{"id":1241166,"date":"2020-11-17T07:14:26","date_gmt":"2020-11-17T07:14:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1241166"},"modified":"2020-11-17T07:14:26","modified_gmt":"2020-11-17T07:14:26","slug":"in-diesem-jahr-19-millionen-mehr-arbeitslose-in-der-region","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2020\/11\/in-diesem-jahr-19-millionen-mehr-arbeitslose-in-der-region\/","title":{"rendered":"In diesem Jahr 1,9 Millionen mehr Arbeitslose in der Region"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Verlust von Arbeitspl\u00e4tzen ist in Zentralamerika zwar nichts Neues. Aber die Pandemie hat dazu gef\u00fchrt, dass sich die Lage noch weiter verschlimmert.<\/strong><\/p>\n<p>Im Jahr 2019 erreichte die Arbeitslosenquote in Mittelamerika 6,1 Prozent \u2013 ein Anstieg von 0,3 Prozent im Vergleich zum Jahr 2018. Das ergab eine Untersuchung der Wirtschaftskommission f\u00fcr Lateinamerika (CEPAL). Costa Rica, Nicaragua und Guatemala sind die L\u00e4nder, in denen die Arbeitslosenzahlen besonders stieg.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Jahresende 2020 prognostiziert die CEPAL in der untersuchten Region, zu der Zentralamerika, Mexiko und die Dominikanische Republik z\u00e4hlen, einen Anstieg der Arbeitslosenrate auf 9,7 Prozent. Das bedeute, so die Kommission, dass 1,9 Millionen Menschen auf einmal ohne Arbeit dastehen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Noch im Juli dieses Jahres war in Nicaragua verk\u00fcndet worden, die Arbeitslosenrate sei im ersten Trimester 2019 gegen\u00fcber dem Vorjahr um 1,2 Prozent auf 4,8 Prozent gesunken. Dennoch prognostizierte die nicaraguanische Stiftung f\u00fcr wirtschaftliche und soziale Entwicklung (Funides) am 15. Oktober einen Anstieg der Quote auf 6,8 Prozent \u2013 was 43.000 neue Arbeitslose bedeuten w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong>Arbeitslosenquoten von bis zu 25 Prozent<\/strong><\/p>\n<p>In Guatemala warnte die Stiftung f\u00fcr Entwicklung (Fundesa) bereits im Juli davor, dass pandemiebedingt bis zum Jahresende 1,5 Millionen Arbeitspl\u00e4tze wegfallen k\u00f6nnten. Davon geh\u00f6ren 42,8 Prozent zum Bereich Gastronomie, 34,7 Prozent zum Bau und 26,1 Prozent in andere Wirtschaftszweige. Im gleichen Monat berichtete das Koordinatonskomitee CACIF dar\u00fcber, dass zu diesem Zeitpunkt schon 103.992 Arbeitspl\u00e4tze weggefallen seien, davon 28 Prozent im Handel, 21,8 Prozent in der Landwirtschaft und 20,9 Prozent in Hotels und Restaurants.<\/p>\n<p>Im Mai wurde aus Honduras berichtet, dass dort bereits 120.000 Menschen ihre Arbeit verloren h\u00e4tten. Das Arbeitsministerium in Panama k\u00fcndigte im August an, dass nun ein Vierteil der Bev\u00f6lkerung arbeitslos sei \u2013 ein Anstieg der Arbeitslosenquote um 17,9 Prozent. Derweil berichtete das nationale Zensus- und Statistikinstitut von Costa Rica \u00fcber einen \u201esignifikanten\u201c und nicht vorhersehbaren Anstieg f\u00fcr das erste Trimester 2020. Bis Juli hatte sich dieser verdoppelt, sodass die Arbeitslosigkeit nun 24 Prozent der Bev\u00f6lkerung des Landes betrifft.<\/p>\n<p><strong>Die Pandemie trifft den informellen Sektor in besonderer Weise<\/strong><\/p>\n<p>In einem der j\u00fcngsten Berichte \u00fcber die Folgen der Pandemie f\u00fcr die lateinamerikanische Wirtschaft erkl\u00e4rte die CEPAL au\u00dferdem, der Gesundheitsnotstand \u201etrifft eine Arbeits- und Besch\u00e4ftigungsstruktur, deren Schw\u00e4chen seit Jahrzehnten bestehen\u201c. Sowohl das Institut f\u00fcr Steuerstudien f\u00fcr Zentralamerika (Icefi) als auch die CEPAL hoben die Anf\u00e4lligkeit des informellen Sektors hervor. Schon vor der Pandemie war ein Gro\u00dfteil der arbeitenden Bev\u00f6lkerung der Region in diesem Sektor t\u00e4tig. So geh\u00f6rten 2018 fast 80 Prozent der Arbeitspl\u00e4tze in Guatemala zum informellen Sektor, in Honduras waren es genauso viele, in Costa Rica fast 40 Prozent. Ganze 63,5 Prozent aller Zentralamerikaner*innen, Mexikaner*innen und Dominikaner*innen arbeiten informell. Deswegen sei der informelle Sektor \u201ebesonders von der aktuellen Krise betroffen\u201c. Der Verkauf und die Aus\u00fcbung von Dienstleistungen seien stark eingeschr\u00e4nkt, die Unterst\u00fctzung durch formelle Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse oder Sozialleistungen fehle.