{"id":1005735,"date":"2020-01-03T15:58:00","date_gmt":"2020-01-03T15:58:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pressenza.com\/?p=1005735"},"modified":"2020-01-03T15:58:00","modified_gmt":"2020-01-03T15:58:00","slug":"gesamteuropaeischer-grossnationalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2020\/01\/gesamteuropaeischer-grossnationalismus\/","title":{"rendered":"Gesamteurop\u00e4ischer Grossnationalismus"},"content":{"rendered":"<p><strong>Von \u201erichtigen Europ\u00e4ern\u201c, \u201ePro-\u201c und \u201eAnti-Europ\u00e4ern\u201c, \u201eEuropafeinden\u201c, \u201ewahrhaftem Europ\u00e4ertum\u201c und dem gef\u00e4hrlichen Spiel der Sprache.<\/strong><\/p>\n<p>Das Wort \u201eEuropa\u201c hat heute einen wesentlich anderen Klang als es in meiner Kindheit der Fall war. Die J\u00fcngeren unter uns wissen es wohl nicht mehr, aber damals, ja damals war es noch ein freier, ein ungezwungener Klang, den das Wort \u201eEuropa\u201c hatte, damals, bevor die \u201eEurop\u00e4ische Union\u201c den Begriff f\u00fcr sich besetzte. Das waren noch Zeiten, als \u201eEuropa\u201c noch nicht zum Kampfbegriff vergoren war, der einem st\u00e4ndig um die Ohren gehauen wird, mit dem man politische Gegner niedermacht und mit dem man sich selbst beweihr\u00e4uchert. Ja, das waren noch Zeiten, als einem noch nicht fortw\u00e4hrend Leitartikelschreiber und Politiker mit dem erhobenen Zeigefinger erkl\u00e4rt haben, wie man denken, f\u00fchlen, handeln und nat\u00fcrlich auch abstimmen und w\u00e4hlen m\u00fcsse, um ein \u201erichtiger Europ\u00e4er\u201c zu sein.<\/p>\n<h4><strong>Europa: Die Instrumentalisierung eines Begriffs<\/strong><\/h4>\n<p>Damals w\u00e4re auch niemand auf die Idee gekommen, jemandem das \u201eEurop\u00e4ertum\u201c abzuerkennen, wie das heutzutage schon dem einen oder anderen Politiker oder seinen Anh\u00e4ngern geschehen kann. Und es wurden nicht andauernd \u201eBekenntnisse zu Europa\u201c von einem eingefordert. Das Wort \u201eEuropa\u201c war noch nicht vergiftet. Es hatte noch nicht den autorit\u00e4ren, unduldsamen, ja terroristischen Ton, den es heute vermittelt. Das \u201eEurop\u00e4ertum\u201c war noch kein Imperativ. Der Begriff \u201eEuropa\u201c war noch nicht politisch instrumentalisiert. Es wurde einem nicht ununterbrochen erkl\u00e4rt, dass man \u201epro-europ\u00e4isch\u201c sein m\u00fcsse. Diese Forderung h\u00e4tte schlicht keinen Sinn ergeben. Niemand h\u00e4tte sie verstanden. Und es wurde einem auch nicht immerzu damit gedroht, dass man f\u00fcr \u201eanti-europ\u00e4isch\u201c oder \u201eeuropafeindlich\u201c gehalten werden k\u00f6nnte, wenn man so oder so denke.<\/p>\n<p>Ja, in gewissem Sinn waren diese Zeiten sch\u00f6n, in denen man noch ein unverkrampftes Verh\u00e4ltnis zu dem Wort \u201eEuropa\u201c haben konnte. Ohne all die Ruten im Fenster. Ein Wort, das noch frei war von all den Vereinnahmungen, Verschw\u00f6rungen und Feindbildern. Klar, es gab den \u201eWesten\u201c, und dieser Begriff \u00fcbernahm damals die ideologischen Funktionen. Wer den \u201eWesten\u201c in Frage stellte, der war ja schon so eine Art Vaterlandsverr\u00e4ter.<\/p>\n<p>Heute hingegen kann man schnell wie ein solcher an den Pranger gestellt werden, wenn man das Projekt der \u201eeurop\u00e4ischen Einigung\u201c in Frage stellt, zu dem man sich gef\u00e4lligst als \u201eaufrechter Europ\u00e4er\u201c zu bekennen habe. Lauter Schlagw\u00f6rter und Kampfbegriffe, die es fr\u00fcher nicht gab.