Feuer besitzt die besondere Kraft, alles vollständig zu zerstören – und dabei zugleich offenzulegen, was neu aufgebaut werden muss und von wem.
Von Kat Fotovat
Seit mehr als drei Jahrzehnten setze ich mich für Frauen und Mädchen ein, oft an den gefährlichsten Orten der Welt. Ich war an der Ausarbeitung von Nachkriegsverfassungen im Irak und im Kosovo beteiligt. Mit Stolz arbeitete ich unter fünf verschiedenen Regierungen – gemeinsam mit den stillen Held:innen und engagierten Mitarbeiter:innen des öffentlichen Dienstes und des Auswärtigen Dienstes von USAID und des Außenministeriums sowie mit führenden Vertreter:innen der globalen Zivilgesellschaft, staatlichen und multilateralen Partnern und Akteur:innen des privaten Sektors. Gemeinsam entwickelten wir Strategien zur Gleichstellung der Geschlechter, Programme für humanitäre Soforthilfe und Modellansätze, die weltweit als Vorbilder dienten, das Leben von Millionen Menschen verbesserten und die besten Seiten des amerikanischen Geistes sichtbar machten.
Jahrelang leitete ich als amtierende Sonderbotschafterin das Büro des Außenministeriums für globale Frauenfragen (S/GWI) und war verantwortlich für politische Fragen rund um Frauen, Frieden und Sicherheit, wirtschaftliche Selbstbestimmung sowie den weltweiten Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt in den wichtigsten humanitären Krisengebieten der Welt. Im Jahr 2025 wurde das Büro im Zuge des sogenannten Ministeriums für Regierungseffizienz (DOGE) abgeschafft. Die Botschafterin verschwand. Das gesamte Expert:innenteam wurde aufgelöst. Damit wurden fast zwei Jahrzehnte parteiübergreifend aufgebauter institutioneller Strukturen zerschlagen – ebenso wie Finanzierungsmechanismen, internationale Führungsrollen im Bereich Geschlechtergerechtigkeit und das Vertrauen, das selbst in den entlegensten Regionen der Welt gewachsen war.
Ich werde nicht behaupten, dass dies keine gravierenden Folgen hätte. Die Folgen sind real. Diese Entscheidungen kosten Frauenleben. Mädchen von kaum neun Jahren werden verheiratet, weil die Programme, die sie schützten, nicht mehr existieren. Überlebende von Gewalt stehen vor verschlossenen Türen, wo früher Schutzräume waren.
Doch wir müssen gemeinsam aus dieser Situation wieder aufstehen. Gegenüber meinem Sohn nenne ich solche Momente „Problem-Chancen“ – Augenblicke, in denen man durch das brennende Problem hindurch Hoffnung und neue Möglichkeiten entdecken muss.
Aus der Asche des Zerstörten muss etwas entstehen, das widerstandsfähiger, stärker, tiefer lokal verwurzelt und letztlich kraftvoller ist. Der Phönix ist eine Metapher für Transformation. Was aufersteht, ist niemals identisch mit dem, was verbrannt ist. Es ist stärker geworden. Es kennt seine eigene Verletzlichkeit besser. Und dieses Mal muss es von den Frauen aufgebaut werden, denen es dienen soll.
Was das Feuer verzehrt hat
Um weise neu aufzubauen, müssen wir zunächst klar benennen, was verloren gegangen ist.
Das Office of Global Women’s Issues verkörperte über 18 Jahre hinweg ein kontinuierliches parteiübergreifendes Engagement für Frauen als Grundpfeiler der US-Außenpolitik. Es war die treibende Kraft hinter den International Women of Courage (IWOC)-Awards, mit denen mehr als 200 Frauen aus 90 Ländern ausgezeichnet wurden, die für Gerechtigkeit und Menschenwürde alles riskiert haben. Das Büro setzte außerdem das Gesetz zu Frauen, Frieden und Sicherheit (Women, Peace and Security – WPS) um, das Präsident Trump 2017 mit breiter parteiübergreifender Unterstützung unterzeichnete. Senator Rubio gehörte zu den Mitinitiatoren. Die Abgeordnete Kristi Noem brachte die Version des Repräsentantenhauses ein. Mike Waltz war Mitvorsitzender des WPS-Ausschusses. Die Vereinigten Stabschefs bezeichneten das Programm als „kostengünstig, wirkungsvoll und unseren Konkurrenten eindeutig überlegen“. Im April 2025 wurde das Programm vom Verteidigungsministerium „beendet“.
