{"id":1161551,"date":"2020-07-17T14:16:52","date_gmt":"2020-07-17T13:16:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1161551"},"modified":"2020-07-17T14:16:52","modified_gmt":"2020-07-17T13:16:52","slug":"usa-das-kostspielige-unternehmen-knast","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2020\/07\/usa-das-kostspielige-unternehmen-knast\/","title":{"rendered":"USA: Das kostspielige Unternehmen \u00abKnast\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das Justiz- und Gef\u00e4ngnissystem der USA bestraft vor allem Arme. Es zu \u00e4ndern, ist schwer, denn es profitieren zu viele.<\/strong><\/p>\n<p><strong><em><span class=\"author\"><span id=\"articleAuthor\">Daniela Gschweng<\/span><\/span> f\u00fcr die Online-Zeitung <a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/Artikel\/Gesellschaft\/USA-Das-kostspielige-Unternehmen-Knast\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">INFOsperber<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n<p>Tara Simmons kandidiert f\u00fcr ein politisches Amt. Genauer gesagt: f\u00fcr den Posten der Landesbeauftragten f\u00fcr den Bezirk Kidsap im US-Staat Washington. Und sie ist vorbestraft. Im Wahlkampf ist das die st\u00e4rkste Waffe der Juristin. Sie k\u00f6nnte die erste vorbestrafte Abgeordnete der USA werden. Ihre Gegner haben sie als \u00abdrogens\u00fcchtigen Ex-Knacki\u00bb bezeichnet.<\/p>\n<p>\u00abIch bin nicht stolz darauf\u00bb, sagt sie, \u00ababer ich verstehe, wie Leute im Gef\u00e4ngnis landen.\u00bb Auch andere Kandidaten f\u00fcr politische \u00c4mter gehen zunehmend offen damit um, <a href=\"https:\/\/www.themarshallproject.org\/2020\/06\/22\/formerly-incarcerated-political-candidates\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">dass sie im Gef\u00e4ngnis waren und ernten damit Zustimmung<\/a>. Sie kennen das Justizsystem der USA aus eigener Erfahrung und wollen es \u00e4ndern.<\/p>\n<h4><strong>Jeder Dritte US-Amerikaner ist bereits mit dem Gesetz in Konflikt geraten<\/strong><\/h4>\n<p>Denn da liegt einiges im Argen. \u00abMass Incarceration\u00bb ist kein neues Problem in den Vereinigten Staaten. Aktuell gibt es dort 2,1 Millionen Gefangene. Das sind sowohl <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/3212\/umfrage\/laender-mit-den-meisten-gefangenen-im-jahr-2007\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">absolut<\/a> wie auch <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/infografik\/5560\/gefangene-pro-100000-einwohner\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">gemessen an der Einwohnerzahl<\/a> mehr als in jedem anderen Land der Welt. Jeder dritte US-Amerikaner ist bereits mit dem Gesetz in Konflikt geraten.<\/p>\n<div class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/data\/attachements\/statista%20anteil%20gefangene%20nach%20land.JPG\" alt=\"USA: Das kostspielige Unternehmen \u00abKnast\u00bb\" width=\"755\" height=\"471\" \/><p class=\"wp-caption-text\"><em>In den USA sind gemessen an der Einwohnerzahl mehr Menschen inhaftiert als in irgendeinem anderen Land der Welt (<a href=\"https:\/\/de.statista.com\/infografik\/5560\/gefangene-pro-100000-einwohner\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Statista 