{"id":1289971,"date":"2021-02-02T17:47:22","date_gmt":"2021-02-02T17:47:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1289971"},"modified":"2021-02-02T17:47:22","modified_gmt":"2021-02-02T17:47:22","slug":"die-eu-und-ihr-hinterhof-teil-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2021\/02\/die-eu-und-ihr-hinterhof-teil-ii\/","title":{"rendered":"Die EU und ihr Hinterhof, Teil II"},"content":{"rendered":"<p>Um die Zerst\u00f6rung der industriellen Kapazit\u00e4ten der EU-Hinterh\u00f6fe richtig w\u00fcrdigen zu k\u00f6nnen, mu\u00df man sich vor Augen halten, da\u00df der ganze Sozialismus f\u00fcr viele seiner Parteisoldaten seine Attraktivit\u00e4t dar\u00fcber hatte, da\u00df er ihnen die in der vorherigen internationalen Arbeitsteilung \u201everweigerte\u201c Industrialisierung erm\u00f6glichte, in einer Art <em>nachholender Entwicklung<\/em>.<br \/>\nDie Industrie war der ganze Stolz, die Belegschaften der Fabriken marschierten bei diversen nationalen Feiertagen auf und priesen den Fortschritt, den sie sozusagen verk\u00f6rperten und den anderen erm\u00f6glichten.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Landwirtschaft immer eine Art Stiefkind der sozialistischen Parteien und Rhetorik war, lief ein bedeutender Teil des nationalen Selbstbewu\u00dftseins \u00fcber die Fabriken ab, \u00fcber die dort hergestellten Produkte, und die Parteigr\u00f6\u00dfen schm\u00fcckten sich gerne \u00fcber die Er\u00f6ffnung neuer Produktionsstandorte und Vorzeigebetriebe im Industriesektor.<\/p>\n<p>In den 70-er und 80-er Jahren kriegte diese pr\u00e4stabilisierte Harmonie des steten Fortschritts deutliche Risse \u2013 vor allem dank des Westhandels und des Vergleichs, dem sich die sozialistischen Betriebe dabei aussetzten.<br \/>\nSozialistische Politiker und Betriebsleiter schielten neidig auf vermeintliche bessere und billigere West-Produkte. Auf den Universit\u00e4ten machte sich die Lobpreisung des \u201eWettbewerbs\u201c breit, und irgendwann gab es immer mehr saure Gesichter \u00fcber die technologische Zur\u00fcckgebliebenheit der sozialistischen Betriebe, und \u00fcber die R\u00fccksichten, die sie auf ihre Belegschaft nehmen mu\u00dften.<\/p>\n<p>Und so entstanden die \u201eReformer\u201c: Parteimitglieder in den h\u00f6heren Ebenen der Staatsapparate, die immer lauter davon redeten, da\u00df der Westen irgendwie fortschrittlicher sei, bessere Methoden h\u00e4tte, und das zumindest in Elementen f\u00fcr die heimische Wirtschaft \u00fcbernommen werden m\u00fc\u00dfte.<\/p>\n<p>Nach der Wende kamen diese Leute als Wendeh\u00e4lse an die Macht und boten dem westlichen Kapital die gesamte National\u00f6konomie an: billig, billiger! Wir machen die Gewerkschaften platt, oder verwenden sie zum Stillhalten unserer Arbeiter! Wir dr\u00fccken die L\u00f6hne! Wir fordern keine Schutzma\u00dfnahmen \u2013 jeder freie Lohnarbeiter ist seines Gl\u00fcckes Schmied! Umweltauflagen \u2013 was ist das? Hauptsache, ihr kommt, liebe Kapitalisten, und beutet bei uns aus, da\u00df es nur so kracht! Daf\u00fcr breiten wir euch den roten Teppich aus!