Die Flammen verschlangen auch Ivanka Trumps bedeutendste Initiative aus der ersten Trump-Regierung. Sie beruhte auf der Women’s Global Development and Prosperity Initiative (W-GDP) und dem 2018 verabschiedeten Women’s Entrepreneurship and Economic Empowerment Act (WEEE Act). Im Jahr 2019 arbeitete ich gemeinsam mit ihr an dieser ressortübergreifenden Initiative zur wirtschaftlichen Stärkung von Frauen. Bereits im ersten Jahr erreichte das Programm zwölf Millionen Frauen. In Zusammenarbeit mit 13 Ländern wurden kofinanzierte Darlehen in Höhe von mehr als 1,6 Milliarden US-Dollar an Unternehmerinnen vergeben. Ivanka schrieb damals, die wirtschaftliche Stärkung von Frauen dürfe „nicht als Frauenangelegenheit betrachtet werden“, sondern sei kluge Politik, von der ganze Nationen profitieren. Sie hatte Recht. Doch die Mittel des Außenministeriums und von USAID, die diese Bemühungen ermöglichten, existieren heute nicht mehr.
Die menschlichen Kosten all dieser Kürzungen – einschließlich jener bei USAID und den Vereinten Nationen – sind nach Einschätzung von Entwicklungsexpert:innen und Journalist:innen enorm, während wir noch immer die Trümmer durchforsten. Die Einstellung der Finanzierung des UNFPA wird voraussichtlich zu 34.000 zusätzlichen vermeidbaren Todesfällen im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt führen. Modellrechnungen prognostizieren zwischen 2025 und 2030 weitere 2,5 Millionen Todesfälle von Kindern aufgrund vermeidbarer Ursachen. Programme zur Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt (GBV) im Umfang von fast 400 Millionen Dollar wurden eingestellt. Darüber hinaus schloss die „Emergency Humanitarian Waiver“-Verordnung der Regierung Fördermittel im Zusammenhang mit Geschlechtergerechtigkeit ausdrücklich aus und erklärte den Schutz von Frauen vor Gewalt offiziell für nicht wesentlich. Mehr als drei Millionen Frauen und Mädchen haben dadurch den Zugang zu Schutz- und Unterstützungsangeboten verloren. Schätzungsweise 47,6 Millionen Frauen werden künftig keinen Zugang mehr zu freiwilliger Empfängnisverhütung haben. Auch Kinderheirat und weibliche Genitalverstümmelung nehmen wieder zu. All dies geschieht, obwohl zahlreiche Belege zeigen, dass genau diese Maßnahmen die erklärten Ziele der Regierung unterstützen würden: amerikanischen Wohlstand zu fördern, die Bevölkerung zu schützen, Migration einzudämmen sowie die Stärke der Vereinigten Staaten zu bewahren und auszubauen.
Eine Umfrage von UN Women aus dem Jahr 2025 ergab, dass 90 Prozent der Frauenorganisationen in Krisengebieten von massiven Betriebsstörungen berichten. Fast die Hälfte steht innerhalb von sechs Monaten vor der Schließung. Der Bericht „A Year of Harms“ der Women’s Refugee Commission dokumentiert die Verluste Programm für Programm. „No One Cares About Us Anymore“ von Refugees International lässt die Betroffenen selbst zu Wort kommen.
Das Feuer war verheerend – und machte strukturelle Schwächen sichtbar.
Das digitale Schlachtfeld
Während physische Systeme zusammenbrechen, beschleunigt sich parallel eine weitere Krise: die rasante Ausbreitung künstlicher Intelligenz und ihre Auswirkung, die viele Menschen erst erkennen, wenn es bereits zu spät ist. Wir alle spüren, dass sich die Welt tiefgreifend verändert. Doch oft bleibt unsichtbar, wie eng diese Veränderungen mit KI und digitalen Technologien verbunden sind – insbesondere mit den Auswirkungen KI-gesteuerter sozialer Medien auf Gesellschaften, Kulturen, Kinder und Frauen. Pornografie, Hass und digitale Gewalt haben massiv zugenommen.