<\/p>\n<h4><strong>Europa als grossnationalistisches Projekt<\/strong><\/h4>\n<p>Historische Parallelen dr\u00e4ngen sich auf, angesichts solcher Formulierungen, deren struktureller Rassismus unverkennbar ist. Parallelen, von denen die \u201eaufrechten Europ\u00e4er\u201c freilich weniger gern etwas h\u00f6ren. Tats\u00e4chlich erinnert aber vieles hier an die Nationsbildung Deutschlands w\u00e4hrend des 19. Jahrhunderts. Viele Kleinstaaten mit ihren Eigeninteressen mussten dazu \u00fcberredet werden, sich zu einem Grossreich zusammenzuschliessen.<\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Union ist darum auch keineswegs das Gegenst\u00fcck zum Nationalismus, als das sie sich gerne verkauft. Im Gegenteil, sie ist ein solches Grossreich und selber Tr\u00e4ger von Nationalismus. Das ist un\u00fcbersehbar. Derselbe Patriotismus, den die einzelnen L\u00e4nder f\u00fcr sich so gerne einfordern, der wird auch hier st\u00e4ndig eingefordert, nur in Bezug auf ein gr\u00f6sseres politisches Gebilde, das ist alles. Dieselben Gef\u00fchle und Bindungen, die man dem Nationalismus zuordnet, werden auch hier von einem verlangt, und zwar st\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Wo w\u00e4re aber der prinzipielle Unterschied, ob sich jemand zum \u201eDeutschtum\u201c, zum \u201e\u00d6sterreichertum\u201c, zum \u201eSlawentum\u201c, zu \u201eGrossbritannien\u201c oder eben zum \u201eEurop\u00e4ertum\u201c zu bekennen hat?<\/p>\n<p>Wenn also die Regierungen der einzelnen L\u00e4nder mit Br\u00fcssel im Streit liegen, dann stehen hier weniger Nationalisten gegen Anti-Nationalisten, vielmehr handelt es sich hier bloss um zwei verschiedene Ausformungen des Nationalismus, die miteinander in Konkurrenz stehen und um die Vorherrschaft k\u00e4mpfen, eine kleinr\u00e4umige und eine grossr\u00e4umige.<\/p>\n<h4><strong>Europa und seine Feindbilder<\/strong><\/h4>\n<p>F\u00fcr diese Diagnose spricht auch etwas anderes. Jede Nation, jeder Nationalismus braucht Feinde, um sich zu konsolidieren. \u00c4ussere, aber auch innere Feinde. Jede Nation braucht f\u00fcr ihre Identit\u00e4tsbildung die Unterteilung in \u201ewir\u201c und \u201edie anderen\u201c. Ganze B\u00fccher sind \u00fcber das Thema geschrieben worden, vorwiegend Analysen der rhetorischen Strategien der Rechtspopulisten.<\/p>\n<p>Umso erstaunlicher ist der Umstand, dass dabei nicht bemerkt wurde, dass diese Unterteilung keineswegs ein Exklusivmerkmal der \u201eanti-europ\u00e4ischen\u201c Rechtspopulisten darstellt, sondern auch genauso f\u00fcr die Rhetorik der \u201ePro-Europ\u00e4er\u201c kennzeichnend ist.<\/p>\n<p>Ja, manchmal hat man den Eindruck, dass es sich bei der Europ\u00e4ischen Union um ein politisches Gebilde handelt, das sich ideologisch \u00fcberhaupt nur mehr dadurch am Leben erhalten kann, dass es st\u00e4ndig neue Feinbilder erschafft. Was w\u00e4re schliesslich Europa ohne Putin? So viel wie der Pfarrer ohne die S\u00fcnde.<\/p>\n<p>Jedes Mal jedoch, wenn einer auch nur leise die \u00fcberbordende Schwarzweissmalerei in den Konflikten mit Russland in Frage stellt und daf\u00fcr nat\u00fcrlich unverz\u00fcglich in aller \u00d6ffentlichkeit als \u201ePutinversteher\u201c gebrandmarkt wird, wird ein St\u00fcck Europa erschaffen. Denn so wie jeder richtige Nationalismus braucht auch der Europa-Nationalismus f\u00fcr sein ideologisches \u00dcberleben nicht nur die \u00e4usseren Feinde, sondern gleichfalls die inneren. Was w\u00e4re man beispielsweise ohne die Visegr\u00e1d-Staaten, die man als die Bad Boys vorf\u00fchren kann, um demgegen\u00fcber als \u201erichtiger Europ\u00e4er\u201c zu posieren?