„Die Technologische Republik“ ist der Titel eines Strategiepapieres des Big-Tech-Unternehmens Palantir, das vor einigen Wochen auf X veröffentlicht wurde (1). Sein Ziel ist es, endgültig die Vorstellung zu verankern, dass ein Technologieunternehmen in erster Linie auf der Grundlage des Militärsektors aufgebaut werden müsse.

Aus wirtschaftlicher Sicht folgt das Narrativ mehr oder weniger dem gängigen Drehbuch der heutigen Kapitalist:innen: die Vision einer neuen technologischen Ära, die die Beherrschung und den massiven Einsatz von Instrumenten und Technologien der neuesten Generation erfordert, von denen auch das Wachstum des Landes abhängen wird.

Die Grundidee ist einfach: Nach Jahren innovativer Prozesse, die Industrie und Technologie revolutioniert haben, muss auch das Silicon Valley eine moralische Schuld gegenüber den USA begleichen, und daraus entspringt das, was Palantir als „die Pflicht, an der Verteidigung der Nation mitzuwirken“ bezeichnet. Eine Pflicht, die das Unternehmen ausdrücklich auf die gesamte Bevölkerung ausweiten würde.

„Silicon Valley muss eine Rolle bei der Bekämpfung der gewalttätigen Kriminalität spielen. Viele Politiker in den Vereinigten Staaten haben diese im Grunde genommen mit einem Schulterzucken in Kauf genommen und jeden ernsthaften Versuch aufgegeben, das Problem in Angriff zu nehmen. Sie waren nicht gewillt, irgendwelche Risiken bei ihren Wählern oder Geldgebern einzugehen und Lösungen oder Experimente vorzuschlagen für das, was eigentlich ein verzweifelter Versuch hätte sein sollen, Menschenleben zu retten.“

Es geht also um die Idee, dass kapitalistische Monopole ihre Kontrolle der Bevölkerung über die Befugnisse des Staates hinaus und unabhängig von diesem ausweiten müssen. Vor diesem Hintergrund sind die zahlreichen Vereinbarungen zu sehen, die Palantir mit großen Unternehmen des Militärsektors abschließt, nicht zuletzt die mit Anduril (2). Diese Vereinbarung ermöglicht es, die Technologien von Palantir zu nutzen, um Verteidigungsdaten zu strukturieren, zu kennzeichnen und für die Implementierung nationaler Sicherheitssysteme vorzubereiten, die nicht nur der Überwachung ausländischer Bedrohungen, sondern ebenso der Überwachung der US-Bevölkerung dienen.

In dem Dokument von Palantir wird nämlich ein Land (die USA) beschrieben, das ständig bedroht ist und dem die Pflicht zur Aufrüstung sowie die Verantwortung für die Wirksamkeit jeder zeitnahen und präzisen militärischen Operation obliegt. Alles, was die technologische und militärische Vorherrschaft der USA stärkt, ist im Namen der nationalen Sicherheit willkommen, und Kritik oder Zögern jeglicher Art wird nicht geduldet. Die Idee der Nation und damit des Entstehens einer neuen nationalistischen Ideologie findet ihren Ausdruck in der Effizienz des technologischen und militärischen Apparats, weshalb alle Bürger:innen ihren Teil dazu beitragen müssen, damit der Krieg nicht allein den Berufssoldaten überlassen bleibe: „Der Wehrdienst soll eine allgemeine Pflicht sein.“

Es zeichnet sich also eine dystopische Gesellschaft ab, in der der Militär- und der Technologiesektor eine zentrale Rolle spielen werden, und in der jeder Wunsch der Streitkräfte erfüllt werden muss – wodurch er sofort zu einem Ziel von strategischer Bedeutung wird, an dem mit angemessenen Ressourcen und Mitteln, sowohl wirtschaftlicher als auch politischer und gesetzgeberischer Art, gearbeitet werden muss.

