{"id":1174528,"date":"2020-08-08T09:13:14","date_gmt":"2020-08-08T08:13:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1174528"},"modified":"2020-08-08T09:13:14","modified_gmt":"2020-08-08T08:13:14","slug":"kunst-als-einstieg-in-die-geschichte-des-grauens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2020\/08\/kunst-als-einstieg-in-die-geschichte-des-grauens\/","title":{"rendered":"Kunst als Einstieg in die Geschichte des Grauens"},"content":{"rendered":"<p><b> 75 Jahren warfen die USA zwei Atombomben auf die japanischen St\u00e4dte Hiroshima und Nagasaki. Dieser erste und bisher einzige Einsatz von Atombomben im Krieg bedeutete den Tod von \u00fcber 200.000 Menschen. In der japanischen Gesellschaft und auch weltweit ist dieses Ereignis zu einem wichtigen Erinnerungsort geworden. Dies soll anhand von drei Beispielen aufgezeigt werden.<\/b><\/p>\n<p>Der 6. August 1945 in Hiroshima war ein klarer und sch\u00f6ner Sommermorgen. Die Stadt war bisher von gr\u00f6\u00dferen Bombenangriffen verschont geblieben und nahezu unzerst\u00f6rt. Als sich am fr\u00fchen morgen amerikanische Aufkl\u00e4rungsflieger am Himmel zeigten, erschallte der Luftalarm und die Einwohner Hiroshimas begaben sich in die Luftschutzbunker. Doch ein Bombenangriff kam nicht und so wurde Entwarnung gegeben. Die Menschen verlie\u00dfen den Schutz der Luftschutzbunker und gingen wieder auf die Stra\u00dfen, um ihren allt\u00e4glichen Gesch\u00e4ften nachzugehen. Der einzelne B-29 Bomber mit dem Namen <i>Enola Gay<\/i> sorgte nicht f\u00fcr Beunruhigung. Was sollte ein einzelner Bomber schon anrichten? Um Treibstoff zu sparen, waren auch japanische Abfangj\u00e4ger am Boden geblieben. Doch die <i>Enola Gay<\/i> transportierte an diesem Tag eine t\u00f6dlich Fracht, die die Welt noch nie gesehen hatte. Die Bombe in ihrem Bauch tr\u00e4gt den Spiznamen <i>Little Boy<\/i>, obwohl sie drei Meter lang und vier Tonnen schwer war. Sie explodierte um 8:15 Uhr in einer H\u00f6he von 580 m \u00fcber dem Zentrum Hiroshimas, wo sich zu dieser Zeit rund 380.000 Menschen aufhielten.<\/p>\n<p>Vom Epizentrum der Explosion dehnte sich ein Feuerball aus, der alles organische Material im Umkreis von 280 Metern verdampfte. Die Druckwelle der Explosion breitete sich kilometerweit aus. Die alten Holzh\u00e4user der Stadt wurden in einem Umkreis von 4 Kilometern durch sie zerdr\u00fcckt wie Spielzeugh\u00e4user. Viele Menschen, die nicht unmittelbar durch die Explosion starben, erlitten eine Strahlenvergiftung und gingen in den folgenden Tagen qualvoll daran zugrunde. Auch viele Menschen, die in den Ruinen der Stadt nach ihren Verwandten suchten oder als Soldaten f\u00fcr die Verbrennung der Leichen zust\u00e4ndig waren, erkrankten an der Strahlenkrankheit und verstarben im schlimmsten Falle daran. Drei Tage sp\u00e4ter, am 9. August, fiel eine zweite Bombe, die <i>Fat Man<\/i> getauft wurde, auf Nagasaki und richtete dort das gleiche Ausma\u00df an Zerst\u00f6rung an. Im Angesicht dieser neuen Waffe (und weil die Sowjetunion in die Mandschurei einfiel) verk\u00fcndete der Sh\u00f4wa-Tenn\u00f4 am 15. August die bedingungslose Kapitulation Japans.