Um die allgemeine Krise zu verstehen, die die Menschheit heute durchlebt, müssen wir zu jenem Moment in der Geschichte zurückgehen, in dem die evolutionäre Richtung der Menschheit unterbrochen wurde und sie auf einen dunklen Weg des verallgemeinerten Antihumanismus und der Entmenschlichung abgedrängt wurde. Dieser Moment ereignete sich in Europa und markierte den Beginn dessen, was zur Kolonisierung der Welt durch die europäischen Nationen werden sollte. Es begann mit der Eroberung und Kolonisierung eines neuen Kontinents, der den Namen Amerika erhielt, gefolgt von der Eroberung und Kolonisierung Afrikas, Indiens, Chinas und des übrigen Asiens – all dies durch einige wenige europäische Länder: Spanien, Portugal, England, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Deutschland und Italien, und über einen Zeitraum von mehreren Jahrhunderten bis zum Zweiten Weltkrieg. Hier ist nicht genügend Raum, um auf die Einzelheiten einzugehen, doch das grundlegende Interesse und die Haltung dieser Länder bestand darin, zu erobern und zu unterwerfen – wobei sie sogar untereinander um die Vorherrschaft kämpften.
Dieser lange Prozess der Entmenschlichung bremste den evolutionären Prozess und warf die Menschheit auf barbarische Stufen zurück. Das Ausmaß an Leid, Gräueltaten und gewaltsamen Toden nahm exponentiell zu, bis es im Ersten und Zweiten Weltkrieg in einer verheerenden Zerstörung gipfelte – als Höhepunkt mehrerer Jahrhunderte der Entmenschlichung und Zerstörung.
Man könnte meinen, dass nach dem Zweiten Weltkrieg eine tiefgreifende Reflexion über die eingeschlagene Richtung der fundamentalen Gewalt einsetzen würde, um die Menschheit wieder auf den evolutionären Weg zu führen, der ihrer Entwicklung als Spezies entspricht. Es gab einige Initiativen und Absichten in diese Richtung, darunter die Gründung der Vereinten Nationen. Doch es funktionierte nicht, und schon bald donnerte der Zug wieder in dieselbe verhängnisvolle und zerstörerische Richtung – mit immer größerer Geschwindigkeit. Die meisten ehemaligen Kolonien wurden durch wirtschaftliche Vorherrschaft und ihre Abhängigkeit von den früheren Kolonialmächten neokolonialisiert, während westliche Kriege gegen Länder in Asien, Afrika und dem Nahen Osten zum neuen Mittel der Beherrschung wurden.
Was sich niemals änderte, war die unaufhörliche Bereicherung einiger weniger auf Kosten der vielen. Das ist heute nicht schwer zu erkennen. Und die Entmenschlichung hat ungeheuerliche Ausmaße angenommen. Diese entmenschlichende und antihumanistische Richtung hat die Menschheit an den Rand des Abgrunds geführt, und der Wahnsinn breitet sich überall aus – allen voran unter den Politiker:innen an der Macht.
Das Signal ist klar und steht jedem Menschen vor Augen: So kann es nicht weitergehen. Es muss etwas geschehen, um den menschlichen Prozess wieder auf den evolutionären Weg zu lenken, der seiner Entwicklung als Spezies entspricht. Doch damit dies geschehen kann, muss die Menschheit aufwachen und sich die grundlegende Frage stellen: Will ich leben, und wenn ja, unter welchen Bedingungen möchte ich leben – und bin ich bereit, diese Bedingungen auch für andere zu schaffen?
Es ist höchste Zeit, dass wir uns diese Frage stellen und zum Grund dafür machen, warum wir auf diesem Planeten geboren sind: die Erde zu vermenschlichen, uns selbst und die anderen zu vermenschlichen und die anderen so zu behandeln, wie wir selbst behandelt werden möchten.
Die allgemeine und persönliche Krise ist das ständige Signal dafür, dass etwas ganz und gar falsch läuft. Das Problem liegt in unserem Denken, in unserem Inneren. Wenn dieses Problem gelöst ist, individuell wie kollektiv, wird auch alles andere gelöst werden können, und die Menschheit kann endlich wieder ihren evolutionären Weg einschlagen und eine Welt ohne jede Form von Gewalt und Diskriminierung schaffen, in der der Mensch der zentrale und höchste Wert ist und jede technologische, medizinische und wissenschaftliche Entwicklung dem Fortschritt und dem Wohlergehen der gesamten Menschheit dient.
Das ist keine Utopie. Es ist der notwendige Schritt, den die Menschheit gehen muss, um sich über ihre innere Gewalt zu erheben und ihren Horizont für unerwartete und unbegrenzte Möglichkeiten zu öffnen.
Die Übersetzung aus dem Englischen wurde von Kornelia Henrichmann vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!