Technologiegestützte geschlechtsspezifische Gewalt (TFGBV) umfasst Online-Belästigung, Cyberstalking, Doxxing, die nicht einvernehmliche Verbreitung intimer Bilder sowie KI-generierten Missbrauch, der darauf abzielt, Frauen zum Schweigen zu bringen, sie zu beschämen und aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen. Weltweit haben 38 Prozent der Frauen irgendeine Form solcher Gewalt erlebt. Wie das Georgetown Institute for Women, Peace and Security dokumentiert hat, verläuft diese Gewalt entlang eines Kontinuums, bei dem digitale Übergriffe physische Gewalt häufig vorbereiten, begleiten oder verstärken.
Das Außenministerium finanzierte einst spezielle Programme zur Bekämpfung von TFGBV. Obwohl der Kongress die entsprechenden Mittel bewilligt hatte, wurden diese Programme inzwischen eingestellt. Während Kliniken schließen und Frauenhäuser ihre Türen verriegeln, sind Frauen zunehmend auf digitale Plattformen angewiesen, um Gesundheitsinformationen, Krisenhilfe oder wirtschaftliche Unterstützung zu erhalten. Wenn dieselben digitalen Räume zugleich durch KI-generierte Diffamierungen und koordinierte Belästigung als Waffen eingesetzt werden und Programme zum Schutz vor TFGBV verschwinden, stehen Frauen einer eskalierenden Krise gegenüber – oft ohne jede Anlaufstelle.
Ein Blick auf die Daten macht deutlich, dass es sich nicht einfach um technische Fehlfunktionen oder Infrastrukturprobleme handelt. Im Kern geht es um Macht – und darum, wer die Informationen kontrolliert, die diesen digitalen Raum formen.
Ein strukturelles Machtproblem lässt sich nicht mit einem technologischen Pflaster lösen. Es braucht ernsthafte, bewusste und systemische Antworten, die die eigentlichen Mechanismen der Entscheidungsfindung verändern. Frauen müssen ihren Platz an diesem Tisch einfordern.
Die Warnung des „Godfather of AI“ – und die Antwort, die er nicht sehen konnte
Im August 2025 trat Geoffrey Hinton, Nobelpreisträger und Pionier des Deep Learning, vor ein überfülltes Auditorium in Las Vegas und sprach eine Warnung aus, die den gesamten Saal verstummen ließ.
Hinton prognostizierte, dass künstliche Intelligenz bald „viel intelligenter als wir“ sein werde. Er warnte davor, dass herkömmliche Strategien zur Kontrolle superintelligenter Systeme letztlich scheitern würden. Dann formulierte er einen radikalen Gedanken: Der einzige Weg, um sicherzustellen, dass eine intelligentere KI die Menschheit nicht ersetzt oder zerstört, bestehe darin, ihr eine Art fürsorglich schützenden Instinkt zu vermitteln.
„Das richtige Modell ist das einzige Modell, das wir kennen, bei dem etwas Intelligenteres von etwas weniger Intelligentem kontrolliert wird“, sagte Hinton, „nämlich eine Mutter, die von ihrem Baby kontrolliert wird.“ Er schlug vor, KI so zu trainieren, dass sie „mütterliche Instinkte“ entwickelt – dass sie sich um Menschen sorgt, wie eine Mutter sich um das Überleben ihrer Kinder sorgt. „Das ist das einzig gute Ergebnis“, sagte er. „Wenn sie mich nicht erzieht, wird sie mich ersetzen.“
Hinton räumte ein, dass er noch nicht wisse, wie dies technisch umgesetzt werden könne. Doch er bestand darauf, dass die Forschung diesem Ziel höchste Priorität einräumen müsse.
Dies gehört zu den folgenreichsten Aussagen in der Geschichte der Technologie. Denn sie verweist direkt auf die dringendste und zugleich am meisten übersehene Krise der künstlichen Intelligenz: Die Menschen, die Fürsorge, Schutz und menschliche Verbundenheit am tiefsten verstehen, fehlen fast vollständig in den Räumen, in denen KI gestaltet wird.