<\/p>\n<figure><img decoding=\"async\" title=\"Im Friedensmuseum von Hiroshima, Foto: \u00a9 Fabia Krahe\" src=\"https:\/\/hpd.de\/sites\/hpd.de\/files\/media\/2020\/hiroshima_krahe_02.png\" alt=\"Im Friedensmuseum von Hiroshima, Foto: \u00a9 Fabia Krahe\" \/><figcaption>Im Friedensmuseum von Hiroshima, Foto: \u00a9 Fabia Krahe<\/figcaption><\/figure>\n<p>In den folgenden Jahren war es ein Tabu, \u00fcber die Atombomben zu sprechen. Die Opfer der Atombomben, die <i>Hibakusha<\/i>, wurden zum gro\u00dfen Teil sich selbst \u00fcberlassen. Eine ad\u00e4quate medizinische Versorgung gab es nicht, die Lebensmittel in Japan waren knapp. Noch bis in die 50er, teilweise 60er Jahre hinein f\u00fcrchteten viele Japaner, dass sie durch Kontakt mit den <i>Hibakusha<\/i> selbst an Strahlenvergiftung erkranken k\u00f6nnten. So wurden die \u00dcberlebenden der Bombe vielfach wie Auss\u00e4tzige behandelt und aus der normalen Gesellschaft ausgeschlossen. Die amerikanische Regierung hatte kein Interesse daran, dass die Welt\u00f6ffentlichkeit von den Gr\u00e4ueln der Atombombe erfuhr und verh\u00e4ngte dar\u00fcber eine Nachrichtensperre. Einen Grund, die Produktion von Atombomben einzustellen, sahen die Amerikaner im beginnenden Kalten Krieg nicht.<\/p>\n<p>Am 1. M\u00e4rz 1954 f\u00fchrten die USA einen routinem\u00e4\u00dfigen Atomwaffentest mit einer Wasserstoffbombe auf dem zu den Marshall-Inseln geh\u00f6rigen Bikini-Atoll durch, dessen Sprengkraft 750 mal gr\u00f6\u00dfer war als die von <i>Little Boy<\/i>. Ein Gro\u00dfteil der Insel wurde durch den Test zerst\u00f6rt und eine gro\u00dfe Wolke radioaktiver Asche trieb weit auf das Meer hinaus. Ein nur etwa hundertf\u00fcnfzig Kilometer entferntes Fischerboot namens <i>Daigo Fukury\u00fb-maru<\/i> wurde von radioaktivem Niederschlag getroffen. S\u00e4mtliche 23 Mann der Besatzung erkrankten schwer an der Strahlenkrankheit und der Funker Aikichi Kuboyama verstarb unmittelbar an den Folgen. Der Fang des Bootes und hunderter\u00a0anderer japanischer\u00a0Fischerboote, die in den atomaren Fallout geraten waren, musste vernichtet werden.<\/p>\n<h2>Godzilla als Metapher f\u00fcr die Atombombe<\/h2>\n<p>Das Tabu der Atombombe wurde noch im selben Jahr das erste Mal Massenmedial verarbeitet: <i>Godzilla<\/i> eroberte als Metapher f\u00fcr die Atombombe nicht nur die japanischen Kinos, sondern auch die Kinos in Amerika und Deutschland. In seinem ersten Kinoauftritt war Godzilla noch weit davon entfernt, das kinderfreundliche Monster aus der Nachbarschaft zu sein, wie ihn wohl viele aus den 70er Jahren kennen. Das Ungl\u00fcck um die <i>Dagio Fukury\u00fb-maru<\/i>wurde gleich zu Beginn des Films verarbeitet. Der Frachter Eiko-maru sinkt in der N\u00e4he der Insel Odo. Auch das Schiff, das\u00a0den Vorfall untersuchen soll, kehrt nicht zur\u00fcck. Nur von einem kleinen Fischerboot gibt es einen \u00dcberlebenden. Die Fischer der Insel finden keine Fische mehr vor der Insel und ein Dorfvorsteher macht daf\u00fcr eine