{"id":1156314,"date":"2020-07-12T09:47:31","date_gmt":"2020-07-12T08:47:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1156314"},"modified":"2020-07-12T09:47:31","modified_gmt":"2020-07-12T08:47:31","slug":"umwelt-studie-1-wie-konsum-den-planeten-zerstoert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2020\/07\/umwelt-studie-1-wie-konsum-den-planeten-zerstoert\/","title":{"rendered":"Umwelt-Studie (1): Wie Konsum den Planeten zerst\u00f6rt"},"content":{"rendered":"<p><strong>In der Fachzeitschrift <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41467-020-16941-y#auth-4\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Nature<\/a> wurde k\u00fcrzlich eine Studie ver\u00f6ffentlicht, die aufzeigt, wie die Konsumgesellschaft und das kapitalistische System f\u00fcr die meisten negativen Umweltauswirkungen verantwortlich sind. Sie stellt L\u00f6sungen vor, die von reformistischen Ans\u00e4tzen bis hin zu radikalen Ans\u00e4tzen des \u00d6ko-Sozialismus und \u00d6ko-Anarchismus reichen. Die Redaktion des graswurzeljournalistischen Kollektiv-Magazins <a href=\"https:\/\/schwarzerpfeil.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">SchwarzerPfeil<\/a> hat die Studie \u00fcbersetzt und in drei Teilen ver\u00f6ffentlicht. Neue Debatte hat die Beitragsserie von <a href=\"https:\/\/schwarzerpfeil.de\/ueber-uns\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">SchwarzerPfeil<\/a> \u00fcbernommen.<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<h2><span id=\"Abstrakt\" class=\"ez-toc-section\"><\/span>Abstrakt<\/h2>\n<p>Seit mehr als einem halben Jahrhundert hat das weltweite Wachstum des Wohlstands den Ressourcenverbrauch und den Schadstoffaussto\u00df kontinuierlich erh\u00f6ht, viel schneller als diese durch bessere Technologie reduziert werden konnten.<\/p>\n<p>Die wohlhabenden B\u00fcrger:innen der Welt sind f\u00fcr die meisten Umweltauswirkungen verantwortlich und sind von zentraler Bedeutung f\u00fcr jede zuk\u00fcnftige Aussicht, sich in sicherere Umweltbedingungen zur\u00fcckzuziehen. Wir fassen die Erkenntnisse zusammen und stellen m\u00f6gliche L\u00f6sungsans\u00e4tze vor.<\/p>\n<p>Jeder \u00dcbergang zur Nachhaltigkeit kann nur dann effektiv sein, wenn weitreichende \u00c4nderungen des Lebensstils den technologischen Fortschritt erg\u00e4nzen. Die bestehenden Gesellschaften, Wirtschaften und Kulturen f\u00f6rdern jedoch die Ausweitung des Konsums, und der strukturelle Imperativ f\u00fcr Wachstum in wettbewerbsf\u00e4higen Marktwirtschaften hemmt notwendige gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen.<\/p>\n<h2><span id=\"Einfuehrung\" class=\"ez-toc-section\"><\/span>Einf\u00fchrung<\/h2>\n<p>J\u00fcngste Warnungen von Wissenschaftler:innen best\u00e4tigen alarmierende Trends der Umweltzerst\u00f6rung durch menschliche Aktivit\u00e4ten, die zu tiefgreifenden Ver\u00e4nderungen der lebenserhaltenden Funktionen des Planeten Erde f\u00fchren. Die Warnungen lassen vermuten, dass die Menschheit es vers\u00e4umt hat, dauerhafte L\u00f6sungen f\u00fcr diese Ver\u00e4nderungen zu finden, die existenzielle Bedrohungen f\u00fcr nat\u00fcrliche Systeme, Wirtschaften und Gesellschaften darstellen und die Regierungen und Einzelpersonen zum Handeln auffordern.<\/p>\n<p>Die Warnungen beschreiben die Probleme treffend, identifizieren Bev\u00f6lkerung, Wirtschaftswachstum und Wohlstand als Triebkr\u00e4fte nicht nachhaltiger Trends und erkennen an, dass die Menschheit die Rolle wachstumsorientierter Wirtschaften und das Streben nach Wohlstand neu bewerten muss. Es gelingt ihnen jedoch nicht, die dem \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Konsum zugrundeliegenden Kr\u00e4fte klar zu identifizieren und die Ma\u00dfnahmen zu benennen, die erforderlich sind, um der \u00fcberw\u00e4ltigenden Macht des Konsums und dem Paradigma des Wirtschaftswachstums entgegenzuwirken.