Nach der Rettung von 6 Menschen wird das Rettungsschiff Sea-Watch 5 durch italienische Behörden für 45 Tage festgesetzt und mit einer Geldstrafe von 7,500 € belegt. Die Festsetzung stützt sich auf das sogenannte Piantedosi-Gesetz und den Vorwurf libysche Behörden wären nicht über die Rettung informiert worden.
Ein aktueller UN-Bericht bestätigt, dass diese Teil eines Systems von Verschleppungen, sexualisierter Gewalt und Folter gegen Schutzsuchende sind, das von europäischen Akteuren wie Frontex ermöglicht wird. Nach der durchgeführten Rettung wurde die Sea-Watch Crew durch unidentifizierte libysche Akteure mit einer Schusswaffe bedroht. Am 18. August konnten alle Flüchtenden sicher in Neapel an Land gehen.
Unterdessen ist die Zahl der Todesopfer im Mittelmeer laut der Internationalen Organisation für Migration seit Jahresbeginn auf über 1600 Menschen gestiegen. Allein seit dem 4. August wurden mehr als 55 Leichen gefunden. Diese 8. Festsetzung eines zivilen Rettungsschiffs seit Anfang des Jahres führt zu einer erheblichen Einschränkung der Rettungskapazitäten auf einer der tödlichsten Migrationsrouten der Welt.
Lisa Böhm, Sprecherin des Bündnisses Justice Fleet: “Mit der Sea-Watch 5 wurde erneut ein Schiff der Justice Fleet nach einem Rettungseinsatz festgesetzt. Während das Mittelmeer tödlich bleibt, wird zivile Seenotrettung behindert und Menschen auf der Flucht drohen an Land Gefängnis und Gewalt. Als Justice Fleet stehen wir zusammen – für Menschenrechte auf See und das Recht auf Rettung. Wir lassen uns nicht einschüchtern und werden weitermachen.”
Mehr als 70 extreme Gewalttaten durch libysche Akteure – darunter der Beschuss von Menschen auf der Flucht und Rettungsschiffen – wurden in den letzten 10 Jahren im Mittelmeer dokumentiert, der Großteil davon durch die sogenannte libysche Küstenwache. Allein 2025 wurden mehr als 20 solcher Vorfälle registriert. Am 5. November 2025 schlossen sich daraufhin 13 Seenotrettungsorganisationen zur Allianz Justice Fleet zusammen. In den vergangenen Jahren haben italienische Gerichte zudem wiederholt die lebensrettende Rolle der zivilen Seenotrettung betont und klargestellt, dass die sogenannte libysche Küstenwache sowie die libysche Koordinierungsleitstelle keine legitimen Akteure der Seenotrettung sind.