mythische Seekreatur namens Godzilla verantwortlich. W\u00e4hrend eines Sturms verw\u00fcstet dann <i>Godzilla<\/i> die Insel und anhand seiner radioaktiven Fu\u00dfabdr\u00fccke stellt Professor Yamane fest, dass sich das Monster Millionen Jahre unter Wasser aufgehalten haben muss und nun durch die Explosion einer Wasserstoffbombe auf dem Bikini-Atoll aufgeweckt wurde. Die radioaktive Strahlung verursachte das Fischsterben und Godzilla muss seine angestammte Heimat verlassen.<\/p>\n<p>Godzilla macht sich unaufhaltsam auf nach Tokyo und l\u00e4sst einen Pfad der Verw\u00fcstung hinter sich zur\u00fcck. Das Milit\u00e4r kann ihn weder mit Panzern\u00a0noch Flugzeugen oder einer Hochspannungsstromfalle aufhalten. Nur Dr. Serizawa, dem Emiko, die Tochter Yamanes seit ihrer Kindheit zur Ehe versprochen ist, kann Godzilla aufhalten. Er hat eine neue Massenvernichtungswaffe entwickelt. Sein Oxigen-Zerst\u00f6rer ist in der Lage, jegliche biologische Materie zu zersetzen. Doch er z\u00f6gert, die Waffe zu benutzen. Zu gro\u00df ist seine Sorge, sie k\u00f6nnte sp\u00e4ter auch gegen Menschen eingesetzt werden. Doch zusammen mit dem Marineoffizier Ogata, in den sie eigentlich verliebt ist, kann Emiko ihren Verlobten angesichts der Zerst\u00f6rung in Tokyo doch vom Einsatz des Oxigen-Zerst\u00f6rers \u00fcberzeugen. Nachdem Godzilla wieder zur\u00fcck ins Meer gegangen ist, tauchen Ogata und Serizawa hinab in die Tiefe und schaffen es, Godzilla mit dem Oxigen-Zerst\u00f6rer zu t\u00f6ten. Ogata taucht nach dem Einsatz wieder auf, doch Serizawa, der alle seine Unterlagen zum Oxigen-Zerst\u00f6rer vernichtet hat, entscheidet sich, das Wissen zur Herstellung der Waffe mit in ein kaltes und nasses Grab zu nehmen.<\/p>\n<figure><img decoding=\"async\" title=\"Symbole des Friedens, Foto: \u00a9 Fabian Krahe\" src=\"https:\/\/hpd.de\/sites\/hpd.de\/files\/media\/2020\/hiroshima_krahe_01.png\" alt=\"Symbole des Friedens, Foto: \u00a9 Fabian Krahe\" \/><figcaption>Symbole des Friedens, Foto: \u00a9 Fabian Krahe<\/figcaption><\/figure>\n<p>Godzilla als Metapher f\u00fcr die Atombombe ist in diesem Film sehr direkt und offensichtlich ausgearbeitet. Wie die Atombombe kann er nicht aufgehalten werden. Jegliche Versuche des Milit\u00e4rs sind vergeblich. Nicht nur strahlt Godzilla radioaktiv, er kann auch radioaktive Strahlen aus seinem Mund verschie\u00dfen, die alles in seinem Weg zerschmelzen. Daher ist es kein Zufall, dass das Aussehen seines Kopfes einem Atompilz nachempfunden ist. Es bleiben nur Tod und Zerst\u00f6rung, die in diesem Film von Ishir\u00f4 Honda sehr explizit gezeigt werden. In jedem Japaner wurde dabei direkt die Erinnerung an den Krieg und an die Schrecken der Atombombe geweckt, was dem Film zun\u00e4chst auch den Vorwurf japanischer Kritiker einbrachte, den Krieg und den Vorfall der Daigo auszubeuten.