<br \/>\nBei aller Untert\u00e4nigkeit und Anbiederung sa\u00dfen diese Menschenfreunde jedoch einem kapitalen Irrtum auf: Sie dachten, bei entsprechender Behandlung w\u00fcrde das ausl\u00e4ndische Kapital herbeistr\u00f6men und <em>in die Produktion investieren.<\/em><br \/>\nStattdessen kamen das <em>Handels- und das Finanzkapital<\/em> und bereiteten des Boden daf\u00fcr, woanders erzeugte Ware auf diesen neuen M\u00e4rkten abzusetzen. Eine der Voraussetzungen f\u00fcr diese Funktion als Markt war Zahlungsf\u00e4higkeit, eine weitere ein Bankennetz, sowie Konvertibilit\u00e4t der W\u00e4hrungen. Die wichtigste Bedingung war jedoch die Herstellung einer tabula rasa in Sachen Produktion, einer Art W\u00fcstenei, um die eigenen Waren dort verscherbeln zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>2. Die Zerst\u00f6rung der Industrie der ex-sozialistischen Staaten<\/strong><\/p>\n<p>Auch dieses Zerst\u00f6rungswerk ging in mehreren Schritten vonstatten.<\/p>\n<p>Es handelte sich hier nicht um einen schlau ausgedachten Masterplan, der von irgendwelchen B\u00f6sewichtern a la Soros &amp; Co. ausgeheckt und Schritt f\u00fcr Schritt umgesetzt worden w\u00e4re. Auch die kapitalistischen Eroberer lernten durch Erfahrung, durch Entt\u00e4uschung, aber auch durch Entgegenkommen der \u00f6rtlichen Funktion\u00e4re, die sich nat\u00fcrlich gerne bei dieser ganzen Chose bereichern wollten, so gut es ging. In trauter Zusammenarbeit von Medien, Ideologen, dem IWF, der EU-Gesetzgebung usw. wurden Arbeitskr\u00e4fte freigesetzt, Industrien zugesperrt und Gesetze angepa\u00dft.<\/p>\n<p>Auch hier begann alles mit der <em>Aufl\u00f6sung des RGW<\/em> und der Umstellung von Zusammenarbeit und Tausch auf Konkurrenz und Gesch\u00e4ft. Nur \u201erichtiges\u201c Geld, also DM oder Dollar, wurden akzeptiert. Vorprodukte und Rohstoffe sowie Energie wurden nicht mehr geliefert, Fabriken standen still, unverkaufte Waren f\u00fcllten die Fabrikshallen, und L\u00f6hne wurden nicht mehr gezahlt.<\/p>\n<p>Das alles fand in \u00d6konomien statt, in denen die Entlassung nicht vorgesehen war, es keine Arbeitslosenkassen gab, in die vorher eingezahlt worden w\u00e4re, in denen es keine Abfindungen gab \u2013 der Zusammenbruch war total.<\/p>\n<p>Manche Betriebsleitungen versuchten sich mit Schmuggel, vor allem auf dem Balkan, da Jugoslawien viel mehr Erfahrung mit Westhandel hatte. Aber die Voraussetzungen waren ung\u00fcnstig, bald waren die Grenzen nach Westen streng \u00fcberwacht, und dort, wo man noch hinkam, war kein Geld da, weil die urspr\u00fcnglichen Abnehmer in der gleichen Lage waren wie ihre seinerzeitigen Lieferanten: Die Kasse war leer.<\/p>\n<p>Dann kamen die <em>Privatisierer<\/em>. Banken und Berater trugen sich an, B\u00f6rsen wurden gegr\u00fcndet, Wertpapiere wurden geschaffen \u2013 Anteilsscheine, Betriebsaktien, Kupons. Die Staaten gr\u00fcndeten Verm\u00f6gensagenturen und emittierten mit westlichen Banken zusammen \u201eAktien\u201c, um ihre Betriebe zu privatisieren. Schmierige Gesch\u00e4ftleute mit obskuren Kreditquellen kauften und verkauften diese Aktien und verschwanden nach Kursgewinnen spurlos, w\u00e4hrend die Staaten zuschie\u00dfen mu\u00dften, um den Betrieb bis zur \u201eendg\u00fcltigen\u201c Privatisierung am Leben zu erhalten.