{"id":124128,"date":"2014-08-07T11:15:49","date_gmt":"2014-08-07T10:15:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pressenza.com\/?p=124128"},"modified":"2016-04-30T10:25:52","modified_gmt":"2016-04-30T09:25:52","slug":"die-schmutzigen-hande-des-olmultis-chevron-texaco-interview-mit-jorge-jurado-botschafter-ecuadors-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2014\/08\/die-schmutzigen-hande-des-olmultis-chevron-texaco-interview-mit-jorge-jurado-botschafter-ecuadors-berlin\/","title":{"rendered":"Die schmutzigen H\u00e4nde des \u00d6lmultis Chevron-Texaco Interview mit Jorge Jurado, Botschafter Ecuadors in Berlin"},"content":{"rendered":"<p><b><em>Texaco (Chevron ist der Rechtsnachfolger) hat zwischen 1967 und 1992 als einziges Unternehmen in Ecuador Erd\u00f6l gef\u00f6rdert und dabei weder auf die Umwelt noch auf die lokale Bev\u00f6lkerung R\u00fccksicht genommen.<br \/>\n<\/em><\/b>In den Anf\u00e4ngen waren es 2 Unternehmen, Texaco und Gulf Oil. Mitte der 70er Jahre zog sich Gulf Oil zur\u00fcck. Texaco bildete den Kopf des Konsortiums zusammen mit dem von der ecuadorianischen Regierung neu gegr\u00fcndeten Erd\u00f6lunternehmen CEPE (Staatliche Ecuadorianische Erd\u00f6lunternehmen).<br \/>\nEcuador selbst verf\u00fcgte damals \u00fcber keine Erfahrung in der Erd\u00f6lf\u00f6rderung im gro\u00dfen Rahmen. Die technische Leitung \u00fcbernahm deshalb vollumf\u00e4nglich Texaco. Auf der Halbinsel Santa Elena besa\u00df Ecuador seit den 40er Jahren eine kleine Raffinerie mit einigen \u00d6lfeldern, alles sehr klein. Erst 1972, als man das erste Barrel Roh\u00f6l an die Oberfl\u00e4che holte, wurde Ecuador zum Erd\u00f6lf\u00f6rderungsland.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">[media-credit name=&#8220;Jorge Jurado, studierte an der Technischen Universit\u00e4t Berlin Energie- und Verfahrenstechnik. Von 2007 bis 2008 war er Staatssekret\u00e4r in Ecuadors Bergbauministerium und von 2008 bis 2010 Minister f\u00fcr Wasserwirtschaft. Seit 14. M\u00e4rz 2011 ist er Botschafter seines Landes in Berlin. Quelle: Wikipedia | Bild: Tobias Baumann&#8220; align=&#8220;alignnone&#8220; width=&#8220;600&#8243;]<span class=\"media-credit-dt\"><a href=\"http:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/20140731_1255162.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-124159\" src=\"http:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/20140731_1255162-600x450.jpg\" alt=\"20140731_125516\" width=\"600\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/20140731_1255162-600x450.jpg 600w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/20140731_1255162-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a>[\/media-credit]<\/span><\/p>\n<p><b><em>Wie gro\u00df ist der Schaden, der an der Natur und an den Menschen angerichtet wurde?<br \/>\n<\/em><\/b>Der Schaden wurde im Bezug auf die kontaminierte Fl\u00e4che quantifiziert, der aus dieser 20j\u00e4hrigen F\u00f6rderung von 1972 bis 1992 resultierte. Alle Aktivit\u00e4ten vor 1972 bezogen sich rein auf die Erd\u00f6lsuche. Texaco f\u00fchrte 356 Erd\u00f6lbohrl\u00f6cher aus und \u00f6ffnete 1000 Gruben ohne Abdeckung.<br \/>\nDort hinein gab das Unternehmen R\u00fcckst\u00e4nde jeder Art, vor allem Erd\u00f6l, Bohrschlamm und verunreinigtes Wasser. Die Reinigung von 162 dieser Gruben diente als Vorwand f\u00fcr die Behauptung als das Unternehmen das Land verlies, Texaco h\u00e4tte eine komplette Umweltsanierung durchgef\u00fchrt. Anstatt einer Reinigung, wurden diese Gruben aber nur mit Erde zugesch\u00fcttet. Die Regierung von Pr\u00e4sident Mahuad traf die \u00e4usserst ungl\u00fcckliche Entscheidung den Vergleichsvertrag \u00fcber die Reinigung dieser 162 Becken zu unterschreiben. Es ist ein sehr irritierender Vertrag, da die restlichen Gruben darin nicht erw\u00e4hnt sind. Ein Vertrag, der die tats\u00e4chliche Situation unerw\u00e4hnt lie\u00df. Das Ganze war, um es etwas salopp auszudr\u00fccken, eine gro\u00dfe Bauernf\u00e4ngerei, eine Falle, in die die Regierung Mahuad tappte.