2019<\/a>)<\/em><\/p><\/div>\n<p>Simmons ist eine weisse Frau und damit ein untypischer Ex-H\u00e4ftling. Etwa 40 Prozent der Inhaftierten sind m\u00e4nnlich und schwarz. Bei einem Bev\u00f6lkerungsanteil von <a href=\"https:\/\/www.census.gov\/quickfacts\/fact\/table\/US\/PST045219\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">13 Prozent Afroamerikanern<\/a> in den USA ist das viel. Auch Latinos werden \u00fcberproportional oft eingesperrt, viele immer wieder. Fast die H\u00e4lfte aller H\u00e4ftlinge (46 Prozent) sitzt wegen Drogendelikten. Eine Folge des \u00abWar against Drugs\u00bb und der Opioid-Epidemie. Auch Simmons f\u00fchrte eine Abh\u00e4ngigkeit in die Kriminalit\u00e4t.<\/p>\n<p>\u00abDas h\u00e4tte auch mein Weg sein k\u00f6nnen\u00bb, \u00fcberlegt sich der Regisseur Roger Ross Williams nach dem Tod seines Jugendfreundes Thommy. Aufgewachsen in Easton, Pennsylvania hatten beide als Jugendliche gedealt und kleinere Einbr\u00fcche begangen, \u00abum uns von den weissen Kids abzuheben\u00bb, sagt Williams. Sp\u00e4ter zog er nach New York und wurde Regisseur. Thommy blieb und landete im Gef\u00e4ngnis, immer wieder, wie viele Schwarze in seinem Umfeld. Schliesslich nahm er sich das Leben.<\/p>\n<p>\u00abVerzweifelt an einem Mechanismus, der Schwarzen kaum eine Chance l\u00e4sst\u00bb, dachte Williams. \u00abWas macht dieses Gef\u00e4ngnissystem so unentrinnbar? Und warum ist es so schwer zu \u00e4ndern?\u00bb, fragte er sich. Er traf sich mit Gef\u00e4ngnisausstattern, Sicherheitsbeamten, Aktivisten, Politikern und nat\u00fcrlich H\u00e4ftlingen. In einer Dokumentation f\u00fcr das <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/dokumentation\/zdfinfo-doku\/sklaverei-im-us-knast-arm-schwarz-ausgebeutet-102.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00abZDF\u00bb<\/a> portraitierte er ein System, von dem zu viele profitieren. Es ist nicht prim\u00e4r rassistisch, bestraft aber vor allem Arme hart.<\/p>\n<div>\n<p><em>Vom Gef\u00e4ngnis- und Justizsystem der USA profitieren:<\/em><\/p>\n<ul>\n<li><em>Kautionsb\u00fcrgen, oder \u00abBail Bond Agents\u00bb<\/em><\/li>\n<li><em>Ausstatter, Zulieferer, Sicherheitsdienstleister<\/em><\/li>\n<li><em>Unternehmen, die Dienstleistungen in Gef\u00e4ngnissen anbieten, wie Finanzdienstleister und Telefongesellschaften<\/em><\/li>\n<li><em>Privatisierte und staatseigene Gef\u00e4ngnisse, die die Arbeitskraft von H\u00e4ftlingen verkaufen oder selbst nutzen<\/em><\/li>\n<li><em>Unternehmen, die Gefangenenarbeit einkaufen<\/em><\/li>\n<li><em>Anleger, die Aktien von Gef\u00e4ngnisunternehmen halten<\/em><\/li>\n<li><em>Gef\u00e4ngnisstandorte durch die Besch\u00e4ftigung, die Gef\u00e4ngnisse schaffen.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<h4><strong>\u00abBail Bond Agents\u00bb und \u00abPlea Bargains\u00bb<\/strong><\/h4>\n<p>Das f\u00e4ngt bereits bei der Festnahme an. Wer festgenommen wird, landet sofort in Untersuchungshaft. Ein Richter kann aber eine Kaution festlegen, mit der ein Untersuchungsh\u00e4ftling bis zum Gerichtstermin auf freiem Fuss bleibt. Diese ist meist so hoch, dass ein H\u00e4ftling und dessen Familie nur einen Teil davon aufbringen k\u00f6nnen. Den Rest \u00fcbernimmt ein professioneller Kautionsb\u00fcrge oder \u00abBail Bonds Agent\u00bb gegen eine Geb\u00fchr von 10 bis 15 Prozent der Kautionssumme, die er in jedem Fall beh\u00e4lt. Bis dahin ist noch nicht einmal sicher, dass der Beschuldigte \u00fcberhaupt gegen ein Gesetz verstossen hat. Selbst wenn es nur eine Verwechslung ist: Wer in Untersuchungshaft bleibt, verliert sehr wahrscheinlich den Arbeitsplatz.