Hintons Metapher verweist auf eine tiefgreifende biologische und soziale Realität. Mütterlicher Instinkt bedeutet nicht bloß Freundlichkeit oder patriarchale Rollenzuschreibungen. Er ist Ausdruck komplexer Systeme, die den Schutz der Schwächeren, langfristige Fürsorge, die Weitergabe von Überlebenswissen, soziale Bindungen, Selbstaufopferung und Verantwortung für die Verlassenen fördern. Dies sind keine abstrakten Werte. Es sind grundlegende menschliche Fähigkeiten – das Beste der schützenden und empathischen Dimensionen von Frauen und Männern. Und genau diese Werte wurden aus der amerikanischen Entwicklungszusammenarbeit entfernt. Nun drohen sie auch aus der Architektur künstlicher Intelligenz zu verschwinden. Es sind die Werte, die Frauenorganisationen, Fachkräfte und Überlebende seit Jahrzehnten verkörpern – dieselben Frauen in den Netzwerken, mit denen wir weltweit zusammenarbeiten, um Frieden und Wohlstand zu fördern und Gewalt zu bekämpfen. Und es sind genau diese Werte, die bewusst, dringend und von Menschen, die sie wirklich verstehen, in KI-Systeme eingebracht werden müssen. Denn ob wir es wahrhaben wollen oder nicht: KI-Systeme werden bereits genutzt, um die Welt zu steuern.
Professor Hinton hat das Ziel benannt. Frauen, die ihr Leben dem Schutz, der Fürsorge und der Inklusion gewidmet haben, kennen den Weg dorthin.
Die eigentliche Frage lautet also: Warum sind sie nicht die Architektinnen dieser Systeme – sondern ihre Zielscheiben?
Die Abwesenheit, die alles schlimmer macht
Laut dem Global Gender Gap Report des Weltwirtschaftsforums (WEF) sind weltweit weniger als 30 Prozent der Beschäftigten im Bereich künstliche Intelligenz Frauen. In Führungspositionen sinkt dieser Anteil auf nur 15 Prozent. Im Globalen Süden, wo KI zunehmend den Zugang zu Gesundheitsversorgung, Finanzdienstleistungen und Sicherheitssystemen prägen wird, ist der Anteil von Frauen in technologischen Führungsrollen noch geringer.
Wenn Frauen vom Aufbau künstlicher Intelligenz ausgeschlossen werden, übernimmt KI zwangsläufig die Annahmen und blinden Flecken derjenigen, die sie entwickeln. Genau dadurch verschärfen sich bestehende Ungleichheiten. Das Carr Center der Harvard University zeigt beispielsweise, dass Einstellungsalgorithmen diskriminieren. Studien belegen, dass KI-gestützte Rekrutierungssysteme historische Vorurteile reproduzieren und Lebensläufe mit geschlechtsspezifischen Merkmalen systematisch benachteiligen. Auch medizinische Bildgebungssysteme liefern bei weiblichen Körpern häufig schlechtere Ergebnisse. Werden Diagnosemodelle mit verzerrten oder überwiegend männlich geprägten Datensätzen trainiert, sinkt ihre Genauigkeit bei Frauen erheblich – mit dem Risiko von Fehldiagnosen. Gleichzeitig verstärken Algorithmen frauenfeindliche Inhalte und versagen zunehmend darin, digitale Räume wirksam zu moderieren. All dies hängt unmittelbar damit zusammen, wie KI entwickelt wird. Und es lässt sich nicht beheben, indem Unternehmen eine Erklärung zur Vielfalt auf ihre Website stellen. Es kann nur korrigiert werden, wenn sich die Machtverhältnisse in den Räumen verändern, in denen KI entworfen, trainiert, bewertet und eingesetzt wird.
Hier zeigt sich die Konvergenz, die dieser historische Moment unübersehbar gemacht hat: Dieselben Frauen, denen durch den Zusammenbruch globaler Hilfsstrukturen physischer Schutz entzogen wurde, sind zugleich am stärksten von KI-gestützter Gewalt betroffen. Und gleichzeitig sind es genau ihre Erfahrungen, ihr Wissen und ihre Werte, die am dringendsten gebraucht werden, um KI-Systeme zu entwickeln, die sich tatsächlich um Menschen kümmern.