<\/p>\n<p><strong>Diese Perspektive fasst die vorhandenen Kenntnisse und Empfehlungen der wissenschaftlichen Gemeinschaft zusammen.<\/strong><\/p>\n<p>Wir liefern Beweise aus der Literatur, dass der Konsum der wohlhabenden Haushalte weltweit bei weitem der st\u00e4rkste Bestimmungsfaktor und der st\u00e4rkste Beschleuniger des Anstiegs der globalen \u00f6kologischen und sozialen Auswirkungen ist. Wir beschreiben die systemischen Triebkr\u00e4fte des \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Wohlstandskonsums und fassen die Literatur zusammen, die m\u00f6gliche L\u00f6sungen durch eine Reform oder Ver\u00e4nderung der Wirtschaftssysteme bietet.<\/p>\n<p>Diese L\u00f6sungsans\u00e4tze reichen von reformistischen bis hin zu radikalen Ideen, einschlie\u00dflich Wachstumsr\u00fccknahme, \u00d6ko-Sozialismus und \u00d6ko-Anarchismus. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse destillieren wir im letzten Abschnitt Empfehlungen f\u00fcr die weitere Forschung.<\/p>\n<h2><span id=\"Wohlstand_als_Motor_fuer_oekologische_und_soziale_Auswirkungen\" class=\"ez-toc-section\"><\/span>Wohlstand als Motor f\u00fcr \u00f6kologische und soziale Auswirkungen<\/h2>\n<h3><span id=\"Die_Verbindung_zwischen_Konsum_und_Auswirkungen\" class=\"ez-toc-section\"><\/span>Die Verbindung zwischen Konsum und Auswirkungen<\/h3>\n<p>Es gibt eine gro\u00dfe Menge an Literatur, in der die Beziehung zwischen Umwelt-, Ressourcen- und sozialen Auswirkungen auf der einen Seite und m\u00f6glichen Erkl\u00e4rungsvariablen auf der anderen Seite untersucht wird.<\/p>\n<p>Wir \u00fcberpr\u00fcfen und fassen jene Studien zusammen, die die Auswirkungen menschlicher Aktivit\u00e4ten ganzheitlich bewerten, in dem Sinne, dass die Auswirkungen nicht auf den Wohnort, die Stadt oder das Territorium der Individuen beschr\u00e4nkt sind, sondern unabh\u00e4ngig davon gez\u00e4hlt werden, wo sie auftreten. Eine solche Bewertungsperspektive wird \u00fcblicherweise als verbrauchsbasierte Buchf\u00fchrung oder Footprinting bezeichnet.<\/p>\n<p>Die Zuweisung der Umweltauswirkungen an die Verbraucher:innen entspricht der Perspektive, dass die Verbraucher:innen die ultimative Triebkraft der Produktion sind, da ihre Kaufentscheidungen eine Reihe von Handelstransaktionen und Produktionsaktivit\u00e4ten in Gang setzen, die sich entlang komplexer internationaler Lieferketten-Netzwerke ausbreiten.<\/p>\n<p>Die Zuweisung der Umweltauswirkungen an die Verbraucher:innen impliziert jedoch nicht unbedingt ein systemisches kausales Verst\u00e4ndnis dar\u00fcber, welche:r Akteur:in am meisten f\u00fcr diese Auswirkungen verantwortlich gemacht werden sollte. Die Verantwortung kann bei den Verbraucher:innen oder bei einer\/m externen Akteur:in, wie dem Staat, oder in den strukturellen Beziehungen zwischen den Akteur:innen liegen.<\/p>\n<p><strong>Gelehrte des nachhaltigen Konsums haben gezeigt, dass die Verbraucher:innen oft wenig Kontrolle \u00fcber umweltsch\u00e4dliche Entscheidungen entlang der Versorgungsketten haben, jedoch haben sie oft \u00fcberhaupt erst die Kontrolle \u00fcber eine Konsumentscheidung.<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend in der keynesianischen \u00d6konomie die Verbraucher:innennachfrage die Produktion antreibt, sehen sowohl die politische \u00d6konomie als auch die Umweltsoziologie von Marx die Wirtschaft als angebotsdominiert an. In diesem Artikel heben wir die Messung der Umweltauswirkungen des Konsums hervor, wobei wir darauf hinweisen, dass mehrere Akteure Verantwortung tragen.