<\/p>\n<h4><strong>Der Schatten Europas: Die Rechtspopulisten<\/strong><\/h4>\n<p>Von daher l\u00e4sst sich auch die eigent\u00fcmliche dialektische Beziehung zwischen Europa und seinen Rechtspopulisten verstehen. Europa und die Nationalisten waren nie absolute Gegens\u00e4tze, vielmehr sind sie auf \u00e4usserst komplexe Weise aufeinander bezogen. Der Nationalismus folgt der Europ\u00e4ischen Union wie ihr verleugneter Schatten und enth\u00fcllt damit ihr eigenes Wesen eher, als dass er ihm entgegenst\u00fcnde.<\/p>\n<p>Die Pro-Europ\u00e4er tun sich so schwer, ein Mittel gegen die Nationalisten zu finden, weil sie ihnen zu \u00e4hnlich sind. Die Rechtspopulisten Europas k\u00f6nnen schliesslich mit ihrem Nationalismus auf jenem Nationalismus aufbauen, der nach wie vor unbefragtes kollektives Gedankengut ist, auch bei jenen, die sich f\u00fcr Gegner des Nationalismus halten. Wer das Europ\u00e4ertum beschw\u00f6rt, der schreit eben schon \u201eWir gegen die anderen!\u201c, der schreit eben schon \u201eMacht die Grenzen dicht!\u201c, und der schreit damit eben schon \u201eKurz!\u201c, \u201eStrache!\u201c, \u201eOrban!\u201c.<\/p>\n<p>Das \u201eEurop\u00e4ertum\u201c ist darum kein Gegenrezept gegen die Populisten, sondern betreibt immer schon deren Gesch\u00e4ft \u2013 und vice versa. Es ist kein so weiter Schritt, wie man uns glauben lassen will, von der Schwafelrhetorik \u201eechten Europ\u00e4ertums\u201c zu der weihevollen Verherrlichung des Kreuzes an der Wand oder gar dem schicksalstr\u00e4chtigen Lob auf eine \u201ewahrhaft nationalsozialistische Gesinnung\u201c.<\/p>\n<p>Letzteres mag ein drastischer Vergleich sein, aber der Totalitarismus beginnt \u2013 das haben so unterschiedliche Denker wie Karl Popper und Wilhelm Reich erkannt \u2013 sobald Kollektivbegriffe und abstrakte Gebilde (Nation, Vaterland, Rasse, Klasse, Weltrevolution) eine Art Verg\u00f6ttlichung erfahren und von dort aus der Geschichte einen Sinn zu geben versucht wird. Nichts anderes aber dr\u00fcckt sich in den immer wiederkehrenden Slogans der Politiker und Journalisten aus, die stets ihre \u201eSorge um Europa\u201c in den Mittelpunkt r\u00fccken. Nicht von einer Sorge um die wirklichen \u201eMenschen in Europa\u201c und \u00fcberhaupt auf der Welt ist da wohlgemerkt die Rede, sondern \u201eEuropa\u201c ist es, um das man sich sorgt.<\/p>\n<p>Haben die Menschen aber mit Europa ein Problem, sind sie nicht bereit, sich dem \u201eeurop\u00e4ischen Interesse\u201c so zu unterwerfen, wie man das von ihnen erwartet \u2013 so wird so getan, als ob mit ihnen etwas falsch sei. Schliesslich sei doch das, um das es hier gehe, \u201ealternativlos\u201c, wie dann auch oft gesagt wird. Dass die Menschen dann lieber den Populisten in die Arme laufen, die Menschenn\u00e4he zumindest besser vort\u00e4uschen, das verwundert noch?<\/p>\n<h4><strong>Dehnbare Menschenrechte<\/strong><\/h4>\n<p>Man mag dagegen viele Einw\u00e4nde vorbringen. Beispielsweise, dass Europa entschieden f\u00fcr die \u201eMenschenrechte\u201c eintrete, wie die Populisten und Nationalisten der Welt, Orban, Putin oder Trump das nicht tun, und dass schon darum auch der Vergleich mit irgendwelchen totalit\u00e4ren Regimen vollkommen unpassend sei.