<\/p>\n<p>Einen echten Schuldspruch gibt es wom\u00f6glich auch sp\u00e4ter nicht. Durch einen Handel zwischen Staatsanwalt und Verteidiger k\u00f6nnen diese das Strafmass auch ohne Verhandlung festlegen, wenn der Betroffene zustimmt. Die \u00fcberwiegende Mehrheit der sp\u00e4teren Gefangen entscheidet sich f\u00fcr einen solchen \u00abPlea Bargain\u00bb, denn Gerichtsverhandlungen sind teuer. Der Beschuldigte verzichtet damit auf sein verfassungsgem\u00e4sses Recht, angeh\u00f6rt zu werden, und h\u00e4lt damit die Justiz am Laufen. W\u00fcrde jeder Fall verhandelt, br\u00e4che das System zusammen.<\/p>\n<h4><strong>So landen viele unschuldig im Gef\u00e4ngnis<\/strong><\/h4>\n<p>Wer kein Geld f\u00fcr einen Anwalt hat, dem wird ein Pflichtverteidiger zugeordnet. Dieser ist oft wenig motiviert oder unerfahren. Dazu kommt: Nach europ\u00e4ischen Massst\u00e4ben werden auch kleine Delikte in den USA streng bestraft. Wiederholungst\u00e4ter k\u00f6nnen nach dem \u00abThree Strikes Law\u00bb f\u00fcr Kleinigkeiten Jahrzehnte im Gef\u00e4ngnis landen.<\/p>\n<p>Die Sch\u00e4tzungen, wie viele sich so schuldig bekennen, ohne ein Verbrechen begangen zu haben, gehen je nach politischer Pr\u00e4ferenz auseinander. Der Richter Jed Rankoff sch\u00e4tzt ihren Anteil f\u00fcr das <a href=\"https:\/\/www.themarshallproject.org\/2014\/12\/26\/plea-bargaining-and-the-innocent\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00abMarshall Project\u00bb<\/a>, das sich mit journalistischen Mitteln f\u00fcr Gefangene einsetzt, auf 2 bis 8 Prozent. Fachleute nehmen an, dass die Strafe oft zu hoch ausf\u00e4llt, weil der Staatsanwalt die H\u00f6chststrafe fordert und der Beschuldigte annimmt, dass er vor Gericht keine Chance hat.<\/p>\n<p>Schwarze werden \u00f6fter kontrolliert und h\u00e4rter bestraft, das beweist die Statistik. Das erkl\u00e4rt einen Teil der Wut, die die schwarze Bev\u00f6lkerung der USA seit Wochen auf die Strassen treibt. Einen ausf\u00fchrlichen Text \u00fcber \u00abPlea Bargains\u00bb kann man hier im <a href=\"https:\/\/www.theatlantic.com\/magazine\/archive\/2017\/09\/innocence-is-irrelevant\/534171\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00abAtlantic\u00bb<\/a> lesen.<\/p>\n<h4><strong>Ein Unternehmen namens \u00abGef\u00e4ngnis\u00bb<\/strong><\/h4>\n<p>265 Milliarden Dollar bezahlt der amerikanische Staat im Jahr an Justizbeamte, Sicherheitspersonal, f\u00fcr Lebensmittel und Infrastruktur, um seine vielen Gefangenen zu unterhalten. Etwa 10 Prozent der US-Gef\u00e4ngnisse sind privatisiert und erwirtschaften weitere Gewinne, meist \u00fcber Gefangenenarbeit.