Vom 6. bis 8. Mai fand in Cebu (Philippinen) der 48. ASEAN-Gipfel – der Verband Südostasiatischer Nationen – statt, bei dem auch die Krise Myanmars auf der Tagesordnung stand. Bereits zur Eröffnung des Gipfels forderte die Sondergesandte der ASEAN für Myanmar, die philippinische Außenministerin Theresa Lazaro, die Möglichkeit, sich mit der birmanischen Oppositionsführerin zu treffen, und forderte zudem, dass auch ihre Familie sie besuchen dürfe.

Mehr Transparenz über ihre Haftbedingungen wäre ein konkretes Zeichen des Engagements für nationale Versöhnung. Die Militärjunta hat diesen Appell bislang jedoch ignoriert. Die Forderung stellt in Wirklichkeit eine direkte Herausforderung für den amtierenden Präsidenten Min Aung Hlaing dar, der Aung San Suu Kyi nach einem weithin als manipuliert angesehenen Gerichtsverfahren und auf Grundlage fingierter politischer Vorwürfe inhaftiert hält. Wie könnte er Sondergesandten oder Außenministern erlauben, sich mit ihr zu treffen, wo sie doch aus erster Hand weiß, was tatsächlich geschehen ist?

Die Versammlung vermied es, die jüngsten Wahlen in Myanmar offiziell anzuerkennen, nach denen sich Min Aung Hlaing selbst zum Präsidenten erklärte. Das Land befindet sich weiterhin in einer tiefen humanitären Krise. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) warnte davor, dass das Ausmaß des Hungers inzwischen inakzeptable Dimensionen erreicht habe. Kinder und Mütter überleben häufig nur mit äußerst mangelhaften Nahrungsmitteln, oft beschränkt auf Reis oder wässrige Suppen.

Die Beziehung zwischen der birmanischen Oppositionsführerin und den Generälen

Seit 1988, erinnert der leitende Kolumnist Kyaw Zwa Moe, prägten internationale Zeitungen den Ausdruck „Die Schöne und das Biest“, um die Beziehung zwischen Aung San Suu Kyi und den Generälen zu beschreiben, die sie verfolgten – eine Beziehung, die von einem ständigen Ringen geprägt ist, was sich bereits im Titel dieses Artikels widerspiegelt. In diesem Bild steht „die Schöne“ zweifellos für sie selbst, aber auch für all jene Birmanen, die an Demokratie, Menschenrechte und Gerechtigkeit glauben. Das „Biest“ sind die Generäle, die sie in diesem langen Kampf zwischen dem birmanischen Volk und dem Militär brutal und ohne Unterlass unterdrückt haben – einem Kampf für Demokratie und gegen die seit mehr als sechzig Jahren herrschende Diktatur.

Aung San Suu Kyi hat in diesen 38 Jahren Gefängnis, Schikanen, unaufhörliche Angriffe und sogar Attentatsversuche gegen ihr Leben ertragen. Trotzdem blieb sie stets standhaft und eine moralische Bezugsperson. Währenddessen verfolgten die Generäle weiterhin Studenten, Aktivisten und Politiker. 1991 gingen sie sogar so weit, die Führungsmitglieder ihrer Partei – der Nationalen Liga für Demokratie (NLD) – zu zwingen, sie aus der Partei auszuschließen, anderenfalls drohte der Partei das endgültige Verbot. Ihre Parteikollegen fügten sich widerwillig – mit Zustimmung der eigenen Vorsitzenden.

Die Generäle haben die internationale Öffentlichkeit immer wieder mit neuen Täuschungsmanövern manipuliert. Ihr jüngster Schritt, datiert auf den 30. April 2026, besteht darin, ihre Haft als einen Akt der Milde darzustellen, indem sie diese als „Hausarrest“ bezeichnen, obwohl es sich in Wirklichkeit um eine verschleierte Form der Inhaftierung handelt.

Schon die Formulierung der Bekanntmachung entlarvt ihre politische Strategie: Es handelt sich nicht um eine Frau, die in ihrem Haus lebt, sondern um eine Gefangene, die in einer „zugewiesenen Residenz“ festgehalten wird – ein administrativer Euphemismus, der eine tatsächliche Inhaftierung verschleiert.

Aung San Suu Kyi war für die Generäle stets ein Dorn im Auge. Sie konnten sie weder auf unbestimmte Zeit einsperren noch in Freiheit lassen. Zeitweise dachten sie darüber nach, sie loszuwerden, indem sie sie des Landes verwiesen. Als ihr Ehemann 1999 wiederholt darum bat, seine Frau sehen zu dürfen, wurde ihm dies verweigert. Stattdessen bot man ihr an, ihn in England, in Oxford, zu besuchen. Doch danach hätte sie nicht mehr nach Burma zurückkehren dürfen. Sie lehnte das Angebot ab, um bei ihrem Volk zu bleiben, und ihr Ehemann starb, ohne dass sie sich ein letztes Mal hätten sehen können.

Bis heute hat sie insgesamt 2000 Tage im Gefängnis verbracht – auch wenn dies offiziell als „Hausarrest“ bezeichnet wird –, behandelt wie eine gewöhnliche Straftäterin. Seit fünf Jahren werden ihr Besuche von Anwälten und Familienangehörigen verweigert. Oft wurde sie mit Nelson Mandela verglichen, doch ihr Schicksal ist in Wirklichkeit ein anderes. Nelson Mandela wurde nach 27 Jahren Haft freigelassen, während sie dreimal verhaftet und dreimal freigelassen wurde – nur um erneut inhaftiert zu werden. Vier Jahre nach seiner Freilassung wurde Nelson Mandela Präsident Südafrikas und bewies damit, dass das Land tatsächlich einen Weg der nationalen Versöhnung eingeschlagen hatte. Aung San Suu Kyi hingegen wurde vier Jahre nach ihrer Ernennung zur Staatsrätin erneut verhaftet, womit der demokratische Prozess abrupt beendet wurde. Die Wahrheit ist, dass das Land niemals wirkliche Reformen eingeleitet hat; die militärische Macht blieb im Wesentlichen unverändert. Burma hat keinen Übergangs- und Versöhnungsprozess durchlaufen, wie ihn Südafrika erlebt hat. Selbst 2016, als die Nationale Liga für Demokratie die erste zivile Regierung seit Jahrzehnten bildete, behielten die Generäle die tatsächliche Kontrolle über das Land.

Diese fortdauernde Macht des Militärs wurde im Ausland lange unterschätzt. Die internationale Unterstützung für das demokratische Experiment beruhte auf der Vorstellung, dass sich die Generäle tatsächlich zurückgezogen hätten – was jedoch nie geschah. Als dieses fragile Gleichgewicht zerbrach, setzte sich die Militärstruktur erneut mit voller Härte durch und gipfelte schließlich in der Verhaftung der Staatsrätin und dem endgültigen Zusammenbruch jener politischen Öffnung.

„Der Kampf für die Demokratie ist noch sehr lang, und Myanmar befindet sich heute in den Händen einer kleinen Gruppe skrupelloser Generäle“, kommentiert Kyaw Zwa Moe, Chefredakteur von „The Irrawaddy“ (einem unabhängigen birmanischen Medium). „Aung San Suu Kyi wird erst freigelassen werden, wenn die Junta es für politisch opportun hält.“

Die Übersetzung aus dem Italienischen wurde von Kornelia Henrichmann vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!