Mögliche Teileinigung zwischen den USA und Iran auf einen neuen Waffenstillstand lässt die Perspektiven für einen deutschen Marineeinsatz unklar. Die USA haben ihre Raketenbestände im Krieg stark dezimiert und erhebliche Schäden erlitten.

Ohne jegliche Klärung der Perspektiven für einen etwaigen deutschen Marineeinsatz in der Straße von Hormuz nähern sich die USA und Iran einer Rahmenvereinbarung über einen verlängerten Waffenstillstand. Details sind bislang nur in Ansätzen bekannt; treffen sie zu, dann wird schon in Kürze die Straße von Hormuz wieder für den Handelsverkehr offen sein, während Iran zwar vorläufig auf Gebühren für die Durchfahrt verzichten, doch weiter die Kontrolle über die Meerenge beanspruchen könnte. Die Lage wäre für die Vereinigten Staaten dann schlechter als vor ihrem gemeinsam mit Israel gestarteten Überfall auf Iran. Zu den Gründen dafür, dass US-Präsident Trump bislang darauf verzichtet, den Krieg fortzusetzen, zählt, dass die US-Streitkräfte große Mengen an Raketen verschossen haben – etwa ein Drittel ihrer gesamten Bestände an Tomahawk-Marschflugkörpern und rund die Hälfte ihrer Patriot- und THAAD-Abwehrraketen. US-Rüstungskonzerne werden Jahre benötigen, um die Bestände wieder zu füllen. Zudem sind die Schäden an diversen US-Militärstützpunkten schwer; da Iran wohl noch 70 Prozent seiner Raketen besitzt, drohen den USA im Fall einer Fortsetzung des Krieges weitere herbe Verluste.

Raketenbestände dezimiert

Eine der Ursachen dafür, dass US-Präsident Donald Trump bislang die Verhandlungen mit Iran fortführt und den US-amerikanisch-israelischen Angriffskrieg nicht erneut gestartet hat, liegt darin, dass die US-Streitkräfte ihre Waffenbestände in den 40 Tage währenden Kämpfen bereits stark dezimiert haben. Das geht aus einer Aufstellung des Washingtoner Center for Strategic & International Studies (CSIS) hervor. Demnach haben US-Truppen von den wohl 3.100 Tomahawk-Marschflugkörpern, die vor dem Krieg in US-Beständen lagerten, mehr als 1.000 verschossen. Eingesetzt wurden zudem mehr als 1.100 der insgesamt 4.400 Boden-Luft-Marschflugkörper JASSM.[1] Noch höher ist der verbrauchte Anteil bei Abwehrraketen, die unter anderem gegen relativ billige iranische Drohnen verwendet wurden; so wurden von den wohl 2.330 Patriot-Raketen zwischen 1.060 und 1.430 abgefeuert, von den wohl rund 360 THAAD-Raketen zwischen 190 und 290. Die Produktionsdauer einer Rakete wird etwa auf 42 Monate (Patriot) oder 47 Monate (Tomahawk) beziffert. Erschwerend kommt hinzu, dass die Aufbereitung diverser Metalle, die für die Fertigung der Waffen unersetzlich sind, stark von der China kontrolliert wird; dies gilt nicht nur für die Seltenen Erden, sondern zum Beispiel auch für Wolfram.[2] Es dürfte die USA einige Mühe kosten, die Raketenbestände wieder zu füllen.

Marinehauptquartier schwer beschädigt

Es kommt hinzu, dass die Schäden an den US-Militäreinrichtungen im Mittleren Osten, die durch iranische Drohnen und Raketen verursacht wurden, offenkundig deutlich schwerer sind als bisher bekannt. Laut einer Recherche der Washington Post [3] trafen iranische Waffen mindestens 228 US-Ziele auf der Arabischen Halbinsel, im Irak und in Jordanien, wobei sie in einigen Fällen äußerst teure, nur mit erheblichem zeitlichen Aufwand zu ersetzende Anlagen zerstörten. Über die Basis der U.S. Navy in Bahrain etwa, auf der das Hauptquartier der Fifth Fleet untergebracht ist, wird berichtet, sie sei so schwer beschädigt worden, dass sie für Kommandofunktionen nicht mehr habe genutzt werden können; diese seien daraufhin an das CENTCOM-Hauptquartier auf der MacDill Air Force Base in Florida übertragen worden. Seit dem Beginn des Waffenstillstands haben Beobachter zuweilen geäußert, man müsse die Frage stellen, ob es überhaupt lohne, die US-Stützpunkte sämtlich wieder aufzubauen; sie lägen schließlich dauerhaft in Reichweite iranischer Raketen. Das wiegt umso schwerer, als die iranischen Streitkräfte laut Recherchen der New York Times wohl immer noch 70 Prozent ihrer Vorkriegsbestände an Raketen zur Verfügung haben, zudem 70 Prozent ihrer mobilen Raketenwerfer.[4] Erhebliche Drohnenbestände kommen hinzu.