<\/p>\n<p>Das Problem damit ist, dass der Begriff \u201eMenschenrechte\u201c in den letzten Jahrzehnten seinerseits von verschiedensten Seiten derart politisch ausgeschlachtet und instrumentalisiert worden ist, dass sogar Kriege in seinem Namen gef\u00fchrt wurden und man gar nicht mehr so sicher sein kann, was daran Maskerade und was Wahrheit ist.<\/p>\n<p>Wie doppelb\u00f6dig und dehnbar die Beziehung Europas zu den Menschenrechten sein kann, hat sich etwa, um hier nur ein Beispiel zu nennen, im Verh\u00e4ltnis zu China erwiesen. Einerseits wurde 1989 von westlichen Journalisten \u00fcber ein Massaker am Tian\u2019anmen Platz berichtet, das es \u00fcbrigens dort nie gab \u2013 vermutlich wurden Tausende bei den Studentenaufst\u00e4nden in Peking get\u00f6tet, jedoch eben gerade nicht am Tian\u2019anmen Platz \u2013, das aber zum Inbegriff der Menschenrechtsverletzungen in China wurde. Andererseits beschr\u00e4nkten sich in der Folge die Proteste europ\u00e4ischer L\u00e4nder gegen die tats\u00e4chlich bedenkliche Menschenrechtssituation in China bloss auf symbolische Akte. 2007 etwa gab es ein Treffen von Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Dalai Lama, weil ihr das ihre Beraterin, Beate Baumann, nahegelegt hatte. Sie meinte, das w\u00fcrde das Image ihrer Chefin heben. Inzwischen hat aber auch das ganz aufgeh\u00f6rt. Der Grund ist einfach: Die Gesch\u00e4fte mit China sind f\u00fcr Europa einfach eintr\u00e4glicher als ein Bestehen auf den Menschenrechten.<\/p>\n<p>Hierin \u2013 und nicht etwa, wie es einer weit verbreiteten und zuletzt von dem Historiker Timothy Snyder in einem Standard-Interview vom 25. Juni 2018 vertretenen Auffassung zufolge heisst, darin, dass Putins Agenten die westlichen Medien und das Internet unterwandern \u2013 liegt auch der wahre Grund daf\u00fcr, dass die europ\u00e4ische Einheitsfront gegen Putin br\u00f6ckelt: F\u00fcr die europ\u00e4ischen Grosskonzerne sind einfach die wirtschaftlichen Beziehungen Europas zu Russland von zu grosser Bedeutung. Schon darum kann sich Putin beruhigt zur\u00fccklehnen.<\/p>\n<p>Das \u00e4ndert freilich nichts an der anhaltenden Anti-Putin-Rhetorik europ\u00e4ischer Politiker und Journalisten. Denn f\u00fcr Europa selbst gilt genau das, was sie immer von Putins Russland sagen: Es braucht st\u00e4ndig Feindbilder, um sich stabil zu halten.<\/p>\n<h4><strong>Der Vater aller Nationen<\/strong><\/h4>\n<p>Das Wort \u201eEuropa\u201c hat in den letzten Jahrzehnten einen Wandel erfahren, es hat eine propagandistische Bedeutung bekommen, ja, dieses Wort ist Kampf und Krieg geworden, Krieg, wie es dieses Wort vorher nie war, wenn es auch Krieg in Europa gab. Vorl\u00e4ufig ist es nur ein Krieg der Worte. Aber Kriege von Worten legen Br\u00fccken zu tats\u00e4chlichen Kriegen.<\/p>\n<p>Vielleicht k\u00f6nnte man sich an diesem Punkt einmal bem\u00fchen, die narzisstische Position zu verlassen, und versuchen, die Aussenperspektive einzunehmen. M\u00f6glicherweise gelangt man dann zu ein bisschen Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, warum man anderswo dem Projekt der \u201eeurop\u00e4ischen Einigung\u201c Misstrauen entgegenbringt, entgegenbringen muss, und wenig Sympathie f\u00fcr seine Verwirklichung hegt.<\/p>\n<p>Aus unserer narzisstischen Euro-Perspektive etwa ist Putin einfach ein Nationalist, der sich scheinbar grundlos, einfach weil er der B\u00f6sewicht ist, Europa, das die \u201eMenschenrechte\u201c vertritt, beispielsweise im Fall der Ukraine in den Weg stellt. Aber kommt einmal jemand auf die Idee, dass aus der Perspektive Russlands dasselbe Wort \u201eEuropa\u201c bloss f\u00fcr eine benachbarte, beinhart und egoistisch ihre Interessen vertretende Grossmacht steht, deren Expansionsbestrebungen man nicht zu Unrecht mit nicht weniger Skepsis betrachtet, ja betrachten muss, als aus unserer Sicht ein Wiedererstarken Russlands?