Das Manifest „Ein anderer Frieden ist möglich“ wird von Einzelpersonen und Gruppen getragen, die sich den antimilitaristischen Kämpfen der Vergangenheit und Gegenwart verbunden fühlen. Es wurde bei der Versammlung der 15M-Bewegung anlässlich ihres 15-jährigen Bestehens an der Puerta del Sol in Madrid sowie in weiteren Städten Spaniens verlesen. Wir rufen alle Gruppen und Personen, die mit seinem Inhalt übereinstimmen, dazu auf, es zu verbreiten und zu unterzeichnen. Wir hoffen, dass es dazu beiträgt, angesichts eines entfesselten Militarismus, der unsere Gegenwart und Zukunft belastet, vom Reden zum Handeln überzugehen.
Manifest für Frieden, Entmilitarisierung und Ungehorsam
Wir, die Unterzeichnenden dieses Manifests — Pazifist:innen, Antimilitarist:innen, Aktivist:innen der Kriegsdienstverweigerung und der Wehrpflichtverweigerung, Beteiligte sozialer und gewerkschaftlicher Bewegungen sowie Menschen aus Bildung und Kultur — appellieren an die Zivilgesellschaft, eine gemeinsame und unaufschiebbare Verantwortung zu übernehmen: den Wunsch nach Frieden in eine politische Kraft zu verwandeln, die die militärische Ordnung grundsätzlich infrage stellt, die uns unter dem Deckmantel der Sicherheit aufgezwungen wird. Wir suchen keine passive Zustimmung, sondern eine bewusste Mobilisierung gegen die Grundpfeiler eines Regimes des permanenten Krieges: die Aufrüstung, die Militarisierung des öffentlichen Lebens und die kulturelle Normalisierung von Gewalt.
- Der Aufstieg der Militarisierung und der Trugschluss des „bewaffneten Friedens“
Wir erleben eine alarmierende Zunahme von Aufrüstungspolitiken — von der NATO und der EU bis hin zur spanischen Regierung —, die eine Doktrin, die auf Herrschaft und kapitalistischer Logik beruht, als „Frieden“ darstellen. Uns wird gesagt, Sicherheit hänge von Militärausgaben, der Vorbereitung auf den Krieg und der Stärkung mächtiger Armeen ab. Doch die Anhäufung von Waffen und Tötungstechnologien, einschließlich künstlicher Intelligenz für militärische Zwecke, macht uns weder freier noch sicherer: Sie verschärft die Zerbrechlichkeit des Lebens, beschleunigt die Zerstörung der Ökosysteme und schürt Konflikte weltweit.
Der Krieg beginnt hier — in neokolonialen Politiken, in der Militärindustrie, die wir exportieren, in den Bündnissen, die wir aufrechterhalten, und in der Legitimation der bewaffneten Ordnung. Wenn wir Frieden wollen, müssen wir Friedensstrukturen aufbauen und nicht den Krieg vorbereiten.
- Die strukturelle Gewalt des Kapitalismus
Der Krieg ist weder ein Unfall noch eine Ausnahme: Er ist der extreme Ausdruck eines Systems, das auf die Ausbeutung von menschlicher Arbeit, ökologischer Zerstörung, rassistischer Ungleichheit und patriarchaler Gewalt beruht. Der Militarismus ist der bewaffnete Arm eines Modells, das Territorien, Bevölkerungen und Ressourcen kontrollieren muss. Heute gibt es mehr als fünfzig bewaffnete Konflikte, angeheizt von Mächten, die die Rüstungsindustrie als wirtschaftlichen Motor fördern. Die USA, die EU und andere Akteure betreiben einen militärischen Keynesianismus, der ein kriselndes System auf Kosten menschlicher Leben und zerstörter Territorien rettet.
- Die Verantwortung des spanischen Staates
Spanien steht dieser Entwicklung nicht fern. Auch wenn sich die Regierung in pazifistische Rhetorik hüllt, treibt sie die Militärausgaben auf Rekordhöhe, unterstützt ausländische Militärbasen, beteiligt sich an Interventionsoperationen und gehört weiterhin zu den wichtigsten Waffenexporteuren. Dadurch werden wesentliche Mittel von Gesundheit, Bildung und dem ökologischen Wandel abgezogen.
Wir lehnen die Erzählung ab, die „legale“ Kriege normalisiert und verlangt, soziale Rechte im Namen militärischer Verpflichtungen zu opfern. Dieser „Frieden“ ist kein Frieden: Er dient der Aufrechterhaltung des Status quo.