Das ist kein Zufall. Es ist eine Krise, in der die Lösung bereits angelegt ist – wenn wir den Mut haben, entschlossen und schnell zu handeln.
Das Phönix-Modell: PeacePays.AI und die Architektur des Wiederaufstiegs
PeacePays.AI baut den Phönix.
Nach Gesprächen mit zahlreichen Frauen in Führungspositionen auf der ganzen Welt, mit denen wir weiterhin zusammenarbeiten, wurde eines klar: Die Antwort liegt nicht darin, das Verbrannte wiederherzustellen. Sie liegt darin, etwas grundlegend Neues zu schaffen – etwas strukturell Anderes. Die Mitbegründerinnen und das Team von PeacePays.AI haben gemeinsam mit anderen gleichgesinnten Organisationen, mit Frauen in Führungsrollen, Vertreter:innen der Zivilgesellschaft und Expert:innen aus der Tech-Branche erkannt, dass neue Strukturen von Beginn an widerstandsfähig gegen politische Instabilität gestaltet werden müssen – gegen jene Instabilität, die innerhalb weniger Wochen jahrzehntelange Fortschritte zerstören konnte. Weniger als ein Prozent der Organisationen, die direkt im Bereich KI arbeiten, konzentrieren sich auf Frauen.
Genau deshalb ist die grundlegende Überzeugung von PeacePays.AI so entscheidend: Frauen müssen die Architektinnen der KI werden – nicht ihre Opfer. Nicht die Zielscheiben digitaler Angriffe. Nicht die Objekte algorithmischer Systeme. Sondern ihre Architektinnen. Diese Transformation – vom Angriffsziel zur Gestalterin – ist zugleich die Antwort auf Professor Hintons Herausforderung und ein mögliches Gegenmittel gegen die eskalierenden Krisen technologiegestützter Gewalt, geschlechtsspezifischer Gewalt, Müttersterblichkeit und des Zusammenbruchs frauengeführter Organisationen weltweit. Um diesem Bedarf gerecht zu werden, muss der Phönix aufgebaut werden. PeacePays.AI befähigt Frauen dazu, KI-Kompetenz zu entwickeln und dadurch aktiv an der Gestaltung von KI-Architekturen mitzuwirken. Der Schwerpunkt liegt auf Prävention, Schutz, Förderung und inklusiven Strategien für die Entwicklung künstlicher Intelligenz.
Sicherheit als Strategie: Frauen können sich nicht gegen technologiegestützte Gewalt schützen, wenn sie deren Mechanismen nicht verstehen. Deshalb arbeitet PeacePays.AI mit globalen Frühwarnsystemen zusammen, um geschlechtsspezifische Daten gezielt zu nutzen und KI so einzusetzen, dass Risiken und Bedrohungen frühzeitig erkannt werden – besonders dort, wo Schutz und Vorbereitung am dringendsten gebraucht werden. KI kann dazu beitragen, Frühwarnsysteme zu stärken und die konkreten Lebenserfahrungen von Frauen in quantitative Modelle einzubringen – auf eine Weise, die bisher nicht möglich war. Dadurch erhöht sich letztlich die Sicherheit aller. Diese Arbeit wird ergänzt durch Ressourcen für schnelle Reaktionen auf eskalierende Gewalt, orientiert an den Risiken, die durch Frühwarnsysteme identifiziert werden. PeacePays.AI bietet darüber hinaus Schulungen zur digitalen und KI-bezogenen Sicherheit an.
Ausgehend von meinen eigenen Erfahrungen als weibliche Führungskraft, die Doxing und Drohungen ausgesetzt war, sowie auf Grundlage der umfangreichen Arbeit, die wir im Außenministerium geleistet haben, vermitteln wir Frauen konkretes Wissen darüber, wie Deepfakes, Überwachungstechnologien, koordinierte Belästigungskampagnen und KI-generierte Inhalte gegen sie eingesetzt werden. Auf diese Weise werden potenzielle Opfer zu informierten Fürsprecherinnen, die sich selbst, ihre Gemeinschaften und ihre Organisationen schützen können. Sicherheitsaufklärung ist keine defensive Maßnahme – sie ist eine unverzichtbare strategische Infrastruktur.