Das Dokument enthält noch weitere interessante Aspekte. Wir erinnern uns zum Beispiel an die Forderung der US-Rechten, die Soldzahlungen für Soldaten zu erhöhen und ihnen im Vergleich zu „normalen Sterblichen“ vergünstigte und erweiterte Gesundheits- und Sozialleistungen zu gewähren… Nun, genau diese Prinzipien finden wir in vollem Umfang bei Palantir wieder, das eine neue Zentralität des öffentlichen Sektors anstrebt – wobei unter „öffentlich“ nicht nur die traditionelle Militärmaschinerie zu verstehen ist, sondern auch die Unterordnung der Zivilverwaltung, die dieser zur Verfügung steht. Es handelt sich also nicht um ein Zeichen für einen erneuten Etatismus, sondern vielmehr um einen mehrschichtigen Prozess der Militarisierung der Gesellschaft.

Insgesamt ist die Botschaft von Palantir so vereinfachend, dass sie schon plump wirkt: Schluss mit komplizierten Botschaften und politischer Korrektheit. Und Schluss auch mit Toleranz und Offenheit. Die Gesellschaft, die es aufzubauen gelte, gleiche einer Festung, die von Feinden belagert werde und um jeden Preis verteidigt werden müsse, um eine neue Gesellschaft aufzubauen, in der KI und das Militär das Sagen haben sollen. Das „alte Amerika“ des New Deal sei tot und begraben, und die USA hätten sogar etwas gut bei der Welt, weil sie eine lange Ära des Friedens gefördert hätten – oder, wie es genannt wurde, „einen außergewöhnlich langen Frieden“.

Auch die Wiederaufrüstung Deutschlands und Japans sei durch die nach dem Zweiten Weltkrieg verhängte Abrüstung behindert worden, die viel zu lange angedauert und die Interessen der USA und Europas selbst geschädigt habe.

Nicht fehlen darf schließlich die schiere Verherrlichung Musks, der als eine Art Ritter der neuen Ära gesehen wird, geboren, um „der weit verbreiteten Intoleranz gegenüber dem religiösen Glauben in bestimmten Kreisen entgegenzuwirken. Die Intoleranz der Elite gegenüber dem religiösen Glauben ist vielleicht eines der deutlichsten Anzeichen dafür, dass ihr politisches Projekt als intellektuelle Bewegung weniger offen ist, als viele in ihren Reihen glauben machen wollen“.

Das Manifest von Palantir betont zudem die Notwendigkeit eines radikalen Wandels der Gesellschaftskultur selbst, wobei Demokratie und Pluralismus als völlig überflüssiger Luxus betrachtet werden: „Wir müssen der oberflächlichen Versuchung eines leeren, inhaltslosen Pluralismus widerstehen. Wir in Amerika und ganz allgemein im Westen haben uns in den letzten fünfzig Jahren im Namen der Inklusivität gegen die Definition nationaler Kulturen gewehrt. Aber Inklusion in was?“ Mag sein … aber ist es im Namen der Inklusivität, dass Palantir seit gut drei Jahren keinen einzigen Dollar an den Fiskus abführt? (3)

Die so vorgesehene militärisch-industrielle Technokratie stellt demnach eine echte Bedrohung für die individuelle Freiheit und die repräsentative Demokratie dar. Die Tatsache, dass ein multinationaler Konzern dies in einem für die breite Öffentlichkeit bestimmten Social-Media-Post zum Ausdruck bringen kann, ist ein besorgniserregendes Zeichen für die hegemonialen Möglichkeiten dieser Ideologie.

Weitere Informationen: https://grad-news.blogspot.com/2026/05/caffe-e-cornetto-il-manifesto-di.html

Federico Giusti, Emiliano Gentili

(1) Cfr. R. Agrawi, «Palantir» e l’alleanza tra capitale monopolistico ed estrema destra, 1 maggio 2026, https://contropiano.org/interventi/2026/05/01/palantir-e-lalleanza-tra-capitale-monopolistico-ed-estrema-destra-0194557.

(2) Cfr. Reuters, Palantir, Anduril sign partnership for AI training in defense, 6th December 2024, https://www.reuters.com/technology/artificial-intelligence/palantir-anduril-sign-partnership-ai-training-defense-2024-12-06/.

(3) Cfr. A. Cesana, Sono le tasse il vero “Anticristo” di Palantir, che non versa un dollaro al fisco da tre anni, 18 marzo 2026, https://altreconomia.it/sono-le-tasse-il-vero-anticristo-di-palantir-che-non-versa-un-dollaro-al-fisco-da-tre-anni/?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=NL18326ANS.

 

Die Übersetzung aus dem Italienischen wurde von Domenica Ott vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!