<\/p>\n<p>[media-credit name=&#8220;Bild: Tobias Baumann&#8220; align=&#8220;alignleft&#8220; width=&#8220;600&#8243;]<a href=\"http:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/P1080314.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-124169\" src=\"http:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/P1080314-600x398.jpg\" alt=\"P1080314\" width=\"600\" height=\"398\" srcset=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/P1080314-600x398.jpg 600w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/P1080314-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/P1080314.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a>[\/media-credit]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b><em>Chevron-Texaco war zusammen mit dem Staatsunternehmen CEPE in einem Konsortium und seit 1990 f\u00f6rdert CEPE (heute Petroecuador) alleine. Chevron-Texaco gibt Petroecuador die alleinige, bzw. eine Mitschuld an der Umweltzerst\u00f6rung. Wie gro\u00df ist die Mitverantwortung des ecuadorianischen Staates?<br \/>\n<\/em><\/b>Ja, das ist bis heute Chevrons Standpunkt, eine v\u00f6llig inakzeptable Position aus verschiedenen Gr\u00fcnden. Dieses Konsortium mit CEPE existierte, die technische, die ausf\u00fchrende Verantwortung innerhalb des Konsortiums trug jedoch alleine Texaco. Sie f\u00fchrten die Erd\u00f6lf\u00f6rderung aus. CEPE begann mit eigener F\u00f6rderung erst viele Jahre danach. Die Verantwortung tr\u00e4gt jene Partei, die F\u00f6rderung \u00fcbernimmt, die \u00fcber die Technik und \u00fcber die Erfahrung verf\u00fcgt. Interessanterweise verf\u00fcgte Texaco damals \u00fcber das technische Wissen, um die F\u00f6rderung in einer akzeptablen Art und Weise durchzuf\u00fchren und zwar so wie sie es in Kalifornien taten, wo klare Bestimmungen vorlagen, an die sich die Unternehmen halten mussten. Ecuador betrat das Parkett der Erd\u00f6lf\u00f6rdernden L\u00e4nder 1972, ohne das n\u00f6tige Wissen, ohne Institutionalisierung und ohne ein klares Umweltbewusstsein. Zu der Zeit bestand in vielen Teilen der Welt kein solches Bewusstsein. Der Umweltschutzgedanke entstand und breite sich in den 70er Jahren aus. Man muss das im Kontext sehen. Ecuador war ein Agrarland, was es auch heute noch ist, damals allerdings war die Landwirtschaft die einzige Einnahmequelle. Die ecuadorianische Regierung und auch die Bev\u00f6lkerung hatten ein starkes Interesse an der \u00d6lf\u00f6rderung, um an die n\u00f6tigen Mittel zu kommen, um das Land weiter zu entwickeln. Das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Ursachen und Konsequenzen der Umweltverschmutzung war damals noch am Anfang. W\u00e4hrend der beiden Jahrzehnte machte das Land einen qualitativen Sprung, neue Produktionsformen, eine neue Wirtschaftsform etc., die in den 90ern dazu f\u00fchrten, dass neue Umweltschutz-Gesetze erlassen und neue Institutionen gegr\u00fcndet wurden, wie das Energieministerium und sp\u00e4ter das Umweltministerium. All diese Elemente entstanden Schritt f\u00fcr Schritt um das in Erscheinung tretende Problem herum mit seinen immer gravierenden Konsequenzen.<br \/>\nEs ist eine sehr simple Argumentation, die Chevron heute benutzt, um sich von der Verantwortung freizusprechen. Es gibt sehr klare Zusammenh\u00e4nge und wenn tats\u00e4chlich ein guter Willen seitens des nordamerikanischen Unternehmens bestanden h\u00e4tte, dann w\u00e4ren die gleichen Verfahren und die gleiche Technik eingesetzt worden, die bereits in Kalifornien angewendet wurden. Aber da damals in Ecuador in diesem Bereich keine Kontrollinstanzen bestanden, entschied sich Texaco f\u00fcr den Weg des \u201ebusiness as usual\u201c, d.h. maximale Gewinnsch\u00f6pfung auf Kosten der Bev\u00f6lkerung und der nat\u00fcrlichen Umgebung. So klar stellt sich die Situation dar.