In der Region unter Druck

Über die materiellen Schäden hinaus drohen den Vereinigten Staaten erhebliche politische Probleme. Mit dem Überfall auf Iran am 28. Februar hatte sich Washington über eindringlich vorgetragene Plädoyers der arabischen Golfstaaten hinweggesetzt, den Krieg nicht zu starten. Mittlerweile sind wenigstens einige Golfstaaten bereit, auf eine weitere Missachtung ihrer Interessen mit praktischen Gegenmaßnahmen zu reagieren. Nachdem die Vereinigten Staaten zu Monatsbeginn Maßnahmen zur gewaltsamen Öffnung der Straße von Hormuz („Project Freedom“) einleiteten, sperrten Saudi-Arabien und Kuwait US-Stützpunkte auf ihrem Territorium – etwa die Prince Sultan Air Base südöstlich von Riad – und vor allem auch ihren Luftraum für einschlägige US-Militäroperationen. Dies veranlasste die US-Administration, „Project Freedom“ binnen kürzester Zeit wieder einzufrieren.[5] Vergangene Woche wurde berichtet, Trump habe neue Überlegungen, punktuelle Angriffe auf Iran wieder aufzunehmen, auf Intervention nicht zuletzt Saudi-Arabiens zurückgestellt. Riad habe darauf hingewiesen, ein Wiederaufflammen des Krieges während der aktuellen Hadsch werde den saudischen Staat vor gravierende logistische Schwierigkeiten stellen sowie für den US-Präsidenten zu einem dramatischen Imageschaden führen.[6]

Schlechtere Ausgangsbasis

Vor diesem Hintergrund hat die Trump-Administration in den vergangenen Tagen erkennen lassen, zu einer Art Rahmenvereinbarung mit Teheran bereit zu sein. Sie soll nach aktuellem Stand 60 Tage gelten und sieht eine Verlängerung des Waffenstillstandes sowie die Öffnung der Straße von Hormuz vor. Demnach sollen die Vereinigten Staaten die Blockade iranischer Häfen beenden, während Iran keine Gebühren mehr für die Durchfahrt durch die Meerenge erhebt. Verhandlungen über ein neues Atomabkommen sollen dabei vorläufig ausgeklammert und erst nach Inkrafttreten der neuen Rahmenvereinbarung gestartet werden. Unbestätigten Berichten zufolge könnte Teheran zudem bereit sein zu bestätigen, es strebe den Bau von Kernwaffen nicht an. Das ist freilich schon seit je die offizielle Position Irans. Eine darüber hinaus gehende Annäherung beider Seiten im Atomstreit zeichnet sich bislang nicht ab. Der deutsche Diplomat Hans-Dieter Lucas, der in die Verhandlungen über das Nuklearabkommen von 2015 involviert war, hat darauf hingewiesen, dass die Ausgangsbasis für künftige Gespräche durch den 2018 von Trump vollzogenen Ausstieg aus der damaligen Vereinbarung erheblich schlechter geworden ist: Heute verfüge Iran über mehr als 400 Kilogramm zu 60 Prozent angereicherten Urans; „damals war es sehr viel weniger. Das sagt alles.“[7]

Unklare Perspektiven

Völlig unklar sind nach wie vor die Perspektiven für einen etwaigen Einsatz der Deutschen Marine in der Straße von Hormuz. Iran beharrt unverändert darauf, die Straße von Hormuz in Zukunft zu kontrollieren. Demnach müssten Durchfahrten bei der neu geschaffenen Persian Gulf Strait Authority in Teheran beantragt und von ihr genehmigt werden.[8] Irans Regierung hat Berichten zufolge eine gebührenfreie Passage nur vorläufig für die Dauer der Verhandlungen über das neue Atomabkommen zugesagt. Selbst wenn sie im weiteren Verlauf der Gespräche dauerhaft auf Gebühren verzichten müsste, bliebe dennoch ihr Anspruch auf die Kontrolle des Seeweges erhalten. Dies wäre aus Sicht des Westens eine signifikante Verschlechterung seiner Position am Persischen Golf. Insbesondere wäre unklar, wie Berlin den angestrebten Einsatz deutscher Kriegsschiffe in der Straße von Hormuz legitimieren oder gar durchsetzen wollte, sollte Teheran auf der Kontrolle über die Meerenge beharren. Damit stünden die deutsch-europäischen Bestrebungen, per Marineeinsatz die ausschlaggebende Macht in der strategisch bedeutenden Wasserstraße zu werden, vor dem Scheitern.

 

[1] Mark F. Cancian, Chris H. Park: Last Rounds? Status of Key Munitions at the Iran War Ceasefire. csis.org 21.04.2026.

[2] Janis Mackey Frayer, Stella Kim, Jennifer Jett: China controls a metal that’s key for the Iran war, sending the U.S. on a global hunt for more. nbcnews.com 25.05.2026.

[3] Evan Hill, Jarrett Ley, Alex Horton, Tara Copp, Dan Lamothe: Iran has hit far more U.S. military assets than reported, satellite images show. washingtonpost.com 07.05.2026.

[4] Adam Entous, Maggie Haberman, Jonathan Swan: U.S. Intelligence Shows Iran Retains Substantial Missile Capabilities. nytimes.com 12.05.2026.

[5] Gulf states derailed Trump’s ‘Project Freedom’ by cutting US access to airspace and bases. middleeasteye.net 07.05.2026.

[6] Shafik Mandhai: Trump postponed US attack on Iran after ‘Hajj warning’. middleeasteye.net 20.05.2026.

[7] „Von den Iranern hieß es: Congratulations to Germany!“ ga.de 25.05.2026.

[8] S. dazu Die Öffnung der Straße von Hormuz (II).

Der Originalartikel kann hier besucht werden