Das Interview bietet einen lebendigen Überblick über die Mission und internationale Reichweite des Internationalen Uranium-Filmfestivals, das derzeit in Rio de Janeiro stattfindet. Moderiert von David Andersson, bringt das Gespräch den Festivalgründer Norbert Suchanek, die Filmemacherin Zoe Gordon und den spanischen Aktivisten und Forscher José Herrera Plaza zusammen, um über Atomenergie, radioaktive Kontamination, indigene Kämpfe und die Rolle des Kinos bei der Bewusstseinsbildung zu diskutieren.
Norbert Suchanek erklärt, dass das Festival 2010 aus der Sorge heraus gegründet wurde, dass Katastrophen wie Tschernobyl in Vergessenheit geraten, während Staaten wie Brasilien den Ausbau nuklearer Projekte vorantrieben. Ziel des Festivals war, eine öffentliche Plattform für Filme zu schaffen, die sich mit Uranabbau, radioaktiver Kontamination, Atomwaffen, Atommüll und Atomenergie befassen – Themen, die im Mainstream-Kino oder Fernsehen selten gezeigt werden. In den letzten fünfzehn Jahren hat sich das Festival zu einem internationalen Netzwerk entwickelt und veranstaltet Events nicht nur in Rio, sondern auch in Berlin, Indien, der Navajo Nation, Portugal, Amman und bald möglicherweise in Madrid und Las Vegas.
Ein zentraler Teil der Diskussion konzentriert sich auf Zoe Gordons Film The Moth, eine dystopische fiktive Arbeit, die sie gemeinsam mit der indigenen Filmemacherin Michelle Derosier inszeniert hat. Der Film thematisiert die Pläne zum Bau eines massiven, tiefengeologischen Endlagers für Kanadas Atommüll im Nordwesten Ontarios, im Gebiet des Vertragsgebiets Treaty 3 der First Nations. Gordon beschreibt das Projekt als eine weitere Form des anhaltenden Kolonialismus, bei dem wirtschaftlich benachteiligte und indigene Gemeinschaften unter Druck gesetzt werden, gefährliche Nuklearinfrastruktur im Austausch für finanzielle Entschädigung und Jobversprechen zu akzeptieren.
Sie erklärt, dass das geplante Endlager etwa 136.000 Tonnen hochradioaktiven Abfall aufnehmen würde, der täglich über gefährliche Straßen transportiert wird – über Jahrzehnte hinweg. Ein Großteil des Abfalls stammt aus Südontario, nahe großer urbaner Zentren wie Toronto, wird aber in entlegene indigene Gebiete verlagert, anstatt in der Nähe der Bevölkerung gelagert zu werden, die von der Atomenergie profitiert. Gordon kritisiert den Zustimmungsprozess: Gemeinden entlang der Transportrouten wurden von Entscheidungen ausgeschlossen, und die wirtschaftlichen Versprechen des Projekts überlagern ernsthafte Umwelt- und Gesundheitsbedenken.
Das Interview beleuchtet auch breitere Debatten über die Wirtschaftlichkeit der Atomenergie. Sowohl Andersson als auch Gordon argumentieren, dass die Nuklearindustrie zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten gerät, da erneuerbare Energien billiger werden, was Regierungen und Konzerne dazu veranlasst, neue Technologien wie kleine modulare Reaktoren zu fördern, um die Rentabilität des Sektors zu erhalten.
Im späteren Teil des Interviews spricht José Herrera Plaza über Broken Arrow und thematisiert so den 60. Jahrestag des Atomunfalls von Palomares, der sich nahe des Dorfes Palomares (Spanien) ereignete, als zwei US-Militärflugzeuge mit Wasserstoffbomben in der Luft kollidierten und dadurch die Region mit Plutonium kontaminierten. Herrera kritisiert sowohl die spanische als auch die US-Regierung dafür, das Ausmaß der Katastrophe jahrzehntelang verharmlost zu haben. Seinen Angaben zufolge behaupteten offizielle Darstellungen fälschlicherweise, dass fast das gesamte radioaktive Material entfernt worden sei, während in Wirklichkeit große kontaminierte Gebiete sogar bis heute gesperrt bleiben.
Er erklärt weiter, dass die Bewohner von Palomares jahrzehntelang unwissentlich einer Langzeit-Überwachung der Strahlenbelastung im Rahmen des geheimen „Projekts Indalo“ unterzogen wurden, wodurch die lokale Bevölkerung ohne Transparenz oder angemessene Rechenschaftspflicht zu Versuchsobjekten der Nuklearforschung wurde. Herrera prangert das anhaltende Fehlen einer vollständigen Umweltsanierung und das politische Schweigen an, das die Katastrophe in Spanien umgibt.
Während des gesamten Gesprächs betonen die Teilnehmer die Bedeutung von unabhängigem Kino und kulturellem Aktivismus, um sich mit Nuklearthemen auseinanderzusetzen, die von Regierungen und großen Medien oft marginalisiert werden. Das Festival erscheint nicht einfach als Filmveranstaltung, sondern als internationaler Treffpunkt für Künstler, Forscher, indigene Stimmen und Anti-Atom-Aktivisten, die daran arbeiten, die menschlichen, ökologischen und politischen Folgen der radioaktiven Industrien sichtbar zu machen.
Das Interview endet mit einer Einladung von Norbert Suchanek an das weltweite Publikum, zukünftige Festivalausgaben zu besuchen und weiterhin Bemühungen zu unterstützen, das Bewusstsein für Uranabbau, Atommüll, Atomwaffen und die mit der Nuklearindustrie verbundenen globalen Gefahren zu schärfen.
https://uraniumfilmfestival.org/en/rio-2026-program
Die Übersetzung aus dem Englischen wurde von Fred Schumacher vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!
Das Gespräch auf Englisch:










