{"id":1291347,"date":"2021-02-04T17:14:35","date_gmt":"2021-02-04T17:14:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1291347"},"modified":"2021-02-04T17:14:35","modified_gmt":"2021-02-04T17:14:35","slug":"sind-20-jahre-gar-nichts-oder-wird-das-weltsozialforum-wiederbelebt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2021\/02\/sind-20-jahre-gar-nichts-oder-wird-das-weltsozialforum-wiederbelebt\/","title":{"rendered":"Sind 20 Jahre gar nichts oder wird das Weltsozialforum wiederbelebt?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Es ist nicht leicht, denjenigen, die es nicht erlebt haben, zu beschreiben, wie die Welt zu Beginn des Jahrtausends aussah, vor zwei Jahrzehnten, als die digitale Technologie in den Startl\u00f6chern stand, und das Licht der Hoffnung schien hinter dem Leitspruch &#8222;Eine andere Welt ist m\u00f6glich&#8220; im Kampf gegen den Neoliberalismus und die kapitalistische Globalisierung zu leuchten.<\/strong><\/p>\n<p>Vor zwei Jahrzehnten fielen einige Ereignisse zusammen, die den einsetzenden Fortschritt Lateinamerikas am Anfang des Jahrtausends zeigten. In der letzten Januarwoche des Jahres 2001 versammelten sich mehr als zw\u00f6lftausend Menschen in der s\u00fcdbrasilianischen Stadt Porto Alegre zum ersten Weltsozialforum, dem Gegenst\u00fcck zum Weltwirtschaftsforum (WEF), auch Davos-Forum genannt, wo sich die wichtigsten Wirtschaftsf\u00fchrer, konservative Politiker sowie unterw\u00fcrfige Journalisten und Intellektuelle treffen, um den Rhythmus der Weltwirtschaft zu bestimmen.<\/p>\n<p>Es waren Momente der Aufregung, der Wiedergeburt des Kampfes, voll roter Flaggen. Momente, in denen die Notwendigkeit daf\u00fcr erkannt wurde, das kritische Denken zu verj\u00fcngen und konkrete, gemeinsame und geteilte Ziele zu haben.<\/p>\n<p>Mit dem neuen Jahrhundert beginnen wir, unsere alten Tr\u00e4ume wiederzubeleben (der Kampf bleibt stets derselbe) und auf das Weltsozialforum in der s\u00fcdlichen Stadt Porto Alegre zu hoffen, wo Denker*innen, Arbeiter*innen, soziale Bewegungen, zivile Organisationen, Gewerkschaften, Studierende, Landwirt*innen, Akademiker*innen&#8230; und sogar Politiker*innen zusammenkamen, obwohl die Veranstaltung in Teilen von der Opposition organisiert wurde.<\/p>\n<p>Bereits im ersten WSF, innerhalb dieser f\u00fcnf wenigen Tage (zwischen dem 25. und 30. Januar 2001), die unsere Linke (oder den anti-neoliberalen Progressivismus, wenn man das bevorzugt) erwachen lie\u00dfen, wurde die neue souver\u00e4ne Agenda der V\u00f6lker diskutiert, debattiert, vereinbart &#8211; die verschiedenen Wege, die uns darauf hoffen lie\u00dfen, wenn auch nur f\u00fcr ein paar Jahre, dass diese andere notwendige Welt auch m\u00f6glich war.<\/p>\n<p>Am gleichen Tag wie die Er\u00f6ffnung des ersten Weltsozialforums, am 25. Januar 2001, begann das Portal Carta Maior mit seinem Kampf f\u00fcr Demokratie in der Information, f\u00fcr demokratische Werte und f\u00fcr eine egalit\u00e4rere und gerechtere Gesellschaft.