Mitglieder der albanischen Diaspora aus Belgien und anderen europäischen Ländern werden sich am Samstag, dem 3. Oktober, in Brüssel versammeln und die als „Flamingo-Revolution“ bekannte Bürgerbewegung ins Herz der Europäischen Union tragen.
Die Demonstration findet von 16:00 bis 19:00 Uhr am Robert-Schuman-Kreisverkehr vor der Europäischen Kommission statt.
Die internationale Kundgebung in Brüssel ist das jüngste Kapitel einer Mobilisierung, die im Mai 2026 in Albanien als Reaktion auf den Widerstand gegen ein Tourismusprojekt begann, das das Naturschutzgebiet Vjosa–Narta betrifft. Anwohner*innen und Umweltaktivist*innen hatten sich Ende Mai mobilisiert; die täglichen Demonstrationen hatten am 31. Mai Tirana erreicht. Seitdem haben sich die Forderungen der Bewegung erweitert und umfassen nun öffentliche Rechenschaftspflicht, den Schutz von Naturräumen, strategische Investitionen und eine gute Regierungsführung.
Mehr als vier Monate nach ihrem Beginn finden in Tirana weiterhin täglich Demonstrationen statt, und die Bewegung hat eine internationale Dimension angenommen. Bereits am 9. Juni hatten sich Diaspora-Gemeinschaften in rund 20 Städten weltweit den Protesten angeschlossen, und heute verzeichnet die basisorientierte Dokumentationsplattform der Bewegung Mobilisierungen in über 70 Städten weltweit.
Tatsächlich wird die Demonstration am 3. Oktober nicht die erste zu diesen Themen in Brüssel sein. Diesmal wird die Mobilisierung jedoch international ausgerichtet sein, da Albaner*innen aus verschiedenen Ländern der Europäischen Union sowie aus Nicht-EU-Ländern teilnehmen werden. Es wird erwartet, dass die Teilnehmenden nicht nur aus anderen Städten Belgiens und Albaniens, sondern auch aus verschiedenen europäischen Ländern, darunter den Niederlanden, Deutschland, Italien, Österreich, Frankreich, Griechenland und dem Vereinigten Königreich, sowie aus den Vereinigten Staaten nach Brüssel reisen werden.
Die albanische Diaspora ist groß. Nach Schätzungen des INSTAT lebten am 1. Januar 2025 2.256.346 albanische Staatsbürger*innen außerhalb Albaniens. Das entspricht etwa 49 % der Gesamtbevölkerung. Die vom INSTAT zitierten Eurostat-Daten zeigen, dass im Jahr 2024 in Belgien 15.585 in Albanien geborene Personen lebten, darunter 8.496 albanische Staatsbürger*innen.
Nach Angaben von Eurostat erwarben allein im Jahr 2024 48.482 Personen mit albanischer Staatsangehörigkeit die Staatsangehörigkeit eines EU-Mitgliedstaats, was 4,1 % aller in diesem Jahr registrierten Einbürgerungen entsprach. Albaner*innen stellten dabei die drittgrößte Gruppe nach Staatsangehörigkeit des Herkunftslandes dar. Die europäische Integration Albaniens betrifft daher auch die vielen Menschen, die bereits in der EU leben, arbeiten und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.
Brüssel ist somit eher eine Fortsetzung des internationalen Netzwerks zivilgesellschaftlichen Engagements als dessen Beginn. Die Demonstration findet statt, während Albanien in eine entscheidende Phase der Verhandlungen über den EU-Beitritt eintritt. Alle 33 Verhandlungskapitel wurden eröffnet, und im Juli 2026 hat Albanien die ersten drei vorläufig abgeschlossen. Die EU hat betont, dass die Umsetzung der Verpflichtungen, die erzielten Ergebnisse und deren Kontinuität zentrale Elemente des Beitrittsprozesses bleiben werden, insbesondere im Hinblick auf den Bereich der Grundprinzipien, der Aspekte wie demokratische Institutionen, Rechtsstaatlichkeit und öffentliche Verwaltung umfasst.
Für eine Diaspora, die nicht nur aus im Ausland lebenden albanischen Staatsangehörigen besteht, sondern auch aus Bürger*innen, Einwohner*innen und Steuerzahler*innen der EU, ist der Beitritt Albaniens keine rein außenpolitische Angelegenheit. Die Demonstration in Brüssel verbindet eine in Albanien entstandene Bürgerbewegung mit der albanischen Diaspora, die tief in den europäischen Gesellschaften verwurzelt ist. Sie wendet sich an die Institutionen, die für die Bewertung der Fortschritte Albaniens auf dem Weg zum EU-Beitritt zuständig sind, und fordert, dass ihre Stimme zur tatsächlichen politischen Lage in Albanien gehört wird.
Am folgenden Tag, dem 4. Oktober, ist in Brüssel eine weitere Demonstration geplant. Sie wird von der albanischen Gemeinschaft im Kosovo als Reaktion auf das am 16. September von den Sonderkammern des Kosovo in Den Haag verkündete Urteil gegen vier ehemalige Kommandeure der Befreiungsarmee des Kosovo (UÇK) organisiert.

Die albanische Diaspora mobilisiert sich am 3. Oktober 2026 in Brüssel unter dem Motto „Albanien steht nicht zum Verkauf“, um die Flamingo-Revolution zu unterstützen.

Die Albaner*innen versammeln sich am 3. Oktober 2026 in Brüssel im Rahmen der Flamingo-Revolution unter dem Motto „Albanien steht nicht zum Verkauf“.
Übersetzung aus dem Italienischen von Kornelia Henrichmann vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam. Wir suchen Freiwillige!










