Im Jahr 2025 wurden in 28 Ländern mindestens 358 dieser Verteidiger wegen ihrer friedlichen Arbeit getötet
Auf der ganzen Welt geben die mutigen Verteidiger von Menschenrechten (HRDs) oft die Richtung vor im Kampf gegen Ungerechtigkeit, benötigen aber die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft, um ihre lebensrettende Arbeit in einer zunehmend feindseligen Umgebung aufrechterhalten zu können, sagte Front Line Defenders am 14.06.2026 bei der Vorstellung seines repräsentativen Berichts.
Die Front Line Defenders Global Analysis 2025/26 bietet einen detaillierten Überblick über die im vergangenen Jahr weltweit in den verschiedensten Ländern an gefährdeten Verteidigern der Menschenrechte begangenen Übergriffe.
Der Bericht führt auch Statistiken auf, die von HRD Memorial – die von Front Line Defenders koordiniert wird – gesammelt und verifiziert wurden, und die die Tötung von mindestens 358 Verteidigern der Menschenrechte in 28 Ländern im Jahr 2025 dokumentieren. Die Länder mit der höchsten Anzahl dokumentierter Tötungen waren Kolumbien (165), Mexiko (43), Palästina (43), Brasilien (22) und Honduras (13). Am häufigsten ins Visier genommen waren Verteidiger, die sich für Land-, Umwelt- und Bauernrechte einsetzen (23,46 %); HRDs, die für die Rechte indigener Völker arbeiten (17,03 %); und diejenigen, die Verstöße in Konflikten dokumentieren (9,78 %). (Vollständige Daten finden Sie auf den Seiten 6-13.)
„Von drastischen Mittelkürzungen und tobenden Konflikten bis hin zu schleichender Repression selbst in den Ländern, die sie einst unterstützten – das Jahr 2025 war für die Verteidiger der Menschenrechte auf der ganzen Welt eine unglaublich herausfordernde Zeit“, sagte Alan Glasgow, CEO von Front Line Defenders.
„Die anhaltende Arbeit und der Mut der Verteidiger von Menschenrechten angesichts dieser Risiken übersteigt bei weitem das Maß an Schutz und Unterstützung, das ihnen zur Verfügung steht. Dies muss ein Weckruf für rechtsstaatliche Länder sein, mehr zu tun, um sie zu schützen und ihre furchtlose Arbeit zu unterstützen.“
„Die Verteidiger zeigen eine enorme Widerstandsfähigkeit, um die Menschenrechte zu wahren – wir schulden ihnen Dankbarkeit und Unterstützung, um ihren Kampf am Leben zu erhalten.“
Vielfältige Risiken für HRDs
Nach den Daten von Front Line Defenders gehörten weltweit willkürliche Festnahmen/Inhaftierungen weiterhin zu den am häufigsten gemeldeten Übergriffen gegen die Verteidiger der Menschenrechte, zusätzlich zu Drohungen/sonstigen Belästigungen, zu Überwachung, zu rechtlichen Schritten und zu Todesdrohungen (siehe eine detailliertere Aufschlüsselung auf den Seiten 14 – 21, aufgeschlüsselt auch nach Region und Geschlecht).
Weltweit waren die fünf am stärksten betroffenen Bereiche bei der Verteidigung von Menschenrechten: die LGBTIQ±Rechte (9,5 %); die Meinungsfreiheit (9,4 %); Frauenrechte (6,9 %); Menschenrechtsbewegungen (6,1 %) und Versammlungsfreiheit/Protestbewegungen (5,4 %). Obwohl sie für sich genommen jeweils nur einen kleineren Anteil ausmachen, machen Land-, Umwelt- und indigene Rechte zusammengenommen 8,7 % der Gesamtzahl aus.
Regional gesehen waren die am häufigsten gemeldeten Übergriffe gegen Verteidiger von Menschenrechten: willkürliche Festnahmen oder Inhaftierungen im Nahen Osten und Nordafrika (32,5 %) und im asiatisch-pazifischen Raum (16,1 %); Todesdrohungen in Amerika (24,2 %); Drohungen oder andere Belästigungen in Subsahara-Afrika (15,3 %); und rechtliche Schritte in Europa und Zentralasien (14,9 %).
Front Line Defenders dokumentierte auch eine breite Palette digitaler Bedrohungen gegen Verteidiger von Menschenrechten, darunter Online-Überwachung/Zensur, Online-Gewaltandrohungen oder Belästigung in sozialen Medien, Telefonüberwachung, Verhöre sowie die Beschlagnahmung oder Zerstörung ihrer Ausstattung.
Ein Angriffen ausgesetztes Ökosystem
Das vergangene Jahr erlebte eine stark zunehmende Welle von Angriffen auf die internationale regelbasierte Ordnung sowie die Schwächung der Systeme, Institutionen und Ressourcen, die den Menschenrechtsschutz lange gestützt haben. Einschneidende Kürzungen der öffentlichen Entwicklungshilfe in mehreren Ländern lösten eine schwere Finanzierungskrise in diesem Sektor aus – Front Line Defenders befragte 60 internationale und regionale zivilgesellschaftliche Organisationen, die berichteten, dass sie 2025 insgesamt 45 Millionen US-Dollar an direkter jährlicher Unterstützung von Schutzmaßnahmen verloren hatten.
Staaten in allen Regionen erließen neue repressive Gesetze – dazu gehören, unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung, der Spionageabwehr oder der nationalen Sicherheit, “Ausländische Agenten”-Gesetze oder andere repressive Maßnahmen – welche die Verteidiger von Menschenrechten weiter kriminalisierten oder ihre Arbeit erschwerten (eine Liste der restriktiven Gesetze ist auf den Seiten 69-75 verfügbar).
Die Kombination von einem repressiveren Umfeld und von Mittelkürzungen war in der Praxis spürbar: Verteidiger von Menschenrechten mussten ihre Arbeit einstellen und ihre Organisationen auflösen.
Stimmen der Entschlossenheit
Der Bericht enthält zahlreiche Aussagen von Verteidigern der Menschenrechte, in denen sie direkt über die Herausforderungen sprechen, denen sie gegenüberstehen.
Darunter sind Beiträge von Menschenrechtsverteidigern aus Guatemala, der Demokratischen Republik Kongo, Malaysia, Tunesien, Ecuador, Eswatini/Swasiland, der besetzten Westsahara sowie ägyptische Menschenrechtsverteidiger, die im Exil in Europa grenzüberschreitender Repression ausgesetzt sind.
Lutfiye Zudiyeva, eine prominente krimtatarische Menschenrechtsverteidigerin und Journalistin, die für ihre Arbeit kriminalisiert wurde, verfasste ein Vorwort zu dem Bericht, in welchem sie sagte:
„Damit diese Bewegung nachhaltig sein und langfristige systemische Veränderungen bewirken kann, brauchen wir konsequente Unterstützung von der internationalen Gemeinschaft, von Regierungen und von Bürgern. Verteidiger von Menschenrechten sollten unterstützt werden und in der Lage sein, ohne Angst zu leben und zu arbeiten, in dem Wissen, dass sie nicht allein sind.“
Die Übersetzung aus dem Englischen wurde von Fred Schumacher vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!