<\/p>\n<p>In Venezuela regierte bereits Hugo Chavez (seit 1999, nachdem er die Wahlen mit 56% der Stimmen gewonnen hatte) und setzte strukturelle Reformen auf dem Weg zu einer bolivarischen partizipativen Demokratie durch, mit einer neuen Verfassung, mit der tats\u00e4chlichen Verstaatlichung des \u00d6ls und der Verteilung der Einnahmen durch \u00f6ffentliche und soziale Wohlfahrtsprogramme (Missionen).<\/p>\n<p>W\u00e4hrenddessen deutete sich in Brasilien die Pr\u00e4sidentschaftskandidatur von Lula an, einem Metallarbeiterf\u00fchrer an der Spitze der Arbeiterpartei. Wichtig ist, dass es seit dem ersten WSF immer wieder Debatten \u00fcber Macht sowie die Mittel und Wege, sie zu erlangen und auszu\u00fcben, gegeben hat.<\/p>\n<p>Das zweite WSF, ebenfalls in Porto Alegre, vom 22. Januar bis 5. Februar 2002: Mehr als 12.000 Delegierte, die Menschen aus 123 L\u00e4ndern repr\u00e4sentierten und 60.000 Besucher. Es fanden 652 Workshops und 27 Konferenzen statt.<\/p>\n<p>In nur wenig mehr als einem Jahr ver\u00e4nderte sich die weltpolitische Szene durch den offenen Widerstand gegen die Politik und die negativen sozialen Folgen der neoliberalen wirtschaftlichen Globalisierung, genauso wie gegen die entscheidende Rolle, die die wichtigsten internationalen Institutionen und Agenturen dabei spielen.<\/p>\n<p>Bestehend aus alten und neuen sozialen Bewegungen, NGOs, zivilgesellschaftlichen Aktionsnetzwerken und politischen und sozialen Kollektiven mit den unterschiedlichsten Vorstellungen, Interessen, Identit\u00e4tssignalen und Ressourcen, gelang es dem sich formierenden transnationalen Aktivismus, die Kartographie der Politik neu zu gestalten und selbst vom wirtschaftlichen und politischen Establishment politische Anerkennung zu gewinnen. Zu verdanken war dies der Legitimit\u00e4t, die Massendemonstrationen, alternative Foren und Kampagnen erlangten, wie z.B. der Erlass der Auslandsschulden der Entwicklungsl\u00e4nder.<\/p>\n<p>In den K\u00f6pfen geblieben sind uns ebenso die Demonstrationen gegen den Gipfel der Welthandelsorganisation in Seattle, im Herzen des Imperiums (29. November bis 3. Dezember 1999), wo es mehr als 40.000 Menschen, haupts\u00e4chlich aus Gewerkschaften und Umweltschutzorganisationen sowie fachlichen, l\u00e4ndlichen und einfachen b\u00fcrgerlichen Kreisen, gelang, die sogenannte \u201eMillennium-Runde\u201c zu Fall zu bringen, was als Beginn der neuen Etappe f\u00fcr die Antiglobalisierungsbewegung bezeichnet werden sollte.<\/p>\n<p>Seattle bildete den H\u00f6hepunkt eines m\u00fchsamen Prozesses fortschrittlicher und auch prek\u00e4rer Konvergenzen zwischen zahlreichen Netzwerken, Organisationen, Bewegungen und Mobilisierungen, gespeist von den europ\u00e4ischen Demonstrationen gegen Arbeitslosigkeit und dem ersten Interkontinentalen Treffen f\u00fcr Menschlichkeit gegen den Neoliberalismus, zu dem der Zapatismus (mexikanische Revolutionsbewegung) aufgerufen hatte.<\/p>\n<p>Die in Seattle erreichte breite F\u00e4higkeit zur sozialen Mobilisierung wiederholte sich in Quebec und Genua und zeigte eine heterogene, globale, nicht-doktrin\u00e4re Bewegung, die es schaffte, Verbindungen zur \u00f6ffentlichen Meinung herzustellen, indem sie verschiedene Themen und Anliegen um zwei grundlegende Achsen herum aufgriff: Die Ablehnung der Umwandlung aller menschlichen Aktivit\u00e4ten in Waren und die Forderung nach Demokratie angesichts der gest\u00e4rkten Macht der M\u00e4rkte.