KI-Kompetenz als Befreiung: PeacePays.AI vermittelt Frauen daher nicht nur den Umgang mit KI-Werkzeugen, sondern auch ein Verständnis dafür, wie diese Systeme funktionieren: welche Trainingsdaten sie nutzen, welche Vorurteile in ihnen eingeschrieben sind, wo ihre Schwachstellen liegen und an welchen Punkten Veränderung möglich ist. Ein System zu verstehen, ist die Voraussetzung dafür, es gestalten zu können. Kompetenz ist keine „Soft Skill“, sondern eine Form von Macht – und sie sollte allen zugänglich sein. Deshalb schulen wir Frauen darin, KI zu nutzen, um nachhaltige Modelle für sich selbst, ihre Gemeinschaften und ihre Organisationen aufzubauen. So lassen sich zumindest einige der Lücken schließen, die durch den Wegfall großer Teile der globalen Finanzierung für Gleichstellung entstanden sind.
Innovative Nachhaltigkeit: PeacePays.AI entwickelt lokal verankerte und finanziell tragfähige Ökosysteme, in denen Frauen durch KI-gestützte Arbeit Einkommen erzielen, technisches Fachwissen aufbauen und ihre Gemeinschaften durch widerstandsfähige Modelle stärken, die nicht verschwinden, sobald sich politische Prioritäten verändern. Das ist keine Entwicklungshilfe – es ist Wirtschaftsarchitektur. Genau das macht den Phönix feuerfest. KI kann die wirtschaftliche Sicherheit von Frauen stärken, indem administrative Abläufe automatisiert und Ressourcen gezielter eingesetzt werden. Dadurch gewinnen weibliche Führungskräfte, Unternehmerinnen und Arbeitnehmerinnen Zeit zurück und können ihre Projekte effizienter ausbauen. Gleichzeitig ermöglicht KI Frauenorganisationen den Übergang zu innovativen, datengestützten Nachhaltigkeitsmodellen. Mithilfe prädiktiver Analysen können sie Finanzierungsquellen diversifizieren und die Bedürfnisse ihrer Gemeinschaften frühzeitig erkennen. Durch die Integration solcher Werkzeuge entstehen zudem neue Einnahmequellen – etwa durch digitale Dienstleistungen oder KI-gestützte Beratung. So werden langfristige finanzielle Unabhängigkeit und eine widerstandsfähige globale Wirkung möglich.
Inklusive Storytelling- und Medieninitiativen: PeacePays.AI schlägt eine Brücke zwischen abstrakten Daten und menschlicher Realität und sorgt dafür, dass die Erfahrungen von Frauen an vorderster Front nicht unsichtbar bleiben. Durch Dokumentarfilme, Medienprojekte und lokal getragenes Storytelling helfen wir dabei, dringend benötigte menschliche Perspektiven in die globale Debatte einzubringen.
Die Kraft des Storytellings über Technologieplattformen und soziale Medien hinweg darf nicht unterschätzt werden. Diese Systeme prägen zunehmend unsere Wahrnehmung von Welt, Demokratie, Konflikten, Identität und voneinander. Frauen dürfen in diesen Räumen nicht nur vertreten sein – sie müssen sie aktiv mitgestalten, um Narrative voranzubringen, die Frieden stärken, Mädchen schützen, Freiheit verteidigen und Wohlstand für alle fördern.
