Licata (Sizilien) /Wendland, 9.7.2026 – Seit dem 30. Juni 2026 darf das Segelboot TROTAMAR III der deutschen NGO CompassCollective nicht in den nächsten Einsatz starten. Gestern wurde die Ordnungshaft in Höhe von 45 Tagen für die TROTAMAR III von der sizilianischen Bezirksregierung festgelegt. Die Festsetzung erfolgte nach einer Rettung von 25 Menschen aus einem Schlauchboot innerhalb der libyschen Seenotrettungszone.

Das 13 Meter lange Segelboot TROTAMAR III segelt auf dem Mittelmeer und rettet mit wechselnden Crews Menschen aus Seenot. Seit dem 27. Juni war die aktuelle Crew mit fünf Freiwilligen und ihrem Skipper und Einsatzleiter Matthias Wiedenlübbert im Einsatzgebiet südöstlich von Lampedusa unterwegs. Am frühen Morgen des 29. Juni fand die Crew 25 Menschen in einem undichten Schlauchboot mit streikendem Motor treibend auf dem Meer. Um die Menschen vor dem Ertrinken zu retten, evakuierte die Crew die Schiffbrüchigen an Bord. Alle Geretteten kommen aus dem Bürgerkriegsland Somalia, einem zerfallenen Staat, der geprägt ist von Terrorismus, Clan-Konflikten und politischer Instabilität. Die Rettung kam gerade noch rechtzeitig, denn die sogenannte libysche Küstenwache tauchte ein paar Minuten nach Ende der Rettungsmaßnahmen mit einem Schnellboot auf. Statt die Menschen aus dem Fluchtboot wie so häufig gegen ihren Willen nach Libyen zurückzubringen, konnte die „Küstenwache“ nur noch hilflos den Skipper auffordern, sofort nach Norden abzudrehen. Diese „Anordnung“ in internationalen Gewässern entbehrt jeder rechtlichen Grundlage, denn hier gilt internationales Seerecht und kein Staat ist weisungsbefugt.

Skipper Matthias Wiedenlübbert folgte mit der Evakuierung der 25 Menschen dagegen dem internationalen Seerecht und informierte direkt nach der ersten Sichtung des Schlauchbootes die Seenotleitzentralen (MRCC) in Rom und auf Malta. Jetzt wird ihm vorgeworfen, die Rettungszentrale in Libyen nicht eingebunden zu haben. Dazu Wiedenlübbert: „Hier ging es um Menschenleben und die Rechte von Menschen auf der Flucht. Libyen tritt die Menschenrechte mit Füssen und kann keinen Sicheren Hafen nach internationalen Konventionen bieten. Eine Auslieferung nach Libyen war keine Option.“

Die Küstenwache auf Lampedusa sah das anders und verhängte nach Übergabe der Menschen am 30. Juni 2026 ein Auslaufverbot für die Trotamar III. Am 8.7.2026 belegte das Zentrale Ordnungsamt in Agrigent (Präfektur) das Rettungsboot mit einer 45-tägigen Festsetzung und einer Verwaltungsstrafe von 10.000€. Dazu Katja Tempel, Sprecherin des CompassCollective: „Die Repression gegen zivile Rettungsorganisationen durch die italienische Politik führt zu steigenden Todesfällen. Deshalb werden wir gegen die Festsetzung der TROTAMAR III klagen, um schnell wieder einsatzfähig zu sein. Die nächste Crew ist schon startklar“.

Allein im Jahr 2026 wurden bereits fünf zivile Rettungsschiffe von der ultrarechten italienischen Regierung im Hafen festgesetzt. Die TROTAMAR III nun insgesamt zum dritten Mal. Klagen gegen die ersten beiden Festsetzungen sind noch beim Gericht in Agrigent (Sizilien) anhängig. Seit Jahresbeginn starben oder verschwanden 1337 Menschen auf dem zentralen Mittelmeer (IOM) und mindestens 6811 Menschen wurden an ihrer Flucht gehindert und zurück nach Libyen gezwungen (UNHCR). Damit verzeichnete die Region den tödlichsten Jahresbeginn, seit die IOM im Jahr 2014 mit der Erfassung von Todes- und Vermisstenfällen begonnen hat. Im November 2025 gründeten deshalb 13 Seenotrettungsorganisationen, darunter auch das CompassCollective, gemeinsam mit einem Netzwerk zivilgesellschaftlicher Organisationen das Bündnis Justice Fleet. Ziel der Allianz ist es, das internationale Recht zu verteidigen, indem sie gegen die rechtswidrige Festsetzung von Rettungsschiffen in Italien vorgeht und die Auslagerung von Such- und Rettungsaufgaben an illegitime und gewaltbereite Akteure in Libyen anprangert.

Die TROTAMAR III führt seit drei Jahren Such- und Rettungseinsätze vor der tunesischen und libyschen Küste durch. In 24 Einsätzen konnten durch Alarmierung der zuständigen Rettungsleitzentrale 2017 Menschen von der italienischen Küstenwache gerettet werden, nachdem sie vorher mit Rettungswesten und Trinkwasser über Stunden von der Besatzung des zivilen Segelboots unterstützt wurden. 432 Menschen wurden bisher direkt auf das Segelboot gerettet und nach Lampedusa in Sicherheit gebracht.

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