Die fünfte Vollversammlung des Humanistischen Weltforums, die unter dem Leitgedanken „Mit gemeinsamen Aktionen voranschreiten, um eine Welt aufzubauen, die auf Solidarität und Gewaltfreiheit basiert“ stand, ging am Sonntag, dem 24. Mai, zu Ende.
In einem beeindruckenden Ausdruck gelebter Vielfalt kamen Humanist:innen aus allen Kontinenten zusammen, um ihre gemeinsame Arbeit fortzusetzen und eine Welt ohne Diskriminierung und Gewalt in all ihren Formen aufzubauen.
Diese Vielfalt zeigte sich auch in der Beteiligung unterschiedlichster gesellschaftlicher Bereiche. Vertreter:innen von Basisorganisationen, Wissenschaftler:innen, Künstler:innen, Pädagog:innen, Landwirt:innen sowie Aktivist:innen aus feministischen Bewegungen, Friedensinitiativen und der Politik kamen zwei Tage lang zusammen, um über die nächsten Schritte dieses dauerhaft tätigen Forums zu beraten.
Das große Interesse an der Versammlung spiegelte sich in mehr als 500 Anmeldungen aus 52 Ländern wider. Die Veranstaltung wurde gemeinsam mit dem Weltweiten Netzwerk der Universitäten für Innovation und Führung (WUNI-L) organisiert. Dessen Präsident, Dr. Robert Frederick Hayden, begrüßte die Teilnehmenden mit einer Botschaft der Unterstützung und betonte die Bedeutung von Netzwerken und internationalen Allianzen in der heutigen Zeit.
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Erfahrungen der fünften Versammlung
Nach einer feierlichen Eröffnung wurden die wichtigsten Aktivitäten seit dem letzten Treffen vorgestellt.
Im Themenbereich Musik, Kunst und Kultur berichtete die Mentorin Tracey Kadada (Kenia) in einem lebendigen Vortrag von der Reise einer Delegation aus Künstler:innen, Journalist:innen und Landwirt:innen durch Tansania, Sambia und Malawi. Die Initiative stand unter dem Motto „Afrika ohne Grenzen“ und umfasste Besuche und Veranstaltungen in Bildungs-, Kultur- und religiösen Einrichtungen sowie Begegnungen mit Kindern, ländlichen Gemeinschaften und lokalen Organisator:innen.
Ein besonders bewegender Moment war die Verlesung des Erfahrungsberichts eines jungen Mannes in Haft, der an einem Programm teilnimmt, das seit mehreren Jahren von Mitgliedern der Humanistischen Bewegung und Gemeinschaften der Botschaft Silos in verschiedenen argentinischen Haftanstalten durchgeführt wird.
Ein ähnliches Programm existiert auch in Kenia. Unter dem Namen „Hinter Gittern“ arbeiten dort Gruppen des Humanistischen Weltforums in mehreren Gefängnissen zu Themen wie innerer Entwicklung, Bildung und dem Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt. In dem Bericht von Josefina Salazar, Rose Neema und Dorothy Adenga wurde eine tiefe menschliche Verbundenheit spürbar, die geografische Entfernungen überwindet. Ihre Botschaft des Mitgefühls, der Versöhnung und der inneren Öffnung richtete sich sowohl an die Inhaftierten als auch an die Menschen, die in diesen Einrichtungen arbeiten.
Besonders inspirierend war auch die Arbeit von Pädagog:innen aus verschiedenen Regionen Lateinamerikas. Ihre Erfahrungen und Bildungsprojekte werden in Form von „Geschichten für Frieden und Gewaltfreiheit“ – inzwischen fast vierzig an der Zahl – vom Arbeitskreis Bildung des Forums gesammelt. Carlos Crespo aus Ecuador, der den Arbeitskreis gemeinsam mit Dorothy Adenga koordiniert, betonte die Fortschritte bei der Erforschung und Entwicklung eines neuen humanistischen Bildungsparadigmas.
Im Themenfeld der globalen systemischen Krise nahm die Versammlung Berichte aus verschiedenen Weltregionen entgegen. Samuel Ochieng sprach über die Situation junger Studierender in Afrika, während Ruth Karume auf geschlechtsspezifische Gewalt und Femizide aufmerksam machte, die das Leben und die Zukunft vieler Frauen weiterhin stark beeinträchtigen.
Aus Europa zeichnete der ehemalige isländische Innenminister Ögmundur Jonasson die Geschichte der Friedensbewegungen nach und appellierte eindringlich an eine breite Mobilisierung der Bürger:innen, um Aufrüstung und Kriege zu stoppen.