<\/p>\n<p>Ganzheitliche Studien \u00fcber die \u00f6kologischen oder sozialen Folgen des Konsums beinhalten in der Regel den Einsatz von Lebenszyklusanalysen oder Input-Output-Analysen, die nicht nur die direkten (vor Ort, innerhalb des Territoriums), sondern vor allem auch die indirekten Auswirkungen ber\u00fccksichtigen, die entlang globaler und kompletter Versorgungsketten auftreten. Der Einsatz solcher Methoden ist wichtig, denn wenn es nicht gelingt, die Auslagerung indirekter Auswirkungen (auch Spill-Overs oder Leckagen genannt) aufzudecken, besteht die Gefahr, dass die globalen Bem\u00fchungen zur Verringerung der Umweltauswirkungen, z. B. des Klimawandels, ernsthaft untergraben werden.<\/p>\n<p>Bei einer Vielzahl von Umwelt-, Ressourcen- und Sozialindikatoren besteht eine signifikante Proportionalit\u00e4t zwischen Verbrauch und Auswirkungen. Die Auswirkungen des Verbrauchs auf die knappen Energieressourcen tauchten bereits in den 1970er Jahren auf und wurden durch zahlreiche verbrauchsbasierte Analysen zu so unterschiedlichen Indikatoren wie CO2-Emissionen, Rohstoffe, Luftverschmutzung, Biodiversit\u00e4t, Stickstoffemissionen, knapper Wasserverbrauch oder Energie best\u00e4tigt.<\/p>\n<p><strong>Viele dieser Studien verwendeten multiple Regressions- oder \u00e4hnliche Techniken und lieferten klare Beweise f\u00fcr unser erstes Ergebnis: dass der Verbrauch bei weitem der st\u00e4rkste Bestimmungsfaktor f\u00fcr die globalen Auswirkungen ist und andere sozio\u00f6konomisch-demographische Faktoren wie Alter, Haushaltsgr\u00f6\u00dfe, Qualifikation oder Wohnstruktur in den Schatten stellt.<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend die St\u00e4rke der Proportionalit\u00e4t zwischen Konsum und Auswirkungen zu h\u00f6heren Einkommen hin leicht abnimmt (gemessen an den so genannten Elastizit\u00e4ten), wurde der Konsum als durchweg positive Triebkraft festgestellt. Mit anderen Worten, die Wirkungsintensit\u00e4t des Konsums nimmt ab, aber die absoluten Auswirkungen nehmen in Richtung eines h\u00f6heren Konsums zu. Eine absolute Entkopplung, geschweige denn eine Kuznets-Beziehung vom umgekehrten U-Typ, tritt aus der Perspektive einer konsumbasierten Buchhaltung nicht auf.<\/p>\n<p>(<strong>Anm. d. Red.:<\/strong> eine Kuznets-Kurve ist die grafische Darstellung des von Simon Smith Kuznets aufgestellten hypothetischen Zusammenhangs zwischen Wirtschaftswachstum und Ungleichheit in der Einkommensverteilung.)<\/p>\n<p>Bei einigen sozialen Indikatoren sind die kausalen Zusammenh\u00e4nge zwischen Konsum und Auswirkungen schwach oder gar nicht vorhanden. Zum Beispiel kann der Entzug des Konsums aus L\u00e4ndern mit ungleichen L\u00f6hnen, Kinderarbeit, Korruption oder schwerwiegenden Berufsrisiken diese Bedingungen nicht beeinflussen und sogar soziale Probleme verschlimmern. Fu\u00dfabdruckstudien zu diesen Indikatoren charakterisieren jedoch die Konsument:innen von Waren aus sozial problematischen Herkunftsl\u00e4ndern als mit sch\u00e4dlichen Auswirkungen behaftet.<\/p>\n<h3><span id=\"Trends\" class=\"ez-toc-section\"><\/span>Trends<\/h3>\n<p>Viele Indikatoren f\u00fcr die globalen \u00f6kologischen und sozialen Auswirkungen wurden im Laufe der Zeit beobachtet, und es gibt Zeitreihendaten. In den letzten Jahrzehnten wurden zahlreiche globale Studien durchgef\u00fchrt, die Zeitreihen von Fu\u00dfabdr\u00fccken des Konsums in Triebkr\u00e4fte von Trends zerlegen, zum Beispiel \u00fcber Treibhausgasemissionen, Energieverbrauch, Wasserverbrauch, Materialien oder Quecksilberemissionen.