Eine Reihe von Umfragen zeigt, dass die Bürger internationale Zusammenarbeit, Solidarität und Frieden wollen – aber ihre ‚demokratischen‘ Regierungen kümmern sich nicht darum. Ein politisches Erfolgsrezept bei globalen Aufgaben könnte ein internationalistischer Ansatz sein.
von Lawrence S. Wittner
Es ist eine der merkwürdigsten Ironien unserer Zeit: Auf der einen Seite steht die hitzige nationalistische Rhetorik vieler Politiker, die sich gegen fremde Länder richtet und internationale Zusammenarbeit kleinredet; auf der anderen Seite steht die Tatsache, dass diese Art und Weise mit internationalen Aufgaben umzugehen nicht das ist, was die meisten Menschen wollen.
Das Klima des aggressiven Nationalismus ist deutlich spürbar. In Ländern rund um den Globus schüren Demagogen (meistens mit rechtsgerichteter Ausprägung) Fremdenfeindlichkeit, predigen Superpatriotismus, fordern umfangreiche Aufrüstung und starten – sofern sie ein öffentliches Amt innehaben – oft Invasionen in andere Länder unter dem Vorwand, eine angeblich ruhmreiche Vergangenheit wiederherzustellen.
Was aber oft übersehen wird, ist, dass grenzüberschreitend die meisten Menschen einen ganz anderen Weg favorisieren sich mit der Welt auseinanderzusetzen. Ende 2025 führte Focaldata, eine der größten von der Rockefeller Foundation geförderten Forschungsgruppen, eine wegweisende Umfrage unter 36.405 Menschen aus 34 Ländern durch. Der Schlussbericht unter dem Titel „Globale Sicht auf die internationale Zusammenarbeit“ (Demanding Results: Global Views on International Cooperation) zeigte, dass 55 % der Menschen weltweit „glauben, dass ihr Land bei globalen Herausforderungen kooperieren sollte, auch wenn es bedeuten würde, in Bezug auf nationale Interessen Kompromisse einzugehen.“ Für den Fall, dass internationale Zusammenarbeit nachweislich dazu beitragen würde, globale Probleme zu lösen, sprang die öffentliche Unterstützung auf 75 %. Die antwortenden Personen hatten die Ansicht, eine solche Kooperation sei essenziell für die Sicherung von Nahrung und Wasser, Arbeit, Gesundheit, Handel und Klima.
Andere Meinungsumfragen bestätigen, dass diese internationalistische Stimmung allgemeiner Natur ist. Eine Umfrage von Ipsos (Ipsos poll), die zwischen Februar und April 2026 durchgeführt wurde, fand heraus, dass die aktuelle Unterstützung für globale Solidarität und Zusammenarbeit gegenüber der vom vergangenen Jahr gewachsen ist, wobei sich die Netto-Ablehnung in eine Netto-Zustimmung verwandelte. Fast zwei Drittel der 22.000 befragten Erwachsenen aus 31 Ländern unterstützten aktuell, „dass internationale Gremien für bestimmte Probleme wie die Umweltverschmutzung Lösungen forcieren sollten.“ 42 % (eine Mehrheit) stimmte mit dem Gedanken überein, dass „meine Steuern für die Lösung globaler Probleme eingesetzt werden sollten.“ Und fast 4 von 10 der befragten Personen (eine Mehrheit) unterstützten die Aussage: „Ich betrachte mich selbst mehr als eine Weltbürgerin bzw. einen Weltbürger als eine Bürgerin bzw. einen Bürger eines Landes.“
Eine andere Bewertung der weltweiten Unterstützung internationaler Zusammenarbeit hat eine Umfrage ergeben, die sich der Haltung gegenüber internationalen Organisationen widmete. Die Folcadata Studie der Rockefeller Foundation (Rockefeller Foundation-Focaldata study) kam zu dem Ergebnis, dass auf der einen Seite das öffentliche Vertrauen in die Vereinten Nationen und die Weltgesundheitsorganisation stark war, auf der anderen Seite das Vertrauen sank, wenn es um die internationalen Finanzinstitutionen ging. Im September 2025 erschien eine Umfrage des Pew Research Center (Pew Research Center survey), die den Vereinten Nationen globale Popularität bescheinigte. Befragt wurden 31.938 erwachsene Personen in 25 Ländern. Dabei wurde herausgefunden, dass durchschnittlich 61 % der erwachsenen Personen ein vorteilhaftes Bild der Weltorganisation hatten, gegenüber nur 32 % mit einem unvorteilhaften Bild derselben…
Die Übersetzung aus dem Englischen wurde von Dirk Harms vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!










