{"id":1143071,"date":"2020-06-24T15:39:18","date_gmt":"2020-06-24T14:39:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1143071"},"modified":"2020-06-24T15:39:18","modified_gmt":"2020-06-24T14:39:18","slug":"neuer-angriff-auf-alternative-medien-und-pressefreiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2020\/06\/neuer-angriff-auf-alternative-medien-und-pressefreiheit\/","title":{"rendered":"Neuer Angriff auf alternative Medien und Pressefreiheit"},"content":{"rendered":"<p>(Santiago, 15. Juni 2020,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.anred.org\/2020\/06\/15\/chile-el-gobierno-restringe-a-medios-alternativos-y-cercena-la-libertad-de-prensa\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ANRed<\/a>).- Mit ihrem Erlass vom 15. Juni hat die Regierung Pi\u00f1era die Aktivit\u00e4ten alternativer Medien und kritischer Reporter*innen massiv beschr\u00e4nkt. Der Beschluss wird als direkter Angriff auf die unabh\u00e4ngige Presse gewertet. Diese hatte seit dem Ausbruch der sozialen Proteste am 18. Oktober 2019 und dem damit einhergehenden wachsenden Vertrauensverlust in die etablierten Medien eine fundamentale Rolle gespielt. Lediglich Besch\u00e4ftigte in sogenannten systemrelevanten Berufen, der \u00f6ffentlichen Sicherheit und der Presse sind in Chile zurzeit von den Ausgangsbeschr\u00e4nkungen ausgenommen.\u00a0 Diese Klausel verbannt den Gro\u00dfteil jener Reporter*innen von den Stra\u00dfen, die uneigenn\u00fctzig daf\u00fcr arbeiten, \u00fcber Internet, Radio und Fernsehen die Wahrheit zu verbreiten. Die neuen Gesundheits-Regelungen besagen, dass die Medien bei der Steuerbeh\u00f6rde SII registriert sein m\u00fcssen. Die Ma\u00dfnahme wurde zusammen mit dem Beschluss, den staatlichen Ausnahmezustand um drei Monate zu verl\u00e4ngern, bekanntgegeben.<\/p>\n<p>Die neue \u201eGenehmigung\u201c erschwere die Arbeit auf den Stra\u00dfen, klagen Vertreter*innen alternativer Medien wie Se\u00f1al Tres La Victoria oder Primera Linea Prensa. Ohne einen solchen Passierschein k\u00f6nne man w\u00e4hrend der Ausgangssperre nicht mehr rausgehen und \u00fcber die Proteste berichten, alternative Medien seien damit nun in ihrer Arbeit stark eingeschr\u00e4nkt. Zudem k\u00f6nnten auch freie-Radios und Kan\u00e4le keine Sendungen mehr machen. F\u00fcr die von der Regierung kontrollierten Medien (Fernsehen, Zeitungen und Radio) sei es hingegen kein Problem, die Zulassung zu bekommen.<\/p>\n<p><strong>Stimmen aus den alternativen Medien<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDer Kontrolldruck macht uns permanent zu schaffen, er macht unsere Arbeit als unabh\u00e4ngige Journalisten auf den Stra\u00dfen unm\u00f6glich. Viele Kameraleute und Reporter*innen wurden festgenommen, teilweise sogar Vertreter*innen aus anderen L\u00e4ndern. Die Zensur richtet sich gezielt gegen die unabh\u00e4ngigen Medien, denn die zeigen ein anderes Bild von der Situation auf den Stra\u00dfen, auch, was die Ausbreitung von Covid-19 angeht: Die von der Regierung vorgelegten Angaben waren f\u00fcnfmal niedriger als die wirklichen Fallzahlen. Das hat den Gesundheitsminister sein Amt gekostet. Wir Medien organisieren uns jetzt, um uns gegen die staatlichen Ma\u00dfnahmen zu sch\u00fctzen\u201c, erkl\u00e4rt Manuel von der Medieninitiative Megaf\u00f3nPopular. \u201eDie Rolle der unabh\u00e4ngigen und regierungskritischen Presse ist fundamental. Wir sind seit mehr als zwei Jahrzehnten aktiv. Au\u00dfer uns gibt es noch viele andere Reporter*innen und alternative Medien, die wesentlich dazu beigetragen haben zu zeigen, was im Land passiert, und daf\u00fcr sind sie kriminalisiert worden. Seit dem 18. Oktober h\u00e4ufen sich die Angriffe der Polizei. Die Regierung geht mit den Vertreter*innen der freien Medien r\u00fccksichtslos um. Unsere Ausr\u00fcstung wurde zerst\u00f6rt, Menschen wurden verletzt. Am ersten Mai wurden auf der Plaza Dignidad mehr als 20 Fotograf*innen und Reporter*innen festgenommen. Dabei sind das genauso Presseleute wie die, die f\u00fcr die staatlichen Medien arbeiten. Anscheinend st\u00f6rt es jedoch die Regierung, dass Leute wie wir, Menschen ohne Geld und Einfluss, mit unseren Handys unterwegs sind und die Wahrheit dokumentieren. Wir arbeiten f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung\u201c, erkl\u00e4rt Polo, Mitglied von Se\u00f1al Tres La Victoria.