Vor etwas mehr als einem Monat wurde von mir bei Pressenza ein Artikel unter der Überschrift „Weltrevolution – ja, bitte!“ veröffentlicht. An meiner Haltung dazu hat sich nichts geändert.

Am Ende dieses Artikels stand eine Einladung zu fünf Friedensveranstaltungen, die alle in einem Wohnviertel in Kopenhagen stattfinden. Die erste dieser Veranstaltungen fand am 31. August statt und widmete sich dem Recht, einen Hijab zu tragen – unter dem Motto „Meine Entscheidung für den Frieden“.

Rund 50 Menschen kamen zusammen. Es entstand eine wunderbare, menschlich verbindende Atmosphäre mit Reden, Liedern und Gedichtrezitationen auf Arabisch – ganz ohne Übersetzung. Alle hörten mit dem Herzen zu.

Zum Abschluss machten wir uns mit unseren Fahnen und Schildern auf einen Friedensspaziergang durch das Viertel. Dabei erhielten wir viele positive Reaktionen von Menschen, die zu Fuß oder mit dem Auto an uns vorbeikamen.

Die Friedensveranstaltung stand im Zeichen der folgenden Rede und ihrer Botschaften:

„Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Mitmenschen,

ich stehe heute hier als ein Mensch unter Menschen.

Nicht als Vertreter einer politischen Partei, einer Religion, einer Kultur oder einer bestimmten Tradition, sondern als ein Mensch, der daran glaubt, dass unsere Unterschiede uns nicht zu Feinden machen sollten. Im Gegenteil: Sie sollten uns die Möglichkeit geben, voneinander zu lernen und gemeinsam einen neuen Weg in die Zukunft zu gestalten.

Seit jeher tragen Menschen Symbole und bestimmte Kleidung und pflegen Traditionen, die etwas darüber erzählen, wer sie waren und wer wir heute sind, woran sie glaubten und woran wir glauben.

Manche tragen ein Kreuz. Manche eine Kippa. Manche einen Turban. Manche einen Hijab. Andere wiederum tragen überhaupt keine religiösen Symbole.

In einer freien Gesellschaft sollte nicht entscheidend sein, was wir auf dem Kopf oder am Körper tragen. Entscheidend ist, ob wir einander mit Respekt begegnen und hinter dem gewählten Symbol den Menschen sehen.

Die dänische Verfassung, die Menschenrechte der Vereinten Nationen und internationale Konventionen beruhen auf einem einfachen Grundgedanken: Jeder Mensch besitzt ein grundlegendes Recht auf Freiheit des Glaubens, des Gewissens und der eigenen Identität.

Freiheit bedeutet nicht, dass wir alle gleich sein müssen. Freiheit bedeutet, dass wir verschieden sein und trotzdem zusammengehören können.

Für manche Frauen ist der Hijab eine religiöse Entscheidung. Für andere ist er Ausdruck ihrer Kultur. Für wieder andere gehört er zu ihrer Identität und ihrer Würde.

Keine Frau sollte jemals dazu gezwungen werden, einen Hijab zu tragen. Doch ebenso wenig sollte eine Frau gezwungen werden, ihn abzulegen, wenn sie sich aus freiem Willen dafür entschieden hat, ihn zu tragen.

Wahre Freiheit bedeutet, selbst über das eigene Leben, die eigene Gegenwart und die eigene Zukunft bestimmen zu können.

Ich wünsche mir eine menschliche Welt, in der wir die Unterschiede zwischen uns nicht als Bedrohung wahrnehmen, sondern als Geschichten, Erfahrungen und Hoffnungen. Eine Welt, in der der Glaube eines Menschen nicht dazu benutzt wird, Distanz zu schaffen, sondern zu einem Weg hin zu Verständnis und Mitgefühl werden kann.

Wir müssen Hass, Diskriminierung und Zwang entgegentreten – unabhängig davon, von wem und aus welcher Richtung sie kommen. Und wir müssen stets das Recht jedes Menschen schützen, der Mensch sein zu dürfen, der er ist.

Frieden entsteht nicht allein dadurch, dass Kriege zwischen Staaten beendet werden.

Frieden beginnt in unseren eigenen Herzen, auf unseren Straßen und in der Art und Weise, wie wir einander begegnen.

Ich hoffe, dass heutige und zukünftige Generationen in einer Welt aufwachsen werden, in der ein Mensch nicht nach seinem Namen, seiner Hautfarbe, seinem Glauben oder seiner Kleidung beurteilt wird, sondern als Mensch gesehen und angenommen wird – als Mensch mit Träumen, Hoffnungen und Würde.

Entscheiden wir uns für Neugier statt Angst.

Für Dialog statt Distanz.

Für Gemeinschaft und Solidarität statt Spaltung.

Denn Frieden zwischen Menschen ist das Fundament für Frieden zwischen Kulturen und Nationen.

Frieden, Kraft und Freude für uns alle.

Danke.“

Claus Kiaer