<\/p>\n<p><b><em>Sowohl im Prozess Aguinda, als auch im Prozess Lago Agrio handelte es sich ja um zivile Klagen der betroffenen indigen Gemeinschaften gegen Chevron-Texaco.<\/em><br \/>\n<\/b>Es handelte sich um einen Zivilprozess zwischen nat\u00fcrlichen Personen und dem Unternehmen Chevron-Texaco, Aguinda und 1500 weitere Personen der indigen Gemeinschaften. Nicht der ecuadorianische Staat prozessierte. Sp\u00e4ter folgten weitere Prozesse, aber am Anfang stand ein reiner Zivilprozess.<\/p>\n<p><b><em>Auf welche Unterst\u00fctzung konnten die indigen Gemeinschaften in dem fast 20 Jahre dauernden Prozess z\u00e4hlen?<br \/>\n<\/em><\/b>Hier ist eine zeitliche Unterscheidung notwendig. Was ich sagen will, ist schwierig, weil es eine Situation in meinem eigenen Land widerspiegelt. Aber es ist die Realit\u00e4t. Alle Regierungen vor 2007 haben sich kaum die M\u00fche gemacht, die ecuadorianischen Gemeinschaften in diesem Kampf \u201eDavid gegen Goliath\u201c zu unterst\u00fctzen. Sie waren also auf sich selbst gestellt mit der Unterst\u00fctzung von einer Gruppe von nordamerikanischen Anw\u00e4lten, die nat\u00fcrlich ihre eigenen Interessen in diesem Thema hatten. Im amerikanischen Justiz System sind Anwaltskanzleien bei \u201eclass action\u201c (Sammelklagen) interessiert, gemeinn\u00fctzige Anliegen zu unterst\u00fctzen, da Aussicht auf eine sehr bedeutende Rendite besteht.<br \/>\nDer ecuadorianische Staat konnte auf den Prozess keinen Einfluss nehmen, es handelte sich ja um einen reinen Zivilprozess. Dennoch w\u00e4re Hilfe f\u00fcr die Betroffenen in vielf\u00e4ltiger Weise m\u00f6glich gewesen. Die Regierungen vor 2007 waren an den bestm\u00f6glichsten Beziehungen mit der US-Regierung und mit dem transnationalen Kapital interessiert. So haben sie sich einfach jeglichen Kommentars enthalten und darauf gewartet, dass die Sache vorbei geht ohne den Betroffen Hilfe zu gew\u00e4hren. Zum Beispiel eine so konkrete und einfache Hilfe wie den Bewohnerinnen und Bewohnern der kontaminierten Gebiete zu sauberem Trinkwasser zu verhelfen. So wurde das Problem den betroffenen Kommunalverwaltungen \u00fcberlassen, die jedoch \u00fcber kein Budget f\u00fcr solche Programme verf\u00fcgten. Sie hatten weder Geld f\u00fcr Hilfsprogramme noch f\u00fcr das Gesundheitswesen zur Verf\u00fcgung. Es zeigte sich deutlich, dass weder ein politischer Wille noch ein Interesse an der Situation der indigenen Gemeinschaften auf diesem Gebiet bestand.<br \/>\nErst ab 2007 erhielten die Betroffenen Unterst\u00fctzung von der ecuadorianischen Regierung. Im September oder Oktober desselben Jahres besuchte Pr\u00e4sident Correa pers\u00f6nlich als erstes Regierungsmitglied \u00fcberhaupt das verseuchte Gebiet.<\/p>\n<p><b><em>Chevron-Texaco erwirkte die Verlegung des Prozesses von New York nach Ecuador und musste sich im Gegenzug dazu verpflichten das Urteil der ecuadorianischen Gerichte zu akzeptieren. Obwohl Chevron-Texaco rechtskr\u00e4ftig zur Zahlung von 9.5 Milliarden Dollar (rund 6.2 Milliarden Euro) verurteilt wurde, ist aber bis heute noch kein Geld geflossen, im Gegenteil! Das Unternehmen hat mit Klagen gegen die betroffenen indigenen Gemeinschaften und mit einer Klage gegen den ecuadorianischen Staat geantwortet. Was ist davon zu halten und was sind die m\u00f6glichen Konsequenzen?