Von Zipporah Musau*

Während die FAO die Umsetzung des Internationalen Jahres der Bäuerin 2026 koordiniert, erläutert Tacko Ndiaye, Leiter des Bereichs Gleichstellung der Organisation, warum Investitionen in Afrikas Bäuerinnen entscheidend für Ernährungssicherheit, wirtschaftliches Wachstum und widerstandsfähigere Agrar- und Ernährungssysteme sind.

Welche Rolle spielen Bäuerinnen bei der Sicherung der Ernährung in Afrika? – diese Frage steht im Mittelpunkt.

Ndiaye antwortet: „Wir wissen, dass Frauen das Rückgrat der Agrar- und Ernährungssysteme Afrikas bilden. Auf dem gesamten Kontinent leisten sie mit ihrer Arbeit, ihrem Wissen und ihrem Engagement einen unverzichtbaren Beitrag. Sie tragen zum Lebensunterhalt von Familien bei und stärken Gemeinden sowie lokale Märkte.“

Laut dem jüngsten FAO-Bericht Die Situation der Frauen in den Agrar- und Ernährungssystemen Subsahara-Afrikas stellen Frauen nahezu die Hälfte der Arbeitskräfte in diesem Sektor – 49 Prozent. Sie sind entlang der gesamten Wertschöpfungskette tätig, von der landwirtschaftlichen Produktion über die Verarbeitung bis hin zu Vertrieb und Handel.

Darüber hinaus bewahren Frauen kulturelle Traditionen und überliefern von Generation zu Generation Wissen über Saatguterhaltung und den Schutz der biologischen Vielfalt. Zugleich tragen sie dazu bei, die sozialen Bindungen aufrechtzuerhalten, auf denen die Agrar- und Ernährungssysteme beruhen.

Dennoch steht Subsahara-Afrika weiterhin vor erheblichen Herausforderungen im Bereich der Ernährungssicherheit. Nach Angaben der FAO litten im Jahr 2024 rund 64 Prozent der Bevölkerung der Region unter moderater oder schwerer Ernährungsunsicherheit. Zudem sind mehr als 30 Prozent der Frauen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren von Anämie betroffen.

Wenn Afrika diese Herausforderungen bewältigen will, muss die Stärkung der Bäuerinnen zu einer Priorität werden.

Vor welchen drängendsten Herausforderungen stehen Afrikas Bäuerinnen heute?

„Wie Sie wissen, sind es in Afrika die Frauen, die das Land bestellen. Wer Berichte über Landwirtschaft und Ernährungssysteme in Afrika liest, wird auf den Titelseiten meist das Bild einer Bäuerin sehen.

Trotz ihrer zentralen Rolle sind Frauen jedoch weiterhin mit strukturellen Ungleichheiten konfrontiert, die ihre Produktivität, ihre Widerstandsfähigkeit und ihre wirtschaftlichen Chancen einschränken.

  • Eine der größten Hürden ist der ungleiche Zugang zu Land sowie die ungleiche Kontrolle über landwirtschaftliche Flächen. In 28 der 32 untersuchten Länder Subsahara-Afrikas besitzen oder kontrollieren Männer häufiger Agrarland als Frauen. In mehr als 40 Prozent dieser Länder ist die geschlechtsspezifische Kluft beim Landbesitz oder bei gesicherten Landrechten besonders ausgeprägt.
  • Selbst dort, wo Gesetze die Landrechte von Frauen schützen sollen, sind diese rechtlichen Garantien häufig unzureichend. In der Hälfte der untersuchten Länder bietet die Gesetzgebung keinen angemessenen Schutz für die Landrechte von Frauen.
  • Der Besitz von Land ist eng mit dem Zugang zu Finanzdienstleistungen verknüpft, da Grundbesitz häufig als Sicherheit für Kredite dient. Dennoch verfügt nur 49 Prozent der Frauen in der Region über ein Bank- oder Finanzkonto, gegenüber 61 Prozent der Männer.
  • Frauen stoßen außerdem auf Hindernisse beim Zugang zu landwirtschaftlichen Betriebsmitteln, Beratungsdiensten, Märkten und Technologien.
  • Ein weiteres Problem ist die digitale Ausgrenzung. Digitale Plattformen sind heute unverzichtbar, um Produkte zu vermarkten, Informationen zu erhalten und neue Kompetenzen zu erwerben. Dennoch nutzen Frauen mit einer um 29 Prozent geringeren Wahrscheinlichkeit als Männer mobiles Internet. Schätzungsweise 205 Millionen Frauen in Subsahara-Afrika haben nach wie vor keinen Zugang zu digitalen Technologien.
  • Trotz ihres erheblichen Beitrags zu den Agrar- und Ernährungssystemen arbeiten Frauen häufig unter schlechteren Bedingungen als Männer. Sie sind überdurchschnittlich häufig in prekären, informellen, arbeitsintensiven, gering qualifizierten und schlecht bezahlten Beschäftigungsverhältnissen tätig. Fast 90 Prozent der Frauen in der Region arbeiten im informellen Sektor.
  • Hinzu kommen diskriminierende gesellschaftliche Normen, geschlechtsspezifische Gewalt sowie Einschränkungen bei Führungsaufgaben und politischer Teilhabe. Auch die hohe Belastung durch unbezahlte Sorgearbeit schränkt ihre Chancen zusätzlich ein.

Es gibt zahlreiche Herausforderungen, die bewältigt werden müssen, wenn wir inklusivere, widerstandsfähigere und leistungsfähigere Agrar- und Ernährungssysteme schaffen wollen.“

*Zipporah Musau ist Autorin von Africa Renewal, einer digitalen Publikation der Vereinten Nationen.

Die Übersetzung aus dem Spanischen wurde von Kornelia Henrichmann vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!