Die Universitätsklinik Köln hat die Raumzusage für ein von uns für den 2. Juli 2026 geplantes Symposium zur humanitären Situation im Gazastreifen widerrufen. Begründet wurde dies vom Leiter Unternehmenskommunikation der Universitätsklinik Köln, Timo Mügge mit der erforderlichen „Neutralität“ der Klinik. Eine inhaltliche Auseinandersetzung oder ein Gespräch wurde von seiner Seite abgelehnt. Wir sind über diese Entscheidung zutiefst irritiert und erschüttert.

Erst nach weiterem Widerspruch kam es zu einem Gespräch mit der Rechtsabteilung der Uniklinik. Diese zieht sich auf einen formalen Standpunkt zurück, daß die Hörsäle der Uniklinik nicht zur Universität gehören würden und daß die Uniklinik laut Satzung nur für Lehre, Forschung und klinische Versorgung zuständig sei– und nicht für den gesellschaftlichen Diskurs; letzteres sei nur Aufgabe der Universität.

Als Ärzt*innen und Angehörige von Gesundheitsberufen sehen wir es als unsere Verantwortung, auf akutes menschliches Leid aufmerksam zu machen und können eine solche „formale“ Neutralität nicht akzeptieren, weil dies nicht neutral ist, sondern Information und Diskussion über humanitäre Hilfe verhindert.

Das Symposium soll die dramatische Lage der Zivilbevölkerung im Gazastreifen – insbesondere von Kindern – beleuchten und medizinische sowie humanitäre Perspektiven aufzeigen. Als Referent*innen eingeladen sind Vertreter*innen von VENRO bzw. CARE Deutschland, MEDICO INTERNATIONAL sowie der Initiative „RE-MOVE KIDS“. Ziel ist eine sachliche, fachlich fundierte Information und Diskussion.

Die Situation im Gazastreifen ist geprägt von zerstörter Infrastruktur, fehlendem Zugang zu sauberem Wasser und massiven Einschränkungen der medizinischen Versorgung. Die Folgen sind schwerwiegende Erkrankungen und vermeidbares Leid – besonders bei Kindern.

Eine Auseinandersetzung mit diesen katastrophalen Mißständen ist keine politische Positionierung, sondern Ausdruck von Humanismus, Ethik und schlicht Menschlichkeit. „Neutral“ kann man angesichts von menschlichem Leid im Sinne des Wegsehens wohl kaum sein, sondern sollte sich vielmehr zum Handeln verpflichtet fühlen.

Eine Universität und ein Krankenhaus sollten Orte des offenen Dialogs und der ethischen Reflexion sein – insbesondere dann, wenn es um die Linderung menschlichen Leidens geht. Wir werden weiterhin für die Möglichkeit kämpfen, unsere Veranstaltung durchzuführen, und prüfen derzeit rechtliche Schritte sowie alternative Veranstaltungsorte.

 IPPNW Regionalgruppe Köln