet, sondern w\u00fcrden weiter anhalten, \u201edie werden eskalieren. [\u2026] Da bin ich mir sicher, das ist nur der Anfang.\u201c<\/p>\n<p>Nadjat Hamdi beschreibt im Gespr\u00e4ch, wie die Frente Polisario vor 30 Jahren ganz bewusst die Gewaltfreiheit w\u00e4hlte, um den Befreiungskampf der Sahrauis mit friedlichen Mitteln zum Erfolg zu bringen. So w\u00e4hlte die Polisario etwa den Weg des Rechts und verklagte erfolgreich die EU darauf, dass deren Freihandelsabkommen mit Marokko nicht die besetzten sahrauischen Gebiete umfassen d\u00fcrfe. (12) Doch was k\u00fcmmert Siemens, Continental oder HeidelbergCement ein Urteil des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs?<\/p>\n<p>Die EU und allen voran deutsche Konzerne beuten auch weiterhin illegal die Rohstoffe der Westsahara aus, die Fischgr\u00fcnde, Phosphat, Erze, Wassermelonen, Sand, Wind oder Tomaten. \u201eAlle verhalten sich wie R\u00e4uber\u201c, klagt Nadjat Hamdi an. Die Polisario musste schmerzlich erkennen, dass europ\u00e4isches Recht nicht in der Lage ist, Gerechtigkeit herzustellen, sondern dass die EU als neokolonialer Akteur einzig der Interessensvertretung europ\u00e4ischer Konzerne dient. 30 Jahre gewaltfreier Kampf sind gescheitert. Nadjat Hamdi:<\/p>\n<p>\u201e30 Jahre geduldig zu warten, heisst sehr viel. Das ist eine ganze Generation, die unter schwierigen Bedingungen in Fl\u00fcchtlingslagern aufgewachsen ist. 30 Jahre Ausbeutung, 30 Jahre Flucht, 30 Jahre Elend. Wir haben nat\u00fcrlich weiter gek\u00e4mpft, mit anderen Mitteln, politisch, diplomatisch, juristisch, aber nicht milit\u00e4risch. Doch das hat alles nichts gebracht. Und jetzt werden wir auch den bewaffneten Kampf als legitimes Mittel einsetzen, um unser Land zu verteidigen und zu befreien. Wir verherrlichen den Krieg nicht, denn wir haben ihn ja erlebt und wissen, was das bedeutet. Wir wollen den Krieg nicht, doch zum zweiten Mal werden wir dazu gezwungen.\u201c<\/p>\n<\/article>\n<p class=\"author\">Jakob Reimann \/ Artikel aus: Graswurzelrevolution Nr. 456, Februar 2021, www.graswurzel.net<\/p>\n<p class=\"fussnoten\"><strong>Fussnoten:<\/strong><\/p>\n<p>(1) Wikipedia-Eintrag: Internationale Anerkennung der Demokratischen Arabischen Republik Sahara.<\/p>\n<p>(2) J\u00f6rg Tiedjen, junge Welt, 25. November 2020: K\u00f6nig am Zug.<\/p>\n<p>(3) terre des homme schweiz: Western Sahara \u2013 The last colony in Africa.<\/p>\n<p>(4) Interview des Autors mit Nadjat Hamdi am 6. Januar 2021.<\/p>\n<p>(5) Viele Hintergr\u00fcnde zum Brennpunkt Guerguerat, vgl. Elli Lorz, Mediapart, 4. Dezember 2020: Guerguerat \u2013 Chronik eines Versagens.<\/p>\n<p>(6) Sahara Press Service, 3. Februar 2019: Young Sahrawi sets himself on fire at Guerguerat crossing.<\/p>\n<p>(7) Arab News, 7. November 2020: Moroccan truckers stuck on Mauritania border urge help.<\/p>\n<p>(8) Associated Press, Edith M. Lederer, November 13, 2020: UN chief vows to do utmost to keep Western Sahara cease-fire.<\/p>\n<p>(9) Middle East Eye, 13. November 2020: Ceasefire declared over as Morocco launches Western Sahara military operation.<\/p>\n<p>(10) Vgl. (5).<\/p>\n<p>(11) New York Times, Abdi Latif Dahir, 14. November 2020: Western Sahara Independence Group Ends Truce With Morocco.<\/p>\n<p>(12) Deutschlandfunk, Charlotte Bruneau, Stephanie Rhode, 26. September 2016: Handel mit Afrikas letzter Kolonie.<\/p>\n<div id=\"artikel_footer\">\n<div id=\"social_share\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mitte November ist in der von Marokko besetzten Westsahara der Konflikt zwischen marokkanischem Milit\u00e4r und der sozialistischen Befreiungsbewegung Frente Polisario nach 29 Jahren Waffenstillstand erstmals wieder aufgeflammt. 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