{"id":1235440,"date":"2020-11-08T12:16:53","date_gmt":"2020-11-08T12:16:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1235440"},"modified":"2020-11-08T12:16:53","modified_gmt":"2020-11-08T12:16:53","slug":"fukushima-wasser-in-den-ozean-entsorgen-ernsthaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2020\/11\/fukushima-wasser-in-den-ozean-entsorgen-ernsthaft\/","title":{"rendered":"Fukushima-Wasser in den Ozean entsorgen &#8230; Ernsthaft?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Seit fast einem Jahrzehnt str\u00f6mt aus dem besch\u00e4digtem Kernkraftwerk Fukushima Daiichi radioaktives Wasser in den Pazifik. TEPCO (Tokyo Electric Power Co.) bem\u00fcht sich, dies zu kontrollieren. Der Gro\u00dfteil des radioaktiven Wassers wird jedoch in mehr als 1.000 Wassertanks gespeichert. Wissentlich hat die japanische Regierung eine informelle Entscheidung getroffen, das radioaktive Wasser von Fukushima Daiichi in den Pazifik zu leiten. Eine formelle Ank\u00fcndigung k\u00f6nnte bereits in diesem Jahr erfolgen. Derzeit werden 1,2 Millionen Tonnen radioaktives Wasser gespeichert.<\/strong><\/p>\n<p>Das Problem: TEPCO hat nicht mehr gen\u00fcgend Speicherraum f\u00fcr das Wasser. Die L\u00f6sung der japanischen Regierung: Es im Pazifik zu entsorgen. Unabh\u00e4ngige Experten schlagen vor: Mehr Lagertanks zu bauen. Umweltgruppen bestehen darauf, dass es keinen Grund gibt, warum zus\u00e4tzliche Lagertanks nicht au\u00dferhalb des Anlagenumfangs gebaut werden k\u00f6nnen. Sie werfen der Regierung vor, die billigste und schnellste L\u00f6sung f\u00fcr das Problem zu suchen. Die Beh\u00f6rden haben versprochen, dass der Standort in 40 Jahren sicher sein wird. Wirklich nur 40 Jahre! Laut dem Generaldirektor der IAEO, Grossi, der Fukushima im Februar 2020 besuchte, entspricht das Dumping von radioaktivem Wasser, das haupts\u00e4chlich mit Tritium kontaminiert ist, den weltweiten Praxisnormen.<em> (Quelle: Michael Jacob in Tokio, <a href=\"https:\/\/sweden-science-innovation.blog\/tokyo\/what-is-japan-really-planning-to-dump-radioactive-water-from-fukushima-into-the-ocean\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Was! Plant Japan wirklich, radioaktives Wasser aus Fukushima in den Ozean zu leiten?<\/a> Schweden-Wissenschaft-Innovation, 10. Juni 2020)<\/em><\/p>\n<p>In dieser Hinsicht verwenden Bef\u00fcrworter der Kernenergie eine scheinheilige Kommunikationsstrategie, die die \u00d6ffentlichkeit davon \u00fcberzeugen und t\u00e4uschen soll, die Kernenergie &#8211; wenn auch nur ungern \u2013 zu akzeptieren. Die lautet ungef\u00e4hr so: &#8222;Es gibt nichts, wor\u00fcber man sich Sorgen machen m\u00fcsste. Kernkraftwerke setzen routinem\u00e4\u00dfig Tritium in Luft und Wasser frei. Es gibt keinen wirtschaftlich machbaren Weg, um es zu entfernen. Es ist normal, ein Standardverfahren.&#8220; Trotzdem ist, wie noch n\u00e4her erl\u00e4utert werden soll, an dieser Haltung nichts Positives, absolut nichts!<\/p>\n<p>Laut TEPCO werden alle radioaktiven Isotope entfernt, mit Ausnahme von Tritium, das schwer zu trennen ist. \u00c4hnlich wie alle radioaktiven Substanzen ist Tritium ein Karzinogen (verursacht Krebs), ein Mutagen (verursacht genetische Mutation) und ein Teratogen (verursacht Fehlbildung bei Embryos).\u00a0Die gute Nachricht: Tritium sendet eine relativ schwache Betastrahlung aus und hat nicht genug Energie, um in die menschliche Haut einzudringen. Die haupts\u00e4chlichen Gesundheitsrisiken sind die Einnahme oder Einatmung des Tritiums.\u00a0TEPCO hat ein fortschrittliches Fl\u00fcssigkeitsverarbeitungssystem eingesetzt, das angeblich 62 Isotope aus dem Wasser entfernt. Jedoch ist Tritium die Ausnahme, welches ein radioaktiver Wasserstoff ist und nicht einfach aus dem Wasser herausgefiltert werden kann.