Joaquín Locatti, Mitglied des Arbeitskreises für Wirtschaft und universelles Grundeinkommen des Forums, beschrieb die Situation in Lateinamerika als geprägt von „der Konzentration von Reichtum und Macht in den Händen von Regierungen, die den Interessen der Eliten dienen, einem hohen Maß an Korruption, der Schwächung öffentlicher Politik sowie einer Krise der politischen Repräsentation und Manipulationen durch ausländische Mächte“.
David Andersson aus Nordamerika betonte, dass die aktuelle Krise in den Vereinigten Staaten als systemische Krise verstanden werden müsse, die mit dem Kampf um globale Macht, geopolitische Kontrolle und die Neuordnung internationalen Einflusses verbunden sei.
Während ein bedeutender Teil der Bevölkerung weiterhin vom bestehenden System profitiere, vertiefe sich die soziale Ungleichheit zunehmend. Die Armen würden immer ärmer, während sich der Reichtum in den oberen gesellschaftlichen Schichten konzentriere. Gleichzeitig wies der humanistische Aktivist darauf hin, dass „die Oppositionsbewegungen wachsen und sich Millionen von Menschen für Themen wie Demokratie, Migrationspolitik und soziale Rechte mobilisieren“.
Die Darstellung der globalen Krise gipfelte in der Vorführung des Videos „AsiaSpeaks“, in dem Menschen aus Pakistan, Bangladesch, Indien, Indonesien und den Philippinen zu Wort kamen. Unterstützt durch eindrucksvolle Zahlen schilderten Lehrende und Studierende die bedrückende Lage der Bevölkerung ihrer Länder angesichts der Kriege, die von den Regierungen Israels und der Vereinigten Staaten in Westasien entfesselt wurden.
Anschließend wurden Worte von Silo eingeblendet, dem Begründer des Neuen Humanismus. Vom Gründungsort der Bewegung in der Nähe der Anden aus hatte er die dringende Notwendigkeit betont, Humanist:innen weltweit zu vereinen, um die Mauern einzureißen, die sich den höchsten menschlichen Bestrebungen entgegenstellen.
Als Beitrag zur gemeinsamen Reflexion erläuterte Lía Méndez, Koordinatorin des Arbeitskreises Menschenrechte des Forums, die sechs Grundpunkte der humanistischen Haltung und ihres Handelns in der Welt.
Diese Haltung stellt den Menschen als zentralen Wert in den Mittelpunkt. Sie bekräftigt die Gleichheit aller Menschen und erkennt zugleich die persönliche und kulturelle Vielfalt an. Darüber hinaus fördert sie jede Tendenz zur Erweiterung des Wissens über die Grenzen hinaus, die dem Denken durch Vorurteile auferlegt werden und allzu oft als absolute oder unveränderliche Wahrheiten erscheinen.
Die humanistische Haltung verteidigt die Freiheit von Ideen und Überzeugungen. Gleichzeitig lehnt sie nicht nur physische Gewalt ab, sondern prangert auch wirtschaftliche, rassistische, sexuelle, geschlechtsspezifische, institutionelle, religiöse, moralische und psychologische Gewalt an, die in vielen Regionen der Welt tief im Alltag verwurzelt sind.
Schlussfolgerungen
Die Debatten der fünften Vollversammlung des Humanistischen Weltforums mündeten schließlich in eine gemeinsame Abschlusserklärung. Gleich zu Beginn wird darin eine zentrale Überzeugung formuliert: „Der Weg zur Universellen Menschlichen Nation wird nicht aus den Palästen der etablierten Macht kommen, sondern Tag für Tag von der Basis unserer Gesellschaft aus aufgebaut.“
Weiter heißt es: „Die Menschenwürde ist der höchste Wert, der über jede Grenze, jedes Wirtschaftssystem, jede politische Ideologie und jede künstliche Spaltung hinausgeht. Frieden ist nicht nur die Abwesenheit von Krieg, sondern die aktive Präsenz von Gerechtigkeit, Inklusion, gegenseitigem Respekt und sozialer Verantwortung. Die Veränderung der Welt muss Hand in Hand gehen mit der inneren Veränderung jedes Einzelnen, die sich in den Beziehungen zu unserer Umwelt widerspiegelt.“
Im Hinblick auf die zukünftige Ausrichtung wurden zwölf zentrale Handlungsfelder benannt, die das konkrete humanistische Handeln an der sozialen Basis leiten sollen. Dazu gehören die Überwindung sozialer Isolation, die vollständige Abschaffung von Atomwaffen und die Förderung schrittweiser Abrüstung, ein neues Verständnis von Gerechtigkeit, die ethische Verankerung von Technologie sowie der Einsatz von Sport, Musik und Kunst als universelle Sprachen des Friedens.