- Ein anderer Frieden ist möglich
Dem Trugbild eines bewaffneten Friedens setzen wir die Überzeugung entgegen, dass ein anderer Frieden möglich ist — ein Frieden mit Inhalt, Wurzeln und Perspektiven: ein Arbeiterfrieden, gegründet auf wirtschaftlicher Gerechtigkeit, sozialen Rechten und dem Kampf gegen Ausbeutung; ein ökologischer Frieden, der auf ökologische Verantwortung und dem Schutz des Lebens beruht; ein feministischer Frieden, der Patriarchat und strukturelle Gewalt überwindet; ein politischer und widerständiger Frieden, antikapitalistisch, strukturell, kulturell und gewaltfrei; ein antiautoritärer und gesellschaftlicher Frieden, aufgebaut auf Selbstorganisation, Horizontalität und Kooperation; ein antimilitaristischer und ungehorsamer Frieden, gegründet auf zivilem Widerstand und gewaltfreier Verteidigung menschlicher Sicherheit; ein antiimperialistischer Frieden, solidarisch mit unterdrückten Völkern; ein antirassistischer und antikolonialer Frieden, der Würde und Rechte von Migrant:innen verteidigt; ein Frieden, der Gemeingüter schützt, gerechten Zugang garantiert und tödliche Güter verbietet; und schließlich ein kultureller Frieden, der kooperative Praktiken, gewaltfreie Konfliktlösung und emanzipatorische Bildung fördert.
Dieser Frieden ist mit der Logik des bewaffneten Friedens unvereinbar. Wir setzen auf einen transformativen Frieden, der den Militarismus durch gewaltfreie Kooperation ersetzt.
- Für eine Strategie des Ungehorsams und des pazifistischen Widerstands
Um den notwendigen Frieden aufzubauen, reichen die alten diplomatischen Rezepte nicht aus. Es braucht einen Paradigmenwechsel:
- Vom reaktiven „Nein zum Krieg“ hin zu einer umfassenden Infragestellung des Militarismus, zur Forderung nach Abschaffung der Armeen und zur Umwandlung der Rüstungsindustrie in eine zivile, gesellschaftlich nützliche Industrie;
- die Verbindung von Widerstand gegen den Krieg mit zivilem Ungehorsam;
- das Eintreten für soziale und politische Entmilitarisierung;
- die Förderung einer Agenda des „Transarmaments“.
- Formen des Handelns
Die breite Bewegung, die wir aufbauen wollen, wird sozialen, wirtschaftlichen, arbeitsbezogenen, kulturellen und politischen Widerstand gegen den Militarismus leisten — durch Strategien wie Boykott, Desinvestition, Nichtzusammenarbeit, Steuerverweigerung, ethische Anklage, Wehrpflichtverweigerung, öffentliche Anprangerung, gewaltfreie Aktion, die Rückgewinnung militarisierter Räume, die Förderung wirtschaftlicher und gemeinschaftlicher Alternativen, die Unterstützung von Deserteur:innen und Opfern, Friedenserziehung, die Beteiligung an feministischen, ökologischen, antirassistischen und antikolonialen Kämpfen sowie internationale Solidarität mit jenen, die sich dem Krieg widersetzen.
- Die Perspektive des Transarmaments
Wir schlagen eine gemeinsame Agenda des Transarmaments vor: einen Prozess der Übertragung von Ressourcen, Fähigkeiten und Legitimität vom militärischen Modell hin zu einem alternativen Modell menschlicher und ökologischer Sicherheit. Das ist keine naive Utopie, sondern eine Notwendigkeit. Der Schutz des Lebens wird bereits heute durch Praktiken der Kooperation, gegenseitigen Hilfe und des gewaltfreien Widerstands verwirklicht.
Ein anderer Frieden ist möglich, weil er in unseren täglichen Kämpfen bereits existiert.
Wir rufen insbesondere die jüngeren Generationen, die entmutigten Aktivist:innen und die gesamte Gesellschaft dazu auf, die Lähmung durch Angst zu überwinden. Es ist Zeit zu handeln, dem Krieg und seiner Vorbereitung Widerstand zu leisten.
Wir laden alle Organisationen und Menschen dazu ein, dieses Manifest zu unterzeichnen und es zu einem Werkzeug des Widerstands auf den Straßen, an den Arbeitsplätzen sowie in öffentlichen und kulturellen Räumen zu machen.
Die Übersetzung aus dem Spanischen wurde von Kornelia Henrichmann vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!