<br \/>\n<\/em><\/b>Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es zwei verschiedene Rechtstreitigkeiten. Die Forderungen der indigenen Gemeinschaften gegen Chevron-Texaco wurde Recht gegeben und Chevron zur Zahlung von 9,5 Milliarden Dollar verurteilt und dieses Urteil wurde vom Kassationsgericht best\u00e4tigt, der h\u00f6chsten Gerichtsinstanz in Ecuador. Dieser Rechtsstreit ist abgeschlossen.<br \/>\nDas Problem, dass sich nun stellt, ist, wie das Geld eingetrieben werden kann. Wie Sie richtig erw\u00e4hnt haben, will Chevron-Texaco nicht zahlen. Die Kl\u00e4gergemeinschaft studiert in verschiedenen L\u00e4ndern die M\u00f6glichkeit Eigentum von Chevron zu beschlagnahmen und so an das Geld zu kommen, dass Chevron ihnen schuldet. Vor Kurzem gab es einen ersten Versuch in Argentinien. Eine argentinische Richterin hat ein solches Verfahren gegen Chevron in Argentinien zugelassen. Ungl\u00fccklicherweise wurde es bereits sieben Wochen sp\u00e4ter von einer anderen Richterin wieder aufgehoben. Diesen Entscheid m\u00f6chte ich nicht weiter kommentieren. Tatsache ist aber, dass dieser Weg in Argentinien definitiv blockiert ist.<br \/>\nDer Hauptversuch, um Chevron zur Zahlung zu zwingen, wurde nat\u00fcrlich in den USA unternommen.<br \/>\nEine Durchsetzungsklage wurde vom New Yorker Richter Lewis Kaplan in erster Instanz abgelehnt. Dieses Urteil gegen die Kl\u00e4gergemeinschaft ist auch zu einem Urteil gegen den ecuadorianischen Staat geworden, da Richter Kaplan sagt, er akzeptiere die Gerichtshoheit Ecuadors nicht. Dies ist ein sehr irritierender und einmaliger Entscheid in der juristischen Rechtsprechung. Ein Richter in erster Instanz sagt und urteilt, dass das Rechtsurteil eines souver\u00e4nen Staates keine G\u00fcltigkeit habe. Damit werden alle internationalen Rechtss\u00e4tze \u00fcber Bord geworfen.<br \/>\nDiese Entscheidung ruht auf der Annahme, das Urteil gegen Chevron sei durch Korruption und Manipulation zustande gekommen, obwohl keine Beweise vorgelegt wurden. Dieser 10j\u00e4hrige Rechtsstreit in Ecuador wurde von drei verschiedenen Richtern geleitet. Der zweite Richter, der heute erwiesenerma\u00dfen auf Chevrons Lohnliste steht und von Chevron und den USA gesch\u00fctzt wird, hat ausgesagt, dass der dritte Richter, welcher den Urteilsspruch gef\u00e4llt hat, von den Kl\u00e4gern manipuliert wurde. Ein von Chevron bezahlter Richter als Zeuge, dass der Urteilsspruch von den indigen Kl\u00e4gern manipuliert wurde &#8211; eine unvergleichliche juristische Absurdit\u00e4t.<br \/>\nDie Kl\u00e4gergemeinschaft versucht nun einerseits das Urteil des Richter Kaplan in den USA aufzuheben und andererseits die M\u00f6glichkeit Pf\u00e4ndungsverfahren gegen Chevron in anderen L\u00e4ndern zu pr\u00fcfen. In Canada hat ein Richter das Verfahren er\u00f6ffnet, dort besteht eine M\u00f6glichkeit.<br \/>\nHier in Deutschland existiert ein bedeutendes Solidarit\u00e4tskomitee, welches sehr engagiert versucht, Finanzmittel zu beschaffen, um den Prozess am Leben zu erhalten und die legalen Hindernisse, die Chevron aufbaut zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[media-credit name=&#8220;Bundestagsabgeordnete Eva Bulling-Schr\u00f6ter (rechts) und Bezirksverordnete Treptow-K\u00f6penick Sabine Bock (links)&#8220; align=&#8220;alignleft&#8220; width=&#8220;300&#8243;]<a href=\"http:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Eva_Bulling-Schr\u00f6ter_SabineB..jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-124184\" src=\"http:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Eva_Bulling-Schr\u00f6ter_SabineB.-300x225.jpg\" alt=\"Eva_Bulling-Schr\u00f6ter_SabineB.\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Eva_Bulling-Schr\u00f6ter_SabineB.-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Eva_Bulling-Schr\u00f6ter_SabineB.