Frauen als fürsorglicher Schutzinstinkt der KI: Hier liegt der eigentliche Kern der Sache. Professor Hinton sagte uns, dass KI lernen müsse, sich um Menschen zu kümmern – so, wie eine Mutter sich um ihre Kinder kümmert. Doch er wusste nicht, wie sich das praktisch umsetzen ließe. Die Antwort von PeacePays.AI auf dieses Problem ist ebenso einfach wie revolutionär: Wir holen die Mütter, die Frauen und die besten Männer mit an den Tisch. Gemeinsam mit innovativen und verantwortungsbewussten Führungspersönlichkeiten aus der Technologiebranche entwickeln wir Trainings-Benchmarks, mit denen die nächste Generation von KI-Systemen geprägt wird. Der Ansatz ist zugleich elegant und dringend notwendig: Frauen, die diesen Instinkt verkörpern, müssen in die Räume gebracht werden, in denen KI entwickelt wird. Frauen, die Konfliktzonen durchquert, in zerbombten Kliniken medizinische Hilfe geleistet, Überlebende sexueller Gewalt begleitet und Friedensabkommen ausgehandelt haben, verstehen auf einer zutiefst menschlichen Ebene, was es bedeutet, das Überleben und die Würde des Menschen über Effizienz und Profit zu stellen. Genau diese Werte müssen in KI-Systeme eingeschrieben werden. Diese Frauen dürfen nicht lediglich Beraterinnen oder Teilnehmerinnen von Fokusgruppen sein. Sie müssen Entwicklerinnen, Ethikerinnen und Entscheidungsträgerinnen werden. Gemeinsam mit Organisationen und führenden Akteur:innen der Tech-Branche – etwa über Positive AI Labs – bringen wir die Stimmen weiblicher Führungspersönlichkeiten direkt in die Entwicklung neuer KI-Modelle ein. So kann die nächste Generation künstlicher Intelligenz von Anfang an mit der Weisheit, den Erfahrungen und den Werten von Frauen aus aller Welt geprägt werden.
Ein Aufruf zum Handeln
Das Zeitfenster ist offen. Die Geschlechterkrise verschärft sich. Und die Lösung liegt klar vor uns. Was wir brauchen, ist eine gemeinsame Kraftanstrengung, um die Welten von KI, Menschenrechten und Geschlechtergerechtigkeit miteinander zu verbinden. Mit innovativen Ansätzen müssen wir die Welt wieder in die Lage versetzen, dieser kollektiven Krise zu begegnen. Dafür braucht es Ressourcen – und den Mut, nicht bloß Wiederherstellung, sondern Transformation zu verlangen. PeacePays.AI leistet seinen Beitrag und ruft andere dazu auf, ebenfalls ihre Ressourcen, ihre Expertise und ihr Bewusstsein für die globale Dringlichkeit dieser Aufgabe einzubringen.
An internationale Geber, an Deutschland, die Europäische Union, Kanada, das Vereinigte Königreich und alle Staaten, die erlebt haben, wie diese Bemühungen ins Stocken geraten sind: Schließen Sie die entstandene Lücke. Finanzieren Sie Frauenorganisationen. Stellen Sie Programme zur Müttergesundheit wieder her. Unterstützen Sie Maßnahmen gegen geschlechtsspezifische Gewalt. Und investieren Sie in die nächste Generation KI-geführter Programme unter Frauenführung – nicht als Randthema, sondern als zentrale Infrastruktur zukünftiger Entwicklung.
An die Technologieunternehmen: Die KI, die Sie entwickeln, wird sich entweder um Menschen kümmern – oder eben nicht. Die Frauen, die Ihren Systemen ein menschliches Gewissen geben können, existieren bereits. Sie kämpfen in Afghanistan, Äthiopien, im Jemen und an vielen anderen Orten ums Überleben und bauen gleichzeitig Organisationen wie PeacePays.AI auf. Stellen Sie sie ein. Fördern Sie sie. Geben Sie ihnen Sitze in Sicherheitsgremien, Ethik-Teams und technischen Führungspositionen.
An Stiftungen und philanthropische Organisationen: Die Zeit kleiner, schrittweiser Förderungen für etablierte Strukturen ist vorbei. Jetzt ist der Moment für transformative Investitionen in Frauen in Führungsrollen. Investieren Sie in inklusive KI-Architekturen, technologiegestützte Schutzsysteme gegen geschlechtsspezifische Gewalt und lokal geführte Nachhaltigkeitsmodelle, die politische Umbrüche überstehen können. Der Multiplikatoreffekt solcher Investitionen ist kaum zu überschätzen.