<\/p>\n<p>Das Filtersystem wurde jedoch von Fehlfunktionen geplagt. Laut Greenpeace International gab TEPCO in den letzten zwei Jahren zu, dass die Radioaktivit\u00e4t in mehr als 80% der Lagertanks nicht auf ein Niveau gesenkt wurde, das unter den gesetzlichen Grenzwerten lag. Die gemeldeten Konzentrationen von Strontium-90 (einem t\u00f6dlichen Isotop) waren sogar mehr als das 100-fache der gesetzlichen Grenzwerte, wobei einige Tanks das 20.000-fache erreichten.<\/p>\n<p>\u201eSie haben jahrelang detaillierte Informationen \u00fcber das radioaktive Material im kontaminierten Wasser bewusst zur\u00fcckgehalten. Sie haben den B\u00fcrgern von Fukushima, Japan und Nachbarl\u00e4ndern wie S\u00fcdkorea und China nicht erkl\u00e4rt, dass das kontaminierte Wasser, das in den Pazifik geleitet werden soll, gef\u00e4hrliche Mengen an Kohlenstoff-14 enth\u00e4lt. Diese bleiben zusammen mit anderen Radionukliden im Wasser \u00fcber Tausende von Jahren gef\u00e4hrlich und k\u00f6nnen genetische Sch\u00e4den verursachen. Dies ist ein weiterer Grund, warum diese Pl\u00e4ne aufgegeben werden m\u00fcssen.&#8220; <em>(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2020\/oct\/23\/fukushima-reactor-water-could-damage-human-dna-if-released-says-greenpeace\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Fukushima Reaktor Wasser k\u00f6nnte die menschliche DNA besch\u00e4digen, wenn es freigesetzt wird, sagt Greenpeace<\/a>, The Guardian, 23. Oktober 2020)<\/em><\/p>\n<p>Krebs ist das Hauptrisiko f\u00fcr Menschen, die Tritium einnehmen. Wenn Tritium zerf\u00e4llt, emittiert es ein niederenergetisches Elektron (ungef\u00e4hr 18.000 Elektronenvolt), das entweicht und in DNA, ein Ribosom oder ein anderes biologisch wichtiges Molek\u00fcl eindringt. Und im Gegensatz zu anderen Radionukliden ist Tritium normalerweise Teil des Wassers, so dass es in allen Teilen des K\u00f6rpers gelangt und daher theoretisch jede Art von Krebs f\u00f6rdern kann. Dies tr\u00e4gt aber auch dazu bei, das Risiko zu verringern, da tritiiertes Wasser in der Regel in weniger als einem Monat ausgeschieden wird. <em>(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.scientificamerican.com\/article\/is-radioactive-hydrogen-in-drinking-water-a-cancer-threat\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ist radioaktiver Wasserstoff in Trinkwasser eine Krebsbedrohung<\/a>, Scientific American, 7. Februar 2014)<\/em><\/p>\n<p>Einige Hinweise deuten darauf hin, dass von Tritium emittierte Beta-Partikel Krebs wirksamer verursachen als hochenergetische Strahlung wie Gammastrahlen. Niedrigenergetische Elektronen erzeugen eine gr\u00f6\u00dfere Wirkung, da sie nicht \u00fcber die Energie verf\u00fcgen, um ihre Wirkung zu verteilen. Am Ende seiner Reise im atomaren Ma\u00dfstab gibt es den gr\u00f6\u00dften Teil seiner ionisierenden Energie auf einer relativ begrenzten Bahn ab, anstatt wie ein Teilchen mit h\u00f6herer Energie auf seinem gesamten Weg abzugeben. Dies ist als &#8222;Ionisationsdichte&#8220; bekannt. Wissenschaftler sagen daher, dass jede Menge an Strahlung ein Gesundheitsrisiko darstellt.<\/p>\n<p>Laut Ian Fairlie, Professor (Imperial College \/ London und Princeton University) der Strahlenbiologe und ehemaliges Mitglied des 3-Personen-Sekretariats des britischen Komitees zur Untersuchung der Strahlungsrisiken interner Emittenten: \u201eDerzeit werden \u00fcber eine Million Tonnen mit Tritium kontaminiertem Wasser in etwa tausend Lagertanks am Standort des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi in Japan aufbewahrt. Hinzu kommen t\u00e4glich ~300 Tonnen Wasser, die hinein gepumpt werden, um die geschmolzenen Kernbrennstoffe aus den drei zerst\u00f6rten Reaktoren in Fukushima k\u00fchl zu halten. Deshalb m\u00fcssen jede Woche neue Tanks gebaut werden, um den Zustrom zu bew\u00e4ltigen.