<\/p>\n<p>Blicken wir wieder zur\u00fcck auf das Beispiel Deutschlands. Die deutschen L\u00e4nder fanden erst durch den Deutsch-Franz\u00f6sischen Krieg 1870\/1871 zu einem Reich zusammen. Weniger das friedliche, organische Wachstum, wie es noch der Goethe-Zeitgenosse Johann Gottfried Herder ertr\u00e4umte, sondern vielmehr der Krieg erwies sich als Vater aller Nationen.<\/p>\n<p>Vielleicht ist die Wahrheit im Fall der europ\u00e4ischen Supernation, dass auch sie erst so richtig entstehen kann, wenn man gemeinsam gegen jemanden Krieg f\u00fchrt. Vorl\u00e4ufig noch handelt es sich bloss um einen Krieg der Sanktionen gegen Russland. Und eine Art Krieg, oder jedenfalls einen verbissenen Abwehrkampf, f\u00fchrt Europa gerade zur Zeit ebenso immer deutlicher gegen unerw\u00fcnschte, aus nicht-europ\u00e4ischen L\u00e4ndern stammende Fl\u00fcchtlinge und Migranten.<\/p>\n<h4><strong>Gesamteurop\u00e4ischer Nationalismus<\/strong><\/h4>\n<p>Es ist n\u00e4mlich nicht wahr, dass f\u00fcr den Widerstand gegen die Einwanderung nur r\u00fcckst\u00e4ndige kleinstaatlich-nationalistische Bestrebungen verantwortlich sind, auch wenn das gelegentlich so unterstellt wird. Wer Stellungnahmen, Kommentare und Postings dazu aufmerksam studiert, dem wird nicht entgehen, wie sehr dabei die Identifikation mit Europa, mit dem europ\u00e4ischen Kulturraum eine Rolle spielt, in dem die Einwanderer grossteils nur als St\u00f6renfriede oder wirtschaftliche Sch\u00e4dlinge wahrgenommen werden \u2013 was freilich bloss die Kehrseite ihrer ebenso eurozentristischen Romantisierung als Tr\u00e4ger multikulturalistischer Segnungen und ihrer Verkl\u00e4rung als Arbeitskr\u00e4ftepotential durch die Wirtschaftskammer darstellt.<\/p>\n<p>Vor einigen Jahrzehnten noch hat man sich dasselbe von Tschechen, Polen und Ungarn gedacht \u2013 \u201eDie sind ja nicht wie wir!\u201c hat man gesagt \u2013, nun aber f\u00fchlt man sich mit denen, was das betrifft, also die Bedrohung durch aussereurop\u00e4ische Einwanderer, im selben Boot sitzend. Man sieht also, wie wenig die g\u00e4ngigen Zuschreibungen mehr stimmen und wie verwirrend in Wahrheit alles ist. Hier, gerade in dem Diskurs, der von \u201eeuropafeindlichen Rechtspopulisten\u201c angef\u00fchrt wird, formiert sich allm\u00e4hlich so etwas wie ein echter gesamteurop\u00e4ischer Nationalismus. So k\u00f6nnte es also paradoxerweise deren Verdienst sein, wenn die \u201eeurop\u00e4ische Einigung\u201c gl\u00fcckt.<\/p>\n<p>Von Ortwin Rosner unter <a href=\"http:\/\/streifzuege.org\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">streifzuege.org<\/a> erstver\u00f6ffentlicht und von unserem Medienpartner <a href=\"https:\/\/www.untergrund-bl\u00e4ttle.ch\/politik\/europa\/europa-grossnationalismus-5855.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Untergrund-Bl\u00e4ttle<\/a> \u00fcbernommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von \u201erichtigen Europ\u00e4ern\u201c, \u201ePro-\u201c und \u201eAnti-Europ\u00e4ern\u201c, \u201eEuropafeinden\u201c, \u201ewahrhaftem Europ\u00e4ertum\u201c und dem gef\u00e4hrlichen Spiel der Sprache. 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