Am 30. Juni 2021 hatte sich die Europäische Kommission als Antwort auf die Europäische Bürgerinitiative (EBI) „End the Cage Age“, der sich über 1,4 Millionen Menschen angeschlossen hatten, verpflichtet, bis Ende 2023 einen Gesetzesvorschlag vorzulegen, um die Käfighaltung von Nutztieren schrittweise zu beenden. Diese Frist wurde allerdings nicht eingehalten.

In den meisten europäischen Ländern genügt ein Gang durch den Supermarkt, um zu erkennen, was die Menschen für die Tiere in den Haltungsbetrieben wünschen: Sie wählen mehr Eier von Hühnern, die nicht in Käfigen gehalten werden, mehr Alternativen auf pflanzlicher Basis, Optionen, die stärker auf das Tierwohl achten. Die Kaufentscheidungen von Verbraucherinnen und Verbrauchern spiegeln, wie wichtig ihnen das Tierwohl ist; dennoch finden diese Erwartungen für Millionen von in der EU gehaltenen Tieren keine Entsprechung in den politischen Maßnahmen.

Nach dem jüngsten Eurobarometer der Europäischen Kommission ist es für neun von zehn Personen wichtig, das Tierwohl in den Haltungsbetrieben zu schützen, und 84 % der Umfrageteilnehmer*innen würden umfassendere Schutzmaßnahmen in ihrem Land einführen.

Frau Dr. Joanna Swabe, Leiterin Institutionelle Beziehungen von Humane World for Animals Europe (früher Humane Society International), erklärte: „Vor fünf Jahren versprach die Europäische Kommission Millionen von Bürgerinnen und Bürgern, dass sie einen Gesetzesvorschlag vorlegen würde, um Käfighaltung zu beenden. Bis heute wurde dieses Versprechen nicht eingehalten, und in vielen Mitgliedsstaaten führen Millionen von Tieren weiter ein elendes Leben in Haltungsbetrieben, eingezwängt in grausame, veraltete Absperrsysteme, ohne dass klar ist, wann ihr Leid ein Ende hat. Die Menschen haben genug gewartet. Und vor allem warten die Tiere schon zu lange. Die EU kann wirklich keine globale Führungsstellung in Sachen Tierwohl beanspruchen, ohne eins der wichtigsten Versprechen, das sie je gegeben hat, einzuhalten.“

Dieses Scheitern hat direkte Folgen für die Tiere, deren Schutz die Kommission versprochen hatte. Zum Beispiel Legehennen, die zu den am stärksten ausgenutzten Tieren in den europäischen Haltungsbetrieben gehören: Die jüngsten Daten der Europäischen Kommission zeigen, dass fast 448 Millionen Hennen in EU-Betrieben gehalten werden, über ein Drittel davon noch im Käfig. Jede davon ist gezwungen, ihr ganzes Leben in einem Raum von etwa der Größe eines DIN-A4-Blattes zu fristen: Sie kann weder ihre Flügel ausbreiten noch sich im Staub suhlen oder sich frei bewegen, und sie kann ihrem natürliches Verhalten wie Scharren oder Erkunden der Umgebung nicht nachgeben.

Die Situation ist in der EU sehr verschieden. Die gute Nachricht ist, dass einige Mitgliedstaaten begonnen haben, den Einsatz von Käfigen zu beenden. Österreich hat sie schon verboten, Luxemburg hat sie völlig stillgelegt und Deutschland steht kurz vor dem Abschluss der Umstellung. Auch die Tschechische Republik und die Slowakei haben sich zu einem schrittweisen Ausstieg verpflichtet. Im Gegensatz dazu halten große Eierproduzenten wie Polen und Spanien noch ca. 60 % der Hennen im Käfig, in Malta beträgt der Anteil sogar 99 %. Das Ergebnis ist ein fragmentiertes Bild der ganzen EU.

Martina Pluda, Direktorin von Humane World for Animals Italia, erklärt dazu: „In Italien wurden mit einer Abänderung zum Haushaltsgesetz 2026 erste Mittel für die Umstellung auf käfiglose Haltesysteme genehmigt. Obwohl die bewilligten Ressourcen geringer sind als beantragt, sind wir überzeugt, dass die Genehmigung dieser Finanzierung ein wichtiges Signal für alle EU-Länder ist. Zusammen mit den anderen Mitgliedern der Koalition End the Cage Age werden wir weiter dafür kämpfen, dass Käfighaltung in den italienischen ebenso wie in den europäischen Betrieben endgültig verboten wird.“

Die Europaabgeordnete Maria Noichl (S&D) bestätigt: „Eingesperrt zu leben, ist Folter. Für menschliche Wesen ebenso wie für alle anderen Tiere. Wir müssen aufhören, Tiere in winzige Käfige zu sperren. Sofort. Deutschland hat die Käfighaltung von Legehennen bereits verboten. Ich hoffe, dass dies auf alle Tiere ausgeweitet wird, unabhängig davon, wo in Europa sie sich befinden.“

Der Markt bewegt sich in die richtige Richtung, aber nicht einheitlich. Über 200 Händler haben sich den Forderungen von Verbraucherinnen und Verbrauchern angepasst und sich verpflichtet, nur Eier von Legehennen ohne Käfighaltung zu verkaufen. Außerdem arbeiten auch bedeutende Großkonzerne wie REWE und LIDL an ihren Verpflichtungen, um Eier von Hennen aus Käfighaltung in den wichtigsten EU-Ländern auszuschließen.

Bisher bleiben diese Initiativen jedoch vereinzelt und können einen klaren Rechtsrahmen auf europäischer Ebene nicht ersetzen.

Deshalb fordert Humane World for Animals Europe die Kommission auf, ihre Verpflichtung einzuhalten, Käfighaltung zu verbieten. Jeder Schritt zurück ist nicht nur ein Verrat an den Tieren, sondern auch an den Haltern und den Händlern, die bereits in bessere Systeme investiert haben, sowie an allen Bürgerinnen und Bürgern, die auf eins der wichtigsten demokratischen Instrumente der EU vertraut haben, um eine Veränderung zu fordern.

Die Übersetzung aus dem Italienischen wurde von Annette Seimer vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!