Von grundlegender Bedeutung sei es außerdem, so die Erklärung, die Jugend als Architekt:innen der Universellen Menschlichen Nation zu stärken, religiöse Vielfalt und Spiritualität zu feiern, humanistische Initiativen sichtbar zu machen und dafür zu sorgen, dass sich Geschichten der Hoffnung ebenso schnell verbreiten wie Nachrichten von Konflikt und Hoffnungslosigkeit. Ebenso wichtig sei der Einsatz für die Rechte von Menschen mit Behinderungen, damit niemand ausgeschlossen wird und jede Person ihre Fähigkeiten in die Gesellschaft einbringen kann.
Präsenz in Zeiten von Katastrophen zu zeigen sowie Basisnetzwerke und internationale Solidaritätsbewegungen zu stärken, gehört ebenfalls zu den Aufgaben, die besonderes gemeinsames Handeln erfordern.
Abschließend schlägt die Erklärung im Sinne einer gleichzeitigen individuellen und gesellschaftlichen Transformation vor, jedem Menschen mit Offenheit und aufrichtiger Aufmerksamkeit zu begegnen, die individuelle, soziale und spirituelle Dimension jedes Menschen anzuerkennen, sich auf das zu stützen, was verbindet, und Kohärenz als Lebensweise anzunehmen, indem Gewaltfreiheit, Empathie und Nichtdiskriminierung im Alltag praktiziert werden. Letztlich geht es darum, das persönliche und kollektive Leben an der Goldenen Regel auszurichten, die in allen Kulturen zu finden ist und dazu einlädt, andere so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte.
Die kraftvolle Erklärung endet mit einer ebenso klaren wie ermutigenden Botschaft: „Die Universelle Menschliche Nation ist kein fernes Ideal – wir bauen sie bereits auf. Wir warten nicht darauf, dass sich die Welt von selbst verändert. Wir selbst sind es, die, indem wir Solidarität über Gleichgültigkeit und Menschlichkeit über Systeme stellen, das Gewebe einer neuen Gesellschaft entstehen lassen.“
Ein Einfluss, der über Grenzen hinausreicht
Die Auswirkungen humanistischer Aktionen reichen weit über die einzelnen Aktivitäten hinaus. Einige Erfahrungsberichte, die während und nach der Versammlung eingingen, machen dies besonders deutlich.
Dr. Tanan Jargalsaikhan aus Ulan Bator, der Hauptstadt der Mongolei, sandte eine Botschaft, aus der wir hier einige Auszüge wiedergeben: „Vielen Dank für die inspirierende Gelegenheit, an der fünften Vollversammlung des Humanistischen Weltforums teilzunehmen. Für mich als neue Teilnehmerin war es eine zutiefst bedeutsame und anregende Erfahrung.
Besonders beeindruckt haben mich die thematischen Debatten über Bildung und die Vielfalt der Perspektiven, die von Teilnehmenden aus verschiedenen Regionen der Welt eingebracht wurden. Die Gespräche über globale Instabilität, menschenzentrierte Entwicklung, Bildung, künstliche Intelligenz, kulturelles Gedächtnis, Solidarität an der Basis und internationale Zusammenarbeit waren inspirierend und intellektuell bereichernd.“
Dr. Bela-o von den Philippinen ergänzte: „Wie in den antiken römischen Städten, in denen die Foren außerhalb der Dörfer und Städte Orte des Handels, des Austauschs von Ideen, der Kunst und der freien Begegnung waren, strebt auch das Humanistische Weltforum nach einem Raum des offenen Austauschs von Erfahrungen und bewährten Praktiken auf dem Weg zu einer freien, gewaltfreien und humaneren Gesellschaft.
Die Humanist:innen setzen sich für eine Universelle Menschliche Nation ein – frei von Gewalt in all ihren Formen, in der die universellen Menschenrechte überall respektiert und durchgesetzt werden und in der für die zwischenmenschlichen Beziehungen die Regel gilt: ‚Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden möchtest.“
Die Übersetzung aus dem Spanischen wurde von Kornelia Henrichmann vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!










