Das Weltzentrum für Humanistische Studien hat eine neue Arbeit von Tony Robinson mit dem Titel „Die komplexe posttraumatische Belastungsstörung aus der Perspektive der Psychologie von Silo“ veröffentlicht. Darin wird untersucht, ob die von Silo entwickelte Psychologie (Mario Luis Rodríguez Cobos) einen kohärenten phänomenologischen Rahmen zum Verständnis der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung (CPTBS) bieten kann.

Die Arbeit erscheint anlässlich des „Monats der Sensibilisierung für PTBS“ in einer Zeit, in der die langfristigen Folgen von Traumata in der Öffentlichkeit zunehmend Beachtung finden. Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation erleben schätzungsweise rund 70 Prozent der Menschen weltweit im Laufe ihres Lebens mindestens ein potenziell traumatisches Ereignis, und etwa 3,9 Prozent der Weltbevölkerung haben irgendwann in ihrem Leben eine PTBS durchlebt.

Die Arbeit entwickelt eine theoretische und interpretative Hypothese: Silos psychisches Schema kann dazu beitragen zu beschreiben, wie sich traumatische Erfahrungen innerhalb der Gesamtstruktur menschlicher Erfahrung organisieren und dabei Gedächtnis, Bild, körperliche Registrierungen, emotionales Klima, Aufmerksamkeit, Zukunftserwartungen, Verhalten und Beziehungen beeinflussen.

In seiner Arbeit argumentiert Robinson, dass Silos Konzepte von Bild, Klima, Umkehrbarkeit, Gedächtnis, Antwortzentren sowie des Gegenwarts- und Mitgegenwartfeldes eine geeignete Sprache bieten, um PTBS nicht als Ansammlung isolierter Symptome, sondern als Ausdruck einer umfassenderen psychischen Desorganisation zu verstehen.

Nach Ansicht des Weltzentrums für Humanistische Studien eröffnet die Arbeit neue Forschungsperspektiven zur Bedeutung der Psychologie von Silo im Umgang mit zeitgenössischen Fragen rund um Leiden, Trauma, Sinn und menschliches Handeln. Zudem trägt die Arbeit dazu bei, humanistisches Denken, Traumaforschung, Phänomenologie und theoretische Psychologie miteinander in Beziehung zu bringen.

Leticia García vom Koordinationsteam des Weltzentrums für Humanistische Studien erklärte: „Wir begrüßen diese Arbeit, weil sie die Psychologie des Bildes von Silo mit einer höchst aktuellen menschlichen Herausforderung in Beziehung setzt. Ohne den Anspruch zu erheben, bestehende klinische Ansätze zu ersetzen, bietet die Monografie eine Perspektive, die helfen kann zu verstehen, wie Traumata Erfahrung, Verhalten, Beziehungen und den Lebenssinn beeinflussen. Aus Sicht des Weltzentrums für Humanistische Studien zeigt diese Forschung, wie humanistisches Denken dazu beitragen kann, menschliches Leiden besser zu verstehen und Wege der Überwindung zu finden.“

Tony Robinson fügte hinzu: „Die komplexe posttraumatische Belastungsstörung kann verheerende Folgen für die Betroffenen und ihre Angehörigen haben, wird jedoch von Menschen, die nicht direkt davon betroffen sind, kaum verstanden. Besonders bemerkenswert an dieser Untersuchung ist für mich, dass Silos psychisches Schema eine elegante Möglichkeit bietet, die Symptome der CPTBS zu beschreiben. Es kann auch dazu beitragen zu erklären, warum aktuelle Traumatherapien, die mit Erinnerung, Bildern, körperlicher Aktivierung und Sinn arbeiten, wirksam sein können. Damit eröffnen sich interessante Forschungsansätze.“

Die Arbeit ist in spanischer und englischer Sprache verfügbar. Zudem steht eine deutsche Übersetzung von Silos Notizen zur Psychologie zur Verfügung.

Die Übersetzung aus dem Spanischen wurde von Kornelia Henrichmann vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!