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Wettern der Woche: Abschaum

Wettern der Woche: Abschaum
Peter Grohmann

Alltäglich fast wird unser gutes deutsches Volk gelinkt und genervt und aufgerufen, endlich mal Mut zu zeigen: Schaut nach, wer von der eigenen Mischpoke anno dunnemal bei NSDAP, SS oder SA war! Vielleicht war er ja doch nur wiederkäuender General oder stinknormaler Wachmann in Auschwitz — dort also, wo eine NSDAP-Mitgliedschaft nicht zwingend war. Trotzdem nachschauen?

Barfußhistoriker wie ich sind naturgemäß immer scharf auf neue Fakten! Aber wir wollen doch nur dazu beitragen, dass auch traditionsreiche kleine und große Unternehmen rechtzeitig vorm Jubiläum die Kurve kriegen! Wir raten: Einfach in alten Büchern blättern! Viele deutsche Unternehmen rühmen sich mit einer langen Geschichte und Tradition. Sie schämen sich für die Ausrutscher 33/45. Logisch, dass dieses Kapitel ausgelassen werden sollte. Im schnellen Berlin zum Beispiel beginnt die Vorbereitung fürs Aufstellen von Park- und Straßenbänken mit dem Hinweis „Nur für Arier“ schon im Juli 1936 – heute vor 90 Jahren. Der Autor dieser Zeilen hatte just im Juli 1976 eine plakatgroße Fotocollage publiziert. Die zeigte das Originalfoto einer schlichten Parkbank mit Schildle: Nur für Arier.

Neu (und straffähig) war jedoch das darunter großmächtig einkopierte Original-Logo: Deutsche Bank. Die NS-Nachfolgeorganisation wehrte sich mit der Androhung einer Geldstrafe in Höhe von 50.000 DM für den Fall der Wiederholung. Das Plakat der Stuttgarter Plakatgruppe wurde ein Renner!

In Deutschland wurde die alte gute deutsche Sprache ja immer wieder gezielt als Waffe eingesetzt, um Menschen zu erschrecken, einzuschüchtern, zu bedrohen – eine Methode, die heute wieder fröhlich Urständ feiert. Worte wie „Abschaum“ oder „Ausrotten“ waren einst zentraler Bestandteil der Alltagssprache der Herrenrasse gegen die Untermenschen — die waren Schädlinge, Parasiten, lebensunwertes Leben. Heute sitzen die Rassenhygieniker jenseits des großen Wassers im braunen Haus — und direkt nebenan, in deiner Nachbarschaft. Man könnte ihnen ins Wort fallen. „Aber wir fallen ihnen um den Hals“, meint meine Omi Glimbzsch in Zittau.

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