\u201c <em>(Quelle: Ian Fairlie, <a href=\"https:\/\/www.ianfairlie.org\/news\/the-hazards-of-tritium\/\">Die Gefahren von Tritium<\/a>, 13. M\u00e4rz 2020)<\/em><\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus sind radioaktive Verunreinigungen in den Tanks wie die Nuklide C\u00e4sium-137 (ein extrem t\u00f6dliches Isotop) und Strontium-90 (das ebenso t\u00f6dlich ist) in reduzierten Konzentrationen in unannehmbar hohen Konzentrationen vorhanden.<\/p>\n<blockquote><p><strong><em>Fairlie: &#8222;Diese Probleme erinnern die Medien der Welt deutlich daran, dass die Atomkatastrophe in Fukushima 2011 nicht zu Ende gegangen ist und weitergeht, ohne dass ein Ende in Sicht ist.&#8220;<\/em><\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>\u201eHier gibt es keine einfachen Antworten. Abgesehen von einer wundersamen technischen Entdeckung, die unwahrscheinlich ist, denke ich, dass TEPCO \/ die japanische Regierung mehr Land kaufen und weitere Abwassertanks bauen muss, damit der Tritiumzerfall stattfinden kann. Zehn Halbwertszeiten f\u00fcr Tritium betragen 123 Jahre: So lange m\u00fcssen diese Tanks halten &#8211; mindestens. Dies wird nicht nur dem Tritium Zeit f\u00fcr den Zerfall lassen, sondern auch den Politikern, um \u00fcber die Weisheit ihrer Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Kernenergie nachzudenken.\u201c <em>(Fairlie)<\/em><\/p>\n<blockquote><p><strong>W\u00e4hrenddessen bleibt Fukushima Daiichi im Laufe scheinbar endloser Jahre aus mehreren Gr\u00fcnden \u201edie gef\u00e4hrlichste aktive Zeitbombe der Welt\u201c, und abgebrannte Brennst\u00e4be stehen ganz oben auf der Liste.<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>Zus\u00e4tzlich zu den 800 Tonnen lava\u00e4hnlichen geschmolzenen Brennstoffen &#8211; auch bekannt als Corium (die gro\u00dfe Kernschmelze) &#8211; in den drei Reaktorbeh\u00e4ltern, enthalten die angeschlagenen Reaktorgeb\u00e4ude mehr als 1.500 Einheiten gebrauchter Kernbrennst\u00e4be in offenen Wasserbecken und m\u00fcssen immer k\u00fchl gehalten werden oder die H\u00f6lle bricht los. Wasserverlust durch strukturelle Sch\u00e4den oder ein weiteres schweres Erdbeben (die Strukturen sind bereits ernsthaft beeintr\u00e4chtigt) k\u00f6nnte die Brennst\u00e4be freilegen, was zu einer unkontrollierten massiven Freisetzung von brutzelnder Strahlung f\u00fchren k\u00f6nnte. Dieses Ereignis k\u00f6nnte schlimmer sein als die urspr\u00fcngliche Kernschmelze, und Tokio m\u00f6glicherweise einem Massenevakuierungsereignis mit rennenden und schreienden Menschen aussetzen.<\/p>\n<p>Tokyo Electric Power plant, die gef\u00e4hrlichen Brennst\u00e4be bis 2031 vollst\u00e4ndig zu entfernen. Diese Arbeiten werden aufgrund der au\u00dferordentlich hohen Strahlungswerte in den Reaktorgeb\u00e4uden von einem Kontrollraum in einer Entfernung von etwa 500 Metern aus durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>D\u00fcstererweise \u00fcberragt eine perverse Unendlichkeit Tschernobyl (1986) und Fukushima Daiichi (2011) und kennzeichnet diese Kernschmelze als die schlimmsten Industrieunf\u00e4lle in der Geschichte der Menschheit.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Mit 440 Kernkraftwerken weltweit in Betrieb und 50 weiteren neuen Anlagen im Bau, sind noch einige hundert weiterer Kernkraftwerke geplant.<br \/>\n<\/strong><strong>Viel Gl\u00fcck!<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p><strong><em>Die \u00dcbersetzung aus dem Englischen wurde von Kevin Kretschmer vom ehrenamtlichen Pressenza-\u00dcbersetzungsteam erstellt. <a href=\"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/mitarbeiten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wir suchen Freiwillige!\u00a0<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit fast einem Jahrzehnt str\u00f6mt aus dem besch\u00e4digtem Kernkraftwerk Fukushima Daiichi radioaktives Wasser in den Pazifik. 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