<\/p>\n<p><strong>Die Zukunft wird nicht leicht<\/strong><\/p>\n<p>Die wirtschaftlichen Vorhersagen l\u00e4nder\u00fcbergreifender und regionaler Institutionen versprechen also weder kurz- noch mittelfristig Gutes. Auch der Internationale W\u00e4hrungsfonds (<a class=\"glossaryLink \" href=\"https:\/\/www.npla.de\/lexikon\/iwf\/\" data-cmtooltip=\"(\u2260 Weltbank) Internationaler W\u00e4hrungsfond (spanisch Fondo Monetario Internacional FMI, englisch International Monetary Fund, IMF). Als Organisation untersteht der IWF den Vereinten Nationen und soll Staaten unterst\u00fctzen, welche in eine Schuldenkrise geraten sind. Seine Mittel sind die Verordnung von Sparprogrammen f\u00fcr betroffene L\u00e4nder und ein Kredit, der bei Erf\u00fcllung der verordneten wirtschaftspolitischen Auflagen, zur\u00fcckgezahlt werden muss. Die Auflagen hei\u00dfen SAP (Strukturanpassungsprogramme) und beinhalten K\u00fcrzungen der Staatsausgaben, Exportsteigerungen, Inflationsbremsende Ma\u00dfnahmen und Privatisierung von \u00f6ffentlichen Dienstleistungen. Die Verpflichtung zur Sparsamkeit der Staaten f\u00fchrt zu weniger Ausgaben, das f\u00fchrt zum Schrumpfen der Wirtschaftsleistung und eine neue Schuldenkrise entsteht usw.\">IWF<\/a>) sieht in seinem j\u00fcngsten Bericht \u00fcber die Perspektiven der Weltwirtschaft vom 13. Oktober f\u00fcr Panama und El Salvador ein Negativwachstum von 9 Prozent voraus. Die Wirtschaft in Honduras soll um 6,6 Prozent schrumpfen, die in Nicaragua und Costa Rica um 5,5 Prozent, die guatemaltekische um 2 Prozent.<\/p>\n<p>Angesichts der IWF-Prognosen versicherte der salvadorianische Finanzminister Alejandro Zelaya, die Wirtschaft in El Salvador w\u00fcrde sich im Jahr 2021 mit einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 3,8 bis 4 Prozent wieder erholen. Laut Zelaya k\u00f6nne das Land diesen wirtschaftlichen \u201eAufschwung\u201c mit einem \u201eAbpralleffekt\u201c schaffen, indem der Staat Investitionen von bis zu 5.100 Millionen US-Dollar t\u00e4tigt. Steuererh\u00f6hungen sollen dem Land erlauben, auf das Defizit von 7,3 Prozent des BIP zu reagieren, so die salvadoriansiche Regierung. Trotzdem warnt das Icefi davor, das Defizit 2021 \u201ek\u00f6nnte h\u00f6her als 10 Prozent des BIP ausfallen\u201c und die erwarteten Steuereinnahmen der Regierung f\u00fcr das kommende Jahr w\u00fcrden extrem \u00fcbersch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>Das Szenario f\u00fcr die anf\u00e4lligsten Wirtschaftszweige ist demnach entmutigend. Im vergangenen Juli sch\u00e4tzte die Stiftung f\u00fcr wirtschaftliche und soziale Entwicklung (Fusades), dass der Anteil der armen Bev\u00f6lkerung nach den Einschlag der Pandemie auf die Wirtschaft schnell wachsen w\u00fcrde. Die Stiftung prognostiziert, dass am Jahresende 51,4 Prozent der Salvadorianer*innen in Armut leben w\u00fcrden \u2013 vergangenes Jahr waren es 30,9 Prozent.<\/p>\n<p>Derweil hat auch die Stiftung f\u00fcr wirtschaftliche und soziale Entwicklung (Funides) in Nicaragua einen Anstieg der Armut um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr beobachtet \u2013\u00a0 31,3 Prozent der Nicaraguaner*innen z\u00e4hlen demnach zu jenem Teil der Bev\u00f6lkerung, der in Armut lebt. Dieser Prozentsatz, so f\u00fcgte die Funides hinzu, bedeute, dass \u201eetwa 2,1 Millionen Menschen in Nicaragua mit weniger als 1,76 US-Dollar am Tag auskommen m\u00fcssten\u201c.<\/p>\n<div id=\"emailskopiertclipboardPopupMail\" class=\"emailskopiertHiddenPopup\" style=\"z-index: 1102;\">\n<div id=\"emailskopiertpopupContentToMail\">\n<div id=\"emailskopiertinfoToPopupClipboard\">E-Mail wurde erfolgreich kopiert<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"emailskopiertclipboardPopupMail\" class=\"emailskopiertHiddenPopup\" style=\"z-index: 1102;\">\n<div id=\"emailskopiertpopupContentToMail\">\n<div id=\"emailskopiertinfoToPopupClipboard\">E-Mail wurde erfolgreich kopier<\/div>\n<p><textarea id=\"emailskopierttextSelectAreaClipboard\"><\/textarea><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Verlust von Arbeitspl\u00e4tzen ist in Zentralamerika zwar nichts Neues. Aber die Pandemie hat dazu gef\u00fchrt, dass sich die Lage noch weiter verschlimmert. 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