Jahrzehntelang glaubten viele, die Globalisierung würde dauerhafte Stabilität, kontinuierliches Wirtschaftswachstum und eine zunehmende Integration zwischen den Ländern bringen. Die Ereignisse der letzten Jahre zeigen jedoch eine andere Realität. Wir leben in einer Zeit, die von Unsicherheit, Angst, gesellschaftlicher Spaltung, Gewalt und rasanten Veränderungen geprägt ist. Davon sind sowohl die Großmächte als auch kleine ländliche Gemeinden auf der ganzen Welt betroffen – so auch in Costa Rica.
Selbst der Begriff „Globalisierung“ wurde infrage gestellt, da er sich vor allem auf die wirtschaftliche Dimension weltweiter Beziehungen bezog. Seit einiger Zeit wird deshalb auch von „Mundialisierung“ gesprochen, um eine weltweite Vernetzung zu beschreiben, die über die rein wirtschaftliche Globalisierung hinausgeht.
Die Kriege in Europa und im Nahen Osten, die wirtschaftlichen Spannungen zwischen den USA und China, der Wettbewerb um strategische Rohstoffe, der durch künstliche Intelligenz vorangetriebene technologische Wandel und der Klimawandel sind Ausdruck einer neuen Weltlage. Was früher weit entfernt schien, beeinflusst heute direkt den Alltag von Millionen Menschen.
Für viele Bewohner der Südzone Costa Ricas – einer wachsenden Agrarregion wie vielen anderen in Lateinamerika und weltweit – mag Geopolitik wie ein zeitlich und räumlich weit entferntes Konzept erscheinen. Doch wenn man beobachtet, wie internationale Schwankungen die Preise für Kraftstoffe, Düngemittel, Lebensmittel und Transport beeinflussen, versteht man schnell, dass weltweite Ereignisse bis in die ländlichen Gemeinden vordringen.
Steigen die Kosten für Erdöl, Benzin und Diesel, steigen auch die Kosten für den Transport landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Werden internationale Lieferketten unterbrochen, werden bestimmte Betriebsmittel knapper oder teurer – Betriebsmittel, die durch hohe Preise, große Entfernungen und eine ausbeuterische Wirtschaftsstruktur ohnehin bereits verteuert sind. Wenn sich Klimaphänomene wie El Niño verstärken, sind davon Ernten, Straßen, Brücken und die lokale Infrastruktur stärker betroffen. Dies erschwert den Landwirt:innen die Teilnahme am Austausch von Produkten und Dienstleistungen.
Die globale Unsicherheit hat nicht nur wirtschaftliche Auswirkungen. Sie hat auch menschliche Folgen. In vielen Ländern nehmen Angst, Chaos, Straßenproteste, Zukunftsängste und das Gefühl, dass sich die Veränderungen zu schnell vollziehen, zu. Paradoxerweise leben wir in einer Zeit, in der wir mehr Zugang zu Informationen und Technologie haben als je zuvor, gleichzeitig aber auch mit einem höheren Maß an gesellschaftlicher Besorgnis leben.
Aus humanistischer Sicht ist die zentrale Herausforderung nicht nur technologischer oder wirtschaftlicher Natur. Die grundlegende Frage lautet: Was geschieht mit den Menschen, die vor allem in abgelegenen landwirtschaftlichen Gebieten leben und von solch tiefgreifenden Veränderungen betroffen sind? Technologie kann unsere Fähigkeiten zwar erweitern, ersetzt jedoch nicht die Notwendigkeit, Sinn zu stiften, gemeinschaftliche Bindungen zu stärken und kollektive Projekte zu entwickeln.
Die Südzone oder Brunca-Region verfügt über bedeutende Stärken, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Ihre landwirtschaftliche Tradition, die Erfahrung mit Genossenschaften, Entwicklungs- und Wasserverwaltungsverbänden sowie die vielfältigen Formen der Gemeinschaftsorganisation bilden eine solide Grundlage, um Krisen gemeinsam zu bewältigen. Dort, wo Netzwerke der Zusammenarbeit und Solidarität bestehen, reagieren Gemeinschaften in der Regel besser auf Krisen und können sich klarer und effektiver anpassen.
Künstliche Intelligenz kann beispielsweise zu einem wertvollen Werkzeug werden, um die Landwirtschaft zu verbessern, den Zugang zu Bildung zu erweitern, die digitale Kluft zu schließen, die Gesundheitsversorgung zu stärken und die Vermarktung ländlicher Produkte zu erleichtern. Damit dies geschieht, muss sich die Technologie jedoch in den Dienst der Menschen stellen und nicht umgekehrt. Was nützen Unternehmen und Technologie, wenn sie nicht dem Menschen dienen?
Wir leben in schwierigen und komplexen Zeiten. Niemand kann sich anmaßen, genau vorherzusagen, wie die Welt in zwanzig Jahren aussehen wird. Was wir jedoch wissen, ist, dass ländliche und städtische Gemeinschaften, die Solidarität, Zusammenarbeit und Anpassungsfähigkeit pflegen, größere Chancen haben, zu gedeihen.
Und genau hier gilt es, jene menschliche Fähigkeit zu schützen, die wir als Intentionalität bezeichnen. Alle Menschen in Städten und auf dem Land besitzen die Fähigkeit, ihr eigenes Leben bewusst zu gestalten und Entscheidungen zu treffen – auch unter Bedingungen, die ihre Freiheit einschränken. Diese Fähigkeit ermöglicht es dem Menschen, die eigene Zukunft aktiv auszurichten.
Die Unsicherheit der Menschen weltweit ist real. Aber wir betonen: Ebenso real sind die menschliche Kreativität und Innovation, die Organisation in Gemeinschaften und die Fähigkeit, erträumte Zukünfte zu gestalten.
Die beste Antwort, die wir auf Unsicherheit und Angst geben können, ist nach wie vor das Handeln zur Stärkung dessen, was uns wahrhaft menschlich macht: Zusammenarbeit, Hoffnung, Engagement für das Gemeinwohl und die bewusste Entscheidung, die Erde zu humanisieren – also alle Bereiche unseres Lebens menschlicher zu gestalten.
Die Übersetzung aus dem Spanischen wurde von Kornelia Henrichmann vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!