<\/p>\n<p><strong>Das Unrecht in Zahlen<\/strong><\/p>\n<p>Seit dem Ausbruch der sozialen Unruhen am 18. Oktober und auch schon davor waren alternative Medien wie Prensa Opal, Megaf\u00f3nPopular, El Desconcierto, Piensa Prensa, Radio Villa Francia oder Canal Tres La Victoria in Chile die eigentliche Informationsquelle, w\u00e4hrend die regierungstreue Presse beschlossen hat, weder zu informieren noch sich wirklich mit der Realit\u00e4t auseinanderzusetzen. Die Stiftung f\u00fcr Datenschutz und Gew\u00e4hrleistung der Kommunikationsfreiheit verfasste mit Unterst\u00fctzung des Instituts f\u00fcr Kommunikation und Darstellung der Universidad de Chile einen Bericht mit dem Titel \u201eDas Recht auf freie Meinungs\u00e4u\u00dferung im Kontext von Protest und sozialen Unruhen in Chile zwischen dem 18. Oktober und dem 22. November 2019\u201c. Laut dem Dokument handelte es sich bei den Angriffen auf die Pressefreiheit mehrheitlich um Behinderung beim Zugang zu \u00f6ffentlichen Informationen, zum Beispiel \u00fcber Festnahmen und Verletzte oder \u00fcber \u201eGeheim-Treffen\u201c von Regierungsvertreter*innen mit Unternehmer*innen und wichtigen Fernsehsendern und Printmedien. Bei Pressekonferenzen bekamen freie Journalist*innen nicht die M\u00f6glichkeit, Fragen zu stellen, und hinsichtlich der Rechte w\u00e4hrend der Ausgangsbeschr\u00e4nkungen herrschte mangelnde Transparenz. Weiter hei\u00dft es in dem Bericht: \u201eIn diesem Zeitraum wurden 138 \u00dcbergriffe, Bedrohungen und Einsch\u00fcchterungen gegen Vertreter*innen der unabh\u00e4ngigen Presse ver\u00fcbt: Es gab 90 F\u00e4lle von Verletzungen durch Abschreckungswaffen, darunter ein Augentrauma, sowie zwei Angriffe auf Journalistinnen, die sich in Polizeistationen nackt ausziehen mussten. In 283 F\u00e4llen wurden Nutzer*innen der sozialen Netzwerke Instagram, Facebook, Twitter und YouTube herausgefiltert und ihre Konten kontrolliert bzw. blockiert\u201c. Nikole Kramm, Dokumentar-Fotografin und wichtige Stimme der Menschenrechte in der Kampagne #8M de Chile (8. M\u00e4rz, feministische Kundgebungen am internationalen Frauen*tag), filmte am 31. Dezember 2019 f\u00fcr eine Dokumentation, als ein Schuss aus den Reihen der Polizei die Sehkraft ihres linken Auges zerst\u00f6rte. Insgesamt erlitten mehr als 400 Leute Augenverletzungen, zwei Menschen verloren ihre Sehkraft. In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass die internationale Menschenrechtscharta am 27. Mai 1992 auch vom chilenischen Staat unterzeichnet wurde. Dort hei\u00dft es in Artikel 19:<\/p>\n<p>\u201eJeder Mensch hat das Recht auf freie Meinungs\u00e4u\u00dferung; dieses Recht umfasst die Freiheit, Meinungen unangefochten anzuh\u00e4ngen und Informationen und Ideen mit allen Verst\u00e4ndigungsmitteln ohne R\u00fccksicht auf Grenzen zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.\u201c<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzung: Anton K\u00e4stner<\/em><\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.anred.org\/2020\/06\/15\/chile-el-gobierno-restringe-a-medios-alternativos-y-cercena-la-libertad-de-prensa\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Originalartikel<\/a> auf Spanisch<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Santiago, 15. Juni 2020,\u00a0ANRed).- Mit ihrem Erlass vom 15. Juni hat die Regierung Pi\u00f1era die Aktivit\u00e4ten alternativer Medien und kritischer Reporter*innen massiv beschr\u00e4nkt. Der Beschluss wird als direkter Angriff auf die unabh\u00e4ngige Presse gewertet. 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