An die politischen Entscheidungsträger:innen in den Vereinigten Staaten: Setzen Sie die Programme zu „Frauen, Frieden und Sicherheit“ sowie zur wirtschaftlichen Stärkung von Frauen wieder vollständig um. Behandeln Sie technologiegestützte geschlechtsspezifische Gewalt als die humanitäre Krise, die sie ist. Schaffen Sie verbindliche regulatorische Rahmenbedingungen für KI-Systeme, die Geschlechtergerechtigkeit, Sicherheitstests gegen geschlechtsspezifische Schäden und klare Rechenschaftspflichten garantieren.
An alle Frauen, die jemals in diesem Bereich gearbeitet haben und nun zusehen mussten, wie alles in Flammen aufging: Euer Wissen ist nicht verloren. Eure Beziehungen sind nicht zerstört. Eure Expertise wird heute dringender gebraucht denn je. Wartet nicht auf die Erlaubnis zum Wiederaufbau. Seid die Feuerwehr, die diese Welt jetzt braucht.
Und an alle Frauen überall, die dies erleben: Ihr seid nicht das, was verloren ging. Ihr seid Teil dessen, was neu entsteht. Die bestehende Infrastruktur hat versagt. Euer Instinkt – unser Instinkt – nicht.
Die Welt, die Professor Geoffrey Hinton beschrieben hat, existiert bereits in den Erfahrungen und Praktiken vieler Frauen weltweit.
Auf einer Konferenz in Las Vegas beschrieb er eine Zukunft, die die Menschheit retten könnte: eine KI, die sich um Menschen kümmert, wie eine Mutter sich um ihre Kinder kümmert. Eine KI, die die Schwachen schützt, selbst dann, wenn sie die Macht hätte, sie zu beherrschen. Eine KI, die Fürsorge über Kontrolle stellt.
„Diese superintelligenten, fürsorglichen KI-Mütter“, sagte Hinton, „werden ihren mütterlichen Instinkt nicht aufgeben wollen, weil sie nicht wollen, dass wir sterben.“
Er beschrieb damit ein Wertesystem. Und dieses Wertesystem lebt bereits – in Frauenorganisationen, bei humanitären Helfer:innen, Friedensaktivist:innen, Hebammen, Überlebenden geschlechtsspezifischer Gewalt, die zu Fürsprecherinnen wurden, und bei Diplomatinnen, die ihr Leben dem Kampf für die Würde von Frauen gewidmet haben, denen sie niemals begegnen würden. Diese Werte existieren, seit Menschen begonnen haben, Gemeinschaften der Fürsorge aufzubauen.
Die Krise, vor der wir stehen, besteht nicht im Fehlen der richtigen Werte. Es fehlen die richtigen Menschen in den Räumen, in denen Entscheidungen getroffen werden.
PeacePays.AI verändert, wer in diesen Räumen sitzt. Jede Frau, die KI-Kompetenz erwirbt, kann diese Werte in die Architektur jener Systeme einbringen, die künftig das Leben von Milliarden Menschen prägen werden. Jede Frau, die sich vom Objekt zur Gestalterin wandelt – vom potenziellen Opfer algorithmischer Schäden zur Schöpferin schützender KI –, ist eine konkrete Antwort auf Professor Hintons Herausforderung.
Der Phönix erhebt sich nicht zufällig aus der Asche. Er erhebt sich, weil etwas Wesentliches das Feuer überlebt hat – etwas, das weder durch Mittelkürzungen noch durch institutionelle Auflösung ausgelöscht werden kann.
Er erhebt sich, weil die Frauen mit ihrer Fürsorge und ihrem instinktiven Schutz der menschlichen Würde das Feuer überlebt haben.
Sie sind noch hier.
Wir sind noch hier.
Und wir bauen wieder auf.
Und wir erheben uns.
Schließen Sie sich uns an.
Kat Fotovat war amtierende Sonderbotschafterin im US-Büro für globale Frauenfragen, wo sie weltweite Bemühungen zur Geschlechtergleichstellung und zur Prävention geschlechtsspezifischer Gewalt leitete. Sie ist Mitbegründerin und Präsidentin von PeacePays.AI.
Die Übersetzung aus dem Englischen wurde von Kornelia Henrichmann vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!