<\/p>\n<h4><strong>Zur\u00fcck zum Weltsozialforum<br \/>\n<\/strong><\/h4>\n<p>Zwischen dem zweiten und dritten Forum ereignete sich am 2. April 2002 ein Staatsstreich in Venezuela, der von der Bev\u00f6lkerung gestoppt wurde, welche Ch\u00e1vez wieder in den Pr\u00e4sidentenpalast setzte. In den Putsch, der die Demokratisierung und Sozialisierung abzubrechen versucht hatte, waren der gesamte rechte Fl\u00fcgel sowie die Polizei- und Milit\u00e4rkommandanten verwickelt. Er hatte die ausdr\u00fcckliche Unterst\u00fctzung der Regierungen der Vereinigten Staaten und Spaniens.<\/p>\n<p>Das dritte WSF fand wieder in Porto Alegre statt, im Januar 2003, als Lula bereits Pr\u00e4sident war und N\u00e9stor Kichner als Kandidat der peronistischen Erneuerungsbewegung in Argentinien antrat. Es gab viele parallel laufende Workshops, darunter z.B. der Workshop &#8222;Leben jenseits des Kapitalismus&#8220;, der eine Diskussion anregte, die sich auf die partizipativen M\u00f6glichkeiten verschiedener Aspekte sozialer, politischer, wirtschaftlicher und kommunikativer Strukturen konzentrierte. Dort wurden mehrere Panels zum Thema Kommunikation und Demokratie und popul\u00e4re Kommunikation pr\u00e4sentiert (die Veranstaltung wurde sogar von einem Pool verschiedener Kollektive abgedeckt).<\/p>\n<p>Obwohl das Internationale Komitee des WSF eine gewisse Zur\u00fcckhaltung \u00e4u\u00dferte, wurde der venezolanische Pr\u00e4sident von der Central Unica dos Trabalhadores (CUT) und dem Movimiento dos Sem-Terra (MST) sowie von der Partido Socialismo e Liberdade (PSOL) eingeladen, an Aktivit\u00e4ten parallel zum WSF teilzunehmen.<\/p>\n<p>Ch\u00e1vez versicherte, das WSF arbeite an einer Alternative zum neoliberalen und unmenschlichen Modell auf, das unseren Planeten zu zerst\u00f6ren droht. &#8222;Wenn wir dem Neoliberalismus kein Ende setzen, wird der Neoliberalismus uns ein Ende setzen&#8220;, sagte er im Amphitheater der Legislativversammlung in Porto Alegre, umgeben von F\u00fchrungspersonen der brasilianischen und regionalen Linken.<\/p>\n<p>Und so nahm das Forum, obwohl einige seiner &#8222;F\u00fchrer&#8220; es nicht guthie\u00dfen, \u201eRattenf\u00e4nger\u201c in seine Reihen auf &#8211; jenseits der Intellektuellen \u2013 solche, die die Massen herbeiriefen, wie Jos\u00e9 Samanago und Eduardo Galeano, oder die Figur des achtzigj\u00e4hrigen belgischen Exkursionisten Francois Houtart, Gr\u00fcnder des Tricontinental Centers, der eilig von Forum zu Versammlung schritt, voll mit B\u00fcchern in den H\u00e4nden.<\/p>\n<p>Dort, erinnert sich Flavio Aguiar, wurden, wie wir Jahrzehnte sp\u00e4ter sahen, viele der Wege festgelegt, die uns einen Blick auf diese &#8222;andere m\u00f6gliche Welt&#8220; erm\u00f6glichten. Ch\u00e1vez, Lula, Evo, Correa, Fernando Lugo, Pepe Mujica, unter anderen, durchliefen die Ausgaben des WSF und konstruierten die Schritte einer souver\u00e4nen Agenda auf dem Kontinent.