<\/p>\n<p>Zwangsarbeit ist nach dem 13. Verfassungszusatz in den USA erlaubt, wenn sie Bestandteil der Strafe ist. \u00abChain Gangs\u00bb im Strassenbau gibt es zwar nicht mehr, die Arbeit aber ist geblieben. Gefangene arbeiten in der Gef\u00e4ngnisinfrastruktur oder werden wie Leiharbeiter ausgeliehen, um in der Landwirtschaft, bei der Brandbek\u00e4mpfung und in allen m\u00f6glichen Unternehmen zu arbeiten.<\/p>\n<p>H\u00e4ftlinge n\u00e4hen Unterw\u00e4sche, fertigen Milit\u00e4rstiefel oder besetzen Telefon-Hotlines. Daf\u00fcr bekommen sie nur wenige Cent in der Stunde, in manchen Bundesstaaten gar nichts. Bilder, auf denen schwarze H\u00e4ftlinge \u00fcberwacht von weissen Aufsehern auf Feldern in den s\u00fcdlichen Bundesstaaten arbeiten, geben der Forderung, \u00abdie Sklaverei noch einmal abzuschaffen\u00bb, eine gewisse Berechtigung.<\/p>\n<p>Ganz wohl scheint den meisten US-Amerikanern dabei nicht zu sein. Als der Milliard\u00e4r Michael Bloomberg 2019 <a href=\"https:\/\/theintercept.com\/2019\/12\/24\/mike-bloomberg-2020-prison-labor\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">auf Gefangene zur\u00fcckgriff<\/a>, um per Telefonmarketing Werbung f\u00fcr sich als Pr\u00e4sidentschaftskandidat zu machen, f\u00fchrte das zu einem handfesten Shitstorm.<\/p>\n<p>In der Summe arbeiten jedoch nur wenige Inhaftierte f\u00fcr die Privatwirtschaft. Die meiste Arbeit verrichten sie f\u00fcr den Staat oder innerhalb des Gef\u00e4ngnisbetriebs. Gefangene erledigen dort vom Kochen bis zu Klempnerarbeiten fast alles, was nicht direkt sicherheitsrelevant ist.<\/p>\n<p>Das profitable Gesch\u00e4ft mit der Gefangenschaft<\/p>\n<p>Von ihrem Lohn k\u00f6nnen sie sich dann nicht einmal etwas im Gef\u00e4ngnisladen kaufen. Waren und Dienstleistungen sind im Gef\u00e4ngnis sehr viel teurer als draussen. Allein an Telefongespr\u00e4chen aus Gef\u00e4ngnissen verdienen die Telefongesellschaften pro H\u00e4ftling etwa 500 Dollar im Monat, hat Williams recherchiert. Wenn sie Geld von Verwandten bekommen, kostet das Geb\u00fchren. Sogar dann, wenn es als Bargeld \u00fcbergeben wird.<\/p>\n<p>Wer einsitzt, hat in Folge meist Schulden, seine Familie ebenfalls. Durchschnittlich 13&#8217;600 Dollar werden laut Williams allein f\u00fcr Gerichtskosten und Geb\u00fchren f\u00e4llig. Ein guter Teil aller H\u00e4ftlinge sitzt in US-Gef\u00e4ngnissen, weil sie etwas nicht bezahlen konnten. Das trifft nicht nur Schwarze. \u00abIch sitze hier seit sechs Monaten, weil ich dem Staat 545 Dollar schulde\u00bb, sagt eine junge Weisse im Interview.<\/p>\n<h4><strong>Wer Geld hat, bucht Luxusknast<\/strong><\/h4>\n<p>Wer Geld hat, dem kann das egal sein. Verm\u00f6gende H\u00e4ftlinge k\u00f6nnen sich sogar die Haft entspannt gestalten. Einige private Gef\u00e4ngnisse bieten f\u00fcr mehrere hundert Dollar pro Tag Luxus-Zellen mit Fernseher, Internetanschluss und eigener Dusche an, berichtete <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/immobilien\/wohnen\/statt-duschen-im-sammelbad-sitzen-fuer-250-dollar-pro-nacht-haeftlinge-buchen-in-den-usa-zellen-im-luxus-knast_id_7334415.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00abFocus\u00bb<\/a>. Wieviel das noch mit Strafe zu tun hat, ist Ansichtssache.<\/p>\n<p>Die Parallelen zur Tourismusbranche sind nicht zu \u00fcbersehen. Andererseits gibt es immer wieder Berichte \u00fcber Missst\u00e4nde und schlecht ausgebildetes Gef\u00e4ngnispersonal in privat gef\u00fchrten Haftanstalten.