-600x450.jpg 600w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Eva_Bulling-Schr\u00f6ter_SabineB..jpg 816w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>[\/media-credit]<\/p>\n<p>Der Richter Kaplan wendet auch den <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Racketeer_Influenced_and_Corrupt_Organizations_Act\">RICO Act<\/a> (Racketeer Influenced and Corrupt Organizations Act) an, ein Gesetz, das vor 10 Jahren in den USA geschaffen wurde, um spezifisch das organisierte Verbrechen, die Mafia zu bek\u00e4mpfen. Kaplan nutzt dieses Gesetz mit der Argumentation, dass hinter dem ecuadorianischen Urteil tats\u00e4chlich eine kriminelle Organisation stehe, die einem amerikanischen Unternehmen schaden wolle, in diesem Fall Chevron. Die Amazonas-Gemeinschaften, die von Chevron Schadenersatz fordern f\u00fcr die Zerst\u00f6rung ihres Lebensraumes, f\u00fcr den durch die Kontamination verursachten Anstieg an Krankheiten, insbesondere Krebserkrankungen und daraus resultierende Todesf\u00e4lle, werden nun zusammen mit ihren Anw\u00e4ltinnen und Anw\u00e4lten als kriminelle Organisation abgestempelt.<br \/>\nAus diesem Grund ist der juristische Weg in den USA zumindest in dieser Instanz verbaut und es wird versucht an die zweite Instanz zu gehen. Daf\u00fcr fehlen aber im Moment die finanziellen Mittel.<\/p>\n<p><b><em>Und die m\u00f6gliche Konsequenzen aus der Klage von Chevron gegen Ecuador?<\/em><br \/>\n<\/b>Tats\u00e4chlich initiierte Chevron ein internationales Schlichtungsverfahren gegen den Staat Ecuador.<\/p>\n<p><em><b>Aufgrund des <\/b><b>Bilateralen Vertrags zur F\u00f6rderung und zum Schutz von Investitionen (Bilateral Investment Treaty, BIT), den Ecuador und die Vereinigten Staaten von Amerika u<\/b><\/em><b><em>nterzeichnet haben?<\/em><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/10524356_1435282953422029_1354384786506133067_n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-124192\" src=\"http:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/10524356_1435282953422029_1354384786506133067_n-251x300.jpg\" alt=\"10524356_1435282953422029_1354384786506133067_n\" width=\"200\" height=\"238\" srcset=\"https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/10524356_1435282953422029_1354384786506133067_n-251x300.jpg 251w, https:\/\/www.pressenza.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/10524356_1435282953422029_1354384786506133067_n.jpg 396w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><\/b>Korrekt, Ecuador hat das Investitionsschutzabkommen 1995 unterzeichnet und es ist zwei Jahre sp\u00e4ter 1997 in Kraft getreten. Erinnern wir uns, Texaco hat 1992 die F\u00f6rderung in Ecuador eingestellt und das Land verlassen, also f\u00fcnf Jahre vor dem Inkrafttreten. Das internationale Schiedsgericht hat Chevron in der ersten Instanz Recht gegeben, da Ecuador der Gesellschaft Chevron-Texaco keine Hilfsmittel zur L\u00f6sung des Streitfalls zur Verf\u00fcgung gestellt habe. Damit wenden sie das Abkommen r\u00fcckwirkend an, erneut eine sehr irritierende Interpretation in der Rechtsprechung.<br \/>\nChevron versucht damit die Schadenersatzsumme von 9,5 Milliarden Dollar auf den ecuadorianischen Staat abzuw\u00e4lzen. Das entspr\u00e4che einer sehr hohen Prozentzahl des Staatshaushaltes und das w\u00fcrde faktisch den Staatsbankrott bedeuten. Wir sprechen hier von sehr gravierenden Konsequenzen.<\/p>\n<p><b><em>Was sind die positiven Aspekte dieses Schuldspruchs gegen Chevron?<br \/>\n<\/em><\/b>Zum ersten Mal hat sich gezeigt, dass die Zivilgesellschaft, die Organisationen eine Klage gegen ein monstr\u00f6ses Unternehmen, eine der gr\u00f6\u00dften Firmen im wichtigsten Sektor der Welt, dem Energiesektor, anstrengen und gewinnen k\u00f6nnen. Chevron ist der zweitgr\u00f6\u00dfte \u00d6lkonzern in den Vereinigten Staaten und an siebenter Stelle weltweit. Chevron hat ein gr\u00f6\u00dferes Jahresbudget als 80% der Staaten in der Welt.