Wir alle sind entsetzt, weil internationale Regeln, Diplomatie und gute Umgangsformen inzwischen durch Beleidigungen und verbale Aggression ersetzt worden sind – als befände man sich in einer Kneipenschlägerei.

Ich selbst war noch nie in eine Kneipenschlägerei verwickelt, aber ich habe zahlreiche Romane gelesen, in denen solche Szenen meisterhaft beschrieben werden – vor allem amerikanische Romane, die wirklich hervorragend sind. Etwa Der lange Abschied (The Long Goodbye) von Raymond Chandler oder Kaltblütig (In Cold Blood) von Truman Capote – und viele andere. Eines haben sie alle gemeinsam: Ihre Hauptfiguren trinken reichlich Alkohol.

Nun gut, bislang hat niemand Donald Trump vorgeworfen, ein Säufer zu sein, und allem Anschein nach ist er das auch nicht. Wäre er es, hätte er zumindest eine gute Entschuldigung für seine verbalen Entgleisungen. Doch offenbar äußert er sie im nüchternen Zustand.

Der Mann scheint Beleidigungen zu seinem bevorzugten Umgangston gegenüber Freund und Feind gemacht zu haben – ein ebenso merkwürdiges wie befremdliches Verhalten.

Wer regelmäßig die internationale Presse verfolgt, erfährt früher oder später, was der Präsident der Vereinigten Staaten bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten von sich gibt. Über mehrere Länder Mittelamerikas – und, wenn ich mich richtig erinnere, auch über Haiti – sagte er beispielsweise, es seien „Drecksländer“, „Kloaken“ oder etwas Ähnliches. Vielleicht liegt das auch an der Übersetzung; ich selbst weigere mich aus Gründen, die ich nicht näher erläutern muss, Englisch zu sprechen.

Ganz sicher ist dagegen – und das hat nichts mit einer schlechten Übersetzung zu tun –, dass er behauptet hat, haitianische Migrant:innen würden in Ohio die Haustiere der Einwohner – Hunde und Katzen – verspeisen.

Außerdem droht er Staaten und Einzelpersonen regelmäßig damit, ihnen das US-Visum zu entziehen.

Meiner Ansicht nach sollten sich ohnehin nur noch wenige Menschen für ein US-Visum interessieren. Doch der Herr der Welt glaubt offenbar, das sei die schlimmste Strafe, die man einem Land oder einer Person auferlegen könne. Ich kann Ihnen jedenfalls sagen: Selbst wenn man mir Millionen Dollar böte, würde ich nicht dorthin reisen. Ein einziges Mal war ich dort – um meinen Sohn und meine Schwiegertochter zu begleiten, die sich dort behandeln lassen mussten. Auf dem Rückweg wurde mir jedoch die Handtasche gestohlen, und seitdem habe ich kein Visum mehr. Gott und der Heiligen Jungfrau sei Dank.

Und was Afrika und den Nahen Osten betrifft – wo soll man da anfangen? In einer Kabinettssitzung erklärte er, Somalia „stinke“.

Als er seine Angriffe auf die Migration erneut bekräftigte, bezeichnete er Migrant:innen aus afrikanischen Ländern und Afghanistan als Menschen aus „Dreckslöchern“ oder „Höllenlöchern“  – schmutzigen und widerwärtigen Gegenden. Wer mag, kann das gern auf Englisch nachlesen. Ich kann das nicht, denn ich habe ja bereits gesagt, dass ich die englische Sprache nicht ausstehen kann – aus politischen Gründen, aber auch deshalb, weil ich sie im Vergleich zum Spanischen und anderen Sprachen griechisch-lateinischen Ursprungs für ausgesprochen arm halte.

Selbst über seine europäischen Verbündeten und Freunde macht er sich ständig lustig.

Über den französischen Präsidenten Emmanuel Macron hat er sich wiederholt lustig gemacht und abfällige Bemerkungen über dessen Ehe gemacht. Haben Sie je von etwas Ähnlichem gehört? Natürlich nicht. In der Diplomatie waren solche Themen stets tabu. Er hat sogar Macrons Akzent nachgeahmt. Welchen Akzent eigentlich? Wann spricht Macron denn Englisch? Vielleicht lautet die Lehre daraus, dass bei einem Treffen mit Trump niemand Englisch sprechen sollte, sondern ausschließlich seine Muttersprache. Dann muss Trump eben einen Dolmetscher einsetzen. Schließlich spricht er selbst nur amerikanisches Englisch – eine Art Englisch, das durch die Nase gesprochen wird. Im Übrigen scheinen viele US-Amerikaner zu glauben, Englisch sei die einzige Sprache der Welt.

Den britischen Premierminister Keir Starmer griff er an, weil dieser sich in militärischen Fragen nicht nach Washington richtete, und erklärte: „Mit Winston Churchill haben wir es hier nicht zu tun.“

Und wissen Sie was? Trump ist weder Abraham Lincoln noch Franklin D. Roosevelt.

Wenn überhaupt, erinnert er eher an Harry Truman, der nach Roosevelts Tod den Abwurf zweier Atombomben anordnete, denen Hunderttausende Menschen zum Opfer fielen. Bis dahin war er lediglich Vizepräsident gewesen.

Zum Glück dauert Trumps Amtszeit keine drei Jahre mehr. Und die Zwischenwahlen wird er bestimmt verlieren.

Die Übersetzung aus dem Spanischen wurde von Kornelia Henrichmann vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!