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Wem gehört Albanien? Protest gegen die Luxusprojekte der Eliten

Dieser Artikel ist auch auf Spanisch, Französisch verfügbar

(Bild von Pixabay)

Tausende Menschen in Albanien fordern den Rücktritt von Premierminister Rama. Die Proteste dauern inzwischen neun Tage an. Im Zentrum von Tirana versammelte sich eine große Menschenmenge, die rote Fahnen und Transparente mit der Aufschrift „Shqipëri e Re“ (Neues Albanien) schwenkte und den Rücktritt von Edi Rama forderte.

Die soziale Unzufriedenheit ist inzwischen über die Landesgrenzen hinaus sichtbar geworden. Es gab nicht nur in Tirana, sondern auch in Mailand und Brüssel Proteste, bei denen die albanische Diaspora und europäische Aktivist:innen den Konflikt sichtbar machten. Die albanische Zivilgesellschaft hat ihre große Organisationsfähigkeit unter Beweis gestellt. Sie fordert Umweltverträglichkeitsprüfungen, Transparenz bei Konzessionen und eine echte öffentliche Debatte über das Entwicklungsmodell des Landes.

Albanien möchte der EU beitreten, doch dafür muss das Land bestimmte Standards erfüllen. Nun setzt das Land jedoch auf Luxusinvestitionen in sensiblen Schutzgebieten. Ein Paradebeispiel ist Jared Kushner (Trumps Schwiegersohn), dessen Unternehmen Resorts auf der Insel Sazan und im Feuchtgebiet Pishë Poro–Narta plant.

Was in den Tourismusbroschüren als „aufstrebende Perle des Mittelmeers” angepriesen wird, ist vor Ort ein Schauplatz tiefgreifender Widersprüche. Außerhalb von Tirana sind die Straßen in einem schlechten Zustand, der Strom fällt immer wieder aus, aus dem Wasserhahn fließt nicht immer Wasser und in den öffentlichen Krankenhäusern wird für eine einfache Untersuchung Bestechungsgeld verlangt. Unterdessen werden einige der wertvollsten Naturflächen des Landes zu exklusiven Anlageobjekten.

Brüssel formuliert zwar Forderungen, doch Kritiker werfen der EU vor, wirtschaftliche Interessen stärker zu gewichten und problematische Entwicklungen politisch zu relativieren. Um in Kapitel 27 (Umwelt und Klimawandel) voranzukommen, muss Tirana die europäischen Vogelschutz- und Habitatrichtlinien vollständig umsetzen, die Widersprüche in seinem Gesetz über Schutzgebiete beseitigen und insbesondere das Gesetz über strategische Investitionen von 2015 aufheben. Diese Regelung, die ursprünglich dazu gedacht war, den Zufluss ausländischen Kapitals zu beschleunigen, hat sich zu einer Hintertür entwickelt, die es ermöglicht, Umweltkontrollen zu umgehen.

Die EU spricht von Rechtsstaatlichkeit, Umweltschutz und Transparenz, schaut aber weg, wenn geopolitische Interessen auf dem Spiel stehen.

Bild von Pixabay

Eine Frage der nationalen Souveränität

Die Souveränität Albaniens selbst sei bedroht, behaupten die Gegner des Megaprojekts. Das linke Magazin Jacobin weist darauf hin, dass trotz Ramas Dementi klar sei, dass „die Souveränität und die geopolitische Loyalität Albaniens zunehmend zum Verkauf stehen”.

Der albanische Ministerpräsident Edi Rama hat bestätigt, dass die Insel Sazan, Zvernec und die Lagune von Narta nun im Einflussbereich ausländischer Investoren liegen und nicht mehr der albanischen Bevölkerung zugutekommen. „Das Land gehört den Investoren, sie haben es gekauft“, sagte Rama gegenüber Euronews und bezog sich dabei auf Jared Kushners Firma Affinity Partners, die ein Konsortium internationaler Magnaten anführt.

Vorwürfe, Rama würde albanisches Land israelischen Interessen überlassen, stützen sich auf seine engen Beziehungen zu Israel, insbesondere zu Premierminister Benjamin Netanjahu, der ihn als „guten persönlichen Freund” bezeichnet hat.

Im April 2025 erhielt Rama von Präsident Isaac Herzog die israelische Ehrenmedaille des Präsidenten.

Im Januar 2026 hielt Rama vor dem israelischen Parlament, der Knesset, eine Rede, in der er Albaniens Unterstützung für Israel bekräftigte. Er lobte die Abraham-Abkommen, verurteilte die Hamas und verlor kein Wort über das Leiden der Palästinenser, wofür er begeisterten Beifall erhielt.

Israel zeigt seit langem großes Interesse an der günstigen Mittelmeerküste Albaniens, ist jedoch aufgrund von Sicherheitsbedenken zurückhaltend geblieben.

Vor fast zwei Jahrzehnten räumte die albanische Zeitung Tirana Times ein, dass israelische Investoren den Immobiliensektor des Landes genau im Auge hielten. Anfang dieses Jahres machte die Jerusalem Post auf Investitionsmöglichkeiten in Albanien aufmerksam, das „über eine beeindruckende Mittelmeerküste“ und eine israelfreundliche Regierung verfügt.

Das Entwicklungsprojekt hat einen Wert von etwa vier Milliarden Dollar und umfasst Investoren, die vom Fonds Gulf Capital unterstützt werden, sowie Konzerne aus dem Bereich der Luxushotellerie. Die Pläne umfassen Öko-Resorts, Hotels, private Villen, Restaurants, Unterhaltungsangebote und einen groß angelegten, luxuriösen Rückzugsort in der Region Zvërnec.

Einige Analysten spekulierten, dass die Insel möglicherweise irgendwann als privater Zufluchtsort für wohlhabende Eliten dienen könnte – ähnlich den Überlebenskomplexen, Bunkern und befestigten Rückzugsorten, die in elitären Kreisen zunehmend in Mode kommen.

Die Übersetzung aus dem Spanischen wurde von Kornelia Henrichmann vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige! 

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