Die vom Europarat eingerichtete Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) ist ein unabhängiges Menschenrechtsüberwachungsgremium, das sich auf Fragen im Zusammenhang mit der Bekämpfung von Rassismus, Diskriminierung aus Gründen der „Rasse“, der ethnischen/nationalen Herkunft, der Hautfarbe, der Staatsbürgerschaft, der Religion, der Sprache, der sexuellen Orientierung und der Geschlechtsidentität, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Intoleranz spezialisiert hat.

Sie setzt sich aus unabhängigen und unparteiischen Mitgliedern zusammen, die aufgrund ihrer moralischen Autorität und ihrer anerkannten Expertise im Umgang mit Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Intoleranz ernannt werden. Laut dem im vergangenen Sommer veröffentlichten ECRI-Bericht über Slowenien (sechster Überwachungszyklus) gab es in Slowenien „unzureichende Integrations- und Inklusionsinitiativen auf lokaler Ebene“ (S. 5). Meiner Meinung nach müssen Integration und Inklusion von Kindergärten und Schulen ausgehen, um effektiv zu sein und langfristigen Erfolg zu erzielen.

Von Milena Rampoldi, ProMosaik

Der Bericht spricht die Diskriminierung von Roma-Gemeinschaften, von Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung (der LGBT-Gemeinschaft), von Muslimen, die ethnisch erkennbar sind, und von Flüchtlingen, einschließlich der Flüchtlinge aus der Ukraine, die nach der russischen Aggression gegen die Ukraine nach Slowenien gekommen sind, an.

In Bezug auf die Muslime deuten Studien darauf hin, dass die slowenischen Medien sie nicht fair repräsentieren und möglicherweise dadurch zur sogenannten „rassifizierten Islamophobie“ beitragen, wie Jurekovič in seiner Studie aus dem Jahr 2024 mit dem Titel „Islamophobia beyond Explicit Hate Speech: Analyzing the Coverage of Muslims in Slovenia’s Public Broadcasting / Islamophobie jenseits der expliziten Hassrede: Analyse der Berichterstattung über Muslime im öffentlichen Rundfunk Sloweniens“ bestätigte.

Ich stimme Jurekovič absolut zu, wenn er über die Bedeutung der religiösen Alphabetisierung spricht, die seiner Meinung nach eine „Voraussetzung für eine erfolgreiche Steuerung der religiösen Vielfalt“ ist. Und ich bin überzeugt, dass Slowenien ein multireligiöses Land ist und sich durch religiöse Vielfalt auszeichnet. Seiner Forschung zufolge ist die Berichterstattung über Muslime aus zwei Gründen islamophob: Zum einen sind Muslime in den slowenischen Medien unterrepräsentiert, zum anderen gibt es eine sogenannte „Rassenhomogenisierung“, wenn es um die Muslime geht, die in Slowenien ansässig sind.

Im ECRI-Bericht werden Beispiele für Gewalt gegen religiöse Minderheiten in Slowenien genannt. Beispiele:

„Im Mai 2021 wurden drei muslimische Grabsteine geschändet, als rote Flüssigkeit und Schweinefleischstücke auf den Gräbern deponiert wurden. Im November 2023 wurde das Jüdische Gemeindezentrum in Ljubljana mit einem Nazi-Hakenkreuz verwüstet. Im Januar 2025 wurde die Synagoge von Maribor mit antisemitischen Graffiti verunstaltet, insbesondere mit dem Slogan „Tod den Juden, Ruhm Slowenien“.

ECRI bedauert, dass es keine offizielle Datenerhebung zur Einbeziehung von Roma-Kindern in die Schulbildung gibt. Gleichzeitig zeigen Studien, dass die Abschlussquote für alle neun Grundschulklassen bei Roma-Schülern mit nur 21,3 % sehr niedrig ist, mit nur 12,3 % im Südosten des Landes.