<\/p>\n<p>Die Privatisierungen dienten vor allem dazu, \u00fcber wenig transparente Finanztransaktionen und schwindlige Wertpapiere Geld aus anderen Wirtschaftszweigen zu waschen, oder staatliche Quellen f\u00fcr private Bereicherung anzuzapfen, was seither als Evergreen \u201eKorruption\u201c durch die Medien geistert. Dieses Geld flo\u00df mehr oder weniger aus staatlichen Zusch\u00fcssen \u00fcber Wertpapierk\u00e4ufe an Private, bei den Betrieben kam es nicht an.<\/p>\n<p>Manche Betriebe fanden nach jahrelangem Hin und Her zwar einen K\u00e4ufer, aber der entlie\u00df einmal mindestens die H\u00e4lfte der Besch\u00e4ftigten, krempelte den ganzen Betrieb um, und h\u00e4ngte diverse Schulden und Forderungen dem betroffenen Staat oder der Gemeinde an, was dort wieder Probleme aller Art mit Krediten und Banken und dem IWF verursachte.<\/p>\n<p>Schlecht erging es Firmen, die weltmarktf\u00e4hige Produkte herstellten und dadurch gierige Blicke auf sich zogen. Die wurden dann von \u201eInvestoren\u201c oft sehr g\u00fcnstig erworben, die die Maschinen abbauten und woanders hin transportierten, in ihre Mutterl\u00e4nder und Stammfabriken. So erging es Papier-, Lebensmittel- und Maschinenbau-Fabriken in Osteuropa und vor allem in Bosnien.<br \/>\nOder es wurden mit der Firma nur die Marke gekauft, und statt der urspr\u00fcnglichen Fabrik ein Warenlager und eine Gesch\u00e4ftskette eingerichtet, \u00fcber die der einheimische Markt von den Firmen des Mutterlandes beliefert wurde.<\/p>\n<p>(Ausnahmen aus dieser Entwicklung waren Tschechien und Slowenien, die ihre Produktion ein St\u00fcck weit bewahren und ausbauen konnten, und Polen, das aufgrund seiner Gr\u00f6\u00dfe und Lage als Produktionsstandort f\u00fcr ausl\u00e4ndisches Kapital attraktiv genug war.)<\/p>\n<p>Aus den solcherma\u00dfen entindustriaisierten Staaten setzte eine Wanderungsbewegung von Arbeitsemigranten nach Westeuropa ein, die dort als industrielle Reservearmee die L\u00f6hne senken half und zu enormem Bev\u00f6lkerungsverlust in den osteurop\u00e4ischen Staaten f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Das minderte deren Brauchbarkeit als Markt ein St\u00fcck weit. Die Nachfrage ist dadurch eher schwach.<\/p>\n<p>Aber um das zu begreifen, mu\u00df man auch einen Blick darauf werfen, wie die dortige Zahlungsf\u00e4higkeit \u00fcberhaupt zustande kam und kommt.<\/p>\n<div id=\"emailskopiertclipboardPopupMail\" class=\"emailskopiertHiddenPopup\" style=\"z-index: 1102;\">\n<div id=\"emailskopiertpopupContentToMail\">\n<div id=\"emailskopiertinfoToPopupClipboard\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div><a href=\"http:\/\/nestormachno.blogsport.de\/2019\/12\/15\/die-eu-und-ihr-hinterhof-teil-ii\/\"><em>Originalartikel<\/em><\/a><\/div>\n<div id=\"emailskopiertclipboardPopupMail\" class=\"emailskopiertHiddenPopup\" style=\"z-index: 1102;\">\n<div id=\"emailskopiertpopupContentToMail\">\n<div id=\"emailskopiertinfoToPopupClipboard\"><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div><img \/><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um die Zerst\u00f6rung der industriellen Kapazit\u00e4ten der EU-Hinterh\u00f6fe richtig w\u00fcrdigen zu k\u00f6nnen, 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