„Naturschutz muss von indigenen Völkern geleitet werden, denn wir wissen es besser.“

Nairobi: Ein einzigartiges Treffen indigener Menschen, die von Naturschutzmaßnahmen betroffen sind, hat gefordert, dass „unsere angestammten Gebiete, einschließlich derer, die für Nationalparks und Wildschutzgebiete enteignet wurden, zurückgegeben werden“.

Die heute von der neu gegründeten „Indigenous Land Alliance“ verabschiedete Nairobi-Erklärung enthält zudem ein unmissverständliches Ultimatum an bekannte Naturschutzorganisationen wie den WWF, die Zoologische Gesellschaft Frankfurt, African Parks, die UNESCO und andere: „Verlasst unser Land und respektiert unsere Rechte, sonst werden wir euch hinauswerfen.“

Teilnehmende der Podiumsdiskussion sprechen bei der Vorstellung der Nairobi-Erklärung.

Das Treffen „Our Land, Our Nature“ brachte zum ersten Mal Vertreter*innen indigener Völker aus aller Welt zusammen, die gegen kolonialen Naturschutz kämpfen – um die menschlichen Kosten des „Festungsnaturschutzes“ und der Kohlenstoffmärkte aufzudecken und gleichzeitig von indigenen Völkern geleitete Alternativen vorzustellen.

Die Erklärung umreißt das Ausmaß des Problems: „Seit Jahrzehnten werden unsere Gebiete von Naturschutzkartellen unter dem Deckmantel der Rettung von Mutter Erde an sich gerissen und gestohlen. Unsere Gebiete werden ohne unsere Zustimmung in Nationalparks, Tigerreservate, Wildschutzgebiete, Naturschutzgebiete und Trophäenjagdreservate umgewandelt.“

„Unsere Gebiete werden über Kohlenstoffmärkte, Biodiversitätsgutschriften und Ausgleichsprogramme verkauft, die das zerstörerische Verhalten transnationaler Konzerne als umweltfreundlich tarnen. Obwohl sie als ‚Schutzgebiete‘ ausgewiesen sind, werden sie zerstört und für den Tagebau, den ‚grünen‘ Abbau kritischer Transition Minerals sowie für kommerzielle Plantagen mit Kautschuk, Kiefern, Tee, Kaffee, Soja und Teakholz freigegeben. Sie werden für den Safaritourismus erschlossen, der indigene Völker und unsere Ahnen missachtet.“

Krieangkrai Cheechuang spricht bei der Vorstellung der Nairobi-Erklärung.

Hinter all dem steht eine Koalition aus Regierungen, transnationalen Unternehmen und internationalen ‚Naturschutz‘-NGOs. Sie kontrollieren unsere Gebiete, weil sie von wohlhabenden Ländern des Nordens, multilateralen Entwicklungsbanken, multilateralen Finanzinstitutionen, der Weltbank, der fossilen Brennstoffindustrie, umweltverschmutzenden Industrien und dergleichen finanziert werden. Heute werden unsere Länder von Regierungen, NGOs und Eliten verwaltet. Nicht von uns. Das ist kein Naturschutz. Es ist nichts anderes als ein Kartell.“

„Wir lehnen einen Naturschutz ab, der durch Marktsysteme, Landraub, die Inwertsetzung der Natur, Greenwashing durch große Umweltsünder und falsche naturbasierte Lösungen gekennzeichnet ist.“

Die eindringliche Erklärung wurde von 60 Vertreter*innen von indigenen Völkern aus 16 Ländern weltweit verabschiedet, die zu diesem beispiellosen Treffen zusammengekommen waren. Sie haben ein neues Netzwerk gegründet – die „Indigenous Land Alliance“ – um die in der Erklärung von Nairobi dargelegten Forderungen voranzutreiben.

Die Delegierten der indigenen Völker kamen aus:

  •     Argentinien (Qom und Mbya Guarani)
  •     Bolivien (Uchupiamona)
  •     Botswana (Kua)
  •     Kambodscha (Bunong)
  •     Kamerun (Baka)
  •     Kolumbien (Pasto)
  •     Ecuador (Kichwa)
  •     Indien (Jenu Kuruba)
  •     Kenia (Ogiek, Samburu, Rendille, Maasai, Borana, Sengwer)
  •     Nepal (Tharu)
  •     Peru (Kichwa)
  •     Republik Kongo (Baka)
  •     Tansania (Maasai)
  •     Thailand (Karen)
  •     Uganda (Mosopisyek)
  •     Vereinigte Staaten (Diné/Dakota)

Diese einzigartige Veranstaltung wurde von Conservation Solutions Afrika und Survival International organisiert.

Der indigene Mising-Aktivist Pranab Doley (Nordostindien) sollte auf der Konferenz sprechen, wurde jedoch im Juli verhaftet und inhaftiert, weil er einen Protest gegen ein Luxushotelprojekt angeführt hatte, das indigene Völker in der Nähe des Kaziranga-Nationalparks in Indien beeinträchtigen wird.

Heute zahlen mindestens 3 Millionen indigene Menschen in Afrika, Asien und Amerika den Preis für Naturschutz – mit ihrem Land und mit ihrem Leben. Naturschutz raubt ihnen ihr Territorium und ihre Lebensgrundlagen. Er bringt Gewalt und Hunger mit sich.

Mindestens 1,1 Milliarden Hektar (2,7 Milliarden Acres) indigenes Land wurden im Namen des Naturschutzes geraubt.

Naturschutz – von vielen als positive Bewegung wahrgenommen – bedroht die Lebensweise indigener Völker auf drei Kontinenten. Seine Auswirkungen sind vergleichbar mit dem Raub indigener Gebiete durch Holzeinschlag, Bergbau, Gasförderung und Drogenhandel.

Der Originalartikel kann hier besucht werden