<\/p>\n<p>Und in Erinnerung bleibt uns die Veranstaltung im Gigantinho, wo sie sich alle, mit dem Mikrofon in der Hand von der zentralen B\u00fchne aus, zu K\u00fcnstler*innen und Publikum gesellten und gemeinsam mit ihnen die bekannten Lieder unseres America Lapobre sangen.<\/p>\n<h4><strong>Media Watch Global und Telesur<\/strong><\/h4>\n<p>Als Ergebnis einiger Schlussfolgerungen des Forums 2002 wurde auf dem Forum 2003 das Media Watch Global vorgestellt, das ohne Zensur die Vorherrschaft der Ethik im Journalismus erreichen und die Manipulation von Informationen oder Politik durch die Mainstream-Medien verhindern soll.<\/p>\n<p>\u201eDenkt nicht, dass politische Manipulation nur ein Problem der Dritten Welt ist\u201c, sagte der Gr\u00fcnder von Inter Press Service, Roberto Savio &#8211; neben dem Direktor von Le Monde diplomatique, Ignacio Ramonet, und dem Direktor von Carta Maior, Joaquim Palhares, einer der Promotoren der neuen Organisation. Es wurde angek\u00fcndigt, dass das Unternehmen seinen Hauptsitz in Paris haben wird und zumindest Zweigstellen in Venezuela und Brasilien.<\/p>\n<p>Etwa zwanzig Journalist*innen und Aktivist*innen der Altermondialismusbewegung reisten sofort nach Caracas, wo das venezolanische Chapter gegr\u00fcndet wurde (angef\u00fchrt von der Zeitschrift Question), das sich entwickelte und Medienbeobachtungen w\u00e4hrend Pr\u00e4sidentschaftswahlen koordinierte \u2013 beispielsweise in Bolivien, Chile, Nicaragua, El Salvador und Venezuela.<\/p>\n<p>Eine der gr\u00f6\u00dften Sorgen derjenigen Medienschaffenden von uns, die am WSF teilgenommen haben, war dessen mangelnde Verbreitung, die nicht nur \u00fcber die Foren, die Teilnehmer, die Agenda und ihre Schlussfolgerungen erreicht wurde.<\/p>\n<p>In den Kommunikationsforen begannen wir \u00fcber die Notwendigkeit zu sprechen, einen lateinamerikanisch-karibischen Fernsehsender zu haben, um die Welt vom S\u00fcden aus sehen zu k\u00f6nnen und das Projekt unter die Leute zu bringen, das aus der Versammlung der lateinamerikanischen Journalistenvereinigung in Havanna resultiert war und das schlie\u00dflich, einige Jahre sp\u00e4ter, Telesur hei\u00dfen w\u00fcrde.<\/p>\n<h4><strong>Sozialismus, nicht den Feind verkennen <\/strong><\/h4>\n<p>Das WSF kehrte im Januar 2005 nach Porto Alegre zur\u00fcck (nach einer Reise nach Bombay im Jahr 2004), und Ch\u00e1vez war die gro\u00dfe Attraktion f\u00fcr die Tausenden von Teilnehmenden, die die Pl\u00e4tze im und um das Gigantinho-Stadion f\u00fcllten. Es war vielleicht das Forum, das uns am st\u00e4rksten im Ged\u00e4chtnis geblieben ist: Das, bei dem Ch\u00e1vez der bolivarischen Revolution eine Wendung gab, als er sich offen f\u00fcr den Sozialismus aussprach und damit viele \u00fcberraschte.<\/p>\n<p>Bei seinem zweiten Besuch eines WSF-Treffens in Porto Alegre betonte Ch\u00e1vez, dass es ein neues Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis in Lateinamerika und der Welt gebe und dass die USA ihren Willen nicht mehr durchsetzen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Ebenfalls auf diesem Forum setzte Ch\u00e1vez dem Unbehagen vieler Aktivist*innen gegen Lula ein Ende. Er machte sie auf einen Gesetzesentwurf f\u00fcr die gewerkschaftliche Reform der brasilianischen Regierung und Lulas Entscheidung, ebenfalls am Davoser Forum teilzunehmen, aufmerksam: \u201eVerkennen Sie den Feind nicht: Lula ist ein Partner, ein Gef\u00e4hrte in diesem Kampf\u201c.