<\/p>\n<p>Um Profite zu machen, rechnet ein privates US-Gef\u00e4ngnis mit einer bestimmten Belegung, \u00e4hnlich wie ein Hotel. Laut <a href=\"https:\/\/www.prisonlegalnews.org\/news\/2015\/jul\/31\/report-finds-two-thirds-private-prison-contracts-include-lockup-quotas\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00abPrison Legal News\u00bb<\/a> halten zwei Drittel der privaten Betreiber Vertr\u00e4ge, die eine Mindestbelegung festlegen. Gibt es weniger H\u00e4ftlinge, droht eine Vertragsstrafe. Der Staat Arizona musste wegen Unterbelegung 2011 drei Millionen Dollar an das Unternehmen MTC bezahlen. Die urspr\u00fcngliche Forderung belief sich sogar auf zehn Millionen.<\/p>\n<p>Rechnen tut sich das Gesch\u00e4ft mit dem Knast aber doch: Auch Williams h\u00e4lt \u00fcber seine Anlagefonds Anteile an Gef\u00e4ngnisunternehmen und finanziert das Gesch\u00e4ft mit dem Knast mit, stellt er fest.<\/p>\n<h4><strong>Einige Staaten haben bereits die Notbremse gezogen<\/strong><\/h4>\n<p>Ein Grund, warum \u00c4mter Vertr\u00e4ge mit Belegungsgarantie unterzeichnen: Eine Haftanstalt schafft viele Arbeitspl\u00e4tze. Ein Umstand, der nicht dazu f\u00fchrt, die Anzahl der Inhaftierten zu verringern und Ex-H\u00e4ftlinge bei der Resozialisierung zu unterst\u00fctzen. Einige Bundesstaaten haben bereits den Ausstieg angek\u00fcndigt. Kalifornien beispielsweise <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/zeitgeschehen\/2019-10\/usa-kalifornien-private-gefaengnis-verbot\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">wird die Privatisierung von Gef\u00e4ngnissen beenden<\/a>. Sp\u00e4testens ab 2028 soll es keine privaten Anstalten mehr geben, l\u00e4nger g\u00fcltige Vertr\u00e4ge werden seit diesem Jahr nicht mehr erneuert.<\/p>\n<p>Um die Sicherheit der Gesellschaft zu erh\u00f6hen, taugt das System nur bedingt. Drei Viertel aller ehemaligen Gefangenen werden innerhalb von sechs Jahren r\u00fcckf\u00e4llig. Ein guter Teil wegen Verst\u00f6ssen gegen Bew\u00e4hrungsauflagen.<\/p>\n<div class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/data\/attachements\/PPI%20Bew%C3%A4hrung%20haft%20Auflagen%20gesamt.JPG\" alt=\"USA: Das kostspielige Unternehmen \u00abKnast\u00bb\" width=\"781\" height=\"422\" \/><p class=\"wp-caption-text\"><em>Fast sieben Millionen Menschen stehen unter der Kontrolle des US-Justitzsystems. Mehr als die H\u00e4lfte mit einer Bew\u00e4hrungsstrafe (Prison Policy Initiative).<\/em><\/p><\/div>\n<h4><strong>Stolperstein Bew\u00e4hrungsauflagen<\/strong><\/h4>\n<p>Die Anzahl der Menschen, die zu einer Bew\u00e4hrungsstrafe verurteilt oder unter Auflagen entlassen wurden, ist ein Vielfaches h\u00f6her als die der aktuell Inhaftierten. Auch f\u00fcr sie spielt Geld eine grosse Rolle. Sie m\u00fcssen ihre Schulden begleichen, Arbeit und Wohnung finden, selbst der Bew\u00e4hrungshelfer kostet sie Geld. Durch die Strafe haben sie manchmal das Recht zur Berufsaus\u00fcbung verloren.