<\/p>\n<p>Diese Studien zerlegen routinem\u00e4\u00dfig die globalen Auswirkungstrends in Effekte, die auf Ver\u00e4nderungen bei einer Reihe von Faktoren zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, wie z.B. der Technologie, der Inputstruktur der Produktion, dem Produktmix der Verbraucher:innennachfrage, dem Niveau des Pro-Kopf-Verbrauchs oder der Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p><strong>Die meisten Studien stimmen darin \u00fcberein, dass die bei weitem wichtigsten Triebkr\u00e4fte der globalen Auswirkungen der technologische Wandel und der Pro-Kopf-Konsum sind.<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend ersterer mehr oder weniger stark verz\u00f6gernd wirkt, ist letzterer ein starker Beschleuniger der globalen Umweltauswirkungen. Bemerkenswerterweise hat das Wachstum des Konsums (und in geringerem Ma\u00dfe der Bev\u00f6lkerung) die positiven Auswirkungen der technologischen Ver\u00e4nderungen der letzten Jahrzehnte bei weitem \u00fcbertroffen. Diese Ergebnisse gelten sowohl f\u00fcr die gesamte Welt als auch f\u00fcr zahlreiche einzelne L\u00e4nder.<\/p>\n<p>Abbildung 1 zeigt das Beispiel der Ver\u00e4nderungen des globalen materiellen Fu\u00dfabdrucks und der Treibhausgasemissionen im Vergleich zum BIP im Laufe der Zeit. Der \u00fcberw\u00e4ltigende Beweis aus den Zersetzungsstudien ist, dass der weltweit steigende Konsum die Gewinne, die durch den technologischen Wandel zur Verringerung der Umweltbelastung entstanden sind, verringert oder zunichte gemacht hat.<\/p>\n<div id=\"attachment_103013\" class=\"wp-caption aligncenter\">\n<p><a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41467-020-16941-y\/figures\/1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-103013\" style=\"margin: 0px; padding: 0px; border: 0px; font-family: inherit; font-size: inherit; font-style: inherit; font-variant-caps: inherit; font-weight: inherit; font-stretch: inherit; line-height: inherit; vertical-align: baseline; max-width: 100%; height: auto; -webkit-box-shadow: rgba(0, 0, 0, 0.15) 0px 2px 3px; box-shadow: rgba(0, 0, 0, 0.15) 0px 2px 3px; transition: opacity 0.2s ease;\" src=\"https:\/\/i2.wp.com\/neue-debatte.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/PicsArt_07-03-01.10.23-Abb.-1-Relative-Ver%C3%A4nderung-der-wichtigsten-globalen-Wirtschafts-und-Umweltindikatoren-von-1970-bis-2017..png?resize=684%2C532&amp;ssl=1\" sizes=\"auto, (max-width: 684px) 100vw, 684px\" srcset=\"https:\/\/i2.wp.com\/neue-debatte.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/PicsArt_07-03-01.10.23-Abb.-1-Relative-Ver%C3%A4nderung-der-wichtigsten-globalen-Wirtschafts-und-Umweltindikatoren-von-1970-bis-2017..png?w=684&amp;ssl=1 684w, https:\/\/i2.wp.com\/neue-debatte.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/PicsArt_07-03-01.10.23-Abb.-1-Relative-Ver%C3%A4nderung-der-wichtigsten-globalen-Wirtschafts-und-Umweltindikatoren-von-1970-bis-2017..png?resize=300%2C233&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i2.wp.com\/neue-debatte.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/PicsArt_07-03-01.10.23-Abb.-1-Relative-Ver%C3%A4nderung-der-wichtigsten-globalen-Wirtschafts-und-Umweltindikatoren-von-1970-bis-2017..png?resize=150%2C117&amp;ssl=1 150w\" alt=\"Relative Ver\u00e4nderung der wichtigsten globalen Wirtschafts- und Umweltindikatoren von 1970 bis 2017.\" width=\"626\" height=\"487\" aria-describedby=\"caption-attachment-103013\" data-attachment-id=\"103013\" data-permalink=\"https:\/\/neue-debatte.com\/picsart_07-03-01-10-23-abb-1-relative-veraenderung-der-wichtigsten-globalen-wirtschafts-und-umweltindikatoren-von-1970-bis-2017\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i2.wp.com\/neue-debatte.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/PicsArt_07-03-01.10.23-Abb.