Die „Alternative für Deutschland“ steht vor einem Wahlsieg im Bundesland Sachsen-Anhalt. In den Leitmedien heißt es, dass ohne die AfD im Osten gar nichts mehr geht. Man spricht von Angst vor der AfD und von der Notwendigkeit einer taktischen Wahl. Die vollkommene Unfähigkeit der traditionellen Parteien ist offensichtlich. Aber die vollständige Utopie, diese traditionellen Parteien zu erneuern und ihnen neuen Schwung zu verleihen, ist auch offensichtlich. Was tun? Das ist die Frage, die sich viele stellen. Politische Parteien verlieren ihre Farben. Politische Vertreter sind elitär. Das Volk, von dem die rechtsradikalen Gruppierungen sprechen, identifiziert sich nicht mehr mit seiner elitären Spitze, die sich in antisozialen Haltungen kaum überbieten lässt.
von Milena Rampoldi
Die AfD bedeutet für viele MigrantInnen, Geflüchtete und Menschen mit Migrationshintergrund das Ende der Vielfalt, der Diversität, der bunten Gemeinschaft und der Toleranz in Deutschland. Die Widerstandsbewegungen gegen die AfD in Sachsen-Anhalt sprechen von einer migrationsfeindlichen faschistischen Partei, die Sachsen-Anhalt regelrecht „vergiftet“. Sachsen-Anhalt ist ein geburtenschwaches Land und braucht Migration.
Wenige denken aber an die antisoziale Haltung der AfD gegen die eigene ethnisch-deutsche Bevölkerung. Die Ablehnung des schulischen Inklusionsmodells durch die AfD ist eine Befürchtung, die nur in kleinen Kreisen zum Ausdruck gebracht wird, wie beispielsweise durch die „Lebenshilfe“.
Was geschieht mit den behinderten Lernenden, wenn die AfD an die Macht kommt? Die Antwort ist ganz klar: Das bunte Inklusionsmodell wird abgelehnt. Schülerinnen und Schüler mit Behinderung bereichern nicht mehr die schulischen Einrichtungen, sondern verschwinden hinter den Türen der Sonderschulen. So wird ein Apartheidbildungssystem aufgebaut. Menschen mit Behinderung sind eine Bereicherung für unsere Gesellschaften, weil sie zeigen, wie Diversität funktioniert, weil sie zeigen, wie Toleranz geübt wird.
Die AfD ist aber nicht nur eine Partei, die im Sinne von Björn Höcke rassisch denkt, sondern auch eine Partei, die Menschen aus dem Volkskörper ausschließt, wenn sie geistig oder körperlich behindert sind.
Im Parteiprogramm bezieht die AfD eine klare Stellung, wenn es um die Eingliederung von Menschen mit Behinderung in die schulischen Einrichtungen geht. Die gefährliche Alternative für Deutschland widersetzt sich der sogenannten „ideologisch motivierten Inklusion“, als wäre die Idee der Inklusion, das heißt eine Haltung zugunsten eines bunten Mosaiks, wie ich sie im Namen meiner Initiative Pro-Mosaik benenne, eine ideologische Haltung. Wenn Toleranz und Vielfalt Ideologie bedeuten, dann frage ich mich, welche Wechselwirkung zwischen Ideologie und Faschismus besteht.
Auf Seite 150 des AfD-Parteiprogramms heißt es, dass Kinder mit Behinderung in Förder- und Sonderschulen besser aufgehoben seien, weil die sogenannten Regelschulen die Inklusion nicht leisten könnten. Inklusion ist aber nicht Aufgabe einer schulischen Struktur, sondern der Gemeinschaft der Lernenden, die durch eine offene Erziehung im Sinne der Vielfalt die Lernenden mit Behinderung aufnehmen und von ihnen lernen.
Im „Manifesto“ von ProMosaik, das sich jeglichem Bildungsprojekt widersetzt, das einem braunen Sumpf gleicht, heißt es hierzu:
„Wir sind jung, wir sind alt, wir sind schwarz, wir sind weiß, wir sind reich und wir sind arm, wir haben eine Behinderung, wir sind gesund: wir sind die wundervolle Bestätigung der Diversität und Inklusion, die lebende Verkörperung der Begegnung, um die Freude zu teilen, etwas voneinander zu lernen.“
Meine Worte gegen das Schulprojekt der AfD sind schließlich diese:
„Die Schule ist der Ort der Menschenrechte, der Empathie, der Auseinandersetzung mit Genderfragen und Demokratisierung. Die Schule ist ein Ort der Inklusion von Menschen mit Behinderung. Die Schule ist ein Ort der Aufnahme der Geflüchteten und der bunten Pluralität.
Die Schule ist der Ort, an dem ich lerne, mich gegen den Faschismus und Rassismus zu engagieren, indem ich mich für Solidarität und Kooperation in meiner Mosaiklandschaft entscheide und diese Werte auf ästhetischer, persönlicher und sozio-politischer Ebene leben lerne.“
Wir brauchen dringend im Hier und Jetzt deutsche Wählerinnen und Wähler, die nicht taktisch wählen, sondern Wählerinnen und Wähler, die sich entschieden gegen eine antisoziale Politik wehren und entschieden Politikerinnen und Politiker wählen, die eine inklusive Schule wollen und die Inklusion für alle, Geflüchtete, Migranten und Lernende mit Behinderung durchsetzen.
Der mutige Bischof Clemens August von Galen und seine Predigt vom August 1941 dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Der Löwe von Münster widersetzte sich der Tötung geisteskranker Kinder und der Massentötung von Behinderten durch das NS-Regime, das diese Menschen als „unproduktiv“ bezeichnete. Der Schritt vom Apartheid-Schulsystem der AfD hin zur physischen Tötung von Menschen mit Behinderung erscheint weit, aber dem ist nicht so. Seine Predigt gegen die NS-Barbarei und seine Vernichtung werten Lebens ist für uns heute wichtiger, als wir uns das je vorstellen können.
Der 6. September 2026 rückt immer näher. Die Tötung ungeborener Kinder mit Behinderung, die Schaffung einer Apartheidschule auf dem Grundsatz der AfD-„Gesundheitsidee“ ist nicht weit entfernt vom Abtransport unproduktiver Volksgenossen durch das NS-Regime und der Erstellung von Listen von Frauen, die aufgrund ihrer psychischen Krankheiten einer Zwangssterilisierung unterworfen werden sollen. Die AfD stellt das monotheistische Menschenbild auf den Kopf. Daher ist sie antisemitisch und islamfeindlich. Denn die AfD ist vor allem zutiefst antihumanistisch. Und die AfD ist rassistisch, weil sie antihumanistisch denkt und handelt.
Denn wie Menschen mit Behinderung abgelehnt werden, so werden dann auch die ethnisch Anderen und die Geflüchteten aus dem Volkskörper entfernt. Kinder mit Behinderung sind für ProMosaik eine wichtige Quelle der Wertschöpfung in den schulischen Einrichtungen.