<\/p>\n<p>F\u00fcr den amerikanischen Markt wurde der Film um drastische 40 Minuten gek\u00fcrzt und weitere zus\u00e4tzlich 20 Minuten mit dem Schauspieler Raymond Burr eingef\u00fcgt, so dass viele Referenzen an die Atombombe und auch zum Teil die Szenen, die das Leid der Japaner zeigen, wegzensiert wurden. Auch die deutsche Version wurde damals f\u00fcr die Kinos gek\u00fcrzt. Die Originalfassung ist in Deutschland erst seit gut zwanzig Jahren erh\u00e4ltlich. F\u00fcr das Produktionsstudio Toho war der Film ein gro\u00dfer Erfolg und es folgten noch \u00fcber 35 weitere Godzilla-Filme. &#8222;Durch die Atombombe geweckt, und durch japanische Wissenschaftler (wieder und wieder) eingeschl\u00e4fert, wurde Godzilla zu einer Art Barometer der politischen Stimmung. Von einer bestrafenden Figur aus der Vergangenheit wandelte er sich in ein freundliches Monster und wurde zuletzt zum Verteidiger seines Landes (ob gerecht oder ungerecht) nicht nur gegen fremdl\u00e4ndische Monster, sondern auch gegen die Machenschaften der USA und UdSSR.&#8220; (Donald Richie zitiert nach J\u00f6rg Buttgereit: Japan. Die Monsterinsel, Berlin 2006, S. 12.).<\/p>\n<h2>Barfu\u00df\u00a0durch Hiroshima<\/h2>\n<p>Das Tabu um die Atombombe lockerte sich in den 60er Jahren langsam und 1972 ver\u00f6ffentlichte der Atombomben\u00fcberlebende Keiji Nakazawa mit <i>Ore wa mita<\/i> (dt. &#8222;ich habe es gesehen&#8220;) einen Augenzeugenbericht im Mangamagazin <i>Monthly Sh\u00f4nen Jump<\/i>. Keiji Nakazawa wurde am 14. M\u00e4rz 1939 in Hiroshima geboren und erlebte nicht nur die Schrecken des Krieges am eigenen Leib, sondern als Sechsj\u00e4hriger auch die Gr\u00e4uel der Atombombe. Er und seine\u00a0Mutter \u00fcberlebten durch Gl\u00fcck die Explosion, doch sein Vater, ein Bruder und eine Schwester kamen ums Leben. Nachdem ein Verlagslektor <i>Ore wa mita<\/i> las, wurde ihm angeboten, eine ausf\u00fchrliche autobiografische Geschichte \u00fcber seine Kindheit zu schreiben. Diese erschien ab dem 22. Mai 1973 im <i>Weekly Sh\u00f4nen Jump Magazin<\/i> und wurde bis 1987 in unterschiedlichen Magazinen fortgesetzt.<\/p>\n<figure class=\"left-aligned\"><img decoding=\"async\" title=\"Erinnerungsschrein in Horoshima, Foto: \u00a9 Fabian Krahe\" src=\"https:\/\/hpd.de\/sites\/hpd.de\/files\/media\/2020\/hiroshima_krahe_04.png\" alt=\"Erinnerungsschrein in Horoshima, Foto: \u00a9 Fabian Krahe\" \/><figcaption>Erinnerungsschrein in Horoshima, Foto: \u00a9 Fabian Krahe<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nakazawa schildert in seinem Manga <i>Barfu\u00df\u00a0durch Hiroshima<\/i> die Schrecken des Krieges und vor allem der Atombombe in einer offenen Direktheit, die wohl so nur einem Augenzeugen m\u00f6glich ist. Ob es nun Menschen sind, die ihre geschmolzene Haut hinter sich herziehen oder ein kleines M\u00e4dchen, aus dessen offenen Wunden sich die Maden herauswinden. Es gibt wohl kaum ein Werk, das\u00a0diese Schrecken so real werden lassen kann. Dabei sollte im Hinterkopf behalten werden, dass sich das Magazin <i>Weekly Sh\u00f4nen Jump<\/i> an junge Leser von etwa 13 Jahren richtet. Aber es ist gerade die Authentizit\u00e4t der von Nakazawa gezeichneten Bilder, die sich in ihrer Einfachheit in das Ged\u00e4chtnis einschleichen und das Grauen lebendig werden