-1-Relative-Ver\u00e4nderung-der-wichtigsten-globalen-Wirtschafts-und-Umweltindikatoren-von-1970-bis-2017..png?fit=684%2C532&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"684,532\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"PicsArt_07-03-01.10.23; Abb. 1: Relative Ver\u00e4nderung der wichtigsten globalen Wirtschafts- und Umweltindikatoren von 1970 bis 2017.\" data-image-description=\"&lt;p&gt;PicsArt_07-03-01.10.23 Abb. 1 Relative Ver\u00e4nderung der wichtigsten globalen Wirtschafts- und Umweltindikatoren von 1970 bis 2017.&lt;\/p&gt; \" data-medium-file=\"https:\/\/i2.wp.com\/neue-debatte.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/PicsArt_07-03-01.10.23-Abb.-1-Relative-Ver\u00e4nderung-der-wichtigsten-globalen-Wirtschafts-und-Umweltindikatoren-von-1970-bis-2017..png?fit=300%2C233&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i2.wp.com\/neue-debatte.com\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/PicsArt_07-03-01.10.23-Abb.-1-Relative-Ver\u00e4nderung-der-wichtigsten-globalen-Wirtschafts-und-Umweltindikatoren-von-1970-bis-2017..png?fit=684%2C532&amp;ssl=1\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-103013\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 1: Relative Ver\u00e4nderung der wichtigsten globalen Wirtschafts- und Umweltindikatoren von 1970 bis 2017.<\/p>\n<\/div>\n<p>Gezeigt wird, wie sich der globale materielle Fu\u00dfabdruck (MF, gleichbedeutend mit globaler Rohstoffgewinnung) und die globalen CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe und Industrieprozessen (CO2 FFI) im Vergleich zum globalen BIP\/GDP (konstant 2010 USD) ver\u00e4ndert haben. 1990 auf 1 indexiert.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem besetzen Gruppen mit niedrigem Einkommen schnell die mittleren und hohen Einkommensgruppen auf der ganzen Welt. Dies kann die Auswirkungen des mobilit\u00e4tsbedingten Konsums, der nachweislich \u00fcberproportional mit dem Einkommen steigt (d.h. die Elastizit\u00e4t ist gr\u00f6\u00dfer als eins), potenziell noch weiter versch\u00e4rfen.<\/p>\n<p>Das bedeutet, dass, wenn der Konsum bei den k\u00fcnftigen Bem\u00fchungen um die Milderung der Umweltauswirkungen nicht ber\u00fccksichtigt wird, die technologischen L\u00f6sungen einen schweren Kampf austragen werden, da sie nicht nur eine Verringerung der Auswirkungen bewirken m\u00fcssen, sondern auch den Auswirkungen des wachsenden Konsums und Wohlstands entgegenwirken m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>Um eine weitere Verschlechterung und irreversible Sch\u00e4digung der nat\u00fcrlichen und gesellschaftlichen Systeme zu vermeiden, wird eine globale und schnelle Abkopplung der sch\u00e4dlichen Auswirkungen von der Wirtschaftst\u00e4tigkeit erforderlich sein.<\/strong><\/p>\n<p>Zwar ist es einer Reihe von L\u00e4ndern des globalen Nordens in j\u00fcngster Zeit gelungen, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren, w\u00e4hrend ihre Volkswirtschaften noch wachsen, doch ist es h\u00f6chst unwahrscheinlich, dass eine solche Entkopplung in naher Zukunft in gr\u00f6\u00dferem Umfang und schnell genug auf globaler Ebene und f\u00fcr andere Umweltauswirkungen erfolgen wird. Dies liegt daran, dass erneuerbare Energien, Elektrifizierung, kohlenstoffabfangende Technologien und sogar Dienstleistungen alle einen Ressourcenbedarf haben, meist in Form von Metallen, Beton und Land.<\/p>\n<p>Steigende Energienachfrage und Kosten der Rohstoffgewinnung, technische Beschr\u00e4nkungen und Rebound-Effekte versch\u00e4rfen das Problem. Es wurde daher argumentiert, dass <em>\u201edie politischen Entscheidungstr\u00e4ger:innen die Tatsache anerkennen m\u00fcssen, dass die Bew\u00e4ltigung der Umweltzerst\u00f6rung eine direkte Senkung der wirtschaftlichen Produktion und des Verbrauchs in den wohlhabendsten L\u00e4ndern erfordern kann\u201c.