<br \/>\nDieses Beispiel beweist, dass es geht, dass die Bev\u00f6lkerung sich organisieren kann und dass sie, sofern sie sich organisiert, etwas erreichen kann. Das ist \u00e4u\u00dferst wertvoll, der Beweis der Kraft der organisierten Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p><b><em>Und zwar auch ohne Finanzmittel\u2026<\/em><br \/>\n<\/b>\u2026 und bei einer Prozessdauer von 20 Jahren. Ja, es gibt Wege. Klar, in diesem Fall bestehen einige g\u00fcnstige Umst\u00e4nde. In anderen F\u00e4llen m\u00f6gen die Umst\u00e4nde nicht gegeben sein. Aber es ist ein k\u00e4mpferisches Beispiel, das Ecuador gegeben hat, das vielen anderen Gemeinschaften und Gesellschaften dienen kann, so glaube ich. Viele multinationale und staatliche Gro\u00dfkonzerne treiben ihr Unwesen und begehen Ungerechtigkeiten gegen\u00fcber der Bev\u00f6lkerung in weiten Teilen der Welt, auch in Europa. Hier haben wir eines der besten Beispiele von dem wir lernen und an das wir uns erinnern m\u00fcssen.<\/p>\n<p><b><em>Welche Unterst\u00fctzung w\u00fcnschen Sie sich von deutscher Seite f\u00fcr die Solidarit\u00e4ts-Kampagne \u201eMano Sucia\u201c?<\/em><br \/>\n<\/b>Diese Frage m\u00f6chte ich als offizieller Vertreter Ecuadors in Deutschland beantworten. Wir m\u00f6chten, dass der Fall Chevron die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Bekanntheit erreicht und zwar auch in den unterschiedlichsten Bereichen der Gesellschaft. Sowohl die Bundesregierung und der Bundestag als auch die Bundesl\u00e4nder sollen mit diesem Fall vertraut gemacht werden und nat\u00fcrlich tun wir alles f\u00fcr uns M\u00f6gliche, um die Zivilbev\u00f6lkerung dar\u00fcber zu informieren, damit eine Solidarit\u00e4t mit Ecuador entsteht. Dabei beziehe ich mich auf eine Solidarit\u00e4t mit den ecuadorianischen Gemeinschaften und auch mit dem Land Ecuador selbst. Was heute mit Ecuador passiert, kann einem anderen Land jederzeit ebenfalls widerfahren. Darum ist es wichtig, dieses Beispiel zu einem guten Ende zu bringen. Auch wenn, nach 40 Jahren und all dem, was in dieser Zeit passiert ist, nicht von einem von Ihnen erw\u00e4hnten \u201eHappy End\u201c gesprochen werden kann. Dieser Teil des Amazonas muss wiederhergestellt werden. Wir w\u00fcnschen uns ein Ende, dass klarstellt, dass die Staaten souver\u00e4n sind, die Bev\u00f6lkerung dieser Staaten Rechte besitzen und wir zusammen erreichen k\u00f6nnen, dass sich so etwas in Zukunft nicht mehr wiederholt. Das w\u00fcrde uns eine gewisse Zufriedenheit verschaffen.<\/p>\n<p><em>[divide]Mehr zum Thema:<\/em><\/p>\n<div>\n<div>\n<p><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/ecuasoli\">EcuaSoli, Berliner Komitee f\u00fcr Solidarit\u00e4t mit Ecuador <\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2014\/07\/chevron-hochststrafe-der-geschichte-des-umweltrechts\/\">Chevron: H\u00f6chststrafe in der Geschichte des Umweltrechts<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/amerika21.de\/2014\/05\/101908\/chevron-opfer\">Opfer von Chevron verlangen auf Aktion\u00e4rsversammlung Gerechtigkeit<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/amerika21.de\/2014\/05\/101286\/aktionstag-gegen-chevron\">Weltweiter Aktionstag gegen US-\u00d6lkonzern Chevron<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Texaco (Chevron ist der Rechtsnachfolger) hat zwischen 1967 und 1992 als einziges Unternehmen in Ecuador Erd\u00f6l gef\u00f6rdert und dabei weder auf die Umwelt noch auf die lokale Bev\u00f6lkerung R\u00fccksicht genommen. 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