lassen. Art Spiegelmann, der selbst den Holocaust in seinem Comicbuch <i>Maus <\/i>verarbeitet hat, schreibt im Vorwort zum ersten Band der Carlsen-Ausgabe von <i>Barfu\u00df<\/i>: &#8222;Der gr\u00f6\u00dfte Vorzug von Nakazawas Zeichnungen ist jedoch ihre ungek\u00fcnstelte Schlichtheit. Ihre Ehrlichkeit verleiht ihnen eine solche \u00dcberzeugungskraft, dass das Unglaubliche und Undenkbare, das in Hiroshima wirklich geschehen ist, f\u00fcr den Leser erst fassbar wird. Die Authentizit\u00e4t der Geschichte macht sie unangreifbar.&#8220; (Art Spiegelmann: Der Comic und die Bombe. In: Barfu\u00df\u00a0durch Hiroshima. Kinder des Krieges, Hamburg 2004, S. 9)<\/p>\n<p>Doch trotz dieser drastischen Schilderung ist <i>Barfu\u00df\u00a0durch Hiroshima<\/i> ein Werk voller Hoffnung und mit einer eindeutig pazifistischen Botschaft. Nakazawas Vater selbst war Pazifist und Gegner der japanischen Monarchie und des Krieges. W\u00e4hrend des Krieges wurde er von der Kempeitai, der japanischen Geheimpolizei, f\u00fcr anderthalb Jahre inhaftiert und auch gefoltert. Diese Einstellung hat\u00a0auf seinen Sohn abgef\u00e4rbt und steht im Manga sehr im Vordergrund.<\/p>\n<p><i>Barfu\u00df\u00a0durch Hiroshima<\/i> war 1983 der erste Manga, der ins Deutsche \u00fcbersetzt wurde. Doch Rowohlt ver\u00f6ffentlichte damals nur den ersten Band. 2004 versuchte sich Carlsen erneut an der Geschichte und ver\u00f6ffentlichte davon vier B\u00e4nde. Die zweiteilige Anime-Verfilmung von 1983 und 1986 ist mittlerweile auch mit deutschen Untertiteln auf DVD erschienen.<\/p>\n<p>Zuletzt m\u00f6chte ich noch auf den Manga <i>In this Corner of the World<\/i>, der von 2006 bis 2009 in <i>Weekly Manga Action<\/i> erschien, und dessen kongeniale Verfilmung, die derzeit auf Netflix zu sehen ist, eingehen. In <i>In this Corner of the World<\/i> schildert die Autorin Fumiyo K\u00f4no das Leben einer jungen Frau aus Hiroshima, die im Februar 1944 nach Kure, etwa 20 Kilometer von Hiroshima entfernt, verheiratet wird. Kure war damals die gr\u00f6\u00dfte Marinebasis Japans. K\u00f4no beschreibt mit viel Lokal- und Zeitkolorit und pr\u00e4ziser Recherche am Beispiel der Protagonisten das Leben des damals durchschnittlichen Japaners. Wo <i>Barfu\u00df\u00a0durch Hiroshima<\/i>sehr direkt und schlicht ist, ist K\u00f4nos Werk subtil und elaboriert. K\u00f4no arbeitet viel mit Andeutungen und vieles erschlie\u00dft sich vielleicht auch dem aufmerksamsten Leser erst nach einer Weile. Durch die sehr liebensw\u00fcrdigen Protagonisten wird das Grauen des Krieges auf eine ganz andere Art hervorgehoben und akzentuiert als im Werk Nakazawas. K\u00f4no zeigt nicht nur den Alltag w\u00e4hrend des Krieges auf wunderbare Weise, sie arbeitet auch jede Menge historische Informationen in die Erz\u00e4hlung ein, sei es nun die Propaganda der Kriegszeit oder der Aufbau der Marinebasis in Kure. Zum Verst\u00e4ndnis des Mangas ist aufgrund der zum Teil hohen Informationsdichte und der sehr japanischen Art des Erz\u00e4hlens ein grundlegendes Wissen um die japanische Kultur von Vorteil. Doch um das allzu Menschliche der Protagonisten und ihrer Geschichte zu verstehen, ist das nicht zwingend vonn\u00f6ten. Durch das Wissen des Lesers um die unvermeidliche\u00a0Explosion der Atombombe in Hiroshima gewinnt die Geschichte noch eine ganz eigene Dramatik, die den Manga und den Film zu einer Lese- beziehungsweise\u00a0Seherfahrung ganz eigener Art machen.