<\/em> Wir werden dieses Argument im Abschnitt \u00fcber systemische Triebkr\u00e4fte und m\u00f6gliche L\u00f6sungen behandeln.<\/p>\n<h2><span id=\"Internationale_Ungleichheiten\" class=\"ez-toc-section\"><\/span>Internationale Ungleichheiten<\/h2>\n<p>Im Folgenden werden wir erkl\u00e4ren, warum wir Konsum als Wohlstand bezeichnen. Die Ungleichheit wird \u00fcblicherweise durch den Gini-Index beschrieben, wobei 0 f\u00fcr die totale Gleichheit (alle Individuen sind gleich) und 100 f\u00fcr die totale Ungleichheit (ein Individuum besitzt alles) steht.<\/p>\n<p>Die Gini-Indexe der L\u00e4nder der Welt f\u00fcr die Einkommensungleichheit liegen zwischen 25 (Skandinavien) und 63 (S\u00fcdliches Afrika). Der weltweite Gini-Index der Einkommensungleichheit liegt bei etwa 75 und ist damit h\u00f6her als der entsprechende Index jeder nationalen Bev\u00f6lkerung. Einfach ausgedr\u00fcckt, die Welt als Ganzes ist ungleicher als jedes einzelne Land.<\/p>\n<p><strong>Da das Einkommen stark mit dem Konsum verbunden ist und der Konsum wiederum mit den Auswirkungen (siehe voriger Abschnitt), k\u00f6nnen wir davon ausgehen, dass sich die bestehenden Einkommensunterschiede in ebenso signifikante Wirkungsunterschiede niederschlagen werden. In der Tat sind die Auswirkungen auf die Umwelt, die Ressourcen und die Gesellschaft f\u00fcr die gesamte Weltbev\u00f6lkerung ungleich verteilt.<\/strong><\/p>\n<p>Teixido-Figueras et al. berichten, dass die internationalen Gini-Koeffizienten f\u00fcr den CO2-Aussto\u00df, den Materialverbrauch und die Netto-Prim\u00e4rproduktivit\u00e4t (beide aus der Sicht der Produktion und des Verbrauchs gemessen) zwischen 35 und 60 liegen. Diese Werte bedeuten, dass die weltweit besten 10 % der Einkommensbezieher:innen f\u00fcr zwischen 25 und 43 % der Umweltbelastung verantwortlich sind. Im Gegensatz dazu sind die 10 % Einkommensschw\u00e4chsten der Welt nur f\u00fcr etwa 3-5 % der Umweltauswirkungen verantwortlich.<\/p>\n<p>Diese Ergebnisse bedeuten, dass die Umweltbelastung zu einem gro\u00dfen Teil von den reichen B\u00fcrger:innen der Welt verursacht und angetrieben wird. Wenn man bedenkt, dass der Lebensstil wohlhabender B\u00fcrger:innen durch ein \u00dcberma\u00df an Wahlm\u00f6glichkeiten, Bequemlichkeit und Komfort gekennzeichnet ist, argumentieren wir, dass der entscheidende Faktor und Triebkraft, die wir in den vorherigen Abschnitten als Konsum bezeichnet haben, treffender als Wohlstand bezeichnet wird.<\/p>\n<p><strong>Teixido-Figueras et al. stellen zudem fest, dass Kohlenstoffemissionen und Materialverbrauch global ungleicher verteilt sind, wenn man sie als Fu\u00dfabdr\u00fccke betrachtet.<\/strong><\/p>\n<p>Im Gegensatz zu territorialen Zuweisungen werden beim Fu\u00dfabdruck die Umweltbelastungen dem\/r Endverbraucher:in zugeschrieben, unabh\u00e4ngig davon, wo die anf\u00e4ngliche Umweltbelastung entstanden ist. Hier ist der internationale Handel daf\u00fcr verantwortlich, dass die Lasten von den meist einkommensschwachen Produzent:innen aus den Entwicklungsl\u00e4ndern auf die einkommensstarken Verbraucher:innen aus den Industriel\u00e4ndern verlagert werden.<\/p>\n<p>Dieses Ph\u00e4nomen der Auslagerung scheint die globalen Ungleichheiten zu versch\u00e4rfen, zumindest in Bezug auf Kohlenstoffemissionen und Materialverbrauch. [\u2026]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Fachzeitschrift Nature wurde k\u00fcrzlich eine Studie ver\u00f6ffentlicht, die aufzeigt, wie die Konsumgesellschaft und das kapitalistische System f\u00fcr die meisten negativen Umweltauswirkungen verantwortlich sind. 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