<\/p>\n<p>Einige Tage sp\u00e4ter verteidigte Ch\u00e1vez im Ateneo-Theater (heute ND) in Buenos Aires (wohin er aus Porto Alegre angereist war) auch Nestor Kirchner, von einigen Anwesenden ausgebuht, und appellierte an Martin Fierro: \u201eBr\u00fcder, seid vereint, dies ist das erste Gesetz\u201c. Er betonte die Notwendigkeit, sich dar\u00fcber klar zu werden, wer der Feind ist, und sich f\u00fcr Einheit mit dem Ziel der Integration einzusetzen.<\/p>\n<h4><strong>Free Trade Area of the Americas \u2013 No (FTAANo)<\/strong><\/h4>\n<p>In Porto Alegre fand sich \u201eNein zum FTAA\u201c zusammen, eine breite politisch-soziale Bewegung, die von Regierungen, politischen Parteien, Gewerkschaften und sozialen Organisationen aus ganz Amerika getragen wird, um sich dem US-Projekt des &#8222;Free Trade Area of the Americas&#8220; (FTAA, span. ALCA) entgegenzustellen.<\/p>\n<p>Die Bewegung wandte sich gegen die Herrschaft des Freihandels als Regulator der internationalen Beziehungen mit dem Argument, sie f\u00f6rdere Ungleichheit und Armut, und schlug stattdessen eine internationale Ordnung vor, die auf Kriterien basiert, die Asymmetrien abbauen w\u00fcrden, wie etwa fairer Handel, regionale und subregionale wirtschaftliche Integration und produktive Komplementierung.<\/p>\n<p>Am 5. November 2005, als der IV. Gipfel der Amerikas in der argentinischen K\u00fcstenstadt Mar del Plata zusammentrat, um den FTAA auf den Weg zu bringen, kam es zu einer historischen Konfrontation zwischen den Regierungen, die das Abkommen verteidigten, angef\u00fchrt von US-Pr\u00e4sident George Bush, und denen, die dagegen waren, angef\u00fchrt von den Pr\u00e4sidenten Lula da Silva, N\u00e9stor Kirchner und Hugo Ch\u00e1vez, die die endg\u00fcltige L\u00e4hmung des FTAA bewirkten.<\/p>\n<p>Telesur war bereits auf Sendung und verhinderte, dass das OAS-Treffen ungesehen blieb (wie k\u00f6nnten wir die Gesichter von George Bush und seinem mexikanischen Partner Vicente Fox vergessen!), ebenso wie die massiven Volksmobilisierungen unter dem Motto \u201eALCArajo&#8220; (\u201eZum Teufel mit dem FTAA\u201c), mit Evo, mit Maradona, mit den Menschen in den Stra\u00dfen von Mar del Plata.<\/p>\n<p>Im Jahr 2006 zog das WSF nach Caracas um. Dort sagte Ch\u00e1vez bei der Einweihung: \u201eNur wenn wir nach Macht streben, k\u00f6nnen wir beginnen, die Welt zu ver\u00e4ndern. Wir k\u00f6nnen es weder mit diesem Forum noch mit hundert anderen machen. Sie dienen als Hilfe und sind unverzichtbar, aber wir m\u00fcssen die Sache mit einer Strategie in Richtung Macht begleiten, sonst w\u00e4re es sinnlos\u201c. Es ist eindeutig: Der Feind ist nicht besiegt, der Kampf geht weiter bis zur Machtergreifung (und nicht nur der Regierung).<\/p>\n<p>Im Januar 2007 zog das WSF nach Nairobi, mitten nach Afrika, und dort waren wir mit Telesur und konnten vor Ort nachvollziehen, dass die Probleme afrikanischer, asiatischer, lateinamerikanischer und karibischer Bev\u00f6lkerung im Grunde die gleichen sind: Kapitalistische Ausbeutung und ihre Folgen. Dieses Forum zeigte uns die Probleme der afrikanischen V\u00f6lker und betonte die Notwendigkeit, ihren 850 Millionen Menschen eine Stimme zu geben.