<\/p>\n<h2>Kunst als Einstieg in die Geschichte der Atombomben<\/h2>\n<p>Diese drei Werke: <i>Godzilla<\/i>, <i>Barfu\u00df\u00a0durch Hiroshima<\/i> und <i>In this Corner of the World<\/i>, zusammen mit dem l\u00e4ngst vergriffenen Roman <i>Schwarzer Regen<\/i> von Masuji Ibuse, sind ein hervorragender Einstieg, wenn man sich weiter mit der Atombombe in Hiroshima auseinandersetzen m\u00f6chte. Was in allen diesen Werken allerdings praktisch nicht angesprochen wird, denn es geht um Hiroshima, sind die Kriegsverbrechen der Japaner. Die Erinnerung an sie wird oft durch das Erinnern an die Schrecken der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki \u00fcberdeckt. Und gerade auch wenn es um das Erinnern an die Atombombe ging, wurden Stimmen laut, die darin eine m\u00f6gliche St\u00e4rkung revisionistischer Stimmen in Japan bef\u00fcrchteten.<\/p>\n<p>Ungeachtet dessen z\u00e4hlt Hiroshima heute sicherlich zu den sch\u00f6nsten St\u00e4dten Japans. Offen und modern pr\u00e4sentiert sie sich den Besuchern und Touristen. Doch wer genau hinsieht, kann nicht nur die offensichtlichen Narben des Krieges sehen. Inmitten der Stadt liegt heute der Friedenspark. Dort, wo die Atombombe den Stadtteil Nakajima einebnete, befindet sich ein Naherholungsgebiet f\u00fcr die Bewohner der Stadt, das als Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr die Opfer der Atombombe dient. Inmitten des Parks liegt das Kinder-Friedensmonument, das 1958 f\u00fcr die 1955 verstorbene Sadako Sasaki <a title=\"https:\/\/hpd.de\/artikel\/12040\" href=\"https:\/\/hpd.de\/artikel\/12040\">errichtet wurde<\/a>, und ein Kenotaph f\u00fcr die Opfer der Atombombe. Am Rande des Parks ist das Friedensmuseum, an dem an den Abwurf der Bombe erinnert wird. Und vom Friedenspark aus auf der anderen Seite des Flusses Motoyasu liegt die sogenannte Atombombenkuppel. Von der &#8222;Halle zur F\u00f6rderung der Industrie der Pr\u00e4fektur Hiroshima&#8220; blieben trotz einer N\u00e4he von nur etwa 160 Metern\u00a0zum Epizentrum der Explosion relativ viele Geb\u00e4udestrukturen erhalten. Seit 1996 ist dieses markante \u00dcberbleibsel des alten Hiroshimas Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. In der Begr\u00fcndung hei\u00dft es, es ist &#8222;nicht nur ein starkes und m\u00e4chtiges Symbol f\u00fcr die zerst\u00f6rerischste Kraft, die jemals von der Menschheit erschaffen wurde; es dr\u00fcckt ebenso die Hoffnung auf Weltfrieden und die endg\u00fcltige Beseitung aller Atomwaffen aus&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>75 Jahren warfen die USA zwei Atombomben auf die japanischen St\u00e4dte Hiroshima und Nagasaki. 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