Die Abhängigkeit von fossiler Energie kommt Bäuer*innen und Verbraucher*innen teuer zu stehen – in Deutschland und weltweit. Die Bundesregierung muss ihre rückwärtsgewandte Politik stoppen. Die Lösungen liegen längst auf dem Tisch.
Mit großer Sorge blicken wir auf den Krieg im Nahen Osten. Angriffe auf die Zivilbevölkerung haben bereits Tausende Menschenleben gefordert, zudem wurden Straßen, Krankenhäuser und Märkte zerstört. Die Folgen der völkerrechtswidrigen Militärschläge sind auch global spürbar: Steigende Öl- und Gaspreise drohen eine neue Ernährungskrise auszulösen. Treibstoff verteuert sich so stark, dass Ernten nicht mehr zum Markt gelangen. Unterbrochene Lieferketten führen zu Engpässen in importabhängigen Ländern und erschweren den Transport von Hilfsgütern.
Auch die Nahrungsmittelproduktion wird vielerorts unbezahlbar: Erdgas macht bis zu 80 Prozent der Kosten für Stickstoffdünger aus – dem weltweit meistgenutzten Dünger. Die Folge sind Ernährungsunsicherheit und Hunger.
Diese Krise kommt nicht überraschend. Das industrielle Agrar- und Ernährungssystem ist stark abhängig von fossiler Energie und globalen Lieferketten. Preisschwankungen auf dem Weltmarkt treiben die Lebensmittelpreise und treffen besonders Menschen in Armut. Profitieren tun vor allem große Importeure und Düngemittelkonzerne.
Die Existenz von Landwirt*innen sichern wir nicht durch verbilligten Dünger und Diesel. Entscheidend ist, die Abhängigkeit von Stickstoffdüngern deutlich zu reduzieren. Wir brauchen eine Transformation hin zu agrarökologischen Systemen mit lokalen Stoffkreisläufen – etwa durch den Ausbau des Ökolandbaus.
Ernährungssicherheit erfordert ökologische Landwirtschaft und starke regionale Strukturen, nicht die Profite der fossilen Industrie. Dazu gehören auch Maßnahmen gegen Nährstoffüberschüsse: In viehdichten Regionen übersteigt die Menge an Wirtschaftsdünger die Aufnahmefähigkeit der Flächen – mit Folgen für Grundwasser, Böden und Klima.
Zudem werden rund 60 bis 70 Prozent der Ackerflächen in Deutschland für Futtermittel genutzt. Übermäßiger Fleischkonsum fördert damit ineffiziente Flächennutzung und hohen Düngemitteleinsatz. Eine Ernährungswende hin zu mehr pflanzlichen Lebensmitteln und weniger Verschwendung ist daher zentral für eine krisensichere Agrarpolitik.
Die Bundesregierung setzt stattdessen auf Exportförderung, Freihandelsabkommen und eine stärkere Abhängigkeit vom Weltmarkt. Sie begünstigt Überdüngung, mehr Pestizide und kürzt Mittel für Entwicklungszusammenarbeit. Dieser Kurs verschärft Krisen, statt sie zu lösen.
Krisensichere Ernährungssysteme basieren auf regionalen Wertschöpfungsketten und möglichst geringer Abhängigkeit vom Weltmarkt. Deshalb fordern wir:
* Ernährungssicherheit und das Recht auf Nahrung stärken durch agrarökologische Ansätze, regionale Wertschöpfung und lokale Kreisläufe – Schluss mit der exportorientierten Agrarpolitik!
* Betriebe und Höfe unterstützen durch mehr Mittel für Umwelt-, Klima- und Tierschutz, insbesondere im Rahmen der EU-Agrarpolitik (GAP)
* Ernährungsarmut bekämpfen durch höhere Regelsätze und Maßnahmen gegen steigende Lebensmittelpreise
* Internationale Verantwortung wahrnehmen durch mehr Mittel für humanitäre Hilfe, die Stärkung des UN-Welternährungsausschusses (CFS) und eine menschenrechtsbasierte Entwicklungszusammenarbeit
Seit über 15 Jahren setzt sich das „Wir haben es satt!“-Bündnis für eine sozial gerechte Agrar- und Ernährungswende ein. Es fehlt nicht an Konzepten oder Expertise – weder in der Landwirtschaft noch in der Zivilgesellschaft. Jetzt ist die Bundesregierung gefordert, den überfälligen Kurswechsel hin zu einer krisensicheren, zukunftsfähigen Landwirtschaft einzuleiten.
Das Bündnis vereint rund 60 Organisationen aus Landwirtschaft, Umwelt-, Klima- und Tierschutz sowie Entwicklungszusammenarbeit und demonstriert seit 2011 für eine sozial gerechte Agrar- und Ernährungswende.