Das zweisprachige Büchlein von ProMosaik in englischer und slowenischer Sprache, übersetzt von Teja Prosenc mit dem Titel „Fables Against Racism“, möchte den interreligiösen und interkulturellen Dialog in Slowenien fördern, indem es 5 Fabeln erzählt, die von zwei zweisprachigen Kindern, Leyla und Sarah Uzunlar, die in Istanbul leben, verfasst wurden.

Die Fabeln wurden seit 2017 im Laufe mehrerer Jahre geschrieben und von ProMosaik Children in verschiedene Sprachen übersetzt. Für Slowenien, wo die Integration von Roma-Kindern für den Kampf gegen Rassismus von grundlegender Bedeutung ist, möchte ich in diesem Artikel die Fabel „Der Hase und die Maus“ vorstellen, die sich gegen kulturelle/ethnische Trennung bzw. Diskriminierung in Schulen ausspricht. Vielfalt ist eines der eigenartigsten Merkmale von Schulen in multikulturellen und multireligiösen Gesellschaften. Daher heißt es in der Einleitung des Büchleins:

„Da die Erwachsenen oft die Bedeutung der Toleranz, des friedlichen Zusammenlebens und der Bedeutung des Dialogs und der interkulturellen Zusammenarbeit nicht so richtig verstehen, möchten wir den Kindern das Wort geben, um eine Fabel zu erzählen, in der die Tiere sich für die Kooperation entscheiden, anstatt ein Schulsystem nach dem Modell der kulturellen Apartheid aufzubauen.“

Die Fabel vom Kaninchen und der Maus ist das „Manifest“ einer inklusiven Schule, die allen Kindern offensteht. Niemand wird diskriminiert, weil er/sie eine andere Hautfarbe, einen anderen kulturellen Hintergrund oder eine andere Religion hat.

Der Hase und die Maus

Es war einmal ein Hase. Er lebte auf einer schönen, grünen Wiese. Um die Wiese war ein großer Wald. Der Hase las auf der Wiese ein Buch. Denn er liebte Bücher. Er war der einzige Hase weit und breit, der lesen konnte.

Er hatte mit den Kindern das Lesen geübt. Die hatten ihm erzählt, wie schön es war, Bücher zu lesen und neue Geschichten zu hören.

Mit der Zeit wollten auch die anderen Hasen lesen lernen, und so baute er auf der Wiese neben dem Wald eine Hasenschule.

Aber der Hase wurde alt und konnte nicht mehr gut sehen. Da kaufte er sich eine Hasenbrille.

In der Hasenschule lernten die Hasenkinder lesen und rechnen. Sie lernten auch Bilder zu malen und bastelten mit dem Hasenlehrer.

Eines Tages kam eine Maus an der Schule vorbei. Sie wollte die Hasen etwas fragen. Sie fragte, ob die Hasen ihr helfen könnten, eine Schule für Mäuse zu bauen. Denn auch die Mäuse hatten Lust, lesen und rechnen zu lernen. Auch die Mäuse wollten neue Geschichten lesen.

Aber der Hase sagte: „Du kannst bei uns lernen! Du brauchst keine Mäuseschule zu bauen!“

Da antwortete die Maus: „Ich bin aber kein Hase, und das ist eine Hasenschule. Dies ist keine Schule für Mäuse. Ich bin eine graue Maus und viel kleiner als du. Du hingegen bist ein großer, brauner Hase.“

Der Hase meinte:

„Wir können alle zusammen in derselben Schule lernen. Das wird eine Tierschule für alle Tiere. Alle Tiere können hier zusammen lesen, rechnen, malen und schreiben lernen. Das wird schön.“

„Ja, das ist großartig! Ich rufe gleich meine Mäuse! Jedes Tier erzählt von seiner Welt. Du erzählst uns von deiner Mäusewelt, und ich erzähle dir von der Welt der Hasen. Und jedes Tier lernt von den anderen Tieren. Was sagst du?“

„Wir bauen uns dann aber kleinere Schulbänke. Denn die Hasen sind größer als wir.“