<\/p>\n<h4><strong>\u00abKeine Arbeit zu haben, ist kein Verbrechen\u00bb<\/strong><\/h4>\n<p>Simmons, die wegen ihrer Vorstrafe zun\u00e4chst nicht mehr als Krankenschwester arbeiten durfte, fand zum Mindestlohn Arbeit bei Burger King. Von ihrem monatlichen Verdienst von 900 Dollar ging dennoch das meiste f\u00fcr die Bezahlung ihrer Schulden ab. Aus den urspr\u00fcnglich 6&#8217;100 Dollar, die sie dem Staat schuldete, waren durch einen Zinssatz von 12 Prozent nach der Haft 7&#8217;600 Dollar geworden. Gerichtskosten, sagte sie bei einer Anh\u00f6rung im Staat Washington, f\u00fchrten so zu einem Armutszyklus.<\/p>\n<p>\u00abKeine Arbeit zu haben, ist kein Verbrechen\u00bb, sagt der ehemalige Staatsanwalt Adam Foss dazu. \u00abSelbst wer keine Arbeit will und lieber auf dem Sofa abh\u00e4ngt, begeht keine kriminelle Handlung\u00bb. Wegen solcher und anderer Verst\u00f6sse gegen die Auflagen wandern aber jedes Jahr viele in den Knast. Es reicht schon ein verpasster Drogentest. Die psychische und finanzielle Belastung f\u00fcr ihre Angeh\u00f6rigen ist gross.<\/p>\n<p><em>Wen das US-Gef\u00e4ngissystem Geld kostet<\/em><\/p>\n<ul>\n<li><em>Verd\u00e4chtige<\/em><\/li>\n<li><em>Gefangene<\/em><\/li>\n<li><em>ihre Angeh\u00f6rigen und Communities<\/em><\/li>\n<li><em>die US-Steuerzahler<\/em><\/li>\n<li><em>die gesamte Wirtschaft der USA<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<h4><strong>Verlust der demokratischen Rechte f\u00fcr Kriminelle<\/strong><\/h4>\n<p>Tara Simmons hat wom\u00f6glich bald die Chance, daran etwas zu \u00e4ndern. Vor allem aber hat sie Gl\u00fcck. Sie lebt in einem US-Bundesstaat, in dem sie als Vorbestrafte w\u00e4hlen und kandidieren kann. Wer in den USA im Gef\u00e4ngnis sitzt, unter Auflagen entlassen wird oder eine Bew\u00e4hrungsstrafe aussitzt, verliert das Wahlrecht. <a href=\"https:\/\/www.brennancenter.org\/our-work\/research-reports\/criminal-disenfranchisement-laws-across-united-states\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Je nach Bundesstaat f\u00fcr einige Zeit oder sogar lebenslang<\/a>. In Iowa zum Beispiel w\u00e4re Simmons ihr Wahlrecht auf Lebenszeit los.<\/p>\n<p>Sechs bis sieben Millionen US-Amerikaner k\u00f6nnen politisch kaum Einfluss nehmen, weil sie unter Aufsicht des Staates stehen. Einige Staaten wie Florida versuchen jedoch bereits, diese Vorschriften zu lockern.<\/p>\n<p>Statt immer h\u00e4rterer Strafen, was sich im Wahlkampf normalerweise gut macht, setzen sich US-Politiker beider Parteien seit einigen Jahren f\u00fcr eine Reform des Systems ein. Sie tun das vermutlich nicht nur aus humanit\u00e4ren Gr\u00fcnden. F\u00fcr jeden Dollar, der in die Gef\u00e4ngnisse wandert, entstehen zehnmal so hohe Folgekosten, beispielsweise im Sozial- und Gesundheitssystem. Die Gef\u00e4ngnisindustrie kostet die Vereinigten Staaten nach einer <a href=\"https:\/\/joinnia.com\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/The-Economic-Burden-of-Incarceration-in-the-US-2016.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Studie von 2016<\/a> sechs Prozent des BIP.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Justiz- und Gef\u00e4ngnissystem der USA bestraft vor allem Arme. Es zu \u00e4ndern, ist schwer, denn es profitieren zu viele. Daniela Gschweng f\u00fcr die Online-Zeitung INFOsperber Tara Simmons kandidiert f\u00fcr ein politisches Amt. 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