<\/p>\n<p>Im Jahr 2009 kehrte das WSF nach Brasilien zur\u00fcck, in die nordostbrasilianische Stadt Belem do Para, im Herzen des Amazonas, gef\u00f6rdert von Carta Maior, und widmete sich dem Hauptthema der Erhaltung des gesamten noch existierenden Naturerbes auf dem Planeten. Im Januar 2010 fand es wieder in Porto Alegre, Brasilien, statt und wurde mit dem Thema &#8222;Zehn Jahre sp\u00e4ter: Herausforderungen und Vorschl\u00e4ge f\u00fcr eine andere m\u00f6gliche Welt&#8220; er\u00f6ffnet, aber der Schwung war bereits abgeflaut&#8230;<\/p>\n<h4><strong>Hier sind wir und da wollen wir hin<\/strong><\/h4>\n<p>Zwanzig Jahre sp\u00e4ter kehrt das WSF in virtuellem Format zur\u00fcck, um f\u00fcr eine andere Welt zu arbeiten, die immer notwendiger wird, wenn wir \u00fcber das m\u00f6gliche Ende der Menschheit sprechen.<\/p>\n<p>Und diejenigen von uns, die den Kampf f\u00fcr eine andere, unverzichtbare Welt fortsetzen, f\u00fcr die Notwendigkeit, Agenden, Kriterien, K\u00e4mpfe zu vereinen; Studien, Forschungen auszutauschen; das kritische Denken zu erneuern, das oft in alten Dogmen und in Perspektiven von Welten feststeckt, die nicht mehr existieren, k\u00e4mpfen weiter f\u00fcr die Botschaft, damit sie sich in der kollektiven Vorstellung der Welt durchsetzt.<\/p>\n<p>Wir sind uns bewusst, dass wir diesen kulturellen und ideologischen Krieg erdrutschartig verlieren, und heute wird die Idee einer anderen m\u00f6glichen Welt f\u00fcr alle in der kollektiven Vorstellung nicht durchgesetzt. Die Welt nach der Pandemie, auf die wir uns vorbereiten m\u00fcssen, wird ganz anders sein als die, die wir bisher kannten.<\/p>\n<p>Heute h\u00e4ngt die Kontinuit\u00e4t des WSF von der Ausarbeitung einer antikapitalistischen, antikolonialen und antipatriarchalen Agenda ab, ausgehend von einer Beziehung des kritischen und strategischen Denkens; einer Form der Beratung, die das gegenw\u00e4rtige demokratische Defizit seines Internationalen Komitees \u00fcberwindet und vor allem davon, die neuen Generationen f\u00fcr den Kampf f\u00fcr eine bessere Welt zu begeistern, da sie diejenigen sein werden, die sich daran erfreuen oder darunter leiden werden. Sie werden diejenigen sein, die das Forum wiederbeleben k\u00f6nnen.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Entschuldigung, sind 20 Jahre gar nichts?<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p><strong><em>\u00dcbersetzung aus dem Spanischen von Chiara Pohl vom ehrenamtlichen Pressenza-\u00dcbersetzungsteam. <a href=\"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/mitarbeiten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wir suchen Freiwillige!\u00a0<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist nicht leicht, denjenigen, die es nicht erlebt haben, zu beschreiben, wie die Welt zu Beginn des Jahrtausends aussah, vor zwei Jahrzehnten, als die digitale Technologie in den Startl\